OPC und seine Wirkung bei Parkinson: Ein umfassender Überblick

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer Vielzahl von Symptomen, darunter Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen. Obwohl es keine Heilung für Parkinson gibt, können verschiedene Behandlungen helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. In den letzten Jahren hat die Forschung das Potenzial von natürlichen Substanzen wie OPC (oligomere Proanthocyanidine) bei der Behandlung von Parkinson untersucht. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von OPC bei Parkinson, basierend auf aktuellen Studien und Erkenntnissen.

Was ist OPC?

OPC steht für oligomere Proanthocyanidine. Die sekundären Pflanzenstoffe gehören zu der Gruppe der Polyphenole und sind besonders hoch konzentriert in Traubenkernen zu finden. OPC ist ein starkes Antioxidans, das in verschiedenen Pflanzen vorkommt, insbesondere in Traubenkernen. Antioxidantien sind Pflanzenstoffe, welche die Fähigkeit haben, diese freien Radikale unschädlich zu machen. Sie schützen die Zellen vor Schäden durch freie Radikale, die durch UV-Strahlung und andere Umwelteinflüsse entstehen. Diese freien Radikale können oxidativen Stress verursachen, der mit einer Vielzahl von chronischen Krankheiten, einschließlich Parkinson, in Verbindung gebracht wird.

Die antioxidative Wirkung von OPC

Pflanzen haben einen großen Nachteil, wenn es um Selbstverteidigung geht - sie können nicht vor Fressfeinden wegrennen und vor der brennenden Sonne keinen Schutz im Schatten suchen. Allerdings haben sie als Ausgleich ein anderes Ass im Ärmel. Sie enthalten verschiedene Substanzen, die sie im Schutz gegen viele äußere Einflüsse unterstützen. Durch UV-Strahlung und andere Umwelteinflüsse entsteht ein Überschuss an freien Radikalen in den Zellen, diesen Zustand nennt man auch oxidativen Stress. Wenn dieser auf Dauer anhält, kommt es zu Schäden in den Zellwänden oder sogar dem Absterben von Zellen. Antioxidantien sind Pflanzenstoffe, welche die Fähigkeit haben, diese freien Radikale unschädlich zu machen. Das Gleichgewicht in der Zelle wird dadurch wiederhergestellt und die Zellen und Zellwände bleiben intakt. Die wohl bekanntesten Antioxidantien sind Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin (Provitamin A). Sie können nicht vom Körper hergestellt werden, weshalb wir auf die Einnahme über eine ausgewogene Ernährung angewiesen sind. Weitere sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole und Flavonoide sind ebenfalls gute Begleiter, um deine Zellen zu schützen.

OPC wirkt vor allem durch seine starken antioxidativen Eigenschaften, die die Körperzellen vor Schäden durch freie Radikale schützen. Freie Radikale sind instabile Moleküle, die natürlich im menschlichen Körper vorkommen. Im Übermaß können sie jedoch Zellschäden verursachen und tragen zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen bei, darunter Herzkrankheiten, Krebs und vorzeitige Alterung. OPC bindet sich an diese schädlichen freien Radikalen und neutralisiert ihre schädlichen Effekte.

OPC kann außerdem die Entzündungsreaktion des Körpers modulieren. Studien haben gezeigt, dass es die Produktion von Zytokinen, die an der Entzündungsreaktion beteiligt sind, herunterregulieren kann. Zudem folgen OPC dem Blutfluss durch den Körper und gelangen so zu allen Organen und Geweben. Manche Studien legen den Schluss nahe, dass OPC die Blutzirkulation verbessern kann, indem es die Blutgefäße erweitert und die Bildung von Blutgerinnseln hemmt. Dies kann positive Auswirkungen auf die Herzgesundheit haben und zum Beispiel das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle reduzieren.

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OPC und neurodegenerative Erkrankungen

Schäden an Zellen können auch die Nerven, das Gehirn oder sogar die DNA betreffen. Zu langfristigen Folgen zählen beispielsweise Alzheimer oder Parkinson, die durch eine Schädigung der Nerven entstehen. Hier können Antioxidantien eine wichtige Rolle im Schutz der Zellen und der Vorbeugung langfristiger Krankheiten spielen und Forschende empfehlen sogar die Einnahme.

Oxidativer Stress steht im Verdacht, Parkinson zu begünstigen. Menschen mit Parkinson weisen deutlich höhere Marker für oxidativen Stress auf als gesunde Menschen. Auch das Level an Glutathion, ein wichtiges körpereigenes Antioxidans, ist bei Parkinsonpatienten erniedrigt. Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidative und nervenschützende Eigenschaften haben. Darüber hinaus scheinen sie auch Ablagerungen des Eiweißes Alpha-Synuclein entgegenwirken zu können. In der Petrischale können die Polyphenole Resveratrol, Curcumin und Epigallocatechingallat (EGCG, aus grünem Tee) das Verklumpen von Alpha-Synuclein verhindern. Es gibt leider noch keine Studien am Menschen, aber da Polyphenole auf vielerlei Weise positiv auf den Körper wirken, sind sie auf jeden Fall einen Versuch wert. Mikronährstoffe können helfen, oxidativer Stress und Entzündungen entgegenzuwirken, die bei der Entstehung von Parkinson eine wichtige Rolle zu spielen scheinen.

Die EPSILON-Studie und die Wirkung von Opicapon (OPC)

Die zusätzliche Gabe des COMT-Inhibitors Opicapon bei mit Levodopa-(L-Dopa-)behandelten Parkinson-Patienten ohne motorische Komplikationen verbesserte in der EPSILON-Studie die motorische Funktion der Betroffenen signifikant. COMT-Inhibitoren können die Off-Phasen bei mit L-Dopa/DOPA-Decarboxylase-Hemmer (DDCI) behandelten Parkinson-Patienten mit motorischen Fluktuationen am Ende der Wirkdauer der L-Dopa-Medikation reduzieren.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Joaqim Ferreira MD PhD, Neurologe und Pharmakologe an der Universität Lissabon, prüfte in einer Studie den Effekt von Opicabon bei Erkrankten ohne motorische Komplikationen. Vorläufige Daten der EPSILON-Studie wurde auf dem DGN-Kongress 2024 in Berlin vorgestellt (1), ebenso eine weitere Studie aus derselben Arbeitsgruppe zur Add-on-Therapie mit OPC zu L-Dopa/DDCI und den Auswirkungen auf Schlafprobleme bei Parkinson-Patienten (2).

In die multizentrische, doppelblinde, placebokontrollierte EPSILON-Studie wurden 355 Patienten mit Parkinson-Erkrankung eingeschlossen. 1:1 randomisiert erhielten sie 50 mg OPC 1 × täglich oder Placebo. Auf eine 4-wöchige Screeningphase folgte eine 24-wöchige Erhaltung. Primärer Endpunkt war die Veränderung in der MDS-Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (MDS-UPDRS) Teil III nach 24 Wochen. Sekundäre Endpunkte umfassten die Verträglichkeit, die „clinical global impression of improvement“-(CGI-I-)Skala und die Ergebnisse des MDS-UPDRS Teil IV.

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Nach 24 Wochen betrug die mittlere Veränderung des MDS-UPDRS-III-Scores -6,5 im OPC-Arm und -4,3 unter Placebo (Differenz: 2,2; p = 0,010). Signifikant mehr Patienten, die OPC erhielten, berichteten von einer Verbesserung ihres klinischen Zustands (58 % vs. Häufigkeit und Art der Nebenwirkungen waren in beiden Studienarmen ähnlich.

Die OASIS-Studie und die Wirkung von OPC auf Schlafstörungen

In der explorativen OASIS-Studie wiederum prüften die Forschenden um Ferreira die Wirkung von OPC auf Schlafstörungen bei Parkinson-Patienten mit fluktuierender Symptomatik. Motorische Fluktuationen und damit verbundene Schlafstörungen werden häufig bei Parkinson-Patienten beobachtet, die mit L-Dopa/DDCI behandelt werden.

Die Forschenden schlossen in die einarmige, offene Pilotstudie 16 Parkinson-Erkrankte ein. Die Teilnehmenden erhielten während einer 6-wöchigen Evaluierungsphase 1 × täglich 50 mg OPC. Die tägliche Dosis von L-Dopa/DDCI konnte nach den ersten beiden Wochen angepasst werden.

Primärer Endpunkt war die Veränderung der Parkinson’s Disease Sleep Scale-2 (PDSS-2). Sekundäre Endpunkte umfassten die Verträglichkeit, funktionale motorische und nichtmotorische Untersuchungen (u. a. MDS-UPDRS und 16-Item-Fatigue-Skala [PFS-16]) sowie CGI-I und PGI-I.

In Woche 6 stellten die Forschenden eine signifikante Reduktion des gesamten PDSS-2-Scores im Vergleich zum Ausgangswert um -7,9 Punkte fest (p = 0,0099). Auch verringerte sich der Score auf der PFS-16 (-9,6 Punkte; p = 0,0211) und der MDS-Non-Motor Rating Scale (MDS-NMS; -28,9; p = 0,0052) signifikant. Gleiches galt für die MDS-UPDRS-III und -IV (-6,3; p = 0,0253 und -1,2; p = 0,0044) sowie für den 8-Item PD Questionnaire (PDQ-8; -14,2; p = 0,0051). Darüber hinaus verringerte sich die absolute Off-Phase um 142,1 Minuten, was sich in einer Erhöhung der On-Phase ohne Dyskinesie widerspiegelte (+127,1 Minuten). Die meisten Patienten (93,3 %) und die meisten Ärzte (80,0 %) berichteten auf der PGI-I beziehungsweise CGI-I von einer Verbesserung.

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Das Fazit der Forschenden: Die Einnahme von 50 mg OPC täglich als Add-on zu L-Dopa/DDCI verbesserte Schlafstörungen bei Parkinson-Patienten sowie andere belastende nichtmotorische Symptome.

Weitere potenzielle Vorteile von OPC bei Parkinson

Neben den direkten Auswirkungen auf die Symptome und den Krankheitsverlauf von Parkinson kann OPC auch andere gesundheitliche Vorteile bieten, die für Parkinson-Patienten relevant sein können:

  • Verbesserung der Herz-Kreislauf-Gesundheit: OPC kann die Blutgefäße stärken, den Blutdruck senken und die Durchblutung verbessern. Dies ist besonders wichtig für Parkinson-Patienten, da Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen erhöhen können.
  • Unterstützung der kognitiven Funktion: OPC kann dazu beitragen, die Gehirnfunktion und die kognitive Funktion zu unterstützen. Dies ist relevant, da viele Parkinson-Patienten im Laufe der Zeit kognitive Probleme entwickeln.
  • Entzündungshemmende Wirkung: OPC kann die Entzündungsreaktion des Körpers modulieren. Chronische Entzündungen spielen eine Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Parkinson.

Dosierung und Anwendung von OPC

Die richtige Dosierung von OPC ist von verschiedenen Faktoren wie dem Alter, dem Gesundheitszustand und der individuellen Verträglichkeit abhängig. Du solltest dich unbedingt an die Dosierungsanweisungen auf dem Etikett zu halten. Generell gilt für gesunde Erwachsene eine tägliche OPC-Dosis von 50 - 200 mg als sicher und effektiv für die meisten Anwendungen. Für spezifischere gesundheitliche Ziele oder der Linderung von Symptomen, wie Herz-Kreislauf-Probleme oder chronische Entzündungszustände, kann eine höhere Dosierung erforderlich sein. Durch die Kombination von OPC mit Vitamin C verbessert sich die Wirksamkeit des Supplements. Daher enthalten viele OPC-Nahrungsergänzungsmittel bereits Vitamin C. Bei der Einnahme von OPC solltest du außerdem auf Qualität und Reinheit achten. Einige Produkte enthalten Füllstoffe, künstliche Zutaten oder Allergene, die nicht gesund sind.

OPC-Supplemente können zu jeder Tageszeit und mit oder ohne Nahrung eingenommen werden.

Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

OPC sind generell gut verträglich, kann aber trotzdem einige Nebenwirkungen haben. Wenn OPC in hohen Dosen eingenommen wird, können leichte Magenverstimmungen, Übelkeit oder Durchfall die Folge sein. Du kannst potenzielle Magen-Darm-Beschwerden minimieren, in dem du die Einnahme von OPC zu Beginn mit niedriger Dosierung zu startest und diese schrittweise erhöhst. Auch Kopfschmerzen und Schwindel sind nach der Einnahme von OPC bereits beobactet worden, wenn auch sehr selten, genau wie Hautausschläge.

OPC kann auch die Blutgerinnung beeinflussen. Dies kann bei Menschen, die bereits Blutgerinnungsstörungen haben oder Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen, zu Komplikationen führen. Daher sollten Personen, die zu dieser Gruppe gehören, vor Beginn einer OPC-Supplementierung mit ihrem behandelnden Arzt sprechen. Darüber hinaus gibt es wenig Forschung über die Sicherheit von OPC während Schwangerschaft und Stillzeit.

Wichtige Überlegungen zur Ernährung bei Parkinson

Mit der richtigen Ernährung kann die Parkinson-Erkrankung zwar nicht geheilt werden, jedoch kann sie einen positiven Effekt auf den Verlauf haben. Vor allem mediterrane Ernährungsweisen rücken dabei immer mehr in den Fokus der Forschung. Die MIND-Diät ist eine Kombination aus der Mittelmeerdiät und der DASH-Diät. Die DASH-Diät soll den Blutdruck senken. wurde untersucht, wie sich die MIND-Diät auf den Krankheitsbeginn von Parkinson auswirkt. Es kam heraus, dass sie den Ausbruch von Parkinson verzögert. Diese Lebensmittel sind reich an Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen und/oder Omega-3-Fettsäuren. Ballaststoffe wirken sich positiv auf die Darmgesundheit aus. Sekundäre Pflanzenstoffe und Omega-3-Fettsäuren sollen das Gehirn schützen, indem sie oxidativen Stress und Entzündungen reduzieren. Die folgenden Lebensmittel solltest du hingegen selten essen: Butter und Margarine, rotes Fleisch, Käse, Gebäck und Süßigkeiten, Fast Food und Frittiertes.

Viele Menschen mit Parkinson verlieren die Freude am Essen. Sie haben wenig Appetit und das Geruchs- und Geschmacksempfinden lässt nach. Verwende möglichst frische und vielfältige Zutaten. Würze die Speisen kräftig mit Gewürzen und Kräutern. Zermahle die Gewürze fein in einem Mörser. Gebe einen kleinen Schuss Olivenöl zu deinen fertigen Speisen. Am Schluckakt sind viele Gehirn- und Nervenstrukturen sowie Muskeln beteiligt. Sind sie durch Parkinson geschädigt, können Schluckstörungen auftreten. Iss kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt. Trenne das Essen und Trinken voneinander. Viele Menschen, die von Parkinson betroffen sind, leiden unter Verstopfungen. Das liegt zum einen daran, dass die Erkrankung die Bewegung der Darmmuskulatur verringert. Auch Parkinsonmedikamente können als Nebenwirkung Verstopfungen begünstigen. Iss mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag. Achte darauf, mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag zu dir zu nehmen. Wichtig bei Dopa-Medikamenten: Nimm diese nicht gleichzeitig mit eiweißhaltigen Lebensmitteln ein. Dadurch absorbierst du weniger L-Dopa.

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