Panikattacke: Symptome, Taubheitsgefühl, Ursachen und Behandlung

Plötzlich auftretende Angstzustände, begleitet von Herzrasen, Atemnot, Schwindel und einem Gefühl der Kontrollverlust - so erleben viele Betroffene eine Panikattacke. Sie fühlt sich bedrohlich an, obwohl medizinisch gesehen keine unmittelbare Gefahr besteht. Dieser Artikel bietet eine umfassende Übersicht über Panikattacken, ihre Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Definition: Was ist eine Panikattacke?

Panikattacken sind plötzliche, intensive Angstreaktionen, die ohne erkennbaren äußeren Auslöser oder reale Gefahr auftreten. Betroffene erleben vielfältige körperliche Symptome wie Herzklopfen, Atemnot und Zittern. Eine einzelne Panikattacke kann jeden Menschen treffen, jedoch entwickeln manche Menschen eine Panikstörung, bei der Panikattacken wiederholt auftreten. In Deutschland sind jährlich etwa zwei von 100 Menschen von einer Panikstörung betroffen, wobei Frauen deutlich häufiger erkranken als Männer.

Symptome: Typische Anzeichen einer Panikattacke

Die Symptome einer Panikattacke sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Viele Betroffene deuten die Beschwerden zunächst als Anzeichen eines Herzinfarkts oder einer schweren Erkrankung. Typischerweise dauert eine Panikattacke nicht länger als eine halbe Stunde. Obwohl sich die körperlichen Reaktionen wie Herzrasen, Atemnot oder Schwindel sehr unangenehm anfühlen, sind sie medizinisch betrachtet ungefährlich und hinterlassen keine bleibenden körperlichen Folgen.

Körperliche Symptome

  • Herzrasen oder Herzklopfen: Ein stark beschleunigter Herzschlag ist ein typisches Symptom.
  • Atemnot: Betroffene haben oft das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen oder zu ersticken. Es kann auch zu Hyperventilation kommen.
  • Schwindel oder Benommenheit: Viele erleben ein Gefühl der Ohnmacht oder Schwindel.
  • Zittern oder Schütteln: Unkontrolliertes Zittern oder Schütteln tritt häufig auf.
  • Hitzewallungen oder Schweißausbrüche: Plötzliche Wärmegefühle, oft begleitet von starkem Schwitzen, sind typisch.
  • Brustschmerzen: Ein beklemmendes Gefühl in der Brust kann auftreten.
  • Übelkeit oder Bauchschmerzen: Magen-Darm-Beschwerden sind häufig.
  • Taubheit oder Kribbeln: Vor allem in den Gliedmaßen kann ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl auftreten. Plötzliches Taubheitsgefühl und Kribbeln können im Mundbereich, an Armen und Beinen auftreten.

Psychische Symptome

  • Intensive Angst: Ein überwältigendes Gefühl von Angst oder Furcht, oft mit dem Gefühl, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden.
  • Todesangst: Viele Betroffene fürchten, dass sie sterben könnten.
  • Depersonalisation oder Derealisation: Das Gefühl, sich selbst oder die Umgebung als fremd oder unwirklich wahrzunehmen.
  • Angst vor dem Tod oder Kontrollverlust: Während einer Panikattacke kann eine überwältigende Angst vor dem Tod oder dem Verlust der Kontrolle auftreten.

Stille Panikattacke

Eine stille Panikattacke, auch atypische oder subtile Panikattacke genannt, tritt ohne äußerlich erkennbare Anzeichen wie Hyperventilation oder sichtbare Unruhe auf. Betroffene leiden in der Folge selbstverständlich nicht minder darunter, denn im Moment der stillen Panikattacke schreit der komplette Körper, psychisch, physisch und emotional, nach Hilfe. Nicht alle Symptome müssen zusammen auftreten, es ist im Gegenteil durchaus denkbar, dass sich einige Symptome dauerhaft stärker manifestieren oder die Symptomatik zwischen einzelnen stillen Panikattacken sogar variiert - sowohl was die Symptome selbst anbelangt als auch deren Intensität. Zu den häufigsten psychischen Symptomen gehört die sogenannte Depersonalisierung beziehungsweise Derealisierung. Gemeint ist damit ein psychisches Empfinden, bei dem sich Betroffene von ihrem eigenen Körper und/oder der Umgebung losgelöst fühlen. Sie versetzen sich selbst also in die Stellung eines Dritten, mitunter wirken das eigene Ich oder die Umgebung (sowie Mitmenschen) dadurch auch ein Stück weit unwirklich beziehungsweise surreal. Hand in Hand geht das nicht selten mit einem Gefühl der Isolation beziehungsweise einer ausgeprägten Verwirrung oder Verunsicherung. Betroffene berichten zudem vermehrt über kreisende Gedanken: Sie haben das Gefühl, ihr eigenes Denken nicht mehr aktiv beeinflussen zu können, stattdessen rasen beziehungsweise kreisen die Gedanken sprunghaft hin und her, mitunter stellt sich parallel dazu auch ein starkes Gefühl von Angst und Terror ein. Die Gedanken, die während der stillen Panikattacke von Betroffenen empfunden werden, können verstörend sein, unkontrollierbar erscheinen und so aufdringlich beziehungsweise omnipräsent sein, dass sich das dadurch empfundene Unwohlsein noch weiter verstärkt.

Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Es ist wichtig zu beachten, dass verschiedene andere Erkrankungen ähnliche Symptome wie eine Panikattacke hervorrufen können. Dazu gehören Unterzuckerung, Überzuckerung, asthmatische Beschwerden, allergische Reaktionen oder Schilddrüsenfunktionsstörungen. Im Gegensatz zu körperlichen Beschwerden lassen sich die Symptome einer Panikattacke jedoch häufig durch beruhigendes Einwirken nach kurzer Zeit lindern. Dauert eine Attacke länger als eine Stunde an, sollte eine andere Ursache in Betracht gezogen werden.

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Panikattacke vs. Herzinfarkt

Angst, Atemnot, Übelkeit und Schwindel sind typische Symptome sowohl eines Herzinfarkts als auch einer Panikattacke. Viele Betroffene fürchten daher in einer solchen Situation einen Herzinfarkt. Es gibt jedoch Unterschiede, die helfen können, eine Panikattacke von einem Herzinfarkt zu unterscheiden: Treten starke Schmerzen auf? Sitzt der Schmerz mehr in der Mitte der Brust? Gibt es Risikofaktoren für eine Herzerkrankung? Dennoch ist es für medizinische Laien extrem schwierig, die Ursache der Symptome sicher zu bestimmen. Daher ist es ratsam, bei erstmaligem Auftreten einer Panikattacke eine Notaufnahme oder den Hausarzt aufzusuchen.

Ursachen von Panikattacken

Die genauen Ursachen für das Entstehen einer Panikattacke sind noch nicht vollständig verstanden. Die Forschung hat jedoch drei relevante Faktoren identifiziert, die die Anfälligkeit für die Entwicklung einer krankhaften Angst erhöhen:

  • Neurologischer Faktor: Das Furchtnetzwerk im Gehirn ist überempfindlich.
  • Genetische Komponente: Eine genetische Veranlagung kann zu dieser Überempfindlichkeit führen.
  • Psychologische Komponente: Lebensbelastungen und Stress können die biologische Überempfindlichkeit verstärken und eine Panikattacke auslösen.

Panikattacken können auch im Kontext von plötzlichen, schweren körperlichen Erkrankungen wie einer Lungenembolie, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall auftreten.

Weitere mögliche Ursachen und Risikofaktoren sind:

  • Genetische Veranlagung: Es gibt Hinweise darauf, dass es eine genetische Veranlagung für Angststörungen und Panikattacken gibt. Menschen, deren Familienmitglieder an Angststörungen leiden, haben ein höheres Risiko, selbst Panikattacken zu entwickeln.
  • Neurobiologische Faktoren: Ungleichgewichte bei bestimmten Neurotransmittern im Gehirn, wie Serotonin und Noradrenalin, wurden mit der Entstehung von Panikstörungen in Verbindung gebracht.
  • Stress und intensive Lebensereignisse: Stress kann eine Panikattacke auslösen oder verschlimmern. Traumatische Lebensereignisse können das Risiko für Panikattacken erhöhen.
  • Biologische Veränderungen: Hormonelle Veränderungen, wie sie während der Pubertät oder der Schwangerschaft auftreten, können das Risiko für Panikattacken erhöhen. Ebenso können bestimmte Erkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen (Überfunktion) Panikattacken auslösen.
  • Psychologische Faktoren: Menschen mit psychischen Erkrankungen, wie beispielsweise Angststörungen, Depression oder bipolaren Störungen können anfälliger für Panikattacken sein.
  • Drogen- oder Alkoholmissbrauch: Der Missbrauch von Alkohol, Drogen oder bestimmten Medikamenten kann das Risiko für Panikattacken erhöhen oder bestehende Symptome verschlimmern.

Was passiert bei einer Panikattacke im Körper?

Eine Panikattacke ist eine intensive Alarmreaktion des Körpers und der Psyche. Das Gehirn signalisiert Gefahr, obwohl keine reale Bedrohung vorliegt. In der Folge werden Stresshormone ausgeschüttet, die eine Kaskade von Mechanismen auslösen: Die Muskulatur spannt sich an, die Atmung wird schneller, der Herzschlag wird beschleunigt.

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Was hilft bei einer Panikattacke im Akutfall?

Es gibt verschiedene Strategien, die bei einer Panikattacke kurzfristig helfen können:

  • Atemübungen: Die Betroffenen können ihre Atemzüge zählen oder zwischendrin für eine gewisse Sekundenanzahl die Luft anhalten.
  • Aufmerksamkeit nach außen richten: Die Aufmerksamkeit von den Symptomen weg nach außen richten, indem man beispielsweise versucht, die verschiedenen Sinne anzusprechen: Was sehe ich gerade? Was kann ich hören, schmecken, fühlen?
  • Äußere Reize setzen: Sich vor den Kühlschrank stellen, einen Eiswürfel in die Hand nehmen oder in den Nacken legen oder das Gesicht in kaltes Wasser tauchen.
  • Sich vor Augen führen, dass die Panikattacke ungefährlich ist: Hat ein Betroffener schon einmal eine Panikattacke erlebt, ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass das nichts Gefährliches ist.

Wie können Außenstehende bei einer Panikattacke helfen?

Außenstehende können beruhigend auf die Betroffenen einwirken, indem sie die Patienten abschirmen, die Kleidung lockern, eine bequeme Sitz- oder Liegeposition finden. Auch gemeinsame Atemübungen können im Akutfall unterstützen. Wichtig ist, die Person nicht einzuengen.

Panikstörung: Wenn aus einer Panikattacke eine Erkrankung wird

Die Symptome einer Panikattacke können für Betroffene sehr bedrohlich sein. Es entsteht oft die Angst, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden oder ernsthaft krank zu sein. Aus dieser Erfahrung heraus entwickeln viele eine „Angst vor der Angst“ - also die ständige Sorge, erneut von einer Panikattacke überrascht zu werden. Diese sogenannte Erwartungsangst kann zu einer andauernden Panikstörung führen, die den Alltag immer mehr bestimmt: Panikattacken treten immer häufiger auf und die Angst wird zum dauerhaften Begleiter - die Panikstörung wird chronisch.

Agoraphobie und Panikattacken

Viele Menschen, die schon einmal eine Panikattacke erlebt haben, entwickeln die Sorge, dass die Panik an Orten ausbricht, an denen Hilfe schwer erreichbar scheint oder sie sich bloßgestellt fühlen könnten. Aus dieser Angst entsteht oft eine Agoraphobie: Die Betroffenen beginnen, bestimmte Situationen wie volle Busse, Warteschlangen, große Plätze oder Reisen zu meiden, um sich so vor einer möglichen Panikattacke zu schützen.

Wann ist eine Therapie notwendig?

Nicht jeder benötigt nach einer Panikattacke zwangsläufig psychologische Unterstützung. Die Notwendigkeit einer Therapie hängt sehr vom persönlichen Empfinden ab. Ein entscheidendes Kriterium ist der Leidensdruck der Betroffenen. Wenn die Erwartungsangst zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führt oder depressive Erkrankungen die Folge sind, ist eine Therapie ratsam.

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Langfristige Behandlung von Panikattacken

Langfristig beruht die Behandlung einer Panikstörung auf zwei Säulen:

  • Medikamentöse Behandlung: Die Einnahme bestimmter Antidepressiva hat sich in der Behandlung von Angsterkrankungen als wirksam erwiesen.
  • Psychotherapie: Vor allem die kognitive Verhaltenstherapie hilft, die eigenen Ängste zu bewältigen.

Kognitive Verhaltenstherapie und Exposition

Ein wichtiger Teil der Verhaltenstherapie ist die sogenannte Exposition. Dabei werden die Betroffenen ganz gezielt in Situationen gebracht, in denen die Panikattacken auftreten, um die eigenen Ängste bewältigen zu können. In der Therapie wird die Situation vorbereitet und im Anschluss aufgesucht, um die Befürchtungen zu überprüfen und zu widerlegen. Die Betroffenen lernen, dass sie in der Situation nicht die Kontrolle verlieren und dass die schlimmen Befürchtungen nicht eintreten.

Was tun bei Taubheitsgefühlen im Rahmen einer Panikattacke?

Taubheitsgefühle oder Kribbeln, insbesondere in den Gliedmaßen, können während einer Panikattacke auftreten. Dieses Symptom wird oft durch Hyperventilation verursacht, die zu einer Veränderung des Säure-Basen-Gleichgewichts im Körper führt.

Erste Schritte bei Taubheitsgefühlen

  • Ruhe bewahren: Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und sich auf Ihre Atmung zu konzentrieren.
  • Atemübungen: Langsames, tiefes Atmen kann helfen, die Hyperventilation zu reduzieren und das Gleichgewicht wiederherzustellen.
  • Bewegung: Leichte Bewegung der betroffenen Gliedmaßen kann die Durchblutung fördern.
  • Ärztliche Abklärung: Wenn die Taubheitsgefühle anhalten oder häufig auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden, um andere mögliche Ursachen auszuschließen.

Ursachen für Taubheitsgefühle

Taubheitsgefühle können verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Hyperventilation: Schnelle, flache Atmung während einer Panikattacke kann zu einem Abfall des Kohlendioxidgehalts im Blut führen, was Taubheitsgefühle verursachen kann.
  • Angstbedingte Muskelverspannungen: Anspannung und Muskelverkrampfungen können Nerven einklemmen und Taubheitsgefühle auslösen.
  • Andere Erkrankungen: In seltenen Fällen können Taubheitsgefühle auch auf andere medizinische Probleme hinweisen, wie z.B. Nervenschäden, Durchblutungsstörungen oder neurologische Erkrankungen.

Zusätzliche Maßnahmen

  • Sitzposition überprüfen: Wenn Sie häufig unter eingeschlafenen Füßen leiden, überprüfen Sie Ihre Sitzposition. Vermeiden Sie es, die Beine zu überkreuzen, da dies die Blutversorgung stören kann.
  • Durchblutung ankurbeln: Alles, was den Kreislauf in Schwung bringt und den Blutfluss anregt, kann helfen. Sorgen Sie für ausreichend Bewegung.
  • Gefäße gesund halten: Vermeiden Sie Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel.
  • Körperbewusstsein trainieren: Übungen zur Verbesserung des Körperbewusstseins, wie Yoga oder der Body Scan, können helfen, die Aufmerksamkeit auf den Körper zu richten und sich intensiver zu spüren.

Panikattacken bei speziellen Personengruppen

Panikattacken bei Kindern

Auch bei Kindern und Jugendlichen treten Panikattacken auf, allerdings seltener als bei Erwachsenen. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Auslöser können vielfältig sein, wie Angst vor dem Sprechen vor anderen, Furcht vor Tieren oder Dunkelheit. Oft leiden auch die Eltern unter Panikstörungen. Stress und Leistungsdruck können ebenfalls Auslöser sein. Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, um chronische Verläufe und negative Auswirkungen auf die Entwicklung zu verhindern.

Panikattacken bei Schwangeren

Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft können bei manchen Frauen Panikattacken auslösen. Angst vor der Geburt und dem Muttersein können diese verstärken. Besonders Frauen mit schwierigen Schwangerschaften oder bestehenden psychischen Erkrankungen sind gefährdet. Eine frühzeitige Hilfe durch Ärzte oder Therapeuten ist ratsam.

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