Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Beschwerden, die das Leben vieler Menschen in Deutschland erheblich beeinträchtigen. Etwa 40 % der erwachsenen Deutschen leiden mehrmals im Monat unter Kopfschmerzen, was neben dem persönlichen Wohlbefinden auch das Berufs- und Privatleben stark einschränken kann. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Therapieansätzen und Unterstützungsmöglichkeiten, die Betroffenen helfen können, ihre Beschwerden zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Die Betriebskrankenkassen (BKK) spielen hierbei eine wichtige Rolle, indem sie innovative Programme und Versorgungsverträge anbieten, die speziell auf die Bedürfnisse von Kopfschmerz- und Migränepatienten zugeschnitten sind.
Kopfschmerzen und Migräne: Eine Volkskrankheit
Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Fachleute schätzen, dass etwa 70 Prozent der deutschen Bevölkerung regelmäßig unter Kopfschmerzen leiden, wobei vier bis fünf Prozent sogar täglich betroffen sind. Diese Zahlen verdeutlichen die immense Bedeutung des Themas und die Notwendigkeit effektiver Therapieansätze.
Spannungskopfschmerzen
Spannungskopfschmerzen sind die am häufigsten vorkommende Form von Kopfschmerzen. Sie treten besonders in stressigen Situationen auf und werden oft durch muskuläre Verspannungen, Flüssigkeitsmangel oder Zähneknirschen (Bruxismus) ausgelöst. Auch Lebensmittelunverträglichkeiten oder Sehstörungen können eine Rolle spielen.
Betroffene empfinden Spannungskopfschmerzen oft als drückenden oder ziehenden Schmerz im Kopf, der sich im Nacken- und Schulterbereich ausbreiten kann. Im Gegensatz zur Migräne treten Spannungskopfschmerzen in der Regel nicht mit Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit auf.
Migräne
Eine Migräne unterscheidet sich deutlich von gewöhnlichen Kopfschmerzen. Bei einem Migräneanfall setzen plötzlich heftige Schmerzen ein, oft nur auf einer Kopfseite. Typische Begleiterscheinungen sind starke Lärm- und Lichtempfindlichkeit sowie Übelkeit mit Erbrechen.
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Die ersten Beschwerden können bereits Stunden oder Tage vor dem eigentlichen Anfall auftreten. Betroffene leiden dann häufig unter Müdigkeit, Heißhunger, Konzentrationsstörungen oder einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm. Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch vermutet, dass entzündliche Vorgänge an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen.
Innovative Therapieprogramme der Bosch BKK: Der KopfschmerzCoach
Die Bosch BKK bietet ihren Versicherten mit dem "KopfschmerzCoach" ein innovatives Therapieprogramm gegen chronische Kopfschmerzen und Migräne an. Ziel des Programms ist es, Betroffene zu Experten für ihre eigene Erkrankung zu machen und ihnen das Wissen und die Werkzeuge an die Hand zu geben, um ihre Kopfschmerztage zu verringern und ihre Lebensqualität zu steigern.
Programmstruktur und Teilnahmevoraussetzungen
Der KopfschmerzCoach ist auf eine Dauer von zwölf Monaten ausgelegt und kann zeit- und ortsunabhängig genutzt werden. Das Programm ist für Versicherte der Bosch BKK kostenfrei und ohne Eigenanteil. Teilnahmevoraussetzungen sind chronische Kopfschmerzen oder Migräne sowie ein Mindestalter von 18 Jahren.
Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit dem Kopfschmerz- und Migräneexperten Dr. med. entwickelt und basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es umfasst verschiedene Elemente, darunter:
- Individuelle Beratung und Betreuung: Betroffene erhalten regelmäßige Unterstützung durch einen persönlichen Coach, der sie bei der Umsetzung ihrer Therapieziele unterstützt.
- Schmerztagebuch: Das Führen eines Schmerztagebuchs hilft, Auslöser und Muster der Kopfschmerzen zu erkennen und die Wirksamkeit der Therapie zu dokumentieren.
- Entspannungstechniken: Das Erlernen und Anwenden von Entspannungstechniken wieProgressiver Muskelentspannung oderAutogenem Training kann helfen,Stress abzubauen und Kopfschmerzen vorzubeugen.
- Bewegung und Sport: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Häufigkeit und Intensität von Kopfschmerzen reduzieren.
- Ernährungsberatung: Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, Kopfschmerzen vorzubeugen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.
BKK TeleCoach Kopfschmerz: Individuelle Unterstützung für ein besseres Leben
Viele BKK bieten ihren Versicherten mit chronischen Kopfschmerzen oder Migräne den "BKK TeleCoach Kopfschmerz" an. Dieses Coaching soll helfen, die Kopfschmerztage zu reduzieren.
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Ziele und Inhalte des Programms
Das Ziel des BKK TeleCoach Kopfschmerz ist es, die Lebensqualität der Teilnehmer zu verbessern, indem die Kopfschmerztage reduziert und das psychische Wohlbefinden gesteigert wird. Dies wird durch folgende Maßnahmen erreicht:
- Persönliches Coaching: Ein persönlicher Gesundheitscoach betreut die Teilnehmer telefonisch und digital über einen Zeitraum von 12 Monaten.
- Individuelle Informationen: Die Teilnehmer erhalten passgenaue medizinische Informationen zu ihrer Kopfschmerz-Situation und Gesundheit.
- Thieme Coach App: Die App bietet Zugriff auf ein digitales Schmerztagebuch und viele weitere Funktionen, die das Selbstmanagement unterstützen.
- Sprechstunde mit Fachpersonal: Bei Bedarf können die Teilnehmer eine Sprechstunde oder Fernkonsultation mit ärztlichem Fachpersonal des Kopfschmerzzentrums Frankfurt am Main in Anspruch nehmen.
Ablauf des Programms
Das Programm beginnt mit einem Erstgespräch, in dem der persönliche Coach die individuelle Situation des Teilnehmers einschätzt. Anschließend beginnt das Gesundheitscoaching, in dem Informationen zu Kopfschmerzen und Gesundheit vermittelt, Übungen zur Prävention erlernt und die Notfall- und Vorbeugemedikation optimiert werden.
Die Thieme TeleCoach App unterstützt die Teilnehmer dabei, ihre persönlichen Ziele zu erreichen, indem sie maßgeschneiderte Informationen zu chronischen Kopfschmerzen oder Migräne sowie zu Themen wie Bewegung, Ernährung und Entspannung bietet. Der in die App integrierte Messenger ermöglicht zudem eine direkte Kommunikation mit dem BKK TeleCoach.
Teilnahmevoraussetzungen
An "BKK TeleCoach Kopfschmerz" können Versicherte der teilnehmenden Betriebskrankenkassen ab 18 Jahren teilnehmen, die von chronischer Migräne und/oder chronischen Kopfschmerzen betroffen sind. Für die Nutzung der Thieme Coach App sind ein Smartphone sowie ein Internetzugang erforderlich.
Weitere Angebote der BKK zur Unterstützung von Kopfschmerzpatienten
Neben den genannten Programmen bieten viele BKK weitere Leistungen zur Unterstützung von Kopfschmerzpatienten an. Dazu gehören beispielsweise:
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- Spezielle Versorgungsverträge: Einige BKK haben Versorgungsverträge mit Kopfschmerzzentren oder spezialisierten Ärzten abgeschlossen, um ihren Versicherten eine optimale Behandlung zu ermöglichen. So bietet die Audi BKK beispielsweise spezielle Versorgungsverträge in München an, die eine umfassende Diagnose und individuelle Behandlungsempfehlungen zur Linderung der Kopfschmerzen umfassen.
- Kostenfreie Trainingsprogramme: Einige BKK bieten ihren Versicherten kostenfreie Trainingsprogramme zur Reduzierung von Schmerzen und Verspannungen an, beispielsweise über die medicalmotion-App.
- Integrierte Versorgung: Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit Behandlungsnetzen vertraglich geregelt. Für Versicherte bestimmter Krankenkassen erfolgt bei Vorliegen der Aufnahmebedingungen eine spezielle Behandlung in der Schmerzklinik Kiel.
- Kampagnen zur Kopfschmerzprävention: Die ZIES gGmbH entwickelt seit 2012 Programme zur Kopfschmerzprävention und bietet über die Kampagne „Headache Hurts“ vertiefende Informationen, die sich an eine jüngere Zielgruppe richten.
Das bundesweite Kopfschmerzbehandlungsnetz: Eine sektorenübergreifende Versorgung
Um die Versorgung von Kopfschmerzpatienten zu verbessern, wurde das bundesweite Kopfschmerzbehandlungsnetz initiiert. Dieses ermöglicht eine sektoren- und fachübergreifende Vernetzung der ambulanten und stationären Therapie. Ein nationaler Verbund von ambulant und stationär tätigen Schmerztherapeuten arbeitet Hand in Hand zusammen, um Schmerzen fach- und sektorenübergreifend mit zeitgemäßen Methoden optimal zu lindern.
Das Konzept bietet eine überregionale koordinierte Behandlung zwischen niedergelassenen Schmerztherapeuten verschiedener Fachgruppen in Schwerpunktpraxen, Schmerzambulanzen und Kliniken ohne Beschränkung durch Fachgrenzen und bürokratische Vergütungssektoren an. Für therapierefraktäre Erkrankungen kann eine hochintensivierte überregionale vollstationäre Behandlung erfolgen.
Selbsthilfe und Prävention: Was Sie selbst tun können
Neben den professionellen Therapieangeboten der BKK können Betroffene auch selbst aktiv werden, um ihre Kopfschmerzen und Migräne zu lindern. Dazu gehören:
- Gesunde Lebensgewohnheiten: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung.
- Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken und Strategien zur Stressbewältigung.
- Vermeidung von Auslösern: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Auslöser für Kopfschmerzen und Migräne und vermeiden Sie diese so gut wie möglich.
- Regelmäßige Bewegung: Wer von Spannungskopfschmerzen betroffen ist, fühlt sich in der Regel durch Spaziergänge an der frischen Luft besser. Auch Gymnastik, Dehnübungen oder Entspannungstraining können helfen, gerade bei chronischen Beschwerden.
Die neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel: Spezialisierte Therapie für chronische Schmerzen
Die neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen sowie allen Kopfschmerzarten, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch und Clusterkopfschmerz.
Aufnahmeformalitäten
Für die Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:
- Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
- Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Alle Unterlagen sowie Kopien relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die angegebene Anschrift gesendet.
Je nach Krankenkasse gelten unterschiedliche Regelungen für die Kostenübernahme. Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Schmerzklinik Kiel vertraglich geregelt.