Neuroplastizität: Erfahrungen und Anwendungen beim Abnehmen und im Alltag

Die Neuroplastizität, die Fähigkeit des Gehirns, sich im Laufe des Lebens zu verändern und anzupassen, ist ein faszinierendes Forschungsgebiet mit weitreichenden Implikationen. Sie ermöglicht es uns, zu lernen, uns an neue Situationen anzupassen und uns von Verletzungen zu erholen. In den letzten Jahren hat das Verständnis der Neuroplastizität auch neue Wege zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens eröffnet, insbesondere im Bereich des Abnehmens.

Was ist Neuroplastizität?

Die Neuroplastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, seine Struktur und Funktion als Reaktion auf Erfahrungen zu verändern. Dies geschieht durch die Bildung neuer neuronaler Verbindungen, die Stärkung bestehender Verbindungen oder die Reduzierung oder Eliminierung nicht verwendeter Verbindungen. Diese Anpassungsfähigkeit ermöglicht es dem Gehirn, auf neue Informationen, sensorische Stimulation, Entwicklung, Schäden oder Funktionsstörungen zu reagieren.

Kurzfristige und langfristige Anpassungen

Das Gehirn kann sich sowohl kurz- als auch langfristig anpassen. Kurzfristige Anpassungen erfolgen auf der Ebene der Botenstoffe und beeinflussen die Signalübertragung zwischen Nervenzellen. Langfristige Anpassungen hingegen verändern die Struktur und Funktion des Gehirns.

Die Rolle von Erfahrung und Umwelt

„Letztlich formt alles, was wir tun, erleben und lernen unser Gehirn“, sagt Prof. Dr. Gerd Kempermann. Erfahrungen, Beziehungen, Lernen, Umweltfaktoren, Hobbys, Gewohnheiten, Schmerzen oder Verletzungen - all dies wirkt sich auf unser Gehirn aus, weil es sich anpasst. Kein Wunder, dass unser Denkorgan komplett individuell unterschiedlich ist.

Neuroplastizität und Abnehmen: Ein neuer Ansatz

Die Erkenntnisse über die Neuroplastizität haben zu neuen Ansätzen beim Abnehmen geführt, die über traditionelle Diäten und körperliche Betätigung hinausgehen. Diese Ansätze konzentrieren sich auf die Veränderung von Denkmustern und Gewohnheiten, die zu ungesundem Essverhalten führen.

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Mentales Training und Neuroplastizität

Mentales Training kann den Abnehmprozess auf vielfältige Weise unterstützen, indem es die Fähigkeit des Gehirns zur Veränderung nutzt. Gezielte mentale Übungen wie Visualisierung und Achtsamkeitstechniken können Gewohnheiten und Verhaltensweisen nachhaltig verändern. Studien zeigen, dass mentales Training die neuronalen Verbindungen stärkt, die für Selbstkontrolle und emotionale Regulation verantwortlich sind. Diese Veränderungen im Gehirn helfen, Versuchungen zu widerstehen und gesündere Entscheidungen zu treffen.

Intuitives Essen: Auf den Körper hören

Ein Beispiel für einen solchen Ansatz ist das intuitive Essen, bei dem man lernt, auf die natürlichen Körpersignale wie Hunger und Sättigung zu hören. Anstatt sich an starre Regeln zu halten, isst man, wenn man hungrig ist, und hört auf, wenn man satt ist. Dies fördert ein entspanntes Verhältnis zum Essen und hilft, Heißhungerattacken zu vermeiden.

Der Einfluss von Glaubenssätzen

Mentale Trainingsvideos können helfen, sogenannte Glaubenssätze in Bezug auf das Abnehmen zu trainieren. Positive Glaubenssätze wie "Ich kann alles erreichen, was ich mir vornehme" oder "Wenn ich auf meine Körper höre, erreiche ich mein Wohlfühlgewicht" können das Unterbewusstsein positiv beeinflussen.

Die Rolle von Sport und Bewegung

Sport ist förderlich, wenn man abnehmen möchte, da Bewegung den Stoffwechsel in Schwung bringt und Kalorien verbrennt. Sport stärkt die Gesundheit und das Wohlbefinden und hilft, besser mit dem Körper in Verbindung zu stehen.

Neuroplastizität im Alltag: Geistige Fitness und Resilienz

Die Neuroplastizität spielt nicht nur beim Abnehmen eine Rolle, sondern auch für die allgemeine geistige Fitness und Resilienz.

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Geistige Fitness im Alter

Mit zunehmendem Alter nimmt die Hirnleistung langsam ab, Lernen und Denken verlangsamen sich. Eine Ursache hierfür ist, dass Neuronen absterben und die Verbindungen zwischen den Nervenzellen abgebaut werden. Die gute Nachricht ist: Dagegen lässt sich etwas tun. In jedem Alter und zu jedem Zeitpunkt des Lebens können Sie das Gehirn trainieren, damit sich Synapsen neu bilden. Wer sich im Alter geistig fit halten möchte, kann dafür sorgen, dass die Verbindungen zwischen den Nervenzellen aktiv bleiben - indem er sie beansprucht. Werden Synapsen nicht benutzt, sterben sie ab und kognitive Fähigkeiten gehen verloren.

Möglichkeiten, das Gehirn zu trainieren

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Gehirn zu trainieren und die geistige Fitness zu verbessern:

  • Musik: Musik stimuliert die Hirnnerven und wirkt sich auf die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe aus, die die Neuroplastizität beeinflussen.
  • Fremdsprachen: Wer eine neue Sprache lernt, nutzt eine Vielzahl umfangreicher Nervennetzwerke im Gehirn. Das fördert die Neuroplastizität und kann die Gehirnleistung verbessern.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung und Sport können die Hirngesundheit fördern und den Alterungsprozess verlangsamen.
  • Neue Erfahrungen: Tun Sie etwas, das Sie können, aber machen Sie es anders. Nehmen Sie zum Beispiel eine andere Routine von der Arbeit mit nach Hause oder kochen Sie etwas, das Sie normalerweise nicht machen würden. Verfolgen Sie neue Herausforderungen und Erfahrungen, z. B. das Erlernen einer neuen Sprache oder das Erlernen von Malen oder Kampfkünsten.

Resilienz und Neuroplastizität

Die Fähigkeit des Gehirns, sich als Reaktion auf Erfahrungen zu verändern und zu wachsen, ermöglicht es den Menschen, sich von Rückschlägen und Widrigkeiten zu erholen - widerstandsfähig zu sein. Die Störung der Neuroplastizität durch starken Stress oder Widrigkeiten ist charakteristisch für Zustände wie Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen.

Neuroplastizität in der Therapie: Neue Behandlungsansätze

Die Erkenntnisse über die Neuroplastizität haben auch zu neuen Behandlungsansätzen für verschiedene neurologische und psychische Erkrankungen geführt.

Neuroplastizität bei neurologischen Erkrankungen

In Bayern gibt es eine Fachklinik für Neurologie, wo Neuroplastizität klinisch angewendet wird - z.B. bei Patient:innen mit Schlaganfällen, Hirnschädigungen, Multiple Sklerose oder Parkinson. Zahlreiche Studien belegen, dass Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Bewegung ganz allgemein den Verlauf der Parkinson-Krankheit positiv beeinflussen.

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Neuroplastizität bei psychischen Erkrankungen

Die Existenz von Neuroplastizität schafft die Grundlage für die Behandlung der psychischen Gesundheit durch rigoroses und intensives kognitives Training. Es bedeutet, dass die Veränderung von Überzeugungen und Gewohnheiten durch Gesprächstherapie biologische Veränderungen bewirken kann, die helfen können, Erkrankungen wie Angstzustände und Depressionen zu überwinden.

EXOMIND: Eine innovative Behandlungsmethode

EXOMIND ist eine innovative Behandlungsmethode, die auf der Stimulation des dorsolateralen präfrontalen Cortex (DLPFC) basiert, einer Gehirnregion, die für Entscheidungen, Selbstkontrolle und emotionale Regulierung verantwortlich ist. Während der EXOMIND-Sitzung wird ein sanfter elektromagnetischer Impuls über eine spezielle Magnetspule direkt auf den DLPFC geleitet. Nach der Behandlung berichten viele Patienten von weniger Stress, besserem Schlaf, gesteigerter Konzentration und emotionaler Ausgeglichenheit. EXOMIND eröffnet somit völlig neue Möglichkeiten im Kampf gegen Essstörungen, Heißhungerattacken und unkontrollierte Gewichtszunahme. Statt nur die Symptome zu bekämpfen, setzt es an der tiefen neurologischen Ursache an - und hilft so, eine dauerhafte und gesunde Veränderung des Essverhaltens zu erreichen.

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