Die Anforderungen im Berufsleben, insbesondere im medizinischen Bereich, nehmen stetig zu. Umso wichtiger ist es für Ärztinnen und Ärzte, ihre persönlichen Kraftreserven zu kennen und zu mobilisieren. Ein Instrument, das dabei helfen kann, ist der Fragebogen zur Patientenmotivation in der Neurologie. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Patientenmotivation, die Bedeutung der Gesprächsführung und stellt Instrumente wie den DIAMO-Fragebogen und das ZAZO-Gruppentraining vor.
Einleitung
In der heutigen Zeit sind Ärzte mit komplexeren beruflichen Anforderungen und schwierigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert. Die Belastungen sind größer geworden, und es ist entscheidend, dass sie ihre eigenen Motivationsstrukturen verstehen und nutzen können. Der Fragebogen zur Patientenmotivation in der Neurologie bietet eine Möglichkeit, diese Strukturen zu messen und zu analysieren.
Die Bedeutung der Motivation im Arbeitsleben
Persönliche Motive und Einstellungen
Menschen engagieren sich im Arbeitsleben aus unterschiedlichen Gründen. Während die Existenzsicherung durch ein Einkommen ein wichtiger Faktor ist, spielen auch persönliche Motive und Einstellungen eine entscheidende Rolle. Diese Motive bewegen Menschen zu Leistungen, Weiterbildungen und außergewöhnlichem Einsatz.
Funktionen der Arbeit
Arbeit erfüllt verschiedene Funktionen, die über die reine Existenzsicherung hinausgehen. Sie strukturiert den Lebensablauf, ermöglicht soziale Kontakte, befriedigt das Bedürfnis nach Beschäftigung, beeinflusst das Selbstwerterleben positiv und kann identitäts- und sinnstiftend sein. Eine erfolgreiche berufliche Integration kann daher entlastend auf die zugrunde liegende Symptomatik wirken.
Rehabilitative Bemühungen
Die Wiederherstellung und der Erhalt der Erwerbsfähigkeit sind wichtige Ziele rehabilitativer Bemühungen. Dabei müssen berufliche Perspektiven, Einstellungen zur Arbeit und die Arbeitsmotivation berücksichtigt werden. Aus diesem Zusammenhang sind das Assessment zur Diagnostik von Arbeitsmotivation (DIAMO) und das Gruppentraining zur Förderung arbeitsbezogener Motivation (ZAZO) entstanden.
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Der DIAMO-Fragebogen: Diagnostik von Arbeitsmotivation
Das Konzept der Motivation
In der Psychologie ist Motivation ein zentrales Konzept zur Erklärung, Vorhersage und Beeinflussung des Erlebens und Verhaltens von Menschen. Motivation determiniert das Handeln und gibt Antworten auf die Frage, warum eine Person sich gegenwärtig so und nicht anders verhält. Nach Lewin (1936) resultiert Motivation aus einem dynamischen Prozess aus dem Wechselspiel zwischen subjektiv wahrgenommenen inneren Zuständen und situativen Einflussfaktoren.
Intrinsische vs. Extrinsische Motivation
Man unterscheidet zwischen personenseitigen (intrinsisch) und situativen (extrinsisch) motivationalen Einflussfaktoren. Intrinsische Motivation ist unabhängig von situativen Faktoren, d. h., jemand handelt aus eigenem Antrieb, z. B. weil eine bestimmte Tätigkeit Spaß macht. Im Kontext der Erwerbsarbeit stehen häufig fremdgesetzte Ziele und Anforderungen im Vordergrund, die mit persönlichen Zielen und Bedürfnissen korrespondieren können.
Aufbau und Inhalt des DIAMO-Fragebogens
Der DIAMO-Fragebogen erfasst arbeitsbezogene Motive, Einstellungen und personengebundene Verhaltensmuster in der Selbstauskunft. Er beinhaltet die Konzepte Motivationales Selbstbild, Motivationale Handlungsentwürfe und Motivationale Passung. Den drei zentralen Konzepten sind zehn Skalen mit insgesamt 57 Items zugeordnet.
Motivationales Selbstbild
Das Motivationale Selbstbild erfasst personenseitige Aspekte, Dispositionen und Einstellungen zur Arbeit. Hierzu gehören das Neugiermotiv, das Anschlussmotiv und die Misserfolgsvermeidung.
Motivationale Handlungsentwürfe
Die Motivationalen Handlungsentwürfe erfassen annähernde und vermeidende Verhaltensweisen, z. B. den Einsatz aktiver Problemlösungsstrategien oder Verhaltensweisen wie Abwarten, Resignieren und Vermeiden.
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Motivationale Passung
Das Konzept der Motivationalen Passung richtet den Fokus auf individuelle Erfahrungen und die subjektive Bewertung der Arbeitssituation. Die Fragen dienen primär einem Screening, um festzustellen, ob eine Passung zwischen den Bedürfnissen eines Rehabilitanden und den tatsächlichen Bedingungen am Arbeitsplatz vorliegt.
Interpretation der DIAMO-Ergebnisse
Für die Gesamtauswertung des DIAMO empfiehlt sich die Betrachtung der Skalenprofile, die sich auf das Motivationale Selbstbild und die Motivationalen Handlungsentwürfe beziehen. Die Ergebnisse werden mit clusteranalytisch gewonnenen Normprofilen verglichen, die ein Normal- und ein Risikoprofil unterscheiden.
Normalprofil
Das Normalprofil zeigt hohe Werte auf den motivationsförderlichen Skalen und niedrige Werte bei den motivationshemmenden Skalen.
Risikoprofil
Das Risikoprofil zeigt hingegen niedrigere Werte auf den motivationsförderlichen Skalen und hohe Werte auf den motivationshemmenden Skalen.
Implikationen für die therapeutische Beratung
Der DIAMO-Fragebogen und eine Auswertungshilfe sind im Internet frei zugänglich. Aufgrund seiner relativen Kürze, der vorhandenen Vergleichsprofile und Interpretationshilfen ist er in der Praxis ökonomisch einsetzbar. Bei der Bewertung der DIAMO-Ergebnisse eines Klienten ist es sinnvoll, die gewonnenen Informationen aus der Selbstbeurteilung mit der Einschätzung der Behandler in Beziehung zu setzen.
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Das ZAZO-Gruppentraining: Förderung arbeitsbezogener Motivation
Konzeptioneller Ansatzpunkt
Auf Grundlage der Beobachtungen im DIAMO wurde das Motivationstraining Zielanalyse und Zieloperationalisierung, kurz: ZAZO entwickelt, um persönliche arbeitsbezogene Ziele systematisch mit Rehabilitanden zu klären und ggf. neue Ziele zu entwickeln.
Aufbau und Inhalte des ZAZO-Gruppentrainings
Das Motivationstraining ZAZO stellt ein ressourcenorientiertes Gruppentraining dar, das die Klärung individueller berufsbezogener Ziele und die Unterstützung zur Umsetzung dieser Ziele anstrebt. Das ZAZO-Gruppentraining basiert auf vier interaktiven und aufeinander aufbauenden Modulen.
Inhalte des Trainings
Folgende Inhalte werden im Training vermittelt und bearbeitet:
- Entwicklung berufsbezogener Wünsche und Anliegen
- Setzen von Zielen
- Aufbau von Commitment (Selbstverpflichtung) und Zielverfolgungsstrategien
- Umgang mit Hindernissen
Ziele des ZAZO-Gruppentrainings
Das Training zielt auf die Generierung neuer beruflicher Perspektiven und Anliegen ab und fördert motivationale und volitionale Kompetenzen, so dass eine berufliche Reintegration realistischer wird. Durch die Vermittlung von Strategien zur Zielverfolgung und Zielbindung wird ein konstruktiver Umgang mit Hürden und Schwierigkeiten auf dem Weg zur Zielerreichung ermöglicht.
Gesprächsqualität in der Krankenversorgung
Bedeutung des ärztlichen Gesprächs
Das ärztliche Gespräch ist ein essenzielles Werkzeug für Ärzte im Umgang mit Patienten. Um die Gesprächsqualität in der Krankenversorgung zu verbessern, wurde 2016 im Auftrag der Bundeszielsteuerungskommission eine bundesweite Strategie dafür entworfen.
Herausforderungen in der Kommunikation
Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung hat gezeigt, dass viele Patienten Schwierigkeiten haben, das vom Arzt Gesagte zu verstehen oder mit den Informationen so überfordert sind, dass sie keine Entscheidungen über ihre Krankheit bzw. Gesundheit treffen können.
Strategien zur Verbesserung der Gesprächsqualität
Um die Gesprächsqualität im Gesundheitssektor zu verbessern, beschloss die Bundeszielsteuerungskommission, an drei Ebenen im Gesundheitssystem anzusetzen:
- An individuellen Personen
- An Gesundheitseinrichtungen
- Am Gesundheitssystem selbst
Patientenzentrierte Gesprächsführung
Zentrales Qualitätsmerkmal des ärztlichen Gesprächs ist die patientenzentrierte Gesprächsführung. Sie hilft nicht nur, eine Beziehung zum Patienten aufzubauen, sondern bietet Möglichkeiten, wie das Arzt-Patienten-Gespräch strukturiert werden kann. Wichtige Bestandteile sind dabei, dem Patienten zuzuhören und Verständnis für seine Patientenperspektive zu zeigen.
Kommunikationstechniken und Patientenzufriedenheit
Durch den Einsatz spezieller Kommunikationstechniken wird eine gemeinsame Verständnisebene von Arzt und Patient im Zuge des Gesprächs erreicht, und der Patient kann sich im Anschluss an Gesprächsinhalte besser erinnern. Ein Patient, der sich verstanden fühlt, kann leichter zu mehr Mitarbeit motiviert werden (Adhärenz).
Vorteile effektiver Kommunikation
Patientenzentrierte Gesprächsführung trägt zu einer erhöhten diagnostischen Genauigkeit bzw. zu verbesserten Behandlungsergebnissen bei. Indirekt bestehen auch Vorteile für die Klinik als Arbeitgeber und den Arzt als Mitarbeiter. Effektive Kommunikationsstrategien tragen zur Arbeitszeiteffizienz bei und reduzieren Kosten im Gesundheitssystem sowie die Anzahl an medizinisch-juristischen Klagen.
Impuls-Workshops und Trainernetzwerk
In Impuls-Workshops zu anspruchsvollen Patientengesprächen setzt das Trainernetzwerk der ÖPGK (Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz) direkt an den kommunikativen und klinischen Herausforderungen des beruflichen Alltags in Gesundheitsberufen an. Um qualifizierte Trainer und qualitätsgesicherte Fortbildungen in guter Gesprächsführung zu finden, wurde durch die ÖPGK ein bundesweites Trainernetzwerk aufgebaut.
Praktische Erfahrungen und Beispiele
Erfahrungen einer Ärztin
Eine Ärztin berichtet, dass sie sehr vom Deeskalationstraining profitiert hat. Dabei hat sie geübt, wie man mit Aggressionen von Patienten umgeht. Sehr hilfreich waren auch die Videoanalysen von ihr selbst in Gesprächssituationen.
Erfahrungen eines Arztes
Ein Arzt berichtet, dass er durch ein Kommunikationstraining gelernt hat, Patienten einmal reden zu lassen, zuzuhören und den Patienten nicht zu unterbrechen. Für beide Seiten ist es meist befriedigender, wenn der Patient einfach einmal abladen kann.
Weitere Faktoren der Patientenmotivation
Neurobiologische Grundlagen der Motivation
Motivation ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener neurobiologischer Faktoren, die das Verhalten eines Patienten beeinflussen. Diese Faktoren lassen sich meist in hirnorganische oder psychoreaktive Ursachen unterteilen.
Intrinsische und Extrinsische Motivation
Intrinsische Motivation entsteht aus inneren Anreizen wie Interesse und Freude, während extrinsische Motivation durch äußere Belohnungen oder Bestrafungen entsteht.
Selbstbestimmungstheorie
Die Selbstbestimmungstheorie betont die Bedeutung von Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit für die Motivation.
Apathie und Anhedonie
Apathie, ein Mangel an Motivation, und Anhedonie, die Unfähigkeit, Freude zu empfinden, sind wichtige Faktoren, die die Patientenmotivation beeinflussen können.
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