Das Glioblastom ist eine der aggressivsten und gefährlichsten Formen von Hirntumoren. Trotz Fortschritten in der Medizin bleibt die Prognose für Betroffene oft ungünstig. Wissenschaftler und Mediziner suchen daher intensiv nach neuen Therapieansätzen, um die Überlebenszeit zu verlängern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Forschung und die verschiedenen Behandlungsoptionen, einschließlich komplementärer Therapien wie Osteopathie, die in der unterstützenden Behandlung von Hirntumorpatienten eine Rolle spielen können.
Das Glioblastom: Eine Herausforderung für die Medizin
Das Glioblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der sich schnell im Gehirn ausbreitet. Die Symptome sind vielfältig und hängen von der Lage des Tumors ab. Sie können Sehstörungen, epileptische Anfälle, Bewegungsschwierigkeiten oder starke Kopfschmerzen umfassen.
Ursachen und Wachstum
Die Tumorzellausläufer des Glioblastoms schlängeln sich zwischen den normalen Hirnzellen hindurch und bilden keine abgegrenzten Tumore. Bislang ist kein eindeutiger Risikofaktor für die Entstehung bekannt. Dieses diffuse Wachstum erschwert die vollständige operative Entfernung des Tumors.
Aktuelle Behandlungsstandards
Trotz Operation, Chemo- und Strahlentherapie ist die durchschnittliche Überlebenszeit bei Glioblastom-Patienten oft auf unter ein Jahr begrenzt. Die Blut-Hirn-Schranke, ein Schutzmechanismus des Gehirns, schränkt zudem die Wirksamkeit systemischer Chemotherapien ein.
Innovative Therapieansätze in der Forschung
Wissenschaftler suchen intensiv nach neuen Wegen, um das Glioblastom zu bekämpfen. Einige vielversprechende Forschungsansätze sind:
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Identifizierung von Ursprungszellen
Forscher, wie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), versuchen, die speziellen Eigenschaften der Ursprungszellen des Tumors zu identifizieren, um diese gezielt bekämpfen zu können.
Einsatz von Viren
Ein experimenteller Ansatz ist der Einsatz von Viren, wie Parvoviren, um den Tumor zur Rückbildung zu bringen. Klinische Tests mit onkolytischen Viren laufen bereits in den USA.
Radiopharmazeutische theranostische Arzneistoffe
Im GLIOTAR-Projekt wird ein innovatives Konzept radiopharmazeutischer theranostischer Arzneistoffe entwickelt, um die Behandlungsoptionen für Glioblastom-Erkrankte zu verbessern. Dieses Konzept ermöglicht es, durch die Wahl des Radioisotops den Tumor entweder zu diagnostizieren oder gezielt zu zerstören.
Stereotaktische Photodynamische Therapie (PDT)
An der Uniklinik Münster wurde die Stereotaktische Photodynamische Therapie (PDT) entwickelt. Dabei werden feinste Glasfasern im Tumorgewebe platziert, die unter Einwirkung von rotem Laserlicht den Tumor zerstören.
Tumortherapiefelder (TTF)
Bei diesem Verfahren wird über elektrische Felder die Zellteilung und damit das Wachstum des Tumors gestört. Über auf dem Kopf platzierte Keramik-Gelpads werden die sogenannten Tumortherapiefelder übertragen.
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Komplementäre Therapien: Unterstützung für Patienten
Viele Patienten mit Glioblastom suchen nach zusätzlichen Möglichkeiten, ihre Behandlung zu unterstützen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Eine im US-Fachmagazin "Neurology" veröffentlichte Studie des Deutschen Gliomnetzwerks ergab, dass fast jeder zweite Patient mit einem Glioblastom auch alternative Behandlungsmethoden wie Homöopathie, Vitamintherapien oder psychologische Ansätze versucht.
Bewegungstherapie
Eine maßgeschneiderte Bewegungstherapie sollte für jeden Betroffenen schon vor und während der akuten Behandlungsphase beginnen. In der Rehaklinik wird die Bewegungstherapie fortgesetzt und kann zunehmend sportlicher werden. Regelmäßige Bewegung im Alltag, angepasst an die individuellen Bedürfnisse, kann helfen, die körperliche und seelische Verfassung zu verbessern.
Komplementärmedizinische Verfahren
Die S3-Leitlinie zur Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen Patient*innen gibt evidenzbasierte Empfehlungen für den Einsatz verschiedener komplementärmedizinischer Verfahren. Einige Methoden, wie Akupunktur, Tai Chi, Qigong, Yoga und Meditation, können zur Linderung von Beschwerden und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.
Die Rolle der Osteopathie
Osteopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die darauf abzielt, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Obwohl es keine spezifischen Studien zur Osteopathie bei Hirntumoren gibt, kann sie in der unterstützenden Behandlung eine Rolle spielen. Osteopathische Behandlungen können helfen, Verspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.
Mögliche Anwendungsbereiche der Osteopathie bei Hirntumoren:
- Linderung von Kopfschmerzen: Durch die Behandlung von Verspannungen im Nacken- und Kopfbereich können Kopfschmerzen reduziert werden.
- Verbesserung der Körperhaltung: Eine verbesserte Körperhaltung kann die Atmung erleichtern und die allgemeine Körperfunktion unterstützen.
- Reduktion von Stress und Angst: Sanfte osteopathische Techniken können helfen, das Nervensystem zu beruhigen und Stress abzubauen.
- Unterstützung der Rehabilitation: Nach Operationen oder anderen Therapien kann die Osteopathie helfen, die Beweglichkeit wiederherzustellen und den Körper bei der Regeneration zu unterstützen.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Osteopathie keine Krebsheilung verspricht, sondern als ergänzende Therapie zur Verbesserung der Lebensqualität eingesetzt werden kann.
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Tumorbedingte Fatigue: Umgang mit Erschöpfung
Viele Krebspatienten leiden unter tumorbedingter Fatigue, einerArt der Erschöpfung, die nicht mit normaler Müdigkeit zu vergleichen ist. Bewegung, psychologische Unterstützung und Medikamente können helfen, die Fatigue in Schach zu halten.
Bewegung als Therapie
Körperliches Training ist einer der wichtigsten Ansätze, um Fatigue in den Griff zu bekommen. Gezielte Bewegung unter Anleitung kann dabei helfen, wieder aktiver am Leben teilzunehmen und die Lebensqualität deutlich zu verbessern.
Selbstwirksamkeit und Resilienz
Die Selbstwirksamkeit, also die Überzeugung, schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können, und die Resilienz, die psychische Widerstandskraft, spielen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Krebserkrankung und der Fatigue.
Wichtige Aspekte bei der Inanspruchnahme komplementärer Therapien
- Offene Kommunikation: Sprechen Sie offen mit Ihrem behandelnden Arzt über alle komplementären Therapien, die Sie in Erwägung ziehen.
- Evidenzbasierte Informationen: Informieren Sie sich umfassend über die Wirksamkeit und Sicherheit der verschiedenen Methoden.
- Qualifizierte Therapeuten: Wählen Sie Therapeuten mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung.
- Kostenübernahme: Klären Sie vorab, welche Kosten von Ihrer Krankenkasse übernommen werden.
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