Piercings haben sich weltweit zu einem beliebten modischen Accessoire entwickelt, und das Ohrpiercing ist nach wie vor ein Klassiker. Obwohl es viele verschiedene Arten von Piercings gibt, ist es wichtig, sich über die damit verbundenen Aspekte wie Schmerzen, Nerven und potenzielle Risiken zu informieren.
Arten von Ohrpiercings
Es gibt verschiedene Arten von Ohrpiercings, die sich in ihrer Platzierung und Technik unterscheiden:
- Lobe Piercing: Ein normales Ohrring-Piercing im Ohrläppchen. Es ist beliebt, weil es einfach zu stechen ist und ein geringes Risiko birgt.
- Upper Lobe Piercing: Ähnlich dem Lobe Piercing, aber etwas höher am Ohrläppchen platziert.
- Gedehntes Lobe Piercing (Flesh Tunnel/Ohr Plug): Das Ohrläppchen wird mithilfe von Dehnern auf die gewünschte Größe erweitert.
- Helix Piercing: Ein Piercing im oberen Bereich des Ohres, das zu den Knorpelpiercings zählt. Diese Piercings können schlechter verheilen als Piercings im Ohrläppchen.
Schmerzempfinden beim Ohrpiercing
Die Frage "Tut das weh?" ist beim Piercen üblich. Der Schmerz ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt von Faktoren wie Schmerzempfinden, Nervendichte, Tagesform, Erkrankungen und der Technik des Piercers ab. Angst kann den Schmerz verstärken. Es kann hilfreich sein, Fragen zu stellen und sich über den Ablauf zu informieren, um Ängste abzubauen.
Nerven und Risiken beim Ohrpiercing
Obwohl Piercings seit Jahrtausenden existieren, sind sie nicht ohne Risiken. Etwa 10 % der gepiercten Personen suchen aufgrund von gesundheitlichen Problemen einen Arzt auf. Häufige Gründe sind Schwellungen, Blutungen, Nerven- und/oder Muskelschädigungen sowie Wundinfektionen. Es kann auch zu Empfindungsstörungen oder Allergien kommen.
In der traditionellen chinesischen Medizin wird angenommen, dass Piercings den Energiefluss im Körper stören können. Einige Therapeuten berichten von Fällen, in denen Piercings das Immunsystem schwächten oder Rückenschmerzen verursachten. Piercings im Knorpelbereich des Ohres oder am Bauchnabel können problematisch sein, da sich dort viele Energiepunkte befinden.
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Körperstellen, die für Piercings ungeeignet sind
Wer Schmerzen oder Entzündungen vermeiden will, sollte sich nicht an Körperstellen piercen lassen, an denen Nervenbahnen verlaufen. Jeder Piercing-Einstich in der Nähe einer Nervenbahn könnte ihre Funktion beeinträchtigen. Entlang der Wirbelsäule und im oberen Rückenbereich sollten Piercings tabu sein. Auch im unteren Rückenbereich sollte man darauf verzichten, da dort der Ischiasnerv verläuft. Entlang der Arme und Beine verlaufen ebenfalls lange Nervenbahnen.
Geeignete Körperstellen für Piercings
Ein Piercing am Nasenflügel oder am Ohrläppchen ist heute keine Seltenheit mehr. Auch ein Augenbrauenpiercing ist relativ gefahrlos. Ein Lippen- oder Zungenpiercing ist besonders bei jungen Frauen beliebt. Zu den beliebtesten Körperstellen für ein Piercing gehört der Bauchnabel. Weitere Piercings am Körperstamm werden an den Brustwarzen oder im Intimbereich gesetzt.
Das Nervensystem und seine Bedeutung
Der menschliche Körper ist von einem dichten Netzwerk an Nerven durchzogen, das in das zentrale Nervensystem (ZNS) und das periphere Nervensystem (PNS) unterteilt ist. Das ZNS besteht aus Gehirn und Rückenmark, während das PNS alle anderen Nerven zu Muskeln und Organen umfasst. Jeder Piercing-Einstich in der Nähe einer Nervenbahn könnte ihre Funktion beeinträchtigen und die Abläufe im Körper stören.
Knorpelpiercings (Cartilage Piercings)
Cartilage Piercings sind Piercings, die durch Knorpelgewebe gestochen werden. Am Ohr sind Helix- und Tragus-Piercings beliebt. Sie können gestochen oder gepuncht werden, wobei beim Punchen ein Stück Gewebe entfernt wird. Da Knorpel nicht durchblutet wird, heilen diese Piercings langsamer. Es ist wichtig, auf das Material des Schmucks zu achten und das Piercing regelmäßig mit einer sterilen Kochsalzlösung zu pflegen.
Knorpelpiercings sind schmerzhafter als Piercings in weichem Gewebe, da Knorpelgewebe fester und mit vielen Nerven durchzogen ist. Als besonders schmerzhaft gelten Daith-, Conch- und Anti-Tragus-Piercings. Die Heilung dauert in der Regel 6-8 Wochen oder länger.
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Wichtige Hinweise für Knorpelpiercings
- Nicht schießen: Piercings durch Knorpel sollten nicht geschossen werden, da der Knorpel dadurch zersplittern kann.
- Pflege: Eine sterile Kochsalzlösung ist ausreichend für die Pflege. Tyrosur und Octenisept sind nicht geeignet.
- Entzündungen: Bei Rötung, Schwellung oder Schmerzen sollte ein erfahrener Piercer konsultiert werden. Betaisodona-Lösung kann helfen.
- Zuwachsen: Stichkanäle in Knorpelgewebe wachsen langsamer zu.
Piercen vs. Schießen
Erfahrene Piercingstudios raten bei Ohren- oder Nasenpiercings von Ohrlochpistolen ab, da diese das Gewebe reißen oder den Knorpel splittern lassen können. Dies kann zu Infektionen oder Verformungen führen. Ohrlochpistolen können zudem nicht ordentlich sterilisiert werden. Beim Piercing im Ohrknorpel ist das Punchen die bessere Alternative.
Vorbereitung und Durchführung
Vor dem Piercen werden Ein- und Austrittspunkt markiert und die Stelle desinfiziert. Gegebenenfalls werden Haare entfernt. Der Stichkanal wird mit einer Zange fixiert, durch die die Piercingnadel gestochen wird. Piercings sollten mit einem Venenkatheter gestochen werden, bei dem ein Plastik- oder Teflonröhrchen im Stichkanal verbleibt, durch das der Schmuck geführt wird.
Intimpiercings
Intimpiercings sind in der Regel nicht schmerzhafter als Piercings in anderen Körperstellen, obwohl das Gewebe im Intimbereich sehr sensibel ist.
Mundschmuck: Lippen- und Zungenpiercings
Ein Lippenbändchenpiercing heilt recht schnell ab. Ein Piercing in der Zunge benötigt zum Heilen etwa vier Wochen. Bis zu zwei Monaten kann es dauern, bis der Einstich bei einem Lippenpiercing verheilt ist. Sehr wichtig ist bei einem Piercing im Mund auch eine sorgfältige Zahn- und Zahnfleischhygiene.
Bauchnabelpiercing
Bis das Piercing richtig verheilt ist, dauert es etwa drei bis sechs Monate. In dieser Zeit sollten Sie die Einstichstelle sorgfältig pflegen und immer wieder desinfizieren.
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