Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der eine sofortige und spezialisierte Behandlung erfordert. Stroke Units, spezielle Stationen innerhalb von Krankenhäusern, haben sich als entscheidend für die Verbesserung der Überlebensraten und die Reduzierung von Behinderungen nach einem Schlaganfall erwiesen. Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklung, die gegenwärtige Situation und die Zukunft der Stroke Units in Deutschland, wobei auch Herausforderungen und alternative Versorgungsmodelle berücksichtigt werden.
Die Bedeutung der Stroke Unit in der Akutversorgung des Schlaganfalls
Ein Schlaganfall entsteht durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns, meist ausgelöst durch ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß verschließt. Dies führt zu einer mangelhaften Sauerstoffversorgung und kann zu neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen führen. Jede Minute zählt, da mit dem Absterben von Nervenzellen das Risiko bleibender Schäden steigt.
Stroke Units sind speziell dafür eingerichtet, Schlaganfallpatienten lückenlos medizinisch zu überwachen und schnell zu behandeln. Die ersten Stunden nach einem Schlaganfall entscheiden darüber, wie stark das Gehirn geschädigt wird. Je mehr Zeit bis zur medizinischen Versorgung vergeht, desto höher ist das Risiko bleibender Einschränkungen. Deshalb ist es wichtig, die Anzeichen eines Schlaganfalls zu erkennen und sofort zu reagieren.
Der FAST-Test als Schnelltest
Der sogenannte FAST-Test kann in vielen Fällen Hinweise auf einen Schlaganfall geben. FAST steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit):
- Face: Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, kann das auf eine Halbseitenlähmung hinweisen.
- Arms: Lassen Sie beide Arme nach vorne strecken, die Handflächen zeigen dabei nach oben. Bei einer Lähmung sinkt ein Arm ab oder kann nicht gehoben werden.
- Speech: Fordern Sie die Person auf, einen einfachen Satz zu sprechen. Ist das nicht möglich oder klingt die Sprache verwaschen, könnte eine Sprachstörung vorliegen.
- Time: Bei einem dieser Anzeichen wählen Sie sofort die 112 und schildern die Symptome.
Entwicklung der Stroke Unit in Deutschland
Die Idee der Stroke Unit, also einer spezialisierten Schlaganfallstation, entstand in Skandinavien und Großbritannien. In Deutschland wurden die ersten Stroke Units relativ spät eingerichtet. Die erste und größte Stroke Unit Hessens befindet sich in Kassel und ist Teil der Neurologischen Klinik. Die Besonderheit der Schlaganfallbehandlung am Klinikum Kassel auf der Station C 92 besteht darin, dass für alle Typen und Ausprägungen des Schlaganfalls lückenlos zugeordnete Bereiche und Spezialist*innen vorhanden sind.
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Anfangs gab es Vorbehalte, da einige Studien lediglich die Letalität senkten, aber nicht das Ausmaß der Behinderung. Anfang der 90er Jahre ging es Schlag auf Schlag. Es wurden Erkenntnisse erreicht, dass Stroke Units bessere Ergebnisse aufwiesen als Allgemeinstationen. Die Aufnahme sollte innerhalb eines Zeitfensters von etwa 24 Stunden bzw. der Symptome erfolgen.
Die Stroke Units in Deutschland unterscheiden sich von den skandinavischen und britischen Schlaganfalleinheiten. Der Schwerpunkt liegt auf apparativem Monitoring, wobei der Schwerpunkt auf der Frühmobilisation liegt.
Zertifizierung als Qualitätsmerkmal
Eine Stroke Unit wird nach festen Qualitätsstandards zertifiziert. Die Zertifizierung bestätigt, dass die Stroke Unit im Krankenhaus eine strukturierte, hochwertige Versorgung in der Akutphase eines Schlaganfalls sicherstellt. Die Daten zeigen, dass die Stroke Units in Deutschland durch die Zertifizierungen kontinuierlich besser geworden sind.
Aufgaben und Ausstattung einer Stroke Unit
Per Definition ist eine Stroke Unit eine spezialisierte Abteilung in einem Krankenhaus oder Klinikum. Kliniken oder Krankenhäuser mit einer Stroke Unit innerhalb des Fachbereichs Neurologie haben die Möglichkeit, Patientinnen und Patienten mit einem akuten Schlaganfall intensiv zu betreuen. Die Ausstattung umfasst moderne Überwachungsmonitore, die Herzfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und neurologische Funktionen kontinuierlich erfassen.
Typisch für ein Krankenhaus mit Stroke Unit ist die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen, von der Neurologie über die Kardiologie bis zur Neurochirurgie. So lassen sich die genauen Ursachen möglichst schnell erkennen und behandeln.
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Die Behandlung auf der Stroke Unit umfasst eine intensive Diagnostik, Therapie und Versorgung, darunter:
- intensive Überwachung mittels Monitoranlage: kontinuierliche Kontrolle von Blutdruck, Puls, Temperatur und Atmung
- bildgebende und funktionelle Diagnostik: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), Elektrokardiogramm (EKG), Angiografie oder Echokardiografie
- spezifische Therapieverfahren: z. B. Thrombolyse oder Thrombektomie
Interdisziplinäres Team
Für die Stroke Unit ist neben einer umfangreichen Geräteausstattung ein interdisziplinäres Team notwendig, das nicht nur verschiedene ärztliche Disziplinen wie Neurologie, Innere Medizin, Kardiologie und Radiologie umfasst, sondern auch unterschiedliche Berufsgruppen wie Pflege, ärztlichen Dienst, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Sozialdienst. Die Stroke Unit des AKH Celle gewährleistet eine enge Verzahnung von ärztlicher Betreuung, Pflege und Therapie.
Therapieansätze auf der Stroke Unit
Sobald Schlaganfallpatienten und -patientinnen auf der Stroke Unit im Krankenhaus ankommen, beginnt das Team umgehend mit der neurologischen Diagnostik und bespricht die individuell passende Therapie. Je nach Befund kann eine medikamentöse Behandlung wie die intravenöse Thrombolyse oder ein minimal-invasiver Eingriff wie die mechanische Thrombektomie notwendig sein.
- Thrombolyse: Ursache für einen Schlaganfall ist häufig ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß verstopft. In einigen Fällen kann dieses Gerinnsel mit einem Medikament aufgelöst werden und das Gefäß wieder geöffnet werden. Die dafür erforderliche Behandlung ist die sogenannte Lysetherapie.
- Thrombektomie: Das multiprofessionelle Team der Stroke Unit kann mittels Thrombektomie Blutgerinnsel aus dem Gehirn entfernen. Über einen kleinen Schnitt in der Leiste wird ein dünner Katheterschlauch bis hin zu den Hirngefäßen geführt. Das Gerinnsel, das die Blutzufuhr zum Gehirn blockiert, wird dort abgetragen. Dieses Verfahren kann Patientinnen und Patienten mit einem Schlaganfall das Leben retten und verhindern, dass das Geschehen sie körperlich und geistig nachhaltig einschränkt.
- Operative Eingriffe: Ist eine Blutung Ursache für einen Schlaganfall, muss diese zunächst gestoppt werden. Denn das ausgetretene Blut erhöht den Druck im Hirn und kann so die Zellen schädigen. Gerade bei größeren Blutungen kann eine Operation notwendig sein.
Weitere Therapien und Maßnahmen
Neben der Akuttherapie werden auf der Stroke Unit auch weitere wichtige Maßnahmen ergriffen:
- Einstellung von Risikofaktoren: Interdisziplinäre Behandlung der Schlaganfallursachen, z. B. medikamentöse Einstellung von Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterin.
- Operative Versorgung: Operative Versorgung einer verengten Halsschlagader (Carotis-Operation) durch spezialisierte Gefäßchirurginnen und Gefäßchirurgen.
- Interventionelle Korrektur: Interventionelle Korrektur schlaganfallrelevanter Herzfehler, z. B. Carotis-Stenting oder Stenting intrakranieller Gefäße.
- Frührehabilitation: Von besonderer Bedeutung ist, dass auf der Stroke Unit direkt mit der Rehabilitation begonnen wird.
Die Akutphase und die weitere Versorgung
Die Akutphase beim Schlaganfall umfasst in der Regel die ersten ein bis fünf Tage nach dem Ereignis. In dieser Zeit erfolgt die intensive neurologische Überwachung und Behandlung auf der Stroke Unit im Krankenhaus. Ziel ist es, lebensbedrohliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die Grundlage für die weitere Therapie zu legen.
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Üblicherweise bleiben Betroffene ein bis drei Tage auf der Stroke Unit, wo sie überwacht und anschließend auf eine Allgemeinstation verlegt werden. Mitarbeiter:innen des Sozialdienstes begleiten die Therapie, um eine anschließende Rehabilitation zu planen. An die Akutbehandlung im Krankenhaus schließt sich oft eine stationäre oder ambulante Rehabilitationsbehandlung an. Auch nach der Rehabilitation benötigen Patienten, aber auch oft deren Angehörigen, Hilfen, um mit den Belastungen des täglichen Lebens zurecht zu kommen. Besonders wichtig sind hier die verschiedenen Selbsthilfegruppen, die sich in den letzten Jahren gebildet haben und allen offen stehen.
Herausforderungen und Zukunft der Stroke Units in Deutschland
Trotz der unbestreitbaren Vorteile von Stroke Units gibt es in Deutschland Herausforderungen:
- Regellose Verteilung: In vielen Gegenden sind die Stationen regellos verteilt.
- Ökonomische Zwänge: Ökonomische Zwänge werden zum Vorwand, wenn es realiter um ökonomische Zwänge geht!
- DRGs (Diagnosis Related Groups): Die Einführung von DRGs könnte die Schlaganfallbehandlung möglicherweise vollkommen verändern. Es wird erwartet, dass eine Verlagerung stattfinden wird, die einen angemessenen Case-Mix gewährleisten soll.
Alternative Versorgungsmodelle
Es gibt auch alternative Versorgungsmodelle, die in Betracht gezogen werden müssen:
- Case-Management: Die Stroke Units bzw. des Case-Managements in Deutschland abbilden kann.
- Integrierte Versorgung: Die Schlaganfallversorgung vom akuten Notfall bis zur langfristigen Rehabilitation und Wiedereingliederung der Betroffenen in das gesellschaftliche Leben nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten möglich ist.
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