Wenn Oma einen Nervenzusammenbruch hat: Was tun? Ein umfassender Leitfaden

Viele Menschen kennen das Problem: Ess- und Kaugeräusche, Schlucken, Fernseher durch die Wand, Schnarchen, Atemgeräusche, Heizungs- und Kühlschrankgeräusche können unglaublich belastend sein. Eigentlich machen alle „regelmäßigen“ Geräusche, kurze Sirenen oder Alarm usw. nichts aus. Was aber, wenn die Oma, ein geliebtes Familienmitglied, plötzlich einen Nervenzusammenbruch erleidet? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses Problems, von den Ursachen bis hin zu praktischen Tipps für den Umgang mit der Situation.

Einführung

Ein Nervenzusammenbruch bei älteren Menschen, insbesondere bei Demenzkranken, kann eine beängstigende und herausfordernde Situation darstellen. Es ist wichtig, die Ursachen zu verstehen und angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um der betroffenen Person und den Angehörigen zu helfen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über mögliche Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze, um Ihnen in dieser schwierigen Zeit zur Seite zu stehen.

Ursachen für Nervenzusammenbrüche im Alter

Aggressives Verhalten und Nervenzusammenbrüche bei älteren Menschen können verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, diese zu erkennen, um angemessen reagieren zu können:

  • Körperliche Ursachen: Schmerzen, chronische Krankheiten wie Rheuma oder unerkannte Infektionen können zu aggressivem Verhalten führen. Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um solche Ursachen auszuschließen oder zu behandeln.
  • Psychische Ursachen: Depressionen, Angstzustände oder beginnende Demenz können Auslöser sein. Gerade am Anfang einer Demenz bemerken die Betroffenen oft ihre Vergesslichkeit und Orientierungslosigkeit, was zu Schuldzuweisungen und Beschimpfungen führen kann.
  • Soziale Ursachen: Einsamkeit, mangelnde Sozialkontakte, das Gefühl, nicht verstanden oder gebraucht zu werden, sowie finanzielle Sorgen können ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Überforderung: Situationen, die ältere Menschen überfordern oder die sie nicht nachvollziehen können, können zu Hilflosigkeit und aggressivem Verhalten führen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung eine Schluckstörung oder andere Beschwerden verursachen, die zu Unruhe und Aggression führen. Neuroleptika, Opiate, Antidepressiva, Antiepileptika, Anticholinergika, Muskelrelaxantien und Beruhigungsmittel sind einige Beispiele.

Demenz als Auslöser

Demenz ist eine der häufigsten Ursachen für Verhaltensänderungen im Alter. Die Erkrankung führt zu chronisch fortschreitenden, degenerativen Veränderungen des Gehirns, die sich in Verschlechterungen der Gedächtnisleistung, des Denkvermögens und der Urteilsfähigkeit äußern.

  • Alzheimer-Demenz: Die häufigste Form der Demenz, bei der Nervenzellen und Nervenzellkontakte im Gehirn absterben.
  • Frontotemporale Demenz: Eine Form der Demenz, bei der das Frontalhirn betroffen ist, das für die Hemmung von Verhalten zuständig ist. Dies kann zu sozial unangepasstem Verhalten und Aggression führen.
  • Lewy-Body-Demenz: Eine weitere Form der Demenz, die mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen einhergehen kann.

Symptome und Anzeichen eines Nervenzusammenbruchs

Ein Nervenzusammenbruch kann sich auf verschiedene Weise äußern. Es ist wichtig, die Symptome zu erkennen, um rechtzeitig handeln zu können:

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  • Aggressives Verhalten: Verbale oder körperliche Angriffe, Beschimpfungen, Drohungen.
  • Reizbarkeit: Ungeduld, schnelle Überreaktion auf Kleinigkeiten.
  • Misstrauen: Zweifel an den Absichten anderer, Verfolgungswahn.
  • Stimmungsschwankungen: Plötzliche Wechsel zwischen Trauer, Wut und Angst.
  • Rückzug: Vermeidung von sozialen Kontakten, Isolation.
  • Verwirrung: Orientierungslosigkeit, Gedächtnisprobleme.
  • Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafprobleme, Albträume.
  • Körperliche Beschwerden: Kopfschmerzen, Magenprobleme, Verspannungen.
  • Wahnvorstellungen und Halluzinationen: Überzeugungen, die nicht der Realität entsprechen, sowie das Sehen oder Hören von Dingen, die nicht da sind.
  • Unkontrolliertes Schreien: Grundloses, lautes Schreien, das für Angehörige und Mitmenschen sehr belastend sein kann.

Erste Schritte bei einem Nervenzusammenbruch

Wenn Sie Zeuge eines Nervenzusammenbruchs bei Ihrer Oma oder einem anderen älteren Menschen werden, ist es wichtig, ruhig und besonnen zu handeln:

  1. Sicherheit gewährleisten: Stellen Sie sicher, dass die betroffene Person und alle Anwesenden in Sicherheit sind. Entfernen Sie potenziell gefährliche Gegenstände aus der Umgebung.
  2. Ruhe bewahren: Sprechen Sie ruhig und beruhigend mit der Person. Vermeiden Sie es, zu diskutieren oder zu widersprechen.
  3. Bedürfnisse erkennen: Versuchen Sie, die Ursache für den Nervenzusammenbruch zu erkennen. Hat die Person Schmerzen, Hunger, Durst oder fühlt sie sich einsam?
  4. Ablenkung: Versuchen Sie, die Person abzulenken, indem Sie über etwas Angenehmes sprechen, Musik hören oder eine vertraute Aktivität anbieten.
  5. Körperkontakt: Wenn die Person es zulässt, kann eine beruhigende Berührung, wie z.B. das Halten der Hand, helfen.
  6. Professionelle Hilfe: Wenn sich die Situation nicht beruhigt oder die Person eine Gefahr für sich oder andere darstellt, rufen Sie einen Arzt oder den Notruf.

Praktische Tipps für den Umgang mit Demenzkranken

Der Umgang mit Demenzkranken erfordert Geduld, Verständnis und spezielle Strategien:

  • Validation: Erkennen Sie die Gefühle der Person an, auch wenn sie irrational erscheinen. Sagen Sie z.B. "Ich verstehe, dass Sie Angst haben" oder "Es tut mir leid, dass Sie sich so fühlen".
  • Realitätsanpassung: Versuchen Sie nicht, die Person in die Realität zurückzuholen, sondern passen Sie sich ihrer Realität an. Wenn die Person z.B. glaubt, ihr verstorbener Ehepartner sei noch am Leben, spielen Sie mit.
  • Klare Kommunikation: Sprechen Sie langsam, deutlich und in einfachen Sätzen. Verwenden Sie kurze Anweisungen und stellen Sie nur eine Frage auf einmal.
  • Routine: Schaffen Sie eine klare Tagesstruktur mit festen Abläufen und Ritualen. Dies gibt der Person Sicherheit und Orientierung.
  • Reizreduktion: Vermeiden Sie übermäßige Reize wie laute Geräusche, grelles Licht oder unübersichtliche Umgebungen.
  • Positive Verstärkung: Loben Sie die Person für positive Verhaltensweisen und Erfolge.
  • Musiktherapie: Musik kann die Stimmung aufhellen und Erinnerungen aktivieren. Spielen Sie vertraute Lieder aus der Vergangenheit der Person.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung kann helfen, Unruhe und Aggression abzubauen.
  • Mundhygiene: Eine gute Mundhygiene ist wichtig, um das Risiko für Lungenentzündungen durch Aspiration von Bakterien zu reduzieren.

Entlastung für Angehörige

Die Pflege eines Demenzkranken kann sehr belastend sein. Es ist wichtig, dass Angehörige auf ihre eigene Gesundheit achten und sich Entlastung suchen:

  • Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit anderen Familienmitgliedern, Freunden oder professionellen Helfern über Ihre Situation.
  • Selbsthilfegruppen: Treten Sie einer Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige bei. Dort können Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen und wertvolle Tipps erhalten.
  • Pflegedienste: Nutzen Sie die Angebote von ambulanten Pflegediensten, um sich bei der Pflege zu entlasten.
  • Tagespflege: Bringen Sie die Person tagsüber in eine Tagespflegeeinrichtung. Dort wird sie betreut und gefördert, während Sie Zeit für sich haben.
  • Kurzzeitpflege: Nutzen Sie die Möglichkeit der Kurzzeitpflege, um die Person für einige Wochen in einer Pflegeeinrichtung unterzubringen.
  • Psychotherapie: Wenn Sie sich überfordert oder depressiv fühlen, kann eine Psychotherapie helfen, die Belastung zu bewältigen.
  • Entspannungstechniken: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung, um Stress abzubauen.
  • Hobbys und Interessen: Nehmen Sie sich Zeit für Ihre eigenen Hobbys und Interessen. Dies hilft Ihnen, abzuschalten und neue Energie zu tanken.
  • Gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf, um Ihre körperliche und geistige Gesundheit zu erhalten.

Rechtliche Aspekte

Es ist wichtig, sich auch mit den rechtlichen Aspekten der Pflege auseinanderzusetzen:

  • Vorsorgevollmacht: Erstellen Sie eine Vorsorgevollmacht, in der Sie festlegen, wer im Falle Ihrer eigenen Handlungsunfähigkeit Ihre Angelegenheiten regeln soll.
  • Betreuungsverfügung: Verfassen Sie eine Betreuungsverfügung, in der Sie festlegen, wer im Falle einer rechtlichen Betreuung als Betreuer eingesetzt werden soll.
  • Patientenverfügung: Erstellen Sie eine Patientenverfügung, in der Sie Ihre Wünsche bezüglich medizinischer Behandlungen im Falle Ihrer eigenen Entscheidungsunfähigkeit festhalten.
  • Pflegegrad: Beantragen Sie einen Pflegegrad bei der Pflegekasse. Der Pflegegrad bestimmt die Höhe der Leistungen, die Sie für die Pflege erhalten.

Professionelle Hilfe

In vielen Fällen ist professionelle Hilfe unerlässlich, um mit einem Nervenzusammenbruch oder herausforderndem Verhalten bei älteren Menschen umzugehen:

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  • Hausarzt: Der Hausarzt ist oft die erste Anlaufstelle und kann eine erste Einschätzung der Situation geben und gegebenenfalls an Fachärzte überweisen.
  • Neurologe: Ein Neurologe kann neurologische Ursachen für das Verhalten ausschließen oder behandeln.
  • Psychiater: Ein Psychiater kann psychische Ursachen diagnostizieren und behandeln.
  • Geriater: Ein Geriater ist ein Facharzt für Altersmedizin und kann eine umfassende geriatrische Untersuchung durchführen und einen individuellen Behandlungsplan erstellen.
  • Logopäde: Ein Logopäde kann bei Schluckstörungen und Kommunikationsproblemen helfen.
  • Ergotherapeut: Ein Ergotherapeut kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und verloren gegangene Fähigkeiten wiederzuerlangen.
  • Pflegedienst: Ein Pflegedienst kann bei der Körperpflege, der Medikamentengabe und anderen Aufgaben unterstützen.
  • Sozialarbeiter: Ein Sozialarbeiter kann bei der Beantragung von Leistungen und der Organisation von Hilfen unterstützen.

Schluckstörungen: Ein besonderes Problem

Schluckstörungen (Dysphagie) sind ein häufiges Problem bei älteren Menschen, insbesondere bei Demenzkranken. Sie können zu Mangelernährung, Lungenentzündungen und anderen Komplikationen führen.

  • Ursachen: Schluckstörungen können durch neurologische Erkrankungen, Muskelschwäche, Entzündungen der Speiseröhre oder Tumore verursacht werden. Auch bestimmte Medikamente können Schluckstörungen auslösen.
  • Symptome: Husten oder Würgen beim Essen oder Trinken, Speichelfluss aus dem Mund, Schwierigkeiten beim Schlucken von fester oder flüssiger Nahrung, Veränderung der Stimme nach dem Schlucken, Gewichtsverlust.
  • Diagnose: Die Diagnose erfolgt durch eine Schluckuntersuchung, bei der der Schluckvorgang beobachtet wird.
  • Behandlung: Die Behandlung umfasst Schlucktherapie, Anpassung der Konsistenz der Nahrung, Medikamente oder in schweren Fällen eine künstliche Ernährung.

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