Dieses Buch bietet einen umfassenden Überblick über die relevanten Fakten der Neurologie und Psychiatrie für Pflegeberufe. Es dient als verständlicher Wegbegleiter für Ausbildung und Beruf und behandelt pflegerische Maßnahmen für wichtige Erkrankungen wie Demenz, Suizid, Multiple Sklerose, Depressionen und Angststörungen. Fallbeispiele helfen, sich in die Patientensituation einzufühlen und Herausforderungen im Stationsalltag zu meistern.
Einführung in die Neurologie und Psychiatrie
Die Neurologie befasst sich mit Erkrankungen des Nervensystems, während die Psychiatrie psychische Störungen behandelt. Beide Bereiche sind für Pflegeberufe von großer Bedeutung, da viele Patienten neurologische und/oder psychiatrische Erkrankungen aufweisen. Ein fundiertes Wissen in beiden Bereichen ist daher unerlässlich, um eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten.
Anamnese und neurologische Untersuchung
Die Grundlage jeder neurologischen Untersuchung bildet die Anamnese, die Erhebung der Krankengeschichte. Hierbei werden Informationen über die aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente und das soziale Umfeld des Patienten erfasst. Die neurologische Untersuchung umfasst die Überprüfung der Hirnnerven, des motorischen Systems, der Reflexe, des sensiblen Systems, der Koordination, der Sprache und anderer neuropsychologischer Leistungen sowie der vegetativen Funktionen und des psychischen Befunds.
Neurologische Untersuchung im Detail
Die neurologische Untersuchung beginnt mit der allgemeinen Untersuchung des Patienten, gefolgt von einer detaillierten Untersuchung von Kopf und Hirnnerven.
- Untersuchung des Kopfes: Hierbei werden Form, Größe und eventuelle Auffälligkeiten des Kopfes beurteilt.
- Untersuchung der Hirnnerven: Jeder der zwölf Hirnnerven wird einzeln auf seine Funktion überprüft. Dies umfasst:
- N. olfactorius (I): Riechprüfung
- N. opticus (II): Sehschärfe, Gesichtsfeld und Pupillenreaktion
- N. oculomotorius (III), N. trochlearis (IV), N. abducens (VI): Augenbewegungen und Pupillenreaktion
- N. trigeminus (V): Sensibilität des Gesichts und Kaumuskulatur
- N. facialis (VII): Gesichtsmimik und Geschmacksempfinden
- N. vestibulocochlearis (VIII): Hörvermögen und Gleichgewicht
- N. glossopharyngeus (IX), N. vagus (X): Schlucken, Sprechen und Gaumenfunktion
- N. accessorius (XI): Schulterhebung und Kopfdrehung
- N. hypoglossus (XII): Zungenbewegung
Zusatzdiagnostik
Neben der klinisch-neurologischen Untersuchung kommen verschiedene Zusatzdiagnostiken zum Einsatz, wie z.B. EEG (Elektroenzephalographie) und Liquoruntersuchung.
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Neurologische Syndrome und Erkrankungen
Das Buch behandelt verschiedene neurologische Syndrome wie Rückenmarksyndrome und neuropsychologische Syndrome sowie spezifische neurologische Erkrankungen.
Krankheiten des Gehirns
Ein Schwerpunkt liegt auf den Krankheiten des Gehirns, einschließlich:
- Durchblutungsstörungen des Gehirns: Hier werden Anatomie, Physiologie und verschiedene Arten von Schlaganfällen (arteriell und venös) erläutert. Die Therapie und der Pflegeschwerpunkt Hemiplegie werden detailliert beschrieben, einschließlich des Bobath-Konzepts.
- Tumoren des Gehirns und seiner Hüllen: Gutartige und bösartige Tumoren, Hirnmetastasen sowie deren Therapie werden behandelt. Der Pflegeschwerpunkt Onkologische Erkrankungen des ZNS umfasst Aufnahmesituation, prä- und postoperative Situation, Therapieformen, Prioritäten in der neuroonkologischen Pflege, Begleiterkrankungen, Notfallsituationen und Nachsorge.
- Schädel-Hirn-Traumen: Schädelprellungen, -frakturen und -verletzungen mit Hirnbeteiligung sowie deren Therapie werden erläutert.
- Infektiös-entzündliche Erkrankungen des Gehirns: Eitrige und nicht-eitrige Meningitiden, Enzephalitiden und Hirnabszesse sowie deren Therapie werden behandelt. Der Pflegeschwerpunkt Meningitis umfasst Unterstützung bei diagnostischen Maßnahmen, Überwachung, pflegerische Maßnahmen in Abhängigkeit von psychischen und physischen Einschränkungen, prophylaktische Maßnahmen und Besonderheiten bei Meningokokken-Meningitis.
- Extrapyramidale Erkrankungen (Bewegungsstörungen): Parkinson-Syndrom, Chorea Huntington, Torticollis dystonicus, Torsionsdystonie und andere extrapyramidale Bewegungsstörungen werden beschrieben. Der Pflegeschwerpunkt Morbus Parkinson umfasst Grundlagenwissen für den Umgang mit Parkinson-Patienten und Unterstützung bei verschiedenen ATL (Aktivitäten des täglichen Lebens).
- Frühkindliche Hirnschäden und Missbildungen des Gehirns: Missbildungen des Gehirns und Zerebrale Kinderlähmung werden behandelt.
Krankheiten von Gehirn und Rückenmark
Das Buch behandelt auch Krankheiten, die sowohl Gehirn als auch Rückenmark betreffen, wie:
- Multiple Sklerose (Encephalomyelitis disseminata): Die psychische Situation des kranken Menschen, Streckspastik, Beugespastik, Adduktorenspastik, Paresen, Ataxie, Gleichgewichtsstörungen sowie Unterstützung bei verschiedenen ATL und die medikamentöse Therapie werden detailliert beschrieben.
Krankheiten des Rückenmarks
Ein weiteres Kapitel widmet sich den Krankheiten des Rückenmarks, einschließlich:
- Querschnittlähmungen: Entzündungen, Systematrophien, kreislaufbedingte Erkrankungen, Myelomalazien, vaskuläre Kaudasyndrome, Rückenmarks- und Kaudaschäden durch Gefäßmissbildungen, raumfordernde spinale Prozesse, spinale Tumoren, entzündliche spinale Prozesse, Myelitis, Epiduralabszess, traumatische und mechanische Schädigungen des Rückenmarks und der Kauda, Syndrom der Querschnittlähmung, offene Schädigungen des Rückenmarks und der Kauda, Rückenmarksschäden bei Elektrounfällen und die Therapie der traumatischen Rückenmarksschäden werden behandelt. Der Pflegeschwerpunkt Querschnittlähmung umfasst Sicherheit, Atmung, Kreislauf, Temperaturregulation, Haut, Mobilität, Ausscheidungen, psychische Situation, Lernen und Beraten, Sexualität und potenzielle Komplikationen.
- Degenerative und stoffwechselbedingte Erkrankungen: Syringomyelie, spinaler Gliastift, Degeneration des zentralen und peripheren motorischen Neurons (Motoneuron-Erkrankungen), Funikuläre Spinalerkrankung und Fehlbildungen des Rückenmarks werden beschrieben.
Krankheiten der peripheren Nerven und der Muskeln
Auch Krankheiten der peripheren Nerven und der Muskeln werden behandelt:
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- Umschriebene Schädigungen des peripheren Nervensystems: Wurzelschädigungen, Plexusschäden und umschriebene periphere Nervenschäden werden erläutert. Der Pflegeschwerpunkt Wurzelschädigung bei Bandscheibenprolaps umfasst angepasste Lagerung, Physiotherapie, medikamentöse Therapie, Unterstützung bei schmerzbedingten Einschränkungen, operative Therapie, postoperative Pflegemaßnahmen und Nachbehandlung.
- Polyneuropathien: Idiopathische Polyneuritis (Guillain-Barré-Syndrom [GBS]) wird beschrieben.
- Myopathien und verwandte Prozesse: Muskeldystrophien, seltene Muskelerkrankungen, Myasthenie und Polymyositis werden behandelt.
Epilepsien und epileptische Anfälle
Ein weiteres wichtiges Thema sind Epilepsien und epileptische Anfälle:
- Einteilung der Epilepsien: Nichtepileptische Anfallssyndrome, Pathophysiologie der Epilepsie, Anfallsarten, Beschreibung der einzelnen Epilepsien (lokalisationsbezogene, generalisierte, altersgebundene, seltene Anfallsformen), Ursachen der Epilepsie, psychische Veränderungen im Rahmen der Epilepsie, epileptischer Dämmerzustand, epileptische Wesensveränderung, Demenz als Folge von Anfällen, Therapie und psychische Führung werden behandelt. Der Pflegeschwerpunkt Epilepsie umfasst Pflegemaßnahmen während eines Anfalls, Unterstützung bei der medikamentösen Therapie, Unterstützung beim prolongierten Video-EEG-Monitoring, pflegerische Unterstützung beim präoperativen Video-EEG-Monitoring, postoperative Pflegemaßnahmen, Patienten- und Angehörigenedukation.
- Nichtepileptische Anfallssyndrome: Synkopen, Tetanie, Panikattacken und Narkolepsie werden beschrieben.
Neurologische Schmerzsyndrome
Das Buch behandelt auch neurologische Schmerzsyndrome:
- Schmerzursachen und Schmerztherapie: Ursachen, Einteilung und Therapie von Schmerzen werden erläutert.
- Beschreibung einzelner Schmerzsyndrome: Kopfschmerzen und Gesichtsschmerzen werden behandelt.
Psychische Störungen
Der zweite große Themenbereich des Buches ist die Psychiatrie. Hier werden zunächst die Grundlagen psychischer Störungen behandelt:
- Wesen, Ursachen, traditionelle und aktuelle Klassifikation: Ursachen psychischer Störungen, Vulnerabilitäts-Stress-Modell, traditionelle Klassifikation und moderne Klassifikationssysteme werden erläutert.
Diagnostik in der Psychiatrie
Die Diagnostik in der Psychiatrie umfasst:
- Anamnese: Aktuelle Anamnese, frühere psychiatrische Anamnese, Suchtanamnese, vegetative Anamnese, somatische Anamnese, Familienanamnese, biografische Anamnese und Fremdanamnese werden erhoben.
- Psychischer Befund: Bewusstsein, Kognition, Orientierung, formaler Gedankengang, inhaltliche Denkstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Ich-Störungen, Affekt, Angstphänomene, Zwangsphänomene, Antrieb und Psychomotorik, Motivationslage und Willensäußerungen, soziales Verhalten, Eigen- oder Fremdgefährdung und Hinweise auf die Persönlichkeit werden beurteilt.
- Körperlicher Befund: Der körperliche Zustand des Patienten wird untersucht.
- Pflegeanamnese, Verhaltens- und Verlaufsbeobachtung: Überwachung und Beurteilung von körperlichen und psychischen Basiswerten, Pflegeanamnese und Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit werden durchgeführt.
- Zusatzuntersuchungen: Testpsychologische Diagnostik, Laboruntersuchungen und apparative Zusatzdiagnostik kommen zum Einsatz.
Therapie in der Psychiatrie
Die Therapie in der Psychiatrie basiert auf verschiedenen Grundsätzen:
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- Grundzüge der Therapie: Multidimensionale Therapie, integrativer Ansatz, Aufklärung, Empowerment, therapeutisches Bündnis, Adherence und Einbeziehung der Familie werden berücksichtigt.
Umgang mit Patienten in der Neurologie
Der Umgang mit Patienten in der Neurologie erfordert besondere Kenntnisse und Fähigkeiten. Dies betrifft insbesondere:
- Bewusstlose Patienten: Hier müssen Informationen von Begleitpersonen erfragt werden.
- Schmerzpatienten: Die Betrachtungen des therapeutischen Teams sind essentiell, um die Art und Ausdehnung der Schmerzen zu beurteilen.
- Patienten mit Anpassungsschwierigkeiten: Es muss abgeklärt werden, ob eine hirnorganisch bedingte Orientierungsstörung oder Aggressivität vorliegt oder ob es sich lediglich um einen Patienten mit geringer Anpassungsbereitschaft handelt.
- Sterbende Patienten: Eine ruhige und würdevolle Umgebung sollte geschaffen werden, in der sich die Patienten geborgen und mit ihren Nöten angenommen fühlen.
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