Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Die Behandlung von Epilepsie umfasst in der Regel die Einnahme von Antiepileptika, die darauf abzielen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren oder Anfälle vollständig zu verhindern. Valproinsäure ist ein häufig verwendetes Antiepileptikum, das auch bei bipolaren Störungen eingesetzt wird. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten wie Valproinsäure, die Notwendigkeit von Nüchternheit bei Blutuntersuchungen und andere wichtige Überlegungen für Menschen mit Epilepsie.
Valproinsäure: Anwendung, Wirkmechanismus und Pharmakokinetik
Valproinsäure ist ein Antiepileptikum, das zur Behandlung verschiedener Anfallsformen eingesetzt wird, darunter generalisierte Anfälle (Absencen, myoklonische und tonisch-klonische Anfälle) sowie fokale und sekundär generalisierte Anfälle. Es wird auch zur Behandlung manischer Episoden bei bipolaren Störungen eingesetzt, insbesondere wenn Lithium kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird.
Anwendungsarten und Dosierung
Valproinsäure ist in verschiedenen Formulierungen erhältlich, darunter magensaftresistente Filmtabletten, Kapseln, Dragees, Lösungen zum Einnehmen, Retardtabletten und Injektionslösungen. Die magensaftresistenten und retardierten Formulierungen sollten idealerweise eine Stunde vor den Mahlzeiten (morgens nüchtern) mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden, während die Lösung zum Einnehmen zu den Mahlzeiten eingenommen werden sollte.
Die Dosierung von Valproinsäure ist individuell anzupassen und wird vom behandelnden Arzt festgelegt. Dabei sollte grundsätzlich eine Anfallsfreiheit bei minimaler Dosierung angestrebt werden. Die empfohlene Initialdosis beträgt 5-10 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht, die schrittweise erhöht wird, bis die anfallskontrollierende Dosierung erreicht ist. Die mittlere Tagesdosis beträgt für Erwachsene und ältere Patienten im Allgemeinen 20 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht, für Jugendliche 25 mg/kg und für Kinder 30 mg/kg.
Wirkmechanismus
Valproinsäure wirkt über verschiedene pharmakologische Mechanismen, die zur Reduktion bzw. Unterdrückung epileptischer Anfälle beitragen. Zu diesen Mechanismen gehören:
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- Verstärkung der GABAergen Neurotransmission durch Erhöhung der GABA-Konzentration.
- Hemmung spannungsabhängiger Ionenkanäle (Natrium- und Calciumkanäle).
- Inhibition von Histondeacetylasen (HDACs).
Pharmakokinetik
Nach oraler Gabe wird Valproinsäure schnell und nahezu vollständig resorbiert. Die maximale Serumkonzentration hängt von der Darreichungsform ab und wird bei Retardtabletten innerhalb von 6,3 ± 0,95 Stunden und bei Lösungen innerhalb von 0,5-2 Stunden erreicht. Valproinsäure wird zu 90-95% an Plasmaproteine gebunden, und die Biotransformation erfolgt über Glukuronidierung sowie β-, ω- und ω-1-Oxidation. Die Plasmahalbwertszeit beträgt bei gesunden Probanden 17,26 ± 1,72 Stunden und kann durch andere Arzneimittel beeinflusst werden.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Wie alle Medikamente kann auch Valproinsäure Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen sind Anämie, Thrombozytopenie, Leukopenie, Hyperammonämie, Gewichtszunahme oder -abnahme, erhöhter oder verminderter Appetit, Hyponatriämie, Verwirrtheitszustände, Halluzinationen, Aggression, Agitiertheit, Aufmerksamkeitsstörungen, Tremor, extrapyramidale Störungen, Stupor, Schläfrigkeit, Parästhesien, Konvulsionen, eingeschränktes Erinnerungsvermögen, Kopfschmerzen, Nystagmus, Schwindelgefühl, Taubheit, Blutungen, Übelkeit und Erbrechen, Zahnfleischerkrankungen, Stomatitis, Diarrhö, Oberbauchbeschwerden, Haarausfall, Nagel- und Nagelbetterkrankungen, Harninkontinenz und Dysmenorrhö.
Darüber hinaus können schwerwiegende Leberschädigungen auftreten, insbesondere bei Kindern. Bei Langzeittherapie kann es zu Zeichen einer Hirnschädigung (Enzephalopathie) kommen.
Valproinsäure kann auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen, insbesondere mit enzyminduzierenden Antiepileptika wie Phenobarbital, Primidon, Phenytoin und Carbamazepin, die die Serumkonzentration von Valproinsäure erniedrigen können.
Laborkontrollen bei Epilepsie
Regelmäßige Laborkontrollen sind bei der Behandlung von Epilepsie wichtig, um Nebenwirkungen der Medikamente auf verschiedene Organsysteme zu erkennen und um epileptische Anfälle von anderen Anfallsereignissen abzugrenzen.
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Notwendigkeit und Häufigkeit
Die Häufigkeit der Laborkontrollen hängt von der Substanz, dem Alter des Patienten und dem klinischen Behandlungsverlauf ab. Im Allgemeinen sollten Verlaufskontrollen 1-3 Monate nach Behandlungsbeginn bzw. bei Dosisanpassungen erfolgen, im Verlauf nach 4-6 Monaten und bei Anfallsfreiheit und guter Verträglichkeit im Verlauf auch in größeren Intervallen (z.B. 1x/Jahr).
Wichtige Laborparameter
Zu den wichtigen Laborparametern gehören Blutbild, Leber- und Nierenfunktion, Elektrolythaushalt, Kreatinkinase, Prolaktin und Laktat. Die Bestimmung von Prolaktin und Kreatinkinase kann bei der Differenzialdiagnose von epileptischen Anfällen gegenüber anderen Anfallsereignissen hilfreich sein. Die Liquorpunktion ist für die Diagnostik von Enzephalitiden unerlässlich.
Blutspiegelkontrollen
Blutspiegelkontrollen dienen insbesondere bei älteren Antiepileptika wie Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin und Valproinsäure der Festsetzung der Zieldosis. Bei neueren Antiepileptika dienen sie eher der Überprüfung der Compliance oder veränderter Stoffwechselbedingungen.
Nüchternheit bei Blutuntersuchungen
Die Frage, ob man bei Blutuntersuchungen nüchtern sein muss, hängt von den zu bestimmenden Parametern ab. Bei der Kontrolle von Medikamentenspiegeln wie Lamotrigin ist die Notwendigkeit der Nüchternheit umstritten. Einige Ärzte empfehlen, nüchtern zu sein, um eine bessere Vergleichsbasis zu den experimentell ermittelten Intervallen zu haben, in denen sich der Medikamentenspiegel in der Regel bewegt. Andere argumentieren, dass die Einnahme des Medikaments morgens auch im Alltag nicht nüchtern erfolgt, was den Spiegel verfälschen könnte.
Generell ist es ratsam, die Anweisungen des behandelnden Arztes zu befolgen und im Zweifelsfall nachzufragen, ob für die geplante Blutuntersuchung Nüchternheit erforderlich ist.
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Erbrechen bei Epilepsie
Erbrechen kann bei Epilepsiepatienten verschiedene Ursachen haben. Es kann eine Nebenwirkung der Medikamente sein, aber auch durch andere Faktoren wie Infektionen, Migräne oder neurologische Ursachen ausgelöst werden. In seltenen Fällen kann Erbrechen auch ein Symptom eines Hirntumors sein, insbesondere wenn es wiederholt und ohne erkennbare Ursache auftritt.
Ursachenforschung
Wenn ein Kind mit Epilepsie wiederholt erbricht, sollte dies von einem Arzt abgeklärt werden, um die Ursache zu finden und gegebenenfalls eine geeignete Behandlung einzuleiten. Dabei können verschiedene Untersuchungen wie EEG und MRT erforderlich sein.
Umgang mit Erbrechen
Wenn Erbrechen auftritt, ist es wichtig, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten und gegebenenfalls Elektrolyte zuzuführen. Bei häufigem oder starkem Erbrechen sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Kaffee und Epilepsie
Eine häufige Frage von Epilepsiepatienten betrifft den Kaffeekonsum. Studien haben gezeigt, dass Kaffee in moderaten Mengen in der Regel unbedenklich ist und sogar positive Auswirkungen haben kann. Coffein, der stimulierende Bestandteil von Kaffee, verbessert die Wachheit und kann möglicherweise auch die Atmung anregen. Es gibt keinen Grund, Epilepsiepatienten vom Kaffeetrinken abzuraten, solange der Konsum in Maßen erfolgt.
Weitere wichtige Aspekte
Neben den genannten Punkten gibt es noch weitere wichtige Aspekte, die bei der Behandlung von Epilepsie zu berücksichtigen sind:
- Genaue Anamnese: Eine genaue Beschreibung der Symptome ist wichtig, um die richtige Diagnose zu stellen.
- Hirnleistungstests: Bei Störungen des Gedächtnisses und Denkvermögens können Hirnleistungstests durchgeführt werden.
- Videounterstützte Therapie: Für bestimmte Patientengruppen kann eine videounterstützte Behandlung zu Hause eingerichtet werden.
- Genetische Untersuchungen: In einigen Fällen können genetische Untersuchungen zur Klärung der Ursache der Epilepsie beitragen.