Die Neuropathie der Fingerspitzen ist ein Zustand, der durch Taubheit, Kribbeln, Schmerzen oder andere abnormale Empfindungen in den Fingerspitzen gekennzeichnet ist. Sie kann verschiedene Ursachen haben, von denen einige harmlos sind, während andere auf eine zugrunde liegende Erkrankung hinweisen können. Es ist wichtig, die potenziellen Ursachen zu verstehen und einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose und einen geeigneten Behandlungsplan zu erhalten.
Was ist Neuropathie?
Der Begriff Neuropathie fasst eine Reihe von Erkrankungen des peripheren Nervensystems zusammen. Unsere Nerven sind einerseits verantwortlich für die Bewegung und Muskelaktivität (motorische Nerven), andererseits für eine Vielzahl von Wahrnehmungen (sensible Nerven). Schäden an diesen Nerven können die Weiterleitung von Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und dem Rest des Körpers stören.
Ursachen für Neuropathie der Fingerspitzen
Es gibt zahlreiche Ursachen für Neuropathie der Fingerspitzen, die von harmlosen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen reichen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:
Diabetes mellitus
Diabetes mellitus ist eine der Hauptursachen für Polyneuropathie. Bis zu einem Drittel aller Menschen mit Diabetes Typ-1 und Diabetes Typ-2 entwickeln Schäden an den peripheren Nerven als Folge ihrer Zuckerkrankheit. Ein dauerhaft zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt die Nerven und führt zu Beschwerden.
Alkoholmissbrauch
Langjähriger, hoher Alkoholkonsum kann ebenfalls eine Neuropathie auslösen. Alkohol gilt als Nervengift und stört die Weiterleitung von Reizen und Signalen. Bei der Polyneuropathie aufgrund chronischen Alkoholmissbrauchs könnte auch eine Mangelernährung eine Rolle spielen, die zu einem Vitaminmangel führt.
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Vitaminmangel
Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere Vitamin B12, kann Nervenschäden verursachen und zu Taubheitsgefühlen und Kribbeln in den Fingern führen. Menschen mit veganer Ernährungsweise, die komplett auf tierische Produkte verzichten, oder nach einer Magenoperation können gefährdet sein.
Medikamente
Verschiedene Medikamente können als Nebenwirkungen zu Missempfindungen wie tauben Fingerspitzen führen. Dazu zählen bestimmte Antiepileptika und Antibiotika.
Infektionen
Infektionen mit Viren und Bakterien, wie Borreliose, Herpes simplex oder Pfeiffersches Drüsenfieber, können ebenfalls eine Neuropathie verursachen.
Autoimmunerkrankungen
Autoimmunerkrankungen, wie das Guillain-Barré-Syndrom, können die Nervenscheiden der peripheren Nerven schädigen.
Krebserkrankungen und Chemotherapie
Krebserkrankungen selbst oder die Chemotherapie zur Behandlung von Krebs können eine Neuropathie auslösen. Besonders platinhaltige Zytostatika wie Cisplatin fördern die Polyneuropathie.
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Andere Ursachen
Weitere mögliche Ursachen sind Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion, Gifte und Verletzungen.
Symptome der Neuropathie der Fingerspitzen
Die Symptome der Neuropathie der Fingerspitzen können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Taubheit
- Kribbeln
- Brennen
- Stechen
- Schmerzen
- Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen
- VermindertesTemperaturempfinden
- Muskelschwäche
- Koordinationsschwierigkeiten
Diagnose der Neuropathie der Fingerspitzen
Um die Ursache der Neuropathie der Fingerspitzen zu ermitteln, wird der Arzt eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Folgende diagnostische Maßnahmen können eingesetzt werden:
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die Reflexe, die Muskelkraft, die Sensibilität und die Koordination.
- Elektroneurographie (Nervenleitgeschwindigkeitsmessung): Hierbei werden die elektrischen Impulse der Nerven gemessen, um festzustellen, wie gut die Nervensignale transportiert werden.
- Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann Aufschluss darüber geben, ob die Muskeln auf die Nervensignale richtig ansprechen.
- Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Diabetes, Vitaminmangel, Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder andere zugrunde liegende Erkrankungen zu identifizieren.
- Liquoruntersuchung: Bei Verdacht auf eine entzündliche Ursache kann eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich sein.
- Nervenbiopsie: In seltenen Fällen kann eine Nervenbiopsie durchgeführt werden, um eine Gewebeprobe des Nervs zu entnehmen und unter dem Mikroskop zu untersuchen.
- Quantitative Sensorische Testung (QST): Durch sieben verschiedene Gefühlstests an der Haut werden 13 Werte ermittelt. Sie helfen zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist.
- Thermode: Um das Temperaturempfinden exakt zu messen, kommen computergesteuerte Temperaturreize zum Einsatz.
Behandlung der Neuropathie der Fingerspitzen
Die Behandlung der Neuropathie der Fingerspitzen zielt in erster Linie darauf ab, die zugrunde liegende Ursache zu behandeln und die Symptome zu lindern.
Behandlung der Ursache
- Diabetes: Bei diabetischer Neuropathie ist es wichtig, den Blutzuckerspiegel optimal einzustellen.
- Alkoholmissbrauch: Bei alkoholischer Neuropathie ist ein vollständiger Verzicht auf Alkohol erforderlich.
- Vitaminmangel: Ein Vitaminmangel kann durch eine Ernährungsumstellung oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln behoben werden.
- Medikamente: Wenn Medikamente die Ursache sind, sollte der Arzt nach Möglichkeit ein anderes Medikament verschreiben.
- Infektionen: Infektionen werden mit Antibiotika oder antiviralen Medikamenten behandelt.
- Autoimmunerkrankungen: Autoimmunerkrankungen können mit Immunsuppressiva behandelt werden.
- Krebserkrankungen: Die Behandlung von Krebserkrankungen umfasst in der Regel Chemotherapie, Strahlentherapie oder Operation.
Symptomatische Behandlung
Zusätzlich zur Behandlung der Ursache können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um die Symptome der Neuropathie der Fingerspitzen zu lindern:
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- Schmerzmittel: Bei Schmerzen können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden. Bei neuropathischen Schmerzen können Antidepressiva, Antikonvulsiva oder Opioide eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Koordination zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Feinmotorik und das Tastvermögen wieder zu stärken.
- TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation): Bei der Elektrotherapie werden die Nerven durch Impulse aus einem speziellen Gerät so stimuliert, dass Erkrankte statt Schmerzen ein leichtes Kribbeln spüren.
- Capsaicin-Pflaster: Capsaicin ist für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich und hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel erwiesen. Es betäubt nicht nur den schmerzenden Bereich und steigert die Durchblutung, sondern scheint sogar die Neubildung kleiner Nervenfasern anzuregen.
- Akupunktur: Wie die gezielten Reize der Akupunktur die Nerven beleben, ist noch ungeklärt.
- Psychologische Therapie: Psychologische Unterstützung kann helfen, mit den chronischen Schmerzen und den Auswirkungen der Neuropathie auf das tägliche Leben umzugehen.
Tipps für die Vorsorge und mehr Lebensqualität bei Neuropathie
- Blutzucker kontrollieren: Menschen mit Diabetes sollten regelmäßig ihren Blutzucker kontrollieren und ärztlich verordnete Medikamente einnehmen.
- Füße kontrollieren: Eine Polyneuropathie an Beinen oder Füßen erhöht das Risiko für Fußgeschwüre - eine regelmäßige Kontrolle auf Wunden ist also wichtig.
- Bewegen: Menschen mit Polyneuropathie können bei Schmerzen und Missempfindungen von verschiedenen Angeboten wie Aquagymnastik oder Gehtraining profitieren.
- Gesunden Lebensstil pflegen: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und ausreichend Schlaf kann helfen, die Nervenfunktion zu unterstützen.
- Alkohol vermeiden: Bei alkoholischer Neuropathie ist ein vollständiger Verzicht auf Alkohol unerlässlich.
- Rauchen aufgeben: Rauchen kann die Durchblutung verschlechtern und die Nervenschäden verstärken.
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig, um den Verlauf der Neuropathie zu überwachen und die Behandlung bei Bedarf anzupassen.
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