Forschungsschwerpunkte von Neurologieprofessor Sieb

Dieser Artikel beleuchtet die Forschungsschwerpunkte von Professor Sieb im Bereich der Neurologie und gibt einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse in verschiedenen neurologischen Feldern.

Einleitung

Die Neurologie ist ein sich ständig weiterentwickelndes Feld, in dem kontinuierliche Forschung unerlässlich ist, um neue Behandlungsansätze zu entwickeln und das Verständnis komplexer neurologischer Erkrankungen zu verbessern. Professor Sieb leistet einen wesentlichen Beitrag zu diesem Fortschritt, indem er sich auf verschiedene Schwerpunkte konzentriert.

Parkinsonnetz Münsterland+ (PNM+)

Das Parkinsonnetz Münsterland+ (PNM+) ist ein Zusammenschluss von Experten in der Region Münsterland und Osnabrück, die zusammenarbeiten, um ein interdisziplinäres Versorgungsteam mit einheitlichen Standards aufzubauen. Ziel ist es, die Diagnose und Therapie von Parkinson durch einen beschleunigten Informationsfluss zu verbessern.

Ein großes Problem in der Parkinson-Therapie ist der nicht einheitliche Erkrankungsverlauf. Neben den typischen Symptomen wie Muskelzittern, Bewegungsverlangsamung, Versteifung der Muskulatur und Gleichgewichtsstörungen kann Parkinson auch mit einer Vielzahl nicht-motorischer Symptome wie beispielsweise Depression oder Gedächtnisstörungen einhergehen. Netzwerkkoordinator Prof. Dr. Tobias Warnecke erklärt, dass diese Symptome sich von Tag zu Tag ändern können und Betroffene sie oftmals nur schwer beschreiben können. Daher ist es erforderlich, immer wieder auf veränderte Erkrankungssituationen zu reagieren und für den einzelnen Patienten die bestmögliche Lösung zu finden. Dies ist nur durch das Zusammenwirken der verschiedenen Berufsgruppen möglich.

Das PNM+ orientiert sich am holländischen ParkinsonNet und engagiert Experten verschiedener Fachgruppen, die sich um das Versorgungsmanagement von Menschen mit Parkinson kümmern, zum Beispiel Neurologen, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden, Pflegende und Apotheker.

Lesen Sie auch: Neurologie vs. Psychiatrie

Die Beteiligten wollen gemeinsam verbindliche Standards festlegen und in übersichtlichen und alltagstauglichen Handlungsempfehlungen die Leitlinien und ergänzende Studiendaten zur Therapie der Patienten übersetzen und Lösungen für die täglichen Probleme finden. Der enge Austausch sowie gezielte Maßnahmen zur parkinsonspezifischen Weiterbildung sind ebenfalls zentraler Bestandteil von PNM+. Auch Betroffene sind im Netzwerk engagiert, um eine rechtzeitige, symptomorientierte und nicht zuletzt kostenoptimierte Therapie zu erreichen und die Lebensqualität der Betroffenen und Angehörigen zu verbessern.

Forschung zu neurogenen Dysphagien bei Parkinson-Syndromen

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt auf der Diagnostik und Therapie von parkinsonassoziierten Schluckstörungen. Da neurogene Dysphagien bei Parkinson-Syndromen häufig auftreten, besteht eine enge inhaltliche und personelle Kooperation mit der AG „Neurogene Dysphagie“. Im Zentrum der Arbeit stehen:

  • Die Detektion neuer Prädiktoren und Biomarker für das Auftreten von parkinsonassoziierten Dysphagien
  • Die Entwicklung verfeinerter diagnostischer Untersuchungsprotokolle sowie die Evaluation innovativer Therapieansätze

Dabei werden verschiedene apparative Verfahren genutzt: Mittels Magnetenzephalographie werden neuronale Korrelate der Dysphagie bei idiopathischen und atypischen Parkinsonsyndromen untersucht. Zudem wird die hochauflösende Manometrie verwendet, um krankheitsspezifische Störungsmuster insbesondere der ösophagealen Phase des Schluckaktes bei Bewegungsstörungen zu identifizieren. Weiterhin nutzt die AG die endoskopische Evaluation des Schluckaktes, um die besonders relevante pharyngeale Phase genauer zu analysieren.

Aktuell werden zwei weitere Forschungsschwerpunkte aufgebaut: die Evaluation der Wirksamkeit von Therapieansätzen mittels Tiefer Hirnstimulation sowie die Erforschung neurogenetischer Parkinsonsyndrome.

MOG-Enzephalomyelitis (MOG-EM)

Die MOG-Enzephalomyelitis (MOG-EM), auch MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung (MOGAD) genannt, ist eine entzündliche demyelinisierende Erkrankung des zentralen Nervensystems. Der Phänotyp ist vornehmlich durch (meist relapsierende) Optikusneuritis, Myelitis und Hirnstammenzephalitis gekennzeichnet, umfasst aber auch ADEM- und MS-ähnliche Manifestationen.

Lesen Sie auch: Expertise in Neurologie: Universitätsklinik Heidelberg

Weitere Forschungsbereiche

Neben den genannten Schwerpunkten engagiert sich Professor Sieb auch in anderen Bereichen der Neurologie. Dazu gehören:

  • Multiple Sklerose (MS): Untersuchung der Immunopathogenese der MS.
  • Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD): Forschung zu den Besonderheiten dieser Erkrankungen.
  • Akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM): Analyse der Krankheitsmechanismen und potenziellen Therapieansätze.
  • Autoimmunenzephalitis: Erforschung der verschiedenen Formen und ihrer spezifischen Charakteristika.
  • Neuromanifestationen systemischer Erkrankungen: Untersuchung der Beteiligung des Nervensystems bei rheumatologischen Erkrankungen und HIV/AIDS.

Publikationen und Auszeichnungen

Professor Sieb hat sich durch zahlreiche Publikationen in renommierten Fachzeitschriften und Büchern einen Namen gemacht. Er ist Co-Autor der deutschen Leitlinien zu MS, NMOSD, MOGAD/MOG-EM und der deutschen Leitlinien zur Liquordiagnostik.

Bedeutung der Forschung

Die Forschung von Professor Sieb trägt dazu bei, das Verständnis neurologischer Erkrankungen zu verbessern und neue Therapieansätze zu entwickeln. Seine Arbeit hat einen direkten Einfluss auf die Patientenversorgung und trägt dazu bei, die Lebensqualität von Menschen mit neurologischen Erkrankungen zu verbessern.

Lesen Sie auch: Aktuelle Informationen zur Neurologie in Salzgitter

tags: #neurologie #prof #sieb