Operationen bei Alzheimer: Neue Therapieansätze und Risikobetrachtungen

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit dar. Während eine Heilung weiterhin nicht in Sicht ist, rücken neue Therapieansätze und ein besseres Verständnis der Risikofaktoren in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet operative Verfahren, die potenziell zur Behandlung von Alzheimer eingesetzt werden könnten, sowie die Risiken, die mit Operationen im Zusammenhang mit kognitivem Abbau und Demenz verbunden sind.

Tiefe Hirnstimulation (DBS) als mögliche Therapieoption

Die Tiefe Hirnstimulation (DBS) ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem dünne Elektroden in spezifische Hirnareale implantiert werden. Diese Elektroden sind über subkutan verlegte Kabel mit einem Impulsgeber verbunden, der elektrische Impulse abgibt. Ursprünglich als Standardtherapie für fortgeschrittene Stadien von Morbus Parkinson und essentiellem Tremor etabliert, wird die DBS nun auch für andere neurologische und psychiatrische Erkrankungen wie Zwangsstörung, Tourette-Syndrom, Epilepsie, Depression und chronische Schmerzsyndrome untersucht.

DBS bei Alzheimer: Stimulation des Nucleus basalis Meynert

Im Rahmen einer klinischen Prüfung, die von den Universitätskliniken für Stereotaxie und Psychiatrie der Universität Köln durchgeführt wurde, wurde die DBS bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit eingesetzt. Dabei wurden die Elektroden beidseits in den Nucleus basalis Meynert implantiert, ein Kerngebiet im basalen Vorderhirn, das das Großhirn mit dem Neurotransmitter Acetylcholin versorgt. Ziel war es, durch die lokale Neurostimulation dieser Zellgruppe die Freisetzung von Acetylcholin im Großhirn zu erhöhen und somit den Gehirnstoffwechsel zu verbessern.

Ergebnisse der klinischen Prüfung

Die Ergebnisse der Studie waren vielversprechend. Zwölf Monate nach Therapiebeginn zeigten die Patienten teils stabile, teils verbesserte Parameter. Vier von sechs Patienten zeigten ein Ansprechen auf die Therapie in Form von klinischen, neuropsychologischen und lebensweltlichen Verbesserungen. Mittels [18F]FDG-PET wurde der Gehirnstoffwechsel der Patienten vor der Operation und nach einem Jahr Niederfrequenzstimulation (30 Hz) untersucht. Während der Glukosestoffwechsel bei Alzheimer-Patienten in der Regel um etwa 5 % pro Jahr abnimmt, kam es bei den Patienten, die klinisch auf die DBS ansprachen, zu einem Stillstand dieser Entwicklung. Zudem zeigte sich ein leichter Anstieg des Glukoseverbrauchs in einer Zone um den aktiven Kontakt der Elektrodenspitzen.

Herausforderungen und Perspektiven der DBS bei Alzheimer

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse gibt es bei der Anwendung der DBS bei Alzheimer noch grundlegende Probleme zu lösen. Dazu gehören die Definition eines geeigneten Stimulationsortes und eine valide Methode zur Überprüfung des Stimulationserfolges. Im Gegensatz zur Parkinson-Erkrankung lässt sich die Wirksamkeit der Sondenlage bei Alzheimer nicht unmittelbar mit Stimulationsbeginn überprüfen. Verfahren der molekularen und funktionellen Bildgebung, wie die Positronen-Emissionstomographie (PET), könnten hierbei eine wichtige Rolle spielen.

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Kataraktoperation als potenzieller Schutz vor Demenz

Eine weitere interessante Beobachtung ist der Zusammenhang zwischen Kataraktoperationen und dem Demenzrisiko. Eine Langzeitstudie der Universität von Washington in Seattle (USA) aus dem Jahr 2021 ergab, dass eine Kataraktoperation das Risiko, an Demenz zu erkranken, um rund 30 Prozent senken kann. Dies macht die Kataraktoperation derzeit zum effektivsten bekannten Schutz vor Alzheimer, ALS und anderen Demenzerkrankungen.

Mögliche Erklärungsansätze

Die Gründe für diesen Zusammenhang sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass Menschen mit Grauem Star aufgrund ihrer eingeschränkten Sehleistung ihre Lebensweise anpassen, was zu weniger Sport, Bewegung und sozialer Interaktion führt - alles Faktoren, die das Demenzrisiko erhöhen können. Ein weiterer möglicher Faktor ist die reduzierte Aufnahme von blauem Licht durch die stark getrübte Linse bei Grauem Star. Blaues Licht regt viele Bereiche im Gehirn an und fördert kognitive Fähigkeiten.

Risiken von Operationen im Zusammenhang mit kognitivem Abbau

Während einige Operationen potenziell positive Auswirkungen auf das Demenzrisiko haben könnten, gibt es auch Hinweise darauf, dassOperationen im Allgemeinen das Risiko eines kognitiven Abbaus erhöhen können. Eine Studie aus dem Jahr 2021 deutet darauf hin, dass größere Operationen die Kognition noch Monate später verschlechtern und bei Risikopatienten die Entwicklung einer manifesten Alzheimer-Demenz beschleunigen können.

Mögliche Mechanismen

Die Mechanismen, die diesem Zusammenhang zugrunde liegen, sind noch nicht vollständig verstanden. Es wird vermutet, dass eine entzündliche Reaktion im Gehirn, die durch die Operation ausgelöst wird, eine Rolle spielen könnte. Tierversuche an der University of Pennsylvania zeigten, dass genetisch veränderte Mäuse, die besonders anfällig für eine Alzheimer-Demenz sind, nach einer Blinddarm-Entfernung kognitive Störungen und Alzheimer-typische Veränderungen im Gehirn entwickelten.

Präoperative Untersuchung und Risikobewertung

Angesichts dieser Erkenntnisse ist es wichtig, bei der präoperativen Untersuchung älterer Patienten auch die möglichen Folgen der Operation für das Gehirn zu berücksichtigen. Während die Herz- und Atemfunktion in der Regel sorgfältig beurteilt werden, wird die kognitive Funktion oft vernachlässigt. Es ist wichtig zu erkennen, dass Operationen bei älteren Menschen mit einem erhöhten Risiko für postoperative Verwirrtheitszustände und möglicherweise auch für eine beschleunigte Entwicklung einer Demenz verbunden sein können.

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Hüftfraktur bei Demenzpatienten: Operieren oder nicht?

Ein spezielles Thema ist die Behandlung von Hüftfrakturen bei Demenzpatienten. Eine Studie aus Boston hat gezeigt, dass Patienten mit Hüftfraktur und einer leichten, mittelschweren oder schweren Demenz ein geringeres Risiko zu sterben haben, wenn sie operiert werden - vor allem wenn es sich um Kopf-Hals-Frakturen handelt. Prof. Dr. med. A. Seekamp betont, dass Patienten mit hüftgelenksnahen Frakturen trotz Demenz einer operativen Therapie zugeführt werden sollten, wenn die Fraktur dies erforderlich macht. Dieses Vorgehen gilt auch für Patienten mit anderen Vorerkrankungen, es sei denn, die Anästhesie hält den Patienten für nicht operabel.

Vorteile der Operation

Die Operation einer Schenkelhalsfraktur bei Demenzpatienten kann dazu beitragen, den Patienten möglichst rasch wieder zu mobilisieren, die Pflege zu erleichtern und seine Schmerzen zu lindern. Zwar brauchen Patienten mit einer Demenz einen höheren Pflegeaufwand und die postoperative Mobilisierung dauert länger, aber die Vorteile der Operation überwiegen in den meisten Fällen.

Neue Medikamente und präventive Maßnahmen

Neben operativen Eingriffen gibt es auch vielversprechende Entwicklungen im Bereich der medikamentösen Therapie von Alzheimer. Antikörper, die die Amyloid-Plaques im Gehirn abbauen, stehen kurz vor der Zulassung und könnten das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. In Kombination mit einer frühen Diagnostik könnten damit Symptome wirksam aufgehalten werden.

Bedeutung der Prävention

Trotz dieser Fortschritte in der Therapie bleibt die Prävention der Alzheimer-Krankheit von größter Bedeutung. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, sozialer Interaktion und einer ausgewogenen Ernährung kann dazu beitragen, das Demenzrisiko zu senken.

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