Neurologie in Göttingen: Eine Bewertung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und anderer Einrichtungen

Die Neurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit Erkrankungen des Nervensystems befasst. Dazu gehören das Gehirn, das Rückenmark, die peripheren Nerven und die Muskulatur. In Göttingen und Umgebung gibt es verschiedene Einrichtungen, die neurologische Behandlungen anbieten. Dieser Artikel beleuchtet die Neurologie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und gibt eine allgemeine Übersicht über neurologische Kliniken und Praxen in der Region.

Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Spitzenmedizin in Niedersachsen

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat sich als einer der führenden Anbieter neurologischer Versorgung in Niedersachsen etabliert. Dies wird durch verschiedene Rankings und Auszeichnungen belegt.

Auszeichnungen und Rankings

Die UMG konnte ihre Position in wichtigen Krankenhaus-Rankings kontinuierlich verbessern. Im Ranking „Gute Klinik für mich“ des Magazins ‚stern‘ stieg die UMG um zwei Plätze auf Rang 22 von 2.400 bewerteten Krankenhäusern und Kliniken in Deutschland. Im F.A.Z.-Ranking „Deutschlands beste Krankenhäuser“ behauptete die UMG ihren ersten Platz in Niedersachsen. Innerhalb der 31 Kategorien des Rankings, von Chirurgie über Kardiologie bis Neurologie, zählen allein zwölf Fachkliniken der UMG zu den Top-Kliniken in Deutschland.

Schwerpunkte der Neurologischen Klinik

Besonders hervorzuheben ist die Klinik für Neurologie der UMG. Im Ranking des Magazins ‚stern‘ wurde die Klinik in den Kategorien Alzheimer, Multiple Sklerose, Parkinson und Schlaganfall gleich viermal unter den Besten gelistet. Dies unterstreicht die hohe Expertise der Klinik in der Behandlung dieser neurologischen Erkrankungen. Auch die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UMG wurde im selben Ranking dreimal in den Bereichen Alzheimer, Depression und Angststörungen ausgezeichnet. Für den Schwerpunkt Alzheimer wurde zusätzlich die Klinik für Geriatrie im Ranking aufgeführt.

Engagement und Qualität

Prof. Dr. Lorenz Trümper, ehemaliger Vorstand Krankenversorgung der UMG, betonte die Bedeutung des hohen Qualitätsanspruchs, der an der UMG gelebt wird. Er hob hervor, dass diese Ergebnisse nur durch das Engagement und die exzellente Arbeit der Mitarbeitenden möglich sind. Die UMG ist Südniedersachsens einziger Maximalversorger und erzielt in ihren Schwerpunkten Neurowissenschaften, Herz-Kreislaufforschung und Onkologie regelmäßig herausragende klinische Forschungsergebnisse. Ein besonderer Fokus liegt auf dem translationalen Ansatz, also der Übertragung klinischer Grundlagenforschung in neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden für Patient*innen.

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Neurologische Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Neurologie umfasst ein breites Spektrum an Erkrankungen. Zu den häufigsten und wichtigsten neurologischen Erkrankungen gehören:

  • Schlaganfälle: Plötzliche Durchblutungsstörungen des Gehirns, die zu neurologischen Ausfällen führen können.
  • Epilepsien: Anfallsartige Funktionsstörungen des Gehirns.
  • Bewegungsstörungen: Erkrankungen, die die Bewegungsabläufe beeinträchtigen, wie z.B. Morbus Parkinson.
  • Multiple Sklerose (MS): Eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems.
  • Neuromuskuläre Erkrankungen: Erkrankungen, die die Nerven und Muskeln betreffen.
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems.
  • Schwindel- und Schmerzerkrankungen: Chronische Schmerzzustände und Gleichgewichtsstörungen.

Diagnostik und Therapie

Die neurologische Diagnostik umfasst eine Vielzahl von Untersuchungsmethoden, darunter:

  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Messung der elektrischen Aktivität von Gehirn, Nerven und Muskeln (z.B. EEG, EMG, Evozierte Potentiale).
  • Bildgebende Verfahren: Darstellung von Gehirn und Rückenmark (z.B. CT, MRT).
  • Doppler- und Duplexsonographie: Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße.
  • Liquordiagnostik: Untersuchung des Nervenwassers.

Die Therapie neurologischer Erkrankungen ist vielfältig und richtet sich nach der jeweiligen Diagnose. Sie kann medikamentöse Behandlungen, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und in einigen Fällen auch operative Eingriffe umfassen.

Weitere neurologische Einrichtungen in der Region

Neben der UMG gibt es in Göttingen und Umgebung weitere Einrichtungen, die neurologische Versorgung anbieten. Dazu gehören niedergelassene Neurologen, neurologische Praxen und andere Krankenhäuser mit neurologischen Abteilungen.

Klinik für Neurologie am Diako Mannheim

Auch wenn nicht direkt in Göttingen gelegen, ist die Klinik für Neurologie am Diako Mannheim ein Beispiel für eine gut ausgestattete neurologische Klinik. Sie bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten. Die Klinik verfügt über eine zertifizierte Schlaganfallstation (Stroke Unit) zur Akutbehandlung von Schlaganfällen und bietet einen 24-stündigen neurologischen Bereitschaftsdienst an 365 Tagen im Jahr. Die medizinisch-technische Ausstattung umfasst alle elektrophysiologischen apparativen Untersuchungsmethoden, die extra- und transkranielle Doppler- und Duplexsonographie einschließlich der Nerven- und Muskelsonographie sowie die fiberendoskopische Schluckdiagnostik (FEES).

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Fort- und Weiterbildung

Die Klinik für Neurologie am Diako Mannheim ist Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und bietet Medizinstudenten im praktischen Jahr (PJ) und Famulanten die Möglichkeit, ihre ersten Erfahrungen in der Neurologie zu sammeln. Neben einem internen Fortbildungscurriculum finden regelmäßig ärztliche Fortbildungen in Kooperation mit den niedergelassenen Neurologen statt. Im Fach Neurologie besteht die volle Weiterbildungsermächtigung (48 Monate).

Kritik am Gesundheitssystem und die Initiative "Mensch vor Profit"

Die Qualität der medizinischen Versorgung wird nicht nur durch die Kompetenz der Ärzte und die Ausstattung der Kliniken bestimmt, sondern auch durch die Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems. Die Initiative "Mensch vor Profit", die von über 2800 Ärztinnen und Ärzten im stern unterstützt wird, kritisiert die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens und fordert eine Rückbesinnung auf das Wohl der Patient*innen. Die Unterzeichner des Appells bemängeln, dass wirtschaftliche Zwänge zunehmend ärztliche Entscheidungen beeinflussen.

Unterstützung aus verschiedenen Bereichen

Die Initiative wird von zahlreichen Organisationen und Einzelpersonen unterstützt, darunter Ärzteorganisationen, Fachgesellschaften, Berufsverbände, Patientenorganisationen und Angehörige anderer Gesundheitsberufe. Die Liste der Unterstützer umfasst unter anderem die Ärztekammer Niedersachsen, den Berufsverband Deutscher Neuroradiologen e.V., die Deutsche Schlaganfallgesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V.

Personalisierte Medizin in der Onkologie: Ein Beispiel für innovative Therapieansätze

Ein Beispiel für innovative Therapieansätze, die auch in der Neurologie zunehmend an Bedeutung gewinnen, ist die personalisierte Medizin. Prof. Anna Lena Illert, die seit dem 1. Oktober eine Professur an der TU München innehat, forscht auf dem Gebiet der personalisierten Onkologie. Sie entwickelt individuelle, zielgerichtete Therapien, die auf die spezifischen Eigenschaften jeder Tumorerkrankung abgestimmt sind. Ihr Fokus liegt dabei auf den molekularen Mechanismen der Krebsentstehung, insbesondere Tyrosinkinasen. Die Entschlüsselung dieser Mechanismen eröffnet neue Wege für gezielte Therapien.

Translationale Onkologie

Illert betont die Bedeutung der translationalen Onkologie, also der Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Versorgung. Sie hat maßgeblich den Aufbau der Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) in Deutschland vorangetrieben und leitet die bundesweite Arbeitsgruppe „Molekulare Tumorboards“ des Deutschen Netzwerkes für Personalisierte Medizin.

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