Panikattacken sind plötzliche Anfälle intensiver Angst, die von verschiedenen körperlichen und psychischen Symptomen begleitet werden. Obwohl die Ursachen vielfältig sind, kann ein eingeklemmter Nerv im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) eine entscheidende Rolle bei der Auslösung von Panikattacken spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen einem eingeklemmten Nerv und Panikattacken, erklärt die möglichen Ursachen und Symptome und bietet einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsansätze.
Das HWS-Syndrom und seine vielfältigen Auswirkungen
Das HWS-Syndrom, auch Zervikalsyndrom genannt, umfasst eine Reihe von Beschwerden, die im Bereich der Halswirbelsäule auftreten. Typische Symptome sind Nackenschmerzen, die in Kopf, Schultern, Arme oder den Hinterkopf ausstrahlen können. Begleitend können Kopfschmerzen, Übelkeit, Ohrgeräusche (Tinnitus), Seh- oder Konzentrationsstörungen auftreten. In manchen Fällen kommt es zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Schwäche in den Armen und Händen, wenn Nerven gereizt oder eingeengt sind.
Mögliche Ursachen für das HWS-Syndrom
Die Ursachen für das HWS-Syndrom sind vielfältig:
- Bandscheibenvorfall: Tritt das weiche Innere einer Bandscheibe durch den äußeren Faserring nach außen, kann ein Bandscheibenvorfall entstehen. Dadurch können Nerven eingeklemmt werden, was Schmerzen verursacht, die in Arme oder Beine ausstrahlen. Ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule kann Nerven und Blutgefäße im Nackenbereich reizen.
- Blockade in der Halswirbelsäule: Einzelne Wirbelgelenke können sich verhaken oder nicht mehr frei bewegen lassen. Dies führt oft zu stechenden Nackenschmerzen und kann das Gleichgewichtssystem beeinflussen. Typische Begleiterscheinungen sind Schwindel, Kopfdruck oder Übelkeit.
- Muskelverspannungen: Starke Verspannungen der Nackenmuskulatur gehören zu den häufigsten Ursachen für Schwindel und Übelkeit. Durch eine falsche Haltung, Stress oder langes Sitzen am Arbeitsplatz verkrampfen die Muskeln, was wiederum die Durchblutung und Nervenversorgung im HWS-Bereich stören kann.
- Nervenreizung: Einklemmte oder gereizte Nerven im Halswirbelbereich können Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schwindelattacken und Übelkeit auslösen. Diese treten oft in Kombination mit ausstrahlenden Schmerzen in Kopf oder Schultern auf.
- Vertebraler Schwindel: Verspannungen und Fehlstellungen der Halswirbel können die Blutzufuhr zum Gehirn beeinträchtigen und das Gleichgewicht stören.
Der Zusammenhang zwischen HWS-Syndrom und Panikattacken
Eine Panikattacke kann bei ausgeprägten Formen eines HWS-Syndroms häufiger auftreten. Im Bereich der Halswirbelsäule verlaufen viele Nerven, die unter anderem für die Versorgung des Herzens und anderer Körperfunktionen zuständig sind. Bei der Störung dieser Nerven, zu denen der Vagus-Nerv und der Sympathikus gehören, kann es zu Herzrasen, einem erhöhten Bluthochdruck und starkem Schwitzen kommen und damit zu einer Panikattacke.
Nervale Reizung und vegetatives Nervensystem
Bei einem HWS-Syndrom können die Nervenwurzeln oder -bahnen im Bereich der Halswirbelsäule gereizt oder eingeklemmt werden, was das vegetative Nervensystem beeinflusst. Verspannungen oder Blockaden in der HWS können Nerven (wie den Vagus-Nerv und den Sympathikus) reizen, die eine wichtige Rolle bei der Regulation des vegetativen Nervensystems spielen. Dieses System steuert unter anderem den Blutdruck und die Herzfrequenz.
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Symptome eines HWS-Syndroms, die Panikattacken auslösen können
Bestimmte Symptome des HWS-Syndroms können Panikattacken auslösen oder verstärken:
- Herzrhythmusstörungen: Reizungen oder Störungen des sympathischen Nervensystems oder des Vagus-Nervs können zu Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern oder hohen Puls) führen.
- Schwindel: Schwindel kann durch Verspannungen und Fehlstellungen der Halswirbel entstehen, die die Blutzufuhr zum Gehirn beeinträchtigen und das Gleichgewicht stören.
- Atemnot: Verspannungen im Nackenbereich können die Atemmuskulatur beeinträchtigen und zu Atemnot führen.
- Brustschmerzen: Eine Einklemmung oder Störung eines oder mehrerer Nerven im Bereich der HWS kann zu Brustschmerzen führen, die auf einer Seite der Brust und in einem bestimmten Bereich auftreten.
Panikattacken: Symptome und Ursachen
Wenn uns die Angst aus heiterem Himmel regelrecht übermannt, spricht man von einer Panikattacke. Per se ist Angst nichts Schlechtes. Sie ist ein urmenschliches Gefühl, gewissermaßen einprogrammiert in unsere DNA, um uns in gefahrvollen Situationen zur Vorsicht zu mahnen. Im Zustand der Angst sind unsere Sinne geschärft, wir sind hochkonzentriert. Auch unsere Körperfunktionen reagieren: Die Muskeln spannen sich an, das Herz schlägt schneller. Dadurch sind wir in der Lage, unmittelbar und leistungsstark auf Gefahren zu reagieren - unsere Vorfahren etwa konnten fliehen oder sich einem Angriff stellen. Ist die Gefahr vorüber, entspannen wir uns - das Stresslevel sinkt. Bei einer Panikattacke ist dieser Zustand aus der Balance geraten.
Typische Symptome einer Panikattacke
Panikattacken gehen für gewöhnlich Hand in Hand mit körperlichen und psychischen Symptomen, die in den Betroffenen das Gefühl auslösen, die Situation nicht zu überleben respektive ernsthaft erkrankt zu sein. Zu den körperlichen Symptomen zählen insbesondere:
- Hyperventilation
- Herzklopfen und Herzrasen
- Zittern in Beinen und/oder Händen
- Schweißausbrüche
- Übelkeit
Zu den psychischen Symptomen gehören u. a.:
- Schwindel
- Derealisation (das Gefühl, die Realität sei unwirklich)
- Das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren
- Die Angst, verrückt zu werden
- Die Angst zu sterben
All diese Symptome bauen sich analog zur Reduktion des Adrenalin-Spiegels nach ca. 15-20 Minuten wieder ab.
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Mögliche Ursachen von Panikattacken
Die Ursachen einer Panikstörung sind nicht vollends geklärt. Neben einem HWS-Syndrom können auch andere Faktoren eine Rolle spielen:
- Psychische Belastungen: Trennung, der Tod eines nahen Angehörigen, der Verlust des Arbeitsplatzes oder die Diagnose einer schweren Erkrankung.
- Biologische Faktoren: Ein Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn (z.B. Serotonin und Noradrenalin).
- Konsum von Substanzen: Alkohol, Nikotin oder Koffein.
- Vermeidungsverhalten: Aus Angst vor einer Panikattacke werden bestimmte Situationen vermieden, was die Angst verstärken kann.
Diagnose und Behandlung
Diagnose des HWS-Syndroms
Um ein HWS-Syndrom zu diagnostizieren, wird der Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen und die Krankengeschichte des Patienten erheben. Dabei werden die Beweglichkeit der Halswirbelsäule, die Muskelspannung und mögliche neurologische Ausfälle (z.B. Kribbeln oder Taubheitsgefühle) untersucht. In manchen Fällen sind bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, CT oder MRT erforderlich, um die Ursache der Beschwerden zu erkennen (z.B. Bandscheibenvorfall oder Blockaden).
Diagnose von Panikattacken
Um eine Panikstörung gesichert zu diagnostizieren, gilt es, physische Auslöser auszuschließen. Der erste Schritt zur Hilfe ist daher in der Regel der Gang zum Hausarzt. Da die Zahl der Betroffenen relativ hoch ist, sehen sich Allgemeinmediziner verstärkt mit der Behandlung einer Panikstörung konfrontiert. Nach dem Ausschluss von körperlichen Ursachen ist es ratsam, sich professionelle Hilfe bei speziell hierfür ausgebildeten Ärzten und Therapeuten - Psychiatern und Psychologischen Psychotherapeuten - zu suchen.
Behandlung des HWS-Syndroms
Die Behandlung des HWS-Syndroms richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. In den meisten Fällen kommen konservative Therapien zum Einsatz:
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur und zur Verbesserung der Beweglichkeit. Ein Haltungstraining wird ebenfalls durchgeführt.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme fördert die Durchblutung und lockert verspannte Muskeln, während Kälte Entzündungen und Schwellungen reduziert und akute Schmerzen lindern kann.
- Massagen: Medizinische Massagen können helfen, die Nacken- und Schultermuskulatur zu entspannen und Verspannungen zu lösen.
- Schmerzmittel: Bei starken Schmerzen können Schmerzmittel hilfreich sein.
- Stoßwellentherapie: Hierbei werden intensive Schallwellen auf den betroffenen Bereich abgegeben, um Schmerzen zu lindern und die Durchblutung zu fördern.
- Weitere Methoden: Tapen der betroffenen Stellen oder Akupunktur können Schmerzen verringern, die Durchblutung fördern und die Haltung verbessern.
Behandlung von Panikattacken
Panikattacken können mit Medikamenten und Psychotherapie behandelt werden:
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- Psychotherapie: Insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie mit den Kernelementen der Expositionsverfahren ist wirksam.
- Medikamente: Antidepressiva können begleitend vor allem bei chronischen und ausgeprägten Angsterkrankungen nützlich sein. Benzodiazepine (Beruhigungsmittel) sollten vermieden bzw. nur kurzfristig eingesetzt werden, da diese mittel- bis langfristig nicht helfen und zu einer Abhängigkeit führen können.
Was tun im Akutfall einer Panikattacke?
Auch wenn Panikattacken gefühlt ohne Grund und plötzlich auftauchen können, bist du ihnen nicht hilflos ausgeliefert. Setze dich mit deinen persönlichen Angst-Anzeichen auseinander und mache sie dir bewusst. Wenn die nächste Panikattacke auftaucht, erinnere dich daran, dass du beeinflussen kannst, wie sie sich entwickelt. Versuche, möglichst ruhig zu bleiben und achte darauf, wie du die Situation bewertest.
- Atemübungen: Stelle dich aufrecht hin, nimm eine lockere Körperhaltung ein und lasse deine Schultern locker. Atme tief und ruhig durch die Nase ein. Du kannst während der Einatmung in Gedanken langsam bis 5 zählen. Atme anschließend locker durch den Mund aus und zähle in Gedanken langsam bis 7. Wiederhole diese Übung 10-mal hintereinander und führe 4 Wiederholungen durch.
- Körperliche Aktivität: Hüpfe auf und ab und balle deine Fäuste zusammen. Kralle deine Zehen in den Boden.
- Fokussierung auf die Atmung: Lege deinen Fokus auf deine Atmung: Wichtig dabei ist länger aus- als einzuatmen. Dazu am besten beim Ausatmen innerlich bis sechs und beim Luftholen bis vier zählen, anschließend jeweils eine kurze Pause.
Zusätzliche Maßnahmen zur Vorbeugung von Panikattacken
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga helfen, den Körper zu entspannen und das Stresslevel zu senken.
- Ausreichend Schlaf: Ausreichender und erholsamer Schlaf ist essenziell, um Beschwerden des HWS Symptoms vorzubeugen.
- Regelmäßige Pausen und Dehnübungen: Regelmäßige Pausen, sowie regelmäßiges Dehnen helfen, den Nacken zu entspannen.
- Ernährung: Eine Reduzierung des Konsums von Koffein, Nikotin und Alkohol kann hilfreich sein.
- Psychosomatische Zusammenhänge beachten: Chronische Körperschmerzen können durch die Einschränkung unserer Lebensqualität, Lebensfreude und unseres Wohlbefindens immer auch unsere Psyche und Befindlichkeit negativ beeinflussen.
Yoga als ergänzende Therapie
Yoga kombiniert viele Elemente, die gegen Angst und Panik wirksam sind:
- Körperübungen (Asanas): Muskelkräftigung und Faszienmobilität. Längeres Halten einer Asana aktiviert den Parasympathikus, der Stress und Angst lindert.
- Atemübungen (Pranayama): Konzentrierte, gleichförmige Beobachtung und Kultivierung eines ruhigen Atems senkt Adrenalin- und Cortisolwerte und erhöht die Serotonin-, Dopamin und Endorphinkonzentration.
- Meditation und Visualisierung: Mentale Praktiken, die zu innerem Frieden, Klarheit und Erkenntnis führen.
- Ethik- und Wertesystem: Auflösung von negativen Selbstpostulaten, Denk- und Verhaltensmustern.
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