Die neurologische Versorgung in der Region Tübingen und Freiburg zeichnet sich durch ein breites Spektrum an Diagnose- und Therapiemöglichkeiten aus. Von der Akutversorgung bei Schlaganfällen bis zur spezialisierten Behandlung chronischer neurologischer Erkrankungen steht den Patient:innen eine Vielzahl von Expert:innen und Einrichtungen zur Verfügung. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die neurologischen Schwerpunkte in diesen Regionen, wobei besonderes Augenmerk auf die Versorgungseinrichtungen in Tübingen und Freiburg gelegt wird.
Neurologische Versorgung in Tübingen
In Tübingen finden sich mehrere Anlaufstellen für neurologische Patient:innen. Dazu gehören sowohl niedergelassene Ärzt:innen als auch Kliniken mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen in Tübingen
Eine Vielzahl von niedergelassenen Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen in Tübingen bieten neurologische und psychiatrische Versorgung an. Hier eine Auswahl:
Dres. med. Martin und Ruge: Diese örtliche Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) bietet allgemeinmedizinische Versorgung mit Zusatzbezeichnungen in Intensivmedizin und Notfallmedizin. Dr. Julia Martin hat zudem Genehmigungen für Palliativmedizin und spezielle DMP-Programme. Die Praxis ist rollstuhlgerecht zugänglich und verfügt über ein rollstuhlgeeignetes WC sowie einen Behindertenparkplatz.
Dres. med. Asenbauer und Koll.: Diese Praxis bietet neurologische Versorgung durch Dr. Christiane Asenbauer und Dr. Johannes Rieger.
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Dr. med. Elif Çaliskan-Erle: Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Psychotherapie. Sie bietet unter anderem Hypnose und tiefenpsychologisch fundierte Einzeltherapie an. Ihre Praxis ist barrierearm.
Dipl.-Psych. Ursula Gangl: Psychologische Psychotherapeutin.
Dr. med. Irmtraud Wettach: Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
Universitätsklinikum Tübingen und das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
Die Neurologische Universitätsklinik Tübingen bildet zusammen mit dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung eines der größten und modernsten Zentren für Neurologie in Deutschland. Diese Kooperation ermöglicht medizinische Behandlung und Forschung auf internationalem Spitzenniveau. Durch die breite interdisziplinäre Basis können Erkenntnisse aus der Forschung schnell in die klinische Anwendung überführt werden.
Neurologische Versorgung in Freiburg
Auch in Freiburg gibt es ein breites Angebot an neurologischer Versorgung.
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Loretto-Krankenhaus Freiburg
Das Loretto-Krankenhaus ist seit über 100 Jahren ein wichtiger Teil der Patientenversorgung im Großraum Freiburg. Es genießt überregionales Renommee in den hochspezialisierten Zentren für Orthopädische Chirurgie und Urologie und bietet zudem ein breites Fachspektrum mit leistungsstarker Innerer, Geriatrischer, Anästhesie- und Intensivmedizin. Seit Juli wird mit der neu gegründeten Sektion Schmerztherapie das medizinische Angebot gezielt ausgebaut.
Neurologie Freiburg
Dank ihrer Funktion als Portaleinrichtung der Klinik für Neurologie und Neurologie Freiburg ist bei komplexen Fällen auch eine unkomplizierte Weiterversorgung im Neurozentrum der Uniklinik Freiburg gewährleistet.
Diagnostische Verfahren in der Neurologie
Zur Diagnostik neurologischer Erkrankungen stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:
Elektroenzephalografie (EEG): Hierbei werden Hirnströme durch auf die Kopfhaut aufgebrachte Elektroden abgeleitet und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht.
Neurografie: Mit Stromimpulsen werden periphere motorische und sensible Nerven stimuliert. Die Nervenleitgeschwindigkeit und die Amplitude geben Aufschluss über die Lokalisation, das Ausmaß und die Ursache einer Nervenläsion.
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Elektromyografie (EMG): Die Muskelaktivität wird mittels einer feinen Nadel im Muskel abgeleitet.
Evozierte Potentiale (SSEP, VEP): Durch die Ableitung evozierter Potentiale kann auf die Lokalisation einer Schädigung der Nervenbahnen geschlossen werden. Visuell evozierte Potentiale (VEP) dienen der Detektion von Läsionen des Sehnerven.
Transkranielle Magnetstimulation (TMS): Hiermit kann die Leitungsverzögerung der Nervenbahnen von zentralen ins periphere Nervensystem untersucht werden.
Doppler- und Duplexsonografie: Mittels Ultraschall erfolgt die Untersuchung der Blutströmung in den zum Gehirn führenden Blutgefäßen. Es können Engstellen (Stenosen) oder Verschlüsse festgestellt werden.
Lumbalpunktion: Ziel der Lumbalpunktion ist die Gewinnung von Nervenwasser (Liquor) zur Diagnosestellung einer Erreger- oder autoimmun bedingten Entzündung des zentralen oder peripheren Nervensystems.
Geriatrisches Assessment: Das geriatrische Assessment ist eine Untersuchung des älteren Patienten mit standardisierten Tests, um die Ressourcen, aber auch die krankheits- und altersbedingten Einschränkungen abzuschätzen.
Demenzdiagnostik: Zur Feststellung eines dementiellen Abbaus kommen neurologische und psychiatrische Untersuchungen, Schnittbildgebung des Gehirns und EEG-Ableitung zum Einsatz. Auch die Nervenwasseruntersuchung kann diagnoseweisend sein.
Häufige neurologische Krankheitsbilder und ihre Behandlung
Die Neurologie befasst sich mit einer Vielzahl von Erkrankungen des Nervensystems. Einige der häufigsten Krankheitsbilder und ihre Behandlungsmöglichkeiten werden im Folgenden kurz dargestellt:
Schlaganfall: In der Mehrzahl der Fälle kommt es zu einer plötzlich einsetzenden Durchblutungsstörung des Gehirns mit neurologischen Ausfällen. Ursachen sind häufig Herzrhythmusstörungen oder Verengungen/Verschlüsse der hirnversorgenden Blutgefäße. Die Stroke Unit zur Behandlung, Diagnostik und Überwachung von Patienten mit Schlaganfällen ist von besonderer Bedeutung.
Kopfschmerzen: Kopfschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Zu den häufigsten Kopfschmerzformen zählen die Migräne und der Spannungskopfschmerz. Die Therapie hängt von der zugrunde liegenden Ätiologie ab.
Schwindel: Dreh- und Schwankschwindel gehören zu den häufigsten Beschwerden, die zu einer neurologischen Konsultation führen. Ursachen können Störungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems sein.
Parkinson-Erkrankung: Im Vollbild findet sich eine Verlangsamung der Bewegungsabläufe (Hypokinese) mit Steifigkeit (Rigor) und/oder Zittern (Tremor) sowie eine mangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung. Die Behandlung erfolgt durch die Gabe von Dopamin oder Dopamin-Ersatzpräparaten.
Infektionen des Nervensystems: Erreger wie Viren und Bakterien können sowohl das zentrale als auch das periphere Nervensystem befallen. Typische Symptome sind Fieber, Kopf- und Nackenschmerzen, Bewusstseinsstörungen, epileptische Anfälle sowie neurologische Defizite.
Rückenschmerzen: Lokale oder ausstrahlende Rückenschmerzen können durch eine Vielzahl von neuroorthopädischen Erkrankungen bedingt sein. Die Diagnostik und Behandlung erfolgt in Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen.
Karpaltunnelsyndrom: Nächtlich betonte Schmerzen, Kribbelmissempfindungen und Taubheit insbesondere der Finger 1 bis 3 weisen auf ein Karpaltunnelsyndrom hin, das durch eine Kompression des Mittelarmnerven am Handgelenk bedingt ist.
Polyneuropathien: Polyneuropathien können zu socken- oder strumpfförmiger Taubheit der Beine mit zunehmender Gangunsicherheit führen.
Multiple Sklerose (MS): MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Es existieren eine Vielzahl von Präparaten, welche den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen oder stabilisieren können.
Epilepsie: Bei einem epileptischen Anfall handelt es sich um eine krankhaft erhöhte Erregbarkeit von Nervenzellen im Gehirn.
Demenz: Demenz bezeichnet den zunehmenden Verlust von erworbenen emotionalen und kognitiven Fähigkeiten. Zu den häufigsten Demenzerkrankungen gehören die Alzheimer-Demenz und die vaskuläre Demenz.
Hirntumore: Hirntumore können von den Hirnhäuten oder vom Hirngewebe selbst ausgehen. Häufige Symptome sind epileptische Anfälle oder neurologische Ausfälle.
Kooperationen und Netzwerke
Die neurologische Versorgung in Tübingen und Freiburg profitiert von zahlreichen Kooperationen und Netzwerken. So ist die Klinik für Neurologie und Neurologie Freiburg eine Portaleinrichtung, die bei komplexen Fällen eine Weiterversorgung im Neurozentrum der Uniklinik Freiburg gewährleistet. In Tübingen besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen der Neurologischen Universitätsklinik und dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung.
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