Ein unangenehmes Taubheitsgefühl im Ohr, oft begleitet von Ohrenschmerzen, kann viele Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Auslöser und zeigt Behandlungsansätze auf.
Druck auf den Ohren und seine Ursachen
Viele Menschen kennen das Gefühl von Druck auf den Ohren, beispielsweise beim Fliegen, bei einer Bergtour oder im Fahrstuhl. Dieser Druck entsteht durch unterschiedliche Druckverhältnisse zwischen dem Außen- und Mittelohr. Das Mittelohr wird über die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) belüftet, welche es mit dem Nasen-Rachen-Raum verbindet. Diese Röhre ermöglicht den Druckausgleich. Wenn der Druckausgleich nicht richtig funktioniert, wölbt sich das Trommelfell, was zu einem unangenehmen Spannungsgefühl, Schmerzen und gedämpften Umgebungsgeräuschen führen kann.
Wie funktioniert der Druckausgleich?
Der Druckausgleich im Ohr wird durch die Ohrtrompete gewährleistet. Um den Druck loszuwerden, können folgende Maßnahmen helfen:
- Gähnen: Öffnet die Ohrtrompete zuverlässig.
- Schlucken und Kauen: Trinken oder Essen, Kaugummikauen (besonders bei Flugreisen). Babys und Kleinkinder sollten während Start und Landung trinken.
- Druckausgleich über die Atmung: Nase zuhalten und bei geschlossenem Mund Luft aus der Lunge in den Mund- und Nasenraum pressen.
Diese Maßnahmen helfen, weil sich beim Schlucken und Gähnen Muskeln im Gaumen anspannen, wodurch sich die Ohrtrompete wieder öffnet.
Ursachen für Ohrendruck ohne äußere Einflüsse
Wenn Ohrendruck ohne äußere Einflüsse auftritt, sollte ein Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO-Arzt) die Ursache abklären. Mögliche Ursachen sind:
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- Erkältung: Schwellungen im Nasen-Rachen-Raum behindern die Öffnung der Ohrtrompete.
- Mittelohrentzündung: Geht mit starken Schmerzen einher.
- Entzündung des Gehörgangs: Kann durch eine gestörte Selbstreinigung des Gehörgangs entstehen.
- Verstopfter Gehörgang: Zu viel Ohrenschmalz bildet einen Pfropfen.
- Probleme im Kiefergelenk: Verspannungen im Kieferbereich und Gaumen können Druck auf die Ohren ausüben.
- Morbus Menière: Seltene Erkrankung des Innenohrs, die zu Drehschwindel, Hörverlust und Druckgefühl im Ohr führt.
- Stress: Kann Ohrendruck verursachen.
- Vorboten eines Hörsturzes oder Tinnitus: Betroffene berichten oft von einem dumpfen Gefühl wie "Watte im Ohr".
Taubheitsgefühl im Ohr: Parästhesie
Ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Ohr (Parästhesie) ist ein lästiges Gefühl, das zum Kratzen animiert und ein Taubheitsgefühl im Gehörgang verursacht. Es ist ein Symptom, das auf verschiedene medizinische Umstände hinweisen kann, wie z.B. eine Infektion, Läsion oder Beschädigung von Nerven.
Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl im Ohr
- Mittelohrentzündung (Otitis media): Eine Virus- oder Bakterieninfektion im Mittelohr kann zu Schmerzen, Fieber, Schwerhörigkeit, Übelkeit, Kribbeln und Taubheitsgefühl führen.
- Verengung oder Verschluss der Eustachischen Röhre: Eine Entzündung kann die Eustachische Röhre verengen oder verschließen, was zu einer Mittelohrentzündung mit den genannten Symptomen führen kann.
- Ohrenschmalzpropf: Zu viel Ohrenschmalz kann Juckreiz und Taubheitsgefühl verursachen.
- "Surferohr" (Entzündung des äußeren Gehörgangs): Geht mit Schmerzen, Rötung und Kribbeln einher.
- Periphere Neuropathie bei Diabetikern: Kann ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Gesicht und in den Ohren verursachen.
- Herzerkrankungen: In seltenen Fällen kann eine diagonale Falte am Ohrläppchen auf eine Herzerkrankung hinweisen.
Diagnose und Behandlung von Taubheitsgefühl im Ohr
Zur korrekten Diagnose sollte der Arzt die Begleitsymptome berücksichtigen, wie z.B. Verschluss von Hals oder Nase, Summen in den Ohren, Taubheitsgefühl im Gesicht, Übelkeit oder Eiter im Ohr. Die Behandlung hängt von der Ursache ab:
- Entzündungen: Oft mit Antibiotika behandelt, in schweren Fällen chirurgischer Eingriff erforderlich.
- Ohrenschmalzpropf: Ohrentropfen aus der Apotheke oder Entfernung durch den HNO-Arzt.
Weitere Ohrenkrankheiten und ihre Symptome
Ohrenkrankheiten können vielfältige Symptome verursachen, darunter Ohrenschmerzen, Schwellungen, Ohrensausen (Tinnitus) und Hörverlust.
Hörverlust
- Schallleitungshörverlust: Beschädigung des äußeren oder Mittelohrs. Ursachen können Mittelohrentzündung, Otosklerose, Fehlbildungen oder Kopfverletzungen sein. Betroffene haben oft das Gefühl, einen "Propfen" im Ohr zu haben.
- Sensorineuraler Hörverlust: Schädigung des Innenohrs oder des Hörnervs. Ursachen können Lärmbelastung, Alterungsprozesse, genetische Faktoren oder Medikamente sein.
- Kombinierter Hörverlust: Kombination aus Schallleitungs- und sensorineuralem Hörverlust.
- Einseitige Taubheit: Völlige Taubheit auf einem Ohr. Ursachen können angeborene Fehlbildungen, Tumore am Hörnerv, Kopfverletzungen oder -erkrankungen sein.
Mittelohrentzündung
Eine Mittelohrentzündung wird meist durch eine Erkältung, Grippe oder Nasennebenhöhlenentzündung ausgelöst. Sie äußert sich durch pulsierende Schmerzen und ein unangenehmes Druckgefühl im Ohr.
Behandlung der Mittelohrentzündung:
- Ruhe und viel Schlaf
- Fiebersenkende Schmerzmittel
- Abschwellende Nasentropfen (nicht länger als eine Woche ohne ärztliche Absprache)
- Zwiebelsäckchen
Weitere Ursachen für Ohrenschmerzen
Ohrenschmerzen können auch von anderen Bereichen des Körpers ausgehen:
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- Zahn- und Kieferprobleme: Eine gestörte Funktion des Kiefergelenks (oromandibuläre Dysfunktion) kann zu Schmerzen in und vor dem Ohr, Knackgeräuschen beim Kauen, Zähneknirschen, eingeschränkten Kieferbewegungen, Kopf- oder Nackenschmerzen und Tinnitus führen.
- Halswirbelsäule: Schäden oder Funktionsstörungen an der Halswirbelsäule können sich durch Ohrenschmerzen äußern.
- Okzipitalisneuralgie: Anfallsweise auftretende, stechende Nervenschmerzen am Hinterkopf und/oder in den Ohren.
- Lokale Entzündung am oberen Ohrmuschelrand: Schmerzhafter Ohrknötchen.
- Gürtelrose (Herpes Zoster Oticus): Starke, brennende oder ziehende Schmerzen, Rötung und kleine Bläschen auf der Ohrmuschel, oft mit gleichseitiger Gesichtslähmung.
- Ohrspeicheldrüsenentzündung: Schmerzen vor und im Ohr mit Schwellung der Wange.
Was tun bei Ohrenschmerzen und Taubheitsgefühl?
- Bei plötzlich auftretendem Druck im Ohr: An einen ruhigen Ort zurückziehen und Entspannungstechniken anwenden.
- Bei Ohrendruck, der nicht verschwindet: HNO-Arzt aufsuchen.
- Bei Verdacht auf einen Ohrenschmalzpfropf: Ohrentropfen aus der Apotheke verwenden oder den HNO-Arzt aufsuchen.
- Bei Gehörgangsentzündung: Nicht versuchen, den Gehörgang mit Wattestäbchen zu reinigen, gechlortes und unsauberes Badewasser meiden, bei Juckreiz kühlende Umschläge, bei Schmerzen Wärme.
- Bei Ohrknötchen: In den nächsten Wochen Haus-, Haut- oder HNO-Ärzt*in aufsuchen.
- Bei Angina oder Ohrenschmerzen mit Halsentzündung: Halspastillen oder -tabletten lutschen.
- Belüftung des Mittelohrs verbessern: Inhalationen und Nasenspülungen mit Salz- oder Kamillenlösung, abschwellende Nasentropfen und -sprays.
- Ohrenpflege: Regelmäßig die Ohrmuschel mit einem feuchten Waschlappen oder Wattepad reinigen, keine Wattestäbchen verwenden.
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