Die Trigeminusneuralgie, auch als Gesichtsschmerz bekannt, ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch heftige, stechende Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen werden durch eine Reizung des Trigeminusnervs verursacht, der für die Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzempfindungen im Gesicht verantwortlich ist. Die Erkrankung tritt typischerweise bei Menschen über 40 Jahren auf, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Die Intensität der Schmerzen kann so stark sein, dass sie auf einer VAS-Schmerzskala von 0 bis 10 mit der höchsten Stufe angegeben wird.
Ursachen der Trigeminusneuralgie
Man unterscheidet zwischen der idiopathischen und der symptomatischen Trigeminusneuralgie. Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie kann eine explizite Ursache gefunden werden, wie z. B. ein Entzündungsprozess bei Multipler Sklerose (MS) oder ein raumfordernder Hirntumor. Bei der idiopathischen Trigeminusneuralgie ist die Ursache oft unbekannt, obwohl in den meisten Fällen ein neurovaskulärer Konflikt vorliegt. Dies bedeutet, dass ein enger Kontakt zwischen dem Nerv und einem pochenden Blutgefäß besteht, was zu einer dauerhaften Reizung des Nervs führt.
Symptome der Trigeminusneuralgie
Die Hauptsymptome der Trigeminusneuralgie sind plötzliche, heftige Schmerzen im Gesicht, die oft als blitzartig, stechend oder elektrisierend beschrieben werden. Die Schmerzen treten typischerweise einseitig auf und können durch bestimmte Reize wie Berührung, Kauen, Sprechen oder Zähneputzen ausgelöst werden. Zwischen den Schmerzattacken können die Betroffenen beschwerdefrei sein.
Diagnose der Trigeminusneuralgie
Die Diagnose der Trigeminusneuralgie erfolgt in der Regel durch eine klinische Untersuchung, bei der die Symptome und die Krankengeschichte des Patienten erfasst werden. Eine MRT-Untersuchung des Kopfes kann durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Gesichtsschmerzen auszuschließen und den Trigeminusnerv und das umgebende Gefäßsystem detailliert zu betrachten.
Behandlung der Trigeminusneuralgie
Die Behandlung der Trigeminusneuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, darunter:
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Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist oft die erste Wahl bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie. Antikonvulsiva wie Carbamazepin und Oxcarbazepin werden häufig eingesetzt, um die Schmerzattacken zu reduzieren. Diese Medikamente können jedoch Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel und Störungen im Elektrolythaushalt verursachen.
Invasive Behandlungen
Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist oder zu starken Nebenwirkungen führt, können invasive Behandlungen in Betracht gezogen werden. Dazu gehören:
- Mikrovaskuläre Dekompression (MVD): Bei diesem chirurgischen Eingriff wird der Kontakt zwischen dem Trigeminusnerv und dem komprimierenden Blutgefäß beseitigt. Ein Interponat, z. B. aus Teflon, wird zwischen Gefäß und Nerv positioniert, um einen erneuten Kontakt zu verhindern. Die MVD gilt als die einzige Behandlung, die die direkte Ursache der Trigeminusneuralgie angeht.
- Ablative Verfahren: Diese Verfahren beinhalten die teilweise Zerstörung des Nervs, um die Schmerzen zu lindern. Dazu gehören die perkutane Glycerin-/Hochfrequenz-Rhizotomie und die stereotaktische Radiochirurgie (z. B. Gamma Knife). Ablative Verfahren haben jedoch ein höheres Risiko für sensorische Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühl und schmerzhafte Missempfindungen.
Mesotherapie
Die Mesotherapie ist ein minimalinvasives Behandlungsverfahren, bei dem individuell zusammengestellte, niedrig dosierte Medikamente und Wirkstoffe in die Haut injiziert werden. Sie kann bei verschiedenen Schmerzerkrankungen, einschließlich der Trigeminusneuralgie, eingesetzt werden. Bei der Trigeminusneuralgie wird eine Mischung aus verschiedenen Wirkstoffen, wie z. B. Procain, Vitamin B-Komplex und Rutinel, in den Schmerzbereich injiziert.
Alternative Therapien
Einige Patienten mit Trigeminusneuralgie finden Linderung durch alternative Therapien wie Akupunktur, Physiotherapie und Entspannungstechniken. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Therapien nicht ausreichend belegt ist.
Erfahrungen von Patienten
Viele Patienten mit Trigeminusneuralgie haben positive Erfahrungen mit der MVD gemacht. Sie berichten von einer deutlichen Schmerzlinderung und einer Verbesserung ihrer Lebensqualität. Einige Patienten haben jedoch auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Taubheitsgefühl erlebt. Es ist wichtig, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsoptionen mit einem erfahrenen Arzt zu besprechen, um die beste Behandlungsstrategie für die individuellen Bedürfnisse zu finden.
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