Die neurologische und neurochirurgische Pflege stellt ein anspruchsvolles und vielseitiges Feld innerhalb der Gesundheitsversorgung dar. Nahezu jeder, der in der medizinischen Versorgung tätig ist, wird irgendwann mit Patienten konfrontiert, die spezifisch neurologisch-neurochirurgische Probleme haben. Dieser Artikel beleuchtet wichtige Aspekte und Schwerpunkte in diesem Bereich, basierend auf aktuellen Erkenntnissen und etablierten Pflegemodellen.
Einführung
Die Betreuung von Patienten mit neurologischen und neurochirurgischen Erkrankungen erfordert fundiertes Wissen und fachlich-persönliche Kompetenz. Die zentrale Aufgabe der neurochirurgisch-neurologischen Allgemein- und Intensivmedizin ist die Überwachung und Beobachtung des Patienten sowie die Sicherstellung der Versorgung des ZNS mit Sauerstoff und Nährstoffen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist eine strukturierte Herangehensweise notwendig, die sowohl die anatomischen und physiologischen Grundlagen als auch die spezifischen Krankheitsbilder berücksichtigt.
Grundlagen der neurologischen und neurochirurgischen Pflege
Die neurologische und neurochirurgische Pflege basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz, der die "Aktivitäten des täglichen Lebens" (ATL) nach dem Modell von Nancy Roper berücksichtigt. Dieses Modell dient als Rahmen, um Zusammenhänge detailliert darzustellen und praxisnahe Informationen zu vermitteln.
Die Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) nach Nancy Roper:
- ATL 1: Ruhen und Schlafen: Zentrale Regulation von Wachen und Schlafen.
- ATL 2: Sich bewegen: Körperpflege, Aktivierung, Mobilisation und basale Stimulation.
- ATL 3: Sich pflegen, sich kleiden.
- ATL 4: Essen und Trinken, Ernährung: Besonderheiten der Ernährung bzw. der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.
- ATL 5: Ausscheiden.
- ATL 6: Regulieren der Körpertemperatur: Maßnahmen zur Regulierung der Körpertemperatur.
- ATL 7: Atmen: Beatmungsschemata und Blutgasanalyse.
- ATL 8: Für Sicherheit sorgen: Dekubitusprophylaxe und -therapie und therapeutische Lagerung.
- ATL 9: Sich beschäftigen: Sensorisch-sensible, soziale Deprivation aufgrund von Reizentzug oder fehlender Stimulation.
- ATL 10: Kommunizieren: Diagnostik und Therapie von Dysphagien, Aphasien, Sprechapraxien und Dysarthrien sowie Angehörigenberatung.
- ATL 11: Sinn finden, Sein: Durchgangs- und Trübungssyndrome.
- ATL 12: Sich als Mann bzw Frau fühlen, Sexualität.
- Spezielle Themen: Pädiatrie, Neonatologie und neurochirurgisch-neurologische Allgemein- und Intensivpflege, Sterben, Hirntod, Organentnahme, Medikamente und Wirkungen.
Spezielle Themen in der neurologischen und neurochirurgischen Pflege
Neben den allgemeinen Grundlagen gibt es eine Reihe von speziellen Themen, die in der neurologischen und neurochirurgischen Pflege besondere Aufmerksamkeit erfordern.
Hirndruckmanagement
Der Hirndruck ist ein kritischer Parameter bei vielen neurologischen Erkrankungen. Eine fehlerhafte Hirndruckmessung kann schwerwiegende Folgen haben. Daher ist es wichtig, die möglichen Ursachen für solche Fehler zu kennen und zu vermeiden.
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Mögliche Ursachen für fehlerhafte Hirndruckmessungen:
- Falsche Positionierung des Sensors
- Defekte oder falsch kalibrierte Messgeräte
- Verstopfung des Katheters
- Messfehler bei der Nullpunktjustierung
Lagerungen bei Patienten mit Hirndruck:
Die richtige Lagerung kann den Hirndruck beeinflussen. Folgende Lagerungen sind möglich:
- Oberkörperhochlagerung: Fördert den venösen Rückfluss und kann den Hirndruck senken.
- Neutralposition des Kopfes: Vermeidet eine Kompression der Halsvenen.
- Vermeidung von Bauchlage: Kann den intraabdominalen Druck erhöhen und somit den Hirndruck beeinflussen.
Spinale Störungen
Spinale Störungen können vielfältige Ursachen haben und unterschiedliche Formen annehmen.
Formen spinaler Störungen:
- Spinalkanalstenose: Einengung des Spinalkanals, häufig durch degenerative Prozesse.
- Bandscheibenvorfälle: Protrusion von Bandscheibengewebe in den Spinalkanal.
- Spinale Tumoren: Tumore, die im Spinalkanal wachsen.
- Traumatische Rückenmarksverletzungen: Verletzungen des Rückenmarks durch Unfälle.
Intensivpflege und Überwachung
Die neurologische Intensivpflege umfasst die kontinuierliche Überwachung und Behandlung von Patienten mit schweren neurologischen Erkrankungen.
Wichtige Aspekte der neurologischen Intensivpflege:
- Neuromonitoring: Überwachung von Hirndruck, EEG und anderen neurologischen Parametern.
- Beatmung: Unterstützung der Atmung bei Patienten mit Ateminsuffizienz.
- Weaning: Entwöhnung von der Beatmung.
- Dekubitusprophylaxe: Vorbeugung von Druckgeschwüren.
- Mundpflege: Maßnahmen zur Erhaltung der Mundgesundheit.
- Medikamentöse Therapie: Einsatz von Medikamenten zur Behandlung neurologischer Erkrankungen.
Pädiatrische Neurologie
Die Neuropädiatrie ist ein spezialisierter Bereich, der sich mit Erkrankungen des Nervensystems bei Kindern und Jugendlichen befasst.
Häufige neuropädiatrische Erkrankungen:
- Epilepsie: Anfallsleiden.
- Fieberkrämpfe: Anfälle im Zusammenhang mit Fieber.
- Kopfschmerzen: Akute und chronische Kopfschmerzen.
- Früh- und Risikogeborene: Neurologische Probleme bei Frühgeborenen.
- Ticstörungen: Unwillkürliche Bewegungen oder Lautäußerungen.
- Spastik/Zerebralparese: Bewegungsstörungen aufgrund von Hirnschädigungen.
- Neuromuskuläre Erkrankungen: Erkrankungen der Muskeln und Nerven.
- Hydrozephalus, Hirnfehlbildungen und Spina bifida: Angeborene Fehlbildungen des Nervensystems.
- Genetische Syndrome: Neurologische Probleme im Rahmen genetischer Erkrankungen.
- Störungen der motorischen und geistigen Entwicklung: Entwicklungsverzögerungen.
- Kindergarten- und Schulprobleme: Schwierigkeiten im Kindergarten- und Schulalltag.
Neuroonkologie
Die Neuroonkologie befasst sich mit der Diagnose und Behandlung von Tumoren des Nervensystems. Aktuelle Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Verständnis der Mechanismen, die das Wachstum und die Ausbreitung von Hirntumoren beeinflussen.
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Aktuelle Forschungsschwerpunkte in der Neuroonkologie:
- Tumor Microtubes: Ultralange und ultradünne Membranausstülpungen von Tumorzellen, die die Kommunikation und Resistenz gegen Therapien fördern.
- Neuron-Tumor-Synapsen: Synapsen zwischen Neuronen und Tumorzellen, die das Tumorwachstum und die Invasion ins Gehirn stimulieren.
- Prävention von Hirnmetastasen: Strategien zur Verhinderung der Bildung von Hirnmetastasen.
Altersbedingte spinale Störungen
Mit zunehmendem Alter kommt es häufig zu degenerativen Prozessen an der Lendenwirbelsäule, die zu Einengungen des Spinalkanals führen können. Die lumbale Spinalkanalstenose gewinnt somit allgemein und für Neurochirurgen und Orthopäden als Krankheitsbild zunehmend an Bedeutung.
Medikamente und ihre Wirkungen
Ein separates Kapitel in der neurologischen und neurochirurgischen Pflege widmet sich den Medikamenten und ihren Wirkungen. Es ist wichtig, die spezifischen Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der eingesetzten Medikamente zu kennen, um eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die neurologische und neurochirurgische Pflege erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen. Dies umfasst Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten und andere Spezialisten. Nur durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit kann eine umfassende und individuelle Patientenversorgung sichergestellt werden.
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