Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist ein revolutionäres, schmerzfreies Bildgebungsverfahren in der Augenheilkunde, das Netzhautstrukturen in mikroskopischer Auflösung darstellt und Veränderungen erkennt, noch bevor Sehbeeinträchtigungen auftreten. Sie hat sich in den letzten Jahren als wertvolle Grundlage für Therapieentscheidungen etabliert.
Einführung in die Sehnerv-Untersuchung
Der Sehnerv (Nervus opticus) leitet Signale vom Auge an das Gehirn, wo diese interpretiert werden, um ein Bild zu erzeugen. Eine Schädigung des Sehnervs kann die Signalübertragung beeinträchtigen und somit das Sehvermögen beeinträchtigen. Daher ist die Untersuchung des Sehnervs von entscheidender Bedeutung, insbesondere zur Früherkennung und Überwachung von Erkrankungen wie Glaukom.
Erkrankungen des Sehnervs
Verschiedene Faktoren können den Sehnerv schädigen, darunter:
- Hoher Augeninnendruck: Ein erhöhter Augeninnendruck kann die Sehnerven schädigen und bis zur Erblindung führen.
- Entzündliche oder degenerative Erkrankungen: Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder der Abbau von Nervenzellen im Sehnerv können Sehstörungen verursachen.
- Gesichtsfeldeinschränkungen: Eine Verkleinerung des Gesichtsfelds kann ein Hinweis auf eine Schädigung der Sehnerven sein.
- Multiple Sklerose (MS): Eine Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis) tritt bei bis zu 50 Prozent aller von MS Betroffenen als erstes Symptom auf.
Methoden zur Untersuchung des Sehnervs
Zur Beurteilung des Sehnervs stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:
- Ophthalmoskopie: Hierbei wird die Pupille erweitert, um eine klare Sicht auf den Sehnervenkopf zu ermöglichen.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Die OCT ist ein bildgebendes Verfahren, das hochauflösende Querschnittsbilder des Auges erstellt. Es funktioniert ähnlich wie ein Ultraschall, verwendet jedoch Lichtwellen anstelle von Schallwellen, um detaillierte Bilder der verschiedenen Gewebeschichten des Auges zu erzeugen.
Die Optische Kohärenztomographie (OCT) im Detail
Die Optische Kohärenztomographie (OCT) ist ein Diagnoseverfahren, das vorwiegend im medizinischen Bereich angewendet wird und auf Licht mit geringer Kohärenzlänge in Kombination mit einem Interferometer basiert. Breitbandiges Licht mit geringer Kohärenzlänge wird mit einem Strahlteiler in zwei Teilstrahlen geteilt - ein Teilstrahl wird auf die Probe gelenkt, der andere durchläuft eine Referenzstrecke.
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Bei der OCT werden Lichtstrahlen ins Auge gesendet, die von den verschiedenen Gewebeschichten des Auges reflektiert werden. Die reflektierten Signale werden von einem Detektor aufgezeichnet. Eine OCT erstellt ein sehr detailliertes Bild der hinteren Augenstrukturen und gibt sehr präzise Auskunft darüber, ob und in welchen Umfang Schädigungen bestehen. Die OCT ist daher im Rahmen einer exakten Beurteilung im Rahmen einer Sehnerv-Untersuchung sinnvoll.
Funktionsweise der OCT
Die optische Kohärenztomographie funktioniert mit demselben Prinzip wie ein Ultraschall, nur dass statt Schallwellen ein Lichtstrahlenbündel verwendet wird. Mit der sogenannten niedrigkohärenten Interferometrie (ein Interferometer misst die Interferenz - Überlagerung von Lichtwellen - um z. B. Entfernungen präzise zu erfassen) wird die Laufzeitverzögerung eines Laserstrahls im Vergleich mit einem Referenzstrahl gemessen und ausgewertet. Der Laserstrahl liegt im Infrarot-Bereich bei ca. 830 nm.
Dieser Datensatz kann in Echtzeit in einer Falschfarbenskala oder in Graustufen abgebildet werden. Hoch reflektierende Strukturen wie die Nervenfaserschicht, Gefäße oder das retinale Pigmentepithel werden in hellen Farben (z. B. weiß oder rot) dargestellt. Strukturen mit intermediärer Reflektivität erscheinen grün, Elemente, die sehr wenig Licht reflektieren, sind schwarz oder blau.
Vorteile der OCT
- Hochauflösende Bilder: Die OCT liefert hochauflösende Bilder der Netzhaut und des Sehnervs, die eine detaillierte Beurteilung der Gewebestrukturen ermöglichen.
- Früherkennung von Veränderungen: Die OCT kann Veränderungen in den Augenstrukturen frühzeitig erkennen, noch bevor sich sichtbare Symptome entwickeln.
- Nicht-invasiv und schmerzfrei: Die OCT ist eine berührungslose und schmerzfreie Untersuchung, die keine Belastung für den Patienten darstellt.
- Schnelle Durchführung: Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten.
Anwendungsbereiche der OCT
Die OCT findet in verschiedenen Bereichen der Augenheilkunde Anwendung, darunter:
- Glaukom-Diagnostik: Bei der Glaukom-Diagnostik kann die OCT die Dicke der retinalen Nervenfaserschicht (RNFL) und der minimalen Randsaumweite des Sehnervs schnell und hochpräzise darstellen.
- Makuladegeneration (AMD): Bei der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration kommt es zu Flüssigkeitsansammlung in der Netzhaut, die mit der OCT präzise dargestellt werden kann.
- Diabetisches Makulaödem (DMÖ): Bei Diabetes kann es zu einer Flüssigkeitseinlagerung in die zentrale Netzhaut kommen. Das Ausmaß des Makulaödems und die genaue Lokalisation lässt sich mit der OCT messen.
- Retinale Venenverschlüsse: Infolge eines retinalen Venenverschlusses können durch den Blutstau Blutungen und Flüssigkeitsansammlungen in der Netzhaut auftreten.
- Multiple Sklerose (MS): Mithilfe der OCT lässt sich der Substanzverlust diagnostizieren. Weil das OCT Veränderungen im Bereich der Netzhaut praktisch stellvertretend für Prozesse im gesamten Gehirn erfasst, ist es ein wichtiger prognostischer Marker für den weiteren Krankheitsverlauf.
OCT-Angiographie (OCTA)
Eine besondere Weiterentwicklung stellt die OCT-Angiographie (OCTA) dar. Die intravaskuläre optische Kohärenztomographie ist eine neue, auf Infrarotlicht basierende Technik, die Arterien mit einer Auflösung von 10-20 µm darstellen kann.
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Wann ist eine Sehnerv-Untersuchung sinnvoll?
Eine Sehnerv-Untersuchung ist besonders sinnvoll in folgenden Fällen:
- Erhöhter Augeninnendruck: Viele ältere Menschen weisen einen zu hohen Augendruck auf und sind gefährdet, eine dauerhafte Sehstörung zu erleiden.
- Familiäre Vorbelastung mit Glaukom: Wenn in der Familie jemand an grünem Star leidet, sollte man auf jeden Fall regelmäßige augenärztliche Sehnerv-Untersuchungen durchführen lassen - mit einer Messung des Sehnervs.
- Diabetes und Hypertonie: Auch Diabetes und Hypertonie sind Risikofaktoren, da beide Erkrankungen Auswirkungen auf die Blutgefäße haben.
- Multiple Sklerose (MS): Bei Verdacht auf MS kann die OCT helfen, eine Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis) zu erkennen.
- Vorsorgeuntersuchungen: Im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen kann die OCT zur Früherkennung von Augenerkrankungen eingesetzt werden.
Durchführung der OCT-Untersuchung
Die OCT-Untersuchung ist schmerzfrei und unkompliziert. Der Patient sitzt vor dem Gerät, während ein harmloser Laser den Augenhintergrund scannt. Die Untersuchung dauert nur wenige Sekunden. Es sind keine speziellen Vorbereitungen nötig, außer der Reinigung der Augenoberfläche. Eine Pupillenerweiterung ist in der Regel nicht erforderlich.
Untersuchungsablauf
Eine Laserkamera erstellt dreidimensionale Bilder des Sehnerven. Sodann wertet ein Computer 40 000 bis 70 000 Schnittbilder , die in 1,5 Sekunden aufgenommen wurden , aus. Die Ergebnisse werden graphisch dargestellt und können bei Verlaufskontrollen miteinander verglichen werden. Somit können schon geringste Veränderungen dargestellt werden. Alle Untersuchungsvorgänge mit dem OCT wie auch mit dem HRT sind völlig schmerzlos, ungefährlich und benötigen keine !
Kosten der OCT-Untersuchung
Die Kosten der OCT-Untersuchung des Sehnervs werden von den gesetzlichen Krankenkassen leider nicht übernommen. Sie ist aber eine wichtige und sinnvolle Untersuchung zur Kontrolle des Glaukoms und des Erfolgs der Therapie.
Nutzen einer sorgfältigen Glaukom-Früherkennungs-Untersuchung
Während bei einer einmaligen Messung des Augeninnendrucks nur bei erhöhtem Augeninnendruckwert Gefahr signalisiert wird, lässt sich durch eine komplette Glaukom-Früherkennungsuntersuchung auch bei aktuellem normalem Augeninnendruck Ihr individuellens Glaukomrisiko und das Ausmaß einer ggf. bereits eingetretenen Schädigung des Sehnerverns bestimmen. Dies ist insbes. wichtig in der Diagnostik des sog. Niedrig-Druck-Glaukoms , bei dem bei normalen Augeninnendruckwerten eine fortschreitende Sehnervenschädigung auftritt und eine stärkere medikamentöse Augeninnendrucksenkung erforderlich ist.
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Interpretation der OCT-Ergebnisse
Obwohl die OCT hochauflösende Bilder liefert, ist die fachkundige Interpretation durch einen erfahrenen Augenarzt unerlässlich. Moderne Entwicklungen integrieren KI-basierte Analysesysteme, die automatisch pathologische Veränderungen erkennen und quantifizieren können.
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