CBD-Studien zur Parkinson-Behandlung: Ein Überblick

Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach Alzheimer. In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen betroffen, und die Zahl wächst mit zunehmendem Alter der Bevölkerung. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber eine Therapie hat in letzter Zeit Aufmerksamkeit erregt: medizinisches Cannabis, das für viele Patienten eine große Hoffnung darstellt. Seit einigen Jahren dürfen Ärzte ihren Patienten medizinisches Cannabis gegen Parkinson verschreiben. Viele Patienten setzen große Hoffnungen in diese neue Therapie.

Die aktuelle Situation in Deutschland

Etwa 400.000 Menschen in Deutschland leiden an Morbus Parkinson, auch bekannt als "Schüttelkrankheit". Die Krankheit tritt durchschnittlich um das 60. Lebensjahr auf. Seit dem Frühjahr 2017, als die Zulassung für medizinisches Cannabis erfolgte, fragen Patienten häufiger, ob diese Therapie für sie geeignet wäre. Oft haben sie jedoch nur eine vage Vorstellung davon, wogegen oder wofür das Cannabis eigentlich wirken soll.

Viele Patienten, die von den Möglichkeiten der konventionellen Medizin enttäuscht sind, suchen nach Alternativen. Sie sind enttäuscht, weil bestimmte Symptome bei ihnen nicht so gut auf die Behandlung ansprechen. Es ist wichtig zu betonen, dass Cannabis ein Stoff ist, dessen Wirkung bei Parkinson noch nicht gut erforscht ist und dessen Anwendung nicht risikolos ist, da es auch zu gravierenden Nebenwirkungen kommen kann.

Vor der Gesetzesänderung gab es nur sehr wenige Indikationen, bei denen man Cannabinoide verschreiben durfte: bei einer bestimmten Form der Spastik bei Multipler Sklerose und bei Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie. Jetzt hat sich die Situation jedoch vollkommen umgekehrt, und die Gründe für die Verschreibung von medizinischem Cannabis werden kaum noch eingegrenzt. Ärzte haben eine sehr weitreichende Therapiefreiheit.

Die Erwartungshaltung der Patienten

Es gibt immer wieder neue Methoden, die medial oft recht unkritisch vorgestellt werden und dann viele Menschen begeistern. Die Bereitschaft der Betroffenen, solche Nachrichten mit einer sehr erwartungsstarken Brille zu lesen, ist teilweise sehr hoch und löst Hoffnungen aus, die weit an der Realität vorbeigehen. Beim Cannabis spielt außerdem die Naturheilkunde hinein und irgendwie auch das Verbotene. Es ist nun einmal nicht Pfeffer oder Paprika, sondern Cannabis.

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Das Endocannabinoid-System des Körpers

Der Körper produziert selbst Cannabinoide. Für diese sind im Gehirn bisher zwei Empfängerstellen bekannt. Docken die Cannabinoide dort an, werden Signalkaskaden in nachgeordneten Nervenzellen ausgelöst und bestimmte Botenstoffe freigesetzt: einerseits Dopamin, das bei Parkinson eine große Rolle spielt, aber auch Glutaminsäure oder Serotonin. Die Reaktionen, die dadurch ausgelöst werden, sind vielfältig. Es ist kein einfacher Reiz-Reaktionsweg, sondern ein extrem komplexer Vorgang, über den man noch längst nicht alles weiß.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Cannabis

Von den mehr als 60 Inhaltsstoffen im Cannabis sind zwei besonders wichtig:

  • THC (Tetrahydrocannabinol): Dies ist der Stoff, für den Cannabis als Droge geraucht wird. Er wirkt sehr stark auf die Psyche und kann Halluzinationen hervorrufen. THC gibt es als Öl oder auch in Kapseln.
  • CBD (Cannabidiol): Das wirkt nicht halluzinogen. Es ist ein interessanter Wirkstoff, der allerdings derzeit als Nahrungsergänzungsmittel und nicht als Medikament zugelassen ist.

Außerdem gibt es noch die Blüten, also das eigentliche Naturprodukt. Sie haben - wie viele Naturheilmittel - eine hohe Zahl unterschiedlicher Wirkstoffe.

Die erhofften Wirkungen von Cannabis bei Parkinson

Man erhofft sich, dass das Zittern nachlässt, das bei Parkinson typisch ist. Dafür gibt es aber bisher keine Hinweise. Der einzige Effekt, den die Forschung bislang nahegelegt hat, ist, dass Cannabis möglicherweise eine dämpfende Wirkung auf die Unruhebewegungen haben könnte, die durch das Medikament L-Dopa ausgelöst werden.

Die Studienlage zu Cannabis und Parkinson

Schaut man sich allerdings die Studienlage an, reden wir nicht einmal von 50 Patienten, die bisher in methodisch guten Studien beschrieben wurden. Und nur bei einem Teil von ihnen hat man den Effekt beobachtet. Wirkungen auf die Kernsymptome des Parkinson-Syndroms wie Muskelsteifigkeit, Unbeweglichkeit oder Zittern sind bisher nicht nachgewiesen. Es ist also viel, viel zu früh, um eine Therapieempfehlung auszusprechen.

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Mögliche Nebenwirkungen von Cannabis

In den Studien sind bei einigen Patienten Halluzinationen aufgetreten. Das ist nicht verwunderlich, weil Halluzinationen bei Parkinson nicht selten sind und halluzinogene Medikamente wie Cannabis das noch verstärken können. Außerdem leiden Parkinsonpatienten oft unter Kreislaufschwäche und sehr niedrigem Blutdruck. Das kann ebenfalls durch THC noch verstärkt werden. Weiterhin gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte. Insgesamt sind diese Nebenwirkungen nicht zu vernachlässigen.

Die Paradoxie der Gesetzesänderung

Auf einmal kann man Medikamente, deren Nutzen-Risiko-Bewertung noch nicht abgeschlossen ist, bei Patienten mit einem schwer geschädigten Nervensystem einsetzen. Viele Ärzte behandeln Parkinsonpatienten mit Cannabis, besonders wenn diese es unbedingt versuchen wollen oder wenn die regulären Medikamente nicht weiterhelfen.

Die Zukunft der Parkinson-Therapie

Es wird erwartet, dass THC bei Parkinson keine große Rolle spielen wird, allein schon wegen der Nebenwirkungen. Es bleibt aber abzuwarten, ob man von CBD - dem anderen in Cannabis enthaltenen Wirkstoff - noch mehr hören wird. Man versucht vermehrt, Therapien zu entwickeln, die die Ursache der Erkrankung bekämpfen. Manche davon werden schon am Menschen getestet, zum Beispiel Antikörper gegen toxische Eiweiße. Gelingt es, damit die Ablagerungen im Gehirn zu reduzieren, gäbe es eine Art Parkinson-Impfstoff. Man würde ihn bei neu aufgetretenem Parkinson geben.

Die Rolle der Ernährung

Eine gesunde Ernährung, insbesondere die mediterrane Küche, kann einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Die mediterrane Küche gilt als besonders gefäß- und herzfreundlich. Das liegt daran, dass viele Gerichte einen großen Gemüseanteil haben und eher Fisch als Fleisch auf den Tisch kommt. Gerne werden auch Hülsenfrüchte als Eiweißlieferanten eingesetzt. Außerdem werden die meisten Gerichte mit cholesterinsenkendem Olivenöl zubereitet.

Aktuelle Forschungsergebnisse zu medizinischem Cannabis (bis 2024)

Die medizinische Forschung zu Cannabis und seinen Wirkstoffen, den Cannabinoiden, ist ein dynamisches Feld. Jedes Jahr werden neue Studien veröffentlicht, die unser Verständnis von den potenziellen therapeutischen Anwendungen, aber auch von den Risiken, erweitern und verfeinern.

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Chronische Schmerzen

Eine umfassende Meta-Analyse, veröffentlicht Anfang 2024 im Journal of Pain, untersuchte die Ergebnisse von über 30 randomisierten Kontrollstudien. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Cannabinoide eine statistisch signifikante, wenn auch moderate, schmerzlindernde Wirkung bei neuropathischen Schmerzen (Nervenschmerzen) zeigen.

Parkinson-Syndrom

Eine vielversprechende Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2024 untersuchte die Lebensqualität von Patienten mit Parkinson-Syndrom, die begleitend medizinisches Cannabis erhielten. Die Patienten berichteten über eine subjektive Verbesserung von nicht-motorischen Symptomen wie Schlafstörungen und Angstzuständen.

Psychische Erkrankungen

Eine Längsschnittstudie von 2024, die in JAMA Psychiatry veröffentlicht wurde, analysierte die Daten von Veteranen mit PTBS. Die Ergebnisse zeigten ein gemischtes Bild: Einige Patienten berichteten kurzfristig von einer Linderung von Albträumen und Reizbarkeit.

Wichtige Hinweise zu den Studien

  • Symptomkontrolle, nicht Heilung: Die Studien liefern Hinweise darauf, dass Cannabis die Lebensqualität durch die Linderung von Begleitsymptomen verbessern kann.
  • Begrenzte Aussagekraft: Als Beobachtungsstudie kann sie keine endgültigen Kausalzusammenhänge beweisen.
  • Dosis-Wirkungs-Beziehung: Insbesondere bei Angstzuständen kann die Wirkung von THC paradox sein (biphasisch).
  • CBD als potenzieller Gegenspieler: Studien deuten darauf hin, dass Cannabidiol (CBD) einige der unerwünschten psychischen Effekte von THC abmildern kann.
  • Gefahr der Selbstmedikation: Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit ist eine Selbstmedikation ohne ärztliche Diagnose und Begleitung extrem riskant.
  • Kontraindikationen: Gibt es Vorerkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Erkrankungen)?

Die Bedeutung der ärztlichen Begleitung

Eine ärztliche Begleitung ist aus mehreren Gründen zwingend erforderlich:

  • Indikationsstellung: Nur ein Arzt kann beurteilen, ob eine Cannabis-Therapie für Ihre Erkrankung medizinisch sinnvoll und geeignet ist.
  • Kontraindikationen: Bestimmte Vorerkrankungen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Erkrankungen) können gegen eine Cannabis-Therapie sprechen.
  • Wechselwirkungen: Cannabis kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben, die Sie einnehmen.
  • Dosierung: Die richtige Dosierung von Cannabis ist individuell verschieden und muss von einem Arzt festgelegt werden.
  • Überwachung: Während der Therapie muss der Arzt Sie regelmäßig überwachen, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Cannabis und Bewegungsstörungen: Eine detaillierte Betrachtung

Morbus Parkinson

Cannabinoide scheinen in der Selbstbehandlung von Symptomen des M. Parkinson schon länger in Gebrauch zu sein. Eine 2004 veröffentlichte Umfrage unter Parkinson-Patienten in Prag ergab, dass 25 % der 339 Teilnehmer bereits Cannabis zu sich genommen hatten. Fast die Hälfte (46 %) berichtete, eine positive Wirkung auf Krankheitssymptome erlebt zu haben (31 % Verbesserung Ruhetremor, 45 % Verbesserung der Bradykinese, 38 % Rückgang der Muskelrigidität, 14 % Reduktion von Levodopa-induzierten Dyskinesien). Lediglich 5 % der Patienten bemerkten eine Verschlechterung der Symptome durch die Cannabis-Einnahme.

Auch neuere, Internet-basierte Umfragen bestätigen den hohen Anteil von aktuell Cannabis-konsumierenden Parkinson-Patienten (37 %), die meisten nahmen bereits über ein Jahr Cannabis ein (70 %). Zumeist wurde Cannabis geraucht (41 %), oral eingenommen (6 %) oder beides (20 %). Fast die Hälfte der Patienten (48 %) berichtete, dass sie die verschriebene Medikation unter der Selbstmedikation mit Cannabis reduzieren konnten. Eine retrospektive Auswertung von 47 Patienten, die im Mittel 19,1 Monate mit Cannabinoiden behandelt wurden, ergab eine deutliche Verbesserung von motorischen und nichtmotorischen Symptomen wie Reduktion von Stürzen, Tremor und Muskelrigidität sowie eine Verbesserung des Schlafs, der Stimmung und von Schmerzen. Als Nebenwirkungen der zumeist durch Rauchen (81 %) zugeführten Medikation wurden Verwirrung (17 %) und Halluzinationen (17 %) berichtet.

In zwei Fallserien wurde der Effekt von Cannabinoiden auf motorische Symptome untersucht. Bei fünf Parkinson-Patienten, die nach der nächtlichen Medikationspause eine Zigarette mit 1 g Marihuana (2,9 % THC) rauchten, konnte keine Reduktion des Tremors festgestellt werden. Hingegen wurde in einer Untersuchung von 22 Patienten nach Rauchen von 0,5 g Cannabis (unbekannter THC/CBD-Gehalt) eine signifikante Verbesserung des Scores im motorischen Teil der MDS-UPDRS (33,1 ± 13,8 vs. 23,2 ± 10,5) mit ebenfalls signifikanter Reduktion der Subscores für Tremor, Rigidität und Bradykinese festgestellt. Zusätzlich wurden eine signifikante Reduktion von Schmerzen und eine verbesserte Schlafqualität beschrieben.

Nichtmotorische Parkinson-Symptome wurden in zwei weiteren unkontrollierten Studien untersucht. Bei sechs Patienten mit Parkinson-assoziierter Psychose wirkten sich 400 mg CBD/Tag positiv auf psychiatrische Positiv- und Negativsymptome gemäß Brief Psychiatric Rating Scale aus. Mit REM-Schlafverhaltensstörungen assoziierte Symptome wie Agitation, Schlagen, Treten und Albträume verschwanden bei vier Patienten, die 75 oder 300 mg CBD pro Tag einnahmen.

Es existieren drei höherwertige, Placebo-kontrollierte Studien, in denen die Wirkung von Cannabinoiden auf motorische und nichtmotorische Symptome untersucht wird. Sieradzan und Kollegen setzten Nabilon ein, um dessen Effekt auf Levodopa-induzierte Dyskinesien (LID) bei einem Levodopa-Test bei sieben Patienten zu untersuchen. Zwar fand sich eine signifikante Reduktion der Schwere, nicht jedoch der Dauer der LID. Caroll und Kollegen untersuchten den Effekt einer THC/CBD-(2 : 1)-Mischung auf LID bei 17 Patienten über vier Wochen. Weder konnte eine Verbesserung von LID noch von sekundären Outcome-Kriterien wie dem motorischen Teil der MDS-UPDRS, der Lebensqualität, Schmerzen oder Schlafqualität nachgewiesen werden. Chagas und Kollegen untersuchten den motorischen Teil der MDS-UPDRS und die Lebensqualität sechs Wochen nach Behandlung mit 75 oder 300 mg CBD (oder Placebo) bei sieben Patienten pro Behandlungsarm. Zwar konnte eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität in der 300-mg-CBD-Gruppe gefunden werden, der MDS-UPDRS-Score unterschied sich jedoch nicht zwischen den Gruppen. Kürzlich wurde das Studienprotokoll für die österreichische, qualitativ hochwertige „The NMS-Nab Study“ veröffentlicht, welche die Wirkung von Nabilon auf nichtmotorische Symptome bei M. Parkinson (gemessen an der MDS-UPDRS Teil 1) über vier Wochen untersuchen wird.

Interessanterweise wurde neben den genannten CB1- und CB2-Agonisten auch der Effekt eines selektiven CB1-Antagonisten, Rimonabant, auf motorische Parkinson-Symptome inklusive LID untersucht. Hier zeigte sich bei vier Patienten nach einem Levodopa-Test keine zusätzliche Wirkung des Rimonabants auf den motorischen Teil der MDS-UPDRS oder auf LID.

Insgesamt ist die Datenlage für Cannabinoide im Hinblick auf motorische und nichtmotorische Symptome beim M. Parkinson sehr dünn. Neben der Vielzahl von untersuchten Zielsymptomen sind auch die angewendeten Cannabis-Präparate sehr heterogen, sodass letztlich keine evidenzbasierte Empfehlungen ausgesprochen werden können. Aufgrund dessen sollten Cannabinoide erst nach Ausschöpfung der leitliniengerechten Therapie und am ehesten bei schwer behandelbaren Symptomen wie Levodopa-induzierten Dyskinesien, Schmerzen oder Schlafstörungen eingesetzt werden. Es empfiehlt sich, den Therapieerfolg mittels objektiver Skalen zu verifizieren.

Atypische Parkinson-Syndrome

Die Behandlung von motorischen und nichtmotorischen Symptomen bei atypischen Parkinson-Syndromen ist angesichts der zumeist schlechten Wirksamkeit der dopaminergen Medikation eine große Herausforderung. Zur Behandlung motorischer Symptome mit Cannabinoiden konnten keine Fallberichte oder Studien identifizieren. Hinsichtlich nichtmotorischer Symptome ist erwähnenswert, dass ein Großteil der Patienten mit atypischen Parkinson-Syndromen unter Schmerzen leidet (z. B. Multisystematrophie 71 %, Lewy-Body-Demenz 50 %, progressive supranukleäre Blickparese 40 %), wobei dies häufiger bei Patienten mit Synucleinopathien als bei Tauopathien der Fall zu sein scheint. Als am analgetisch wirksamsten (etwa je 80 % Therapieresponder) wurden nichtsteroidale Antiphlogistika und Cannabis beschrieben, wobei hier keine Aussage zur Substanz und Art der Einnahme getroffen wurde. In einem Fallbericht konnte keine Wirkung von Dronabinol auf therapierefraktäre Agitation und Aggression bei einem Patienten mit Lewy-Body-Demenz nachgewiesen werden.

Phytocannabinoide stehen aufgrund ihrer antioxidativen und antiinflammatorischen Wirkung immer wieder als mögliche neuroprotektive Substanzen im Fokus, jedoch konnte der klinische Nutzen bislang noch nicht belegt werden. Aufgrund der generell meist unzureichenden medikamentösen Behandlungsmöglichkeit der motorischen und nichtmotorischen Symptome bei atypischen Parkinson-Syndromen sollte den Patienten nach Einsatz der „konventionellen“ Medikation ein Therapieversuch mit Cannabinoiden unserer Meinung nach nicht verwehrt werden. Auch hier empfiehlt sich die Festlegung von Zielsymptomen, die während der Therapie mit validierten Scores dokumentiert werden sollten, um einen Therapieerfolg verifizieren zu können.

Dystonie

Die Erfahrungen mit Cannabinoiden bei der idiopathischen Dystonie sind begrenzt. Anekdotische Fallberichte beschreiben einen positiven Effekt bei Patienten mit zervikaler Dystonie, generalisierter Dystonie oder Meige-Syndrom (idiopathische orofaziale Dystonie) bei CBD-Einnahme von bis zu 600 mg pro Tag. Auch wurden Symptome bei einer Patientin mit Blepharospasmus nach Einnahme von Dronabinol und bei einem Pianisten mit Musikerdystonie nach der Einnahme von THC deutlich gelindert. Darüber hinaus existieren zwei randomisierte, doppelblinde Cross-over-Studien: Fox et al. untersuchten 2002 den Effekt einer Einzeldosis Nabilon (0,03 mg/kg) bei einem heterogenen Patientenkollektiv (n = 15), zumeist mit der Diagnose einer generalisierten Dystonie (n = 9). Hier konnte kein positiver Effekt des Nabilons im Vergleich zu Placebo nachgewiesen werden. In der zweiten Cross-over-Studie bei neun Patienten mit zervikaler Dystonie über acht Wochen war Dronabinol (15 mg/Tag) Placebo nicht überlegen, um dystone Symptome abzumildern.

Demnach kann die Verwendung von Cannabinoiden bei dystonen Syndromen generell nicht empfohlen werden. Bei therapierefraktären Einzelfällen kann der Einsatz von Cannabis-Präparaten jedoch gemäß der Bestimmung des Gesetzgebers diskutiert werden.

Morbus Huntington

Eine doppelblinde, randomisierte Cross-over-Studie mit 15 Huntington-Patienten mit CBD (10 mg/kg/Tag) über 12 Wochen zeigte keinen Effekt auf die Schwere der Chorea als primären Outcome-Parameter. In einer ebenfalls kontrollierten Studie mit 44 Huntington-Patienten konnte eine Verbesserung der motorischen und Chorea-Subskala der Unified Huntington’s Disease Rating Scale (UHDRS) von Nabilon im Vergleich zu Placebo nachgewiesen werden, jedoch fand sich kein Unterschied zwischen einer Dosis von 1 oder 2 mg Nabilon/Tag. Die Behandlung von 26 Huntington-Patienten mit Nabiximols (Sativex®), einem alkoholhaltigen Spray zur Anwendung in der Mundhöhle mit gleichen Teilen THC und CBD, über 12 Wochen führte im Vergleich zu Placebo zu keiner Verbesserung von motorischen, kognitiven oder funktionellen Parametern.

Hinsichtlich möglicher neuroprotektiver Effekte wurde in Nagermodellen zur Huntington-Erkrankung eine Phytocannabinoid-Kombination, ähnlich der von Nabiximols untersucht. Hier zeigten sich Veränderungen neurochemischer Parameter, die auf eine Verlangsamung der striatalen Degeneration und somit der Krankheitsprogression hindeuten könnten.

Die Datenlage im Hinblick auf die Behandlung der Chorea beim M. Huntington ist schlecht und eine Behandlung kann somit momentan nicht empfohlen werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich der im Tiermodell mögliche neuroprotektive Effekt auch beim Menschen nachweisen lässt.

Tic-Störungen (Gilles-de-la-Tourette-Syndrom)

Bei primären Tic-Störungen wie beim Gilles-de-la-Tourette-Syndrom (GTS) zeigten erste Erfahrungsberichte in den 80er- und 90er-Jahren eine Wirksamkeit von Cannabis auf motorische und vokale Tics. In einer doppelblinden, Placebo-kontrollierten Cross-over-Studie bei 12 GTS-Patienten mit einer Einzeldosis THC (5-10 mg) wurde eine deutliche Verbesserung der Tics und auch der häufig bei GTS-Patienten auftretenden komorbiden Symptome einer Zwangsstörung festgestellt. Eine weitere hochwertige Studie derselben Arbeitsgruppe mit 24 GTS-Patienten über sechs Wochen demonstrierte ebenfalls eine deutliche Abnahme der Tic-Frequenz und des Schweregrads nach Gabe von bis zu 10 mg THC/Tag.

Nicht nur die Gabe von THC, auch die Kombination mit CBD, zum Beispiel in Nabiximols, kann in der Therapie des GTS Verwendung finden. Neben Fallberichten existieren hier jedoch noch keine weiteren kontrollierten Studien.

Des Weiteren existieren Ansätze, durch Stärkung des endogenen Cannabinoid-Systems GTS-Symptome zu kontrollieren, beispielsweise durch Hemmung der Monoacylglycerol-Lipase (MAGL), was den Abbau von Endocannabinoiden verhindert. Eine Phase-Ib-Studie mit einem MAGL-Inhibitor zeigte bereits positive Ergebnisse im Hinblick auf die Symptomschwere bei GTS ohne schwere Arzneimittelnebenwirkungen.

Da es an einer größeren Anzahl qualitativ hochwertiger Studien mangelt, gibt es bislang keine evidenzbasierte Empfehlung für den Gebrauch von Cannabinoiden in der Therapie des Tourette-Syndroms. Trotzdem wird von manchen deutschen Experten die Meinung vertreten, dass Cannabis-Präparate in der Second-Line-Behandlung von ansonsten medikamentös- und verhaltenstherapeutisch therapierefraktären Patienten Anwendung finden können.

Multiple Sklerose

Nabiximols (Sativex®) ist zugelassen für die Behandlung einer mittelschweren bis schweren Spastik bei Patienten mit multipler Sklerose (MS), nachdem einige Studien eine signifikante antispastische Wirkung nachgewiesen hatten. Weiterhin wurde die Wirkung von medizinischem Cannabis auf Schmerz und eine neurogene Blasenstörung bei der MS untersucht. Systematische Reviews und Metaanalysen zeigen hier jedoch nur eine begrenzte Wirkung der Cannabinoide.

Die Verträglichkeit der Cannabinoide, insbesondere von Nabiximols, scheint bei der MS gut zu sein. Auch gibt es Hinweise, dass sich der Gebrauch von…

CBD-Öl: Was ist das?

Medizinischer Cannabis wird häufig als Cannabidiol (CBD)-Öl verkauft. Es ist ein wichtiges Cannabinoid aus der Hanfpflanze. Das Gehirn weist eine große Anzahl von Cannabinoidrezeptoren an verschiedenen Stellen auf, wie z.B. den G-Protein-gekoppelten Rezeptor GPR6 in den Basalganglien (ein wichtiger Teil des Gehirns, der von Parkinson betroffen ist).

Beobachtungsstudien und Umfragen

Eine Beobachtungsstudie berichtete über eine rasche Linderung der Parkinson-Symptome (einschließlich Bradykinesie und Tremor) nach Inhalation von Cannabisrauch (CBD + THC) bei etwa 79 % der Patienten (von 28). In einer größeren Studie mit 339 tschechischen Parkinson-Patienten, die routinemäßig Cannabisblätter oral einnahmen (CBD + THC), kam es zu einer signifikanten Verbesserung des Ruhetremors, der Bradykinesie und der Steifigkeit bei insgesamt geringen oder keinen Nebenwirkungen.

Risiken und Nebenwirkungen

Es ist wichtig zu beachten, dass tendenziell positive Ergebnisse erzielt werden können, diese aber definitiv nicht bei allen Patienten auftreten müssen. Wenn Sie sich für die Verwendung von Cannabis entschieden haben, dann bitte nur unter medizinischer Betreuung. Behandeln Sie Cannabisprodukte so, wie Sie jedes neue Medikament behandeln würden.

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