Erkrankungen der Wirbelsäule können einen erheblichen Einfluss auf das Wohlbefinden haben, da die komplexe Struktur aus Knochen, Knorpeln, Bändern und Nerven an einer Vielzahl alltäglicher Bewegungsabläufe beteiligt ist. Die Krankheitsbilder sind vielfältig, und die Ursachen, Symptome und Behandlungen variieren je nach Art der Erkrankung. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über neurologische Erkrankungen der Wirbelsäule, einschließlich degenerativer Veränderungen, Wirbelblockaden, Skoliose, Spinalkanalstenose und Wirbelgleiten.
Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen
Was ist eine degenerative Wirbelsäulenerkrankung?
Unter einer degenerativen Wirbelsäulenerkrankung versteht man eine abnutzungsbedingte Erkrankung der Wirbelsäule. Diese Abnutzung kann altersbedingt sein, aber auch eine dauerhafte Überbelastung der Wirbelsäule kann zu einer degenerativen Wirbelsäulenerkrankung führen. Aufgrund der Abnutzung kommt es zu einer Veränderung der anatomischen Beschaffenheit der Wirbelsäule und somit teilweise zu einer Beeinträchtigung der vollen Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule.
Krankheitsbilder der degenerativen Wirbelsäulenerkrankung
Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen umfassen verschiedene Krankheitsbilder:
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall kann in allen Bereichen der Wirbelsäule (LWS, BWS und HWS) auftreten.
- Facettensyndrom: Das Facettensyndrom entsteht durch Arthrose in den kleinen Wirbelgelenken.
- Spondylose/Osteochondrose: Hierbei handelt es sich um den Verschleiß der Bandscheiben und / oder der Wirbelkörper.
- Spinalkanalstenose: Die Spinalkanalstenose bedeutet eine Erkrankung aufgrund der Verengung des Wirbelkanals.
Ursachen für degenerative Wirbelsäulenerkrankung
Ursachen für eine degenerative Wirbelsäulenerkrankung gibt es verschiedene. Die häufigste Ursache für eine degenerative Wirbelsäulenerkrankung ist der Bandscheibenvorfall. Der degenerative Bandscheibenvorfall bringt meist auch eine Wirbelgelenksarthrose mit sich. Diese entsteht, wenn die Bandscheibenhöhe abnimmt und sich somit der Druck auf die hinten gelegenen kleinen Wirbelgelenke erhöht. Und auch Osteoporose kann eine Ursache für degenerative Wirbelsäulenerkrankungen darstellen. Osteoporose äußert sich durch die Verringerung der Knochenmasse, meist tritt sie im Alter auf.
Mit fortschreitendem Alter verringert sich die Wasserspeicherfähigkeit der Bandscheiben. Durch die Abnahme des Flüssigkeitgehaltes des Gallertkerns der Bandscheibe kommt es zu einer Abnahme der Dämpfungsfunktion der Bandscheibe. Es entstehen Risse in der Bandscheibe oder dem Faserring. Durch den Verschleiß verringert sich auch der Abstand zwischen den einzelnen Wirbelkörpern, wodurch es zu einer erhöhten Abnutzung und erhöhtem Druck kommt. Der erhöhte Druck zieht eine übermäßige Verknöcherung und somit teilweise eine Einschränkung der Beweglichkeit nach sich. Auch kann die dauerhafte starke Belastung dazu führen, dass der Gallertkern der Bandscheibe durch den Faserring bricht und anschließend auf das Rückenmark oder die Spinalnerven drückt.
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Symptome einer degenerativen Wirbelsäulenerkrankung
Grundsätzlich treten degenerative Wirbelsäulenerkrankungen bei fast allen älteren Menschen auf, aber es gehen häufig keine Beschwerden mit ihnen einher. Kommt es zu Symptomen, handelt es sich meist um Rückenschmerzen, die bei bestimmten Bewegungen und in bestimmten Bereichen der Wirbelsäule besonders schmerzhaft sind. Als Folge von Bandscheibenvorfällen oder der Einklemmung der Nerven kann es auch zu weiteren Symptomen kommen:
- Gefühlsstörungen
- Lähmungen
- Blasen- und Mastdarmstörungen
Behandlungsmöglichkeiten bei degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen
Abhängig vom Schweregrad der Schmerzen können Sie Schmerzmittel einnehmen. Dabei stehen nicht nur klassische Schmerzmittel zur Debatte, sondern auch spezifische Schmerzmittel wie Medikamente gegen neuropathische Schmerzen oder steroidale Antirheumatika. Auch Bewegungs- und Physiotherapie sind empfehlenswert, um die Muskeln zu entspannen und zu kräftigen. Liegt die Ursache für Ihre Rückenschmerzen in einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose, kommen teilweise auch invasive oder operative Eingriffe zum Einsatz.
Vorbeugung degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen
Ein großer Risikofaktor für eine degenerative Wirbelsäulenerkrankung ist Übergewicht. In diesem Fall kann eine degenerative Wirbelsäulenerkrankung auch früher und nicht erst im Alter auftreten. Auch Bewegungsmangel fördert degenerative Wirbelsäulenerkrankungen. Sie sollten sich somit ausreichend bewegen, auf Ihre Haltung achten und Übergewicht vermeiden, um einer degenerativen Wirbelsäulenerkrankung vorzubeugen.
Wirbelblockaden
Was ist eine Wirbelblockade?
Plötzlich auftretende Schmerzen nach einer ruckartigen Bewegung oder auch schleichende Rückenschmerzen können Symptome für eine Wirbelblockade sein. Betroffene leiden häufig an starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, aber auch an Atemproblemen, Kopf- oder Nackenschmerzen. Die Symptome hängen davon ab, an welcher Stelle der Wirbelsäule die Blockade auftritt. Eine Wirbelblockade bezeichnet eine vorübergehende, eingeschränkte Beweglichkeit oder Verschiebung in einem Wirbelgelenk, die oft mit Schmerzen einhergeht. Auch die Begriffe Wirbelblockierung, Wirbelgelenkblockade, segmentale Dysfunktion oder reversible hypomobile artikuläre Dysfunktion sind gebräuchlich. Der Begriff stammt aus der sogenannten manuellen Medizin, die sich mit alternativen und komplementären Behandlungsmethoden beschäftigt. Bisher liegen kaum wissenschaftliche Studien zu dieser Erkrankung vor, weshalb deren Existenz in der Medizin derzeit umstritten und nicht allgemein anerkannt wird.
Ursachen von Wirbelblockaden
Die Wirbelsäule wird durch Sehnen, Muskeln, Knorpel und Bänder bewegt und an ihrem Platz gehalten. Fehlbelastungen, Verschleißerscheinungen, Verspannungen in den Muskeln oder zu schwache Muskeln können beispielsweise Gründe für Rückenschmerzen sein. Frühere Theorien gingen von einem Verhaken der Wirbelkörper aus, die auf Unfälle oder das falsche Heben von schweren Gegenständen zurückzuführen seien. Derzeit dominiert die Vermutung, durch ruckartige Bewegungen, Verspannungen, Fehlbelastungen. krankhaften Veränderungen der Gelenkflächen oder gar Verletzungen in inneren Organen würde ein Schmerzreiz ausgelöst, der wiederum zu Verspannungen in den Muskeln bis hin zum Muskelkrampf führe.
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Symptome einer Wirbelblockade
Die Auswirkungen einer Wirbelblockade hängen davon ab, wo diese auftritt. Beispielsweise sind ein steifer Nacken, Kopfschmerzen, Atemprobleme sowie in die Beine ausstrahlende Schmerzen möglich. Im Allgemeinen werden die Schmerzen bei einer Blockade des Wirbels als stechend beschrieben. Aufgrund der Schmerzen nehmen viele Patientinnen und Patienten eine Schonhaltung ein, was zwar kurzfristig zu geringeren Schmerzen beitragen kann, allerdings auf Dauer zu weiteren Verspannungen und Schmerzen führt.
Diagnose und Behandlung von Wirbelblockaden
Ein Orthopäde bzw. eine Orthopädin kann eine Wirbelblockade diagnostizieren. Hierfür befragen diese zunächst die Betroffenen zu den vorliegenden Beschwerden, etwa dem Ort der Schmerzen und deren Dauer sowie einen möglichen Auslöser wie eine ruckartige Bewegung auf die Wirbel. Zusätzlich zum Anamnesegespräch und der Untersuchung können Ärztinnen und Ärzte bildgebende Verfahren wie ein Röntgenbild oder die Magnetresonanztomografie (MRT) beauftragen, um andere Gründe für die vorhandenen Rückenschmerzen auszuschließen.
Ist die Ursache einer Wirbelblockade eine verspannte Muskulatur, so lässt sich diese durch Bewegungsübungen lösen. Patientinnen und Patienten haben mit solchen Übungen innerhalb einer Physiotherapie positive Erfahrungen bei der Behandlung einer Wirbelblockade gemacht. Auch eine Chirotherapie als Teil der manuellen Medizin kommt als Behandlungsmethode in Betracht. Um eine Wirbelblockade zu behandeln, stehen den Patientinnen und Patienten verschiedene Ansätze der Schul- und manuellen Medizin zur Verfügung. Wie lange eine Wirbelblockade dauert, hängt dabei von der Schwere der Muskelverspannungen und der Zusammenarbeit der Patientinnen und Patienten mit dem therapeutischen Personal zusammen:
- Physiotherapie: Die Physiotherapie löst Verspannungen in der Muskulatur und damit eine Wirbelblockade mithilfe auf den Patienten beziehungsweise die Patientin angepasste Bewegungsübungen. Nachdem diese verinnerlicht wurden, können die Betroffenen diese zuhause weiterführen und zukünftigen Verspannungen vorbeugen. Ein Physiotherapeut oder eine Physiotherapeutin können zusätzlich Massagen anwenden, um die Muskulatur zu lockern.
- Chirotherapie: Die Chirotherapie nutzt Praktiken aus der Osteopathie und Chiropraktik, die zur manuellen Therapie bzw. alternativen und komplementären Medizin gehören. Ihr Ziel ist es, eine Wirbelblockade mit sanften Bewegungen und kurzen, ruckartigen Manipulationen zu lösen. Bei Entzündungen, psychischen Erkrankungen oder einer schweren Osteoporose sollte von einer Chirotherapie abgesehen werden. Darüber hinaus erkennen die Landesärztekammern die Ausbildungen im Bereich der Osteopathie und Chiropraktik zwar an, dennoch bleiben deren Methoden in der Wissenschaft umstritten.
- Schmerztherapie: Zu Beginn der Behandlung einer Wirbelblockade können Schmerzmittel nötig werden, um die Übungen zum Lockern ausführen zu können. Sobald sich die Wirbelblockade und ihre Symptome bessern, können diese abgesetzt werden.
- Muskelentspannung: Die Muskelentspannung und damit Lockerung kann zusätzlich mit Wärmeanwendungen und sogenannten Muskelrelaxanzien gelöst werden. Letztere sorgen dafür, dass die Muskeln entspannen.
Vorbeugung von Wirbelblockaden
Um die Wirbelsäule zu stabilisieren und einer Wirbelblockade vorzubeugen, sind zunächst ausreichend trainierte Rückenmuskeln nötig. Positiv wirken sich auf Bewegung, eine aufrechte Körperhaltung sowie das richtige Heben von schweren Gegenständen aus der Hocke auf die Rückengesundheit aus. Wer öfter Rückenschmerzen hat oder bereits eine Wirbelblockade hatte, sollte deshalb häufiger aufstehen und sich bewegen. Auch sanfte Dehnübungen können helfen, ebenso Sportarten wie Yoga oder Qi Gong, die nicht nur die Muskulatur, sondern auch die Bänder, Faszien und Sehen stärken. Viele Krankenkassen bietet zudem Rückenschulen an, die ganz oder teilweise von diesen finanziert werden.
Skoliose
Was ist Skoliose?
Die neurogene Skoliose ist eine Form der Skoliose, die aufgrund von neurologischen oder neuromuskulären Erkrankungen entsteht, wie z. B. Zerebralparese, Muskeldystrophie, spinale Muskelatrophie oder Rückenmarksveränderungen/-verletzungen. Patienten mit neurogener Skoliose zeigen eine seitliche Krümmung der Wirbelsäule, die oft mit einer sichtbaren Verformung des Rumpfes einhergeht. Weitere Symptome können eine ungleiche Schulter- oder Beckenhöhe, sichtbare Rippenbuckel oder Lendenwulst und eine allgemeine Veränderung der Körperhaltung sein.
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Diagnose und Behandlung von Skoliose
Die Diagnose einer neurogenen Skoliose erfolgt durch eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren. Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule in verschiedenen Ansichten sind Standard, um den Grad der Krümmung zu bestimmen.
Die Prognose für Patienten mit neurogener Skoliose variiert je nach Ursache und Schweregrad der zugrundeliegenden neurologischen oder neuromuskulären Störung. Eine frühe Intervention kann helfen, die Progression der Skoliose zu verlangsamen und die Funktion zu verbessern.
Die Behandlung der neurogenen Skoliose zielt darauf ab, die Progression der Krümmung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern. Dies kann im jungen Alter die Verwendung von Orthesen (Korsetts) umfassen, die speziell angepasst werden, um die Wirbelsäule zu stützen. In der Regel sind aufgrund der zu erwartenden anhaltenden Verschlechterung der Wirbelsäulenkrümmung chirurgische Interventionen im Verlauf notwendig. Ziel ist es dann die Wirbelsäule zu stabilisieren und die Krümmung zu korrigieren um Beeinträchtigungen der Organe (u.a. Lunge) zu verhindern.
Spinalkanalstenose
Was ist eine Spinalkanalstenose?
Bei einer Spinalkanalstenose verengt sich der Wirbelkanal der Wirbelsäule (auch als Spinalkanal bezeichnet). Im Wirbelkanal verlaufen die Nervenbahnen des Rückenmarks sowie Blutgefäße, die auch die Beine versorgen. Wird der Wirbelkanal enger, kann zu wenig Raum für die Nerven und Gefäße bleiben. Das kann zu Beschwerden im Rücken und in den Beinen führen - muss es aber nicht.
Eine Spinalkanalstenose kann angeboren sein. Viel häufiger entsteht sie aber durch den normalen Alterungsprozess des Körpers (degenerative Spinalkanalstenose).
Ursachen einer Spinalkanalstenose
Bei den meisten Menschen entsteht eine Spinalkanalstenose durch den normalen Alterungsprozess. Denn mit zunehmendem Alter kommt es zu Abnutzungserscheinungen an Bandscheiben, Knochen und Bändern der Wirbelsäule.
Die Bandscheiben verlieren an Flüssigkeit, werden spröde und rissig, wodurch die Wirbelsäule an Stabilität verlieren kann. Manchmal versucht der Körper, dies durch Knochenbildung an den Wirbeln auszugleichen (Spondylophyten). Die natürliche Krümmung der unteren Wirbelsäule kann sich durch Veränderungen an der Wirbelsäule verstärken. Dadurch kann es im Stehen zu einem Hohlkreuz oder Flachrücken kommen.
Die altersbedingten Veränderungen der Wirbelsäule können dazu führen, dass die Wirbel sich stärker gegeneinander verschieben. Das wird Wirbelgleiten genannt. Die Wirbel können dann ebenfalls auf Nerven und Gefäße drücken. Wirbelgleiten tritt häufig zusammen mit einer Spinalkanalstenose auf.
Symptome einer Spinalkanalstenose
Eine Spinalkanalstenose kann sich durch Schmerzen im unteren Rücken äußern, die bis in Gesäß und Oberschenkel ziehen - manchmal auch bis in den Unterschenkel. Es kann auch sein, dass nur das Bein wehtut oder dass es sich müde und schwer anfühlt. Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, nennt man Ischialgien (umgangssprachlich „Ischias“).
Eine Spinalkanalstenose macht sich typischerweise bei Belastung bemerkbar, besonders beim langsamen Gehen oder Stehen. Leichtes Vorbeugen entlastet die Nerven. Deshalb lehnen sich Betroffene beim Gehen oft leicht nach vorne oder setzen sich zwischendurch, um den Oberkörper nach vorne zu beugen. Längere Strecken können sie nicht so gut zurücklegen.
Es kann auch zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Beinen oder Lähmungserscheinungen kommen. Das kann dazu führen, dass man sich etwas unsicher auf den Beinen fühlt.
Selten weisen Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen auf ein ernsthaftes Problem hin, etwa eine Nervenschädigung. Beim sogenannten Kauda-Syndrom kommt es zu Lähmungen oder einer plötzlichen Störung der Blasen- oder Darmfunktion.
Diagnose einer Spinalkanalstenose
Um die Ursache der Beschwerden herauszufinden, fragt der Arzt oder die Ärztin nach der Art der Beschwerden. Zusammen mit einer körperlichen Untersuchung reicht das oft schon aus, weil die Beschwerden bei einer Spinalkanalstenose sehr typisch sind.
Eine bildgebende Untersuchung wie eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) wird nötig, wenn die Schmerzen trotz Behandlung nicht besser werden, sehr stark sind oder wenn es zu Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen in den Beinen kommt. Dann ist es wichtig, abzuklären, ob etwas anderes als eine Spinalkanalstenose hinter den Beschwerden steckt. Eine Röntgenuntersuchung kann bei einem Verdacht auf Wirbelgleiten sinnvoll sein, weil das in einer Röntgenaufnahme in der Regel gut sichtbar ist.
Bildgebende Verfahren werden immer eingesetzt, bevor operiert wird oder Spritzen gegen die Beschwerden in den Rücken gegeben werden.
Behandlung einer Spinalkanalstenose
Nicht operative (konservative) Behandlungen stehen bei der Therapie einer Spinalkanalstenose im Vordergrund:
- Entlastungshaltungen, etwa das Beugen des Oberkörpers oder das Kippen des Beckens
- Manuelle Therapie, bei der der betroffene Wirbelsäulenabschnitt und die Nervenwurzeln am Übergang zum Kreuzbein gezielt mobilisiert werden. Auch eine Dehnung und Mobilisierung der Gelenke im Hüft-, Becken- und Wirbelsäulenbereich sowie Rumpfübungen gehören dazu.
- Physiotherapie, bei der gezielte Übungen und Haltungen zur Entlastung der Wirbelsäule erlernt werden, die man dann selbstständig durchführen kann.
- Schmerzstillende Medikamente, um Rückenschmerzen zu lindern und sich trotz Beschwerden weiter zu bewegen. Meist werden entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen empfohlen. Am besten nimmt man sie nur bei Bedarf und in der geringsten wirksamen Dosierung ein. Von den meisten anderen schmerzstillenden Medikamenten wird wegen fehlender oder unklarer Wirksamkeit und Nebenwirkungen eher abgeraten.
- Generell wird empfohlen, im Alltag möglichst aktiv zu bleiben.
- Besonders wenn Beschwerden länger andauern und chronisch werden, kann eine sogenannte multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein. Hierbei wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut, etwa aus der Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Sie unterstützen dabei, in Bewegung zu bleiben und mit den Beschwerden umzugehen.
Wenn die Beschwerden viele Monate oder Jahre andauern und trotz konservativer Behandlungen nicht besser werden, kann eine Operation infrage kommen. Vor einem solchen Eingriff hat man das Recht auf eine zweite ärztliche Meinung bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten. Auch die Entscheidungshilfe zur Operation bei Spinalkanalstenose kann beim Abwägen der Vor- und Nachteile eines solchen Eingriffs helfen.
Eine Operation ist sofort nötig, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass Lähmungserscheinungen beispielsweise an den Beinen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren. Letzteres sind Zeichen des sogenannten Kauda-Syndroms.
Manchmal schließt sich an eine Operation eine Rehabilitation an. Sie hat das Ziel, die Erholung zu fördern und dazu beizutragen, dass man sich nach einer Operation auch langfristig wieder möglichst gut bewegen kann. Eine Rehabilitation kann Übungen zur Kräftigung, Dehnung und für das Gleichgewicht umfassen. Die Übungen werden meist von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten angeleitet.
Leben mit Spinalkanalstenose
Die Beschwerden durch eine Spinalkanalstenose können von Tag zu Tag unterschiedlich stark sein. Wenn sie stärker sind, kann das für berufstätige Menschen zu Einschränkungen im Job führen. Auch Alltagstätigkeiten wie Putzen oder Einkaufen können schwerfallen und man braucht für viele Dinge mehr Zeit. Manchmal ist es dann gut, im Familien- oder Freundeskreis um Unterstützung zu bitten.
An Tagen mit starken Schmerzen fällt es mitunter schwer, sich wie gewohnt zum Beispiel mit anderen zu treffen oder ins Kino zu gehen. Daher kann es manchmal leichter sein, sich spontan zu melden oder kurzfristig für eine Unternehmung zu entscheiden, wenn die Beschwerden gerade schwächer sind. Die Sorge vor einer Verschlechterung kann aber belastend sein.
Ein „Wundermittel“ gegen Beschwerden einer Spinalkanalstenose gibt es nicht. Sie begleiten viele Menschen über lange Zeit. Die Herausforderung ist dann, sich damit zu arrangieren und gute Strategien für den Alltag zu entwickeln. Chronische Schmerzen können jedoch körperlich und psychisch so zu schaffen machen, dass sie manchmal sogar zu Problemen wie einer Depression führen.
Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)
Was ist Wirbelgleiten?
Wirbelgleiten, auch bekannt als Spondylolisthese, ist eine Erkrankung, bei der sich ein oder mehrere Wirbelkörper in der Wirbelsäule gegeneinander verschieben. Dies tritt häufig im Bereich der Lendenwirbelsäule auf und kann durch verschiedene Ursachen wie angeborene Fehlbildungen, degenerative Veränderungen, Unfälle oder durch pathologische Veränderungen entstehen. Die Instabilität der Wirbelsäule führt oft zu belastungsabhängigen Schmerzen im Rücken mit Schmerzausstrahlung in die Beine sowie zu Bewegungseinschränkungen.
Diagnose und Behandlung von Wirbelgleiten
Die Diagnose wird durch die Anamneseerhebung, neurologische Untersuchung und Durchführung eines Röntgenbildes der Lendenwirbelsäule inklusive Funktionsaufnahmen sowie eine MRT- und CT-Bildgebung gestellt.
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Spondylolisthese. Die Spondylolisthesis wird in 5 Schweregrade nach Meyerding eingeteilt.
Ziel der Therapie des Wirbelgleitens ist die Beseitigung oder Reduktion von Schmerzen und von neurologischen Ausfallerscheinungen. Die Behandlung der Spondylolisthesis erfolgt in den meisten Fällen konservativ. Der Gleitvorgang kann spontan in jedem Stadium zum Stillstand kommen.
Operativ steht die Versteifungsoperation (Spondylodese) bei Wirbelgleiten im Vordergrund. Dieser Eingriff erfordert eine individuell zugeschnittene Lösung. Dabei bestehen je nach Art und Ausprägung des Wirbelgleitens, Alter und Aktivität des Patienten, Zustand der Bandscheibe und der angrenzenden Wirbelkörper ganz unterschiedliche Ansätze. Die Stabilisierung der Wirbelsäule im Rahmen einer minimalinvasiven Operation erfolgt mit speziellen Schrauben und Verbindungsstangen.
Verhalten nach einer operativen Versteifung bei Wirbelgleiten
Nach einer operativen Versteifung bei Wirbelgleiten dürfen Sie etwa 4 bis 6 Wochen nicht arbeiten. Je nach Tätigkeit kann die Arbeitsunfähigkeit aber auch länger bestehen. Achten Sie bei der Rückkehr in Ihren Job unbedingt auf einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz mit höhenverstellbarem Schreibtisch. Vermeiden Sie es, über längere Zeit in der gleichen Position oder mit übereinandergeschlagenen Beinen zu sitzen. Dies belastet die Wirbelsäule sehr.
Um die Einheilung nach der Versteifung der Wirbelsäule nicht zu gefährden, sollten Sie sich unmittelbar nach der Operation körperlich schonen. Auf Sport sollten Sie generell für etwa einen Monat verzichten. Dann dürfen Sie mit sanften Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren beginnen. Bewegungsübungen sind in Absprache mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten möglich.
Während der Einheilungsphase nach der Operation ist ein korrektes Bewegungsverhalten von großer Wichtigkeit, um das Operationsergebnis nicht zu gefährden. Dabei spricht man u. a. von der En-bloc-Mobilsation. Achten Sie darauf, die Bewegungsübergänge wie beschrieben durchzuführen. Diese Bewegungsabläufe sollten automatisiert werden, um Fehler zu vermeiden.
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