Parkinson bei Boxern: Ursachen und Zusammenhänge

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die weltweit Millionen Menschen betrifft. In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen an Parkinson erkrankt. Die Erkrankung ist durch den Verlust von Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen gekennzeichnet, was zu einem Mangel an Dopamin führt. Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen verantwortlich ist. Die Hauptsymptome der Parkinson-Krankheit sind verlangsamte Bewegungen (Bradykinese), Zittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und Gleichgewichtsstörungen. Es gibt auch nicht-motorische Symptome wie Riechstörungen, Schlafstörungen, Verstopfung und Depressionen.

Die Ursachen von Morbus Parkinson

In etwa 80 % der Fälle ist die Ursache von Morbus Parkinson unbekannt (idiopathisch). Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, die das Risiko einer Parkinson-Erkrankung erhöhen können. Dazu gehören genetische Faktoren, Umweltfaktoren und Lebensstilfaktoren.

Genetische Faktoren

Es gibt erbliche Formen der Parkinson-Erkrankung, die jedoch häufiger bei jüngeren Patienten auftreten und bei denen weitere Familienmitglieder betroffen sind. Mehrere Gene sind bekannt, die das Risiko einer Parkinson-Erkrankung erhöhen können, darunter GBA, LRRK2, PRKN (Parkin) und SNCA. Mutationen in diesen Genen können das Risiko, an Parkinson zu erkranken, deutlich erhöhen, müssen es aber nicht zwangsläufig. Eine genetische Testung kann in Rücksprache mit einem Neurologen sinnvoll sein, insbesondere bei jüngeren Patienten mit familiärer Vorbelastung.

Umweltfaktoren

Verschiedene Umweltfaktoren werden mit einem erhöhten Parkinson-Risiko in Verbindung gebracht. Dazu gehören Pestizide, Lösungsmittel und polychlorierte Biphenyle (PCB). Auch häufige Kopftraumata, wie sie beispielsweise bei Boxern, Fußballern und Handballern vorkommen, können das Parkinson-Risiko erhöhen.

Lebensstilfaktoren

Bewegungsmangel und bestimmte Ernährungsgewohnheiten können ebenfalls das Risiko einer Parkinson-Erkrankung beeinflussen. Studien deuten darauf hin, dass körperliche Aktivität das Risiko senken kann, während bestimmte Pestizide das Risiko erhöhen können.

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Parkinson und Boxen: Ein möglicher Zusammenhang

Der Zusammenhang zwischen Boxen und Parkinson ist seit langem Gegenstand von Diskussionen, insbesondere im Fall von Muhammad Ali, der nach seiner Karriere an Parkinson erkrankte. Es wird vermutet, dass wiederholte Schläge gegen den Kopf, wie sie beim Boxen vorkommen, zur Entstehung von Parkinson beitragen können.

Chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE)

Eine Form von Parkinson, die mit wiederholten Schädel-Hirn-Traumata in Verbindung gebracht wird, ist die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE), auch bekannt als Boxer-Enzephalopathie. CTE ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch Ablagerungen von Tau-Proteinen im Gehirn gekennzeichnet ist. Sie kann zu einer Reihe von Symptomen führen, darunter Parkinson-Symptome, Demenz, Depressionen und Verhaltensänderungen.

Studienlage

Die Forschungslage zum Zusammenhang zwischen Boxen und Parkinson ist komplex. Einige Studien deuten darauf hin, dass wiederholte Kopftraumata das Risiko einer Parkinson-Erkrankung erhöhen können, während andere Studien keine eindeutigen Zusammenhänge finden konnten.

Eine deutsche Studie, die "Heidelberger Boxstudie", untersuchte, ob es einen Zusammenhang zwischen häufigen Schlägen gegen den Kopf und der Entstehung von Parkinson gibt. Die Forscher fanden zwar winzige Hirnblutungen bei einigen aktiven Boxern, aber die Anzahl war zu gering, um einen eindeutigen Zusammenhang zu belegen.

Eine andere Studie ergab, dass wiederholte traumatische Kopfverletzungen das Parkinson-Risiko im Schnitt um den Faktor 1,5 bis 3 erhöhen.

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Mögliche Mechanismen

Es gibt verschiedene Mechanismen, durch die wiederholte Kopftraumata zur Entstehung von Parkinson beitragen könnten. Dazu gehören:

  • Mikro-Einblutungen: Harte Schläge gegen den Kopf können zu kleinen Einblutungen in das Hirngewebe führen.
  • Scherkräfte: Das Hin- und Herschleudern des Gehirns im Schädel kann zu Scherkräften führen, die Nervenfasern zerreißen und chronische Entzündungsvorgänge auslösen können.
  • Tau-Ablagerungen: Chronische Traumata können die Ablagerung von Tau-Proteinen im Gehirn aktivieren, was ein Kennzeichen von CTE ist.
  • Entzündungsreaktionen: Wiederholte Kopfverletzungen können Entzündungsreaktionen im Gehirn auslösen, die Nervenzellen schädigen können.
  • Eingeschränkte Energiereserven: Traumatische Kopfverletzungen können die Energiereserven der Nervenzellen beeinträchtigen.
  • Mangelnder Abbau schädlicher Stoffe: Kopfverletzungen können den Abbau schädlicher Stoffe in den Nervenzellen beeinträchtigen.

Muhammad Ali: Ein Einzelfall?

Im Fall von Muhammad Ali ist es schwierig, eindeutig zu beurteilen, ob seine Parkinson-Erkrankung auf seine Karriere als Boxer zurückzuführen ist. Es ist möglich, dass er an CTE litt, aber es ist auch möglich, dass er an Morbus Parkinson erkrankt war, der nicht mit seinen Kopfverletzungen in Zusammenhang stand. Einige Experten vermuten, dass Ali möglicherweise beide Erkrankungsformen hatte, die sich überlagerten.

Prävention und Therapie

Prävention

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Risiko einer Parkinson-Erkrankung zu senken. Dazu gehören:

  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität kann das Risiko einer Parkinson-Erkrankung senken.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Gehirn schützen.
  • Vermeidung von Pestiziden und Lösungsmitteln: Der Kontakt mit Pestiziden und Lösungsmitteln sollte möglichst vermieden werden.
  • Schutz vor Kopfverletzungen: Bei Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko sollten geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Therapie

Es gibt keine Heilung für Morbus Parkinson, aber es gibt verschiedene Therapien, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Patienten verbessern können. Dazu gehören:

  • Medikamentöse Therapie: Medikamente wie Levodopa, Dopaminagonisten und MAO-B-Hemmer können den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen und die motorischen Symptome verbessern.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Bei der THS werden Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert, um die Nervenaktivität zu modulieren und die Symptome zu lindern.
  • Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie: Diese Therapien können die Beweglichkeit, Koordination und Sprachfähigkeit verbessern.
  • Sport und Bewegung: Sportliche Betätigung, Reisen, Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und der Arbeit werden, je nach individueller Symptomatik, sogar ausdrücklich empfohlen.

Parkinson-Boxen

Eine interessante Entwicklung ist das sogenannte "Parkinson-Boxen". Dabei handelt es sich um ein Boxtraining ohne Körperkontakt, das speziell auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten ist. Studien deuten darauf hin, dass dieses Training positive Auswirkungen auf das Gleichgewichtsverhalten, den Gang, die Feinmotorik und die Kognition haben kann.

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