Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem die Beweglichkeit einschränkt, aber auch eine Vielzahl anderer Symptome auslösen kann. Ursächlich für die Parkinson-Krankheit ist ein Mangel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen des Dopaminmangels, die Symptome der Parkinson-Krankheit und die verschiedenen Behandlungsansätze, um den Dopaminmangel auszugleichen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Dopamin und seine Rolle im Gehirn
Das gesunde Gehirn stellt den Botenstoff Dopamin selbst her, speichert ihn in seinen Dopaminzellen und gibt ihn langsam kontinuierlich frei. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für die reibungslose Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Er ermöglicht flüssige Körperbewegungen, indem er Nervenreize weiterleitet. Darüber hinaus spielt Dopamin eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Emotionen, Motivation, Belohnungsgefühlen und der Bewegungskoordination.
Ursachen des Dopaminmangels bei Parkinson
Bei Parkinson verlieren die Dopamin produzierenden Zellen im Gehirn mit der Zeit ihre Funktion. Dieser Prozess wird als Neurodegeneration bezeichnet, also das langsame Absterben von Nervenzellen. Die Ursache für den Untergang von dopaminproduzierenden Zellen in der Substantia nigra ist nicht abschließend geklärt, von zentraler Bedeutung scheint aber der Eiweißstoff Alpha-Synuklein zu sein.
Neurodegenerative Prozesse
Der Dopamin-Mangel bei der Parkinson-Krankheit erklärt sich durch das langsame Absterben von Gehirnzellen, die für Produktion und Speicherung des Botenstoffs Dopamin verantwortlich sind. Dieser Prozess des langsamen Absterbens von Nervenzellen wird als „Neurodegeneration“ bezeichnet.
Die Rolle der Substantia nigra
Die Parkinson-Krankheit entsteht durch den Untergang von Nervenzellen in einer bestimmten Gehirnregion, der sogenannten Substantia nigra oder auf Deutsch der „schwarzen Substanz“. Die Nervenzellen der Substantia nigra haben eine wichtige Funktion in der Entstehung von Bewegungen, da sie den Botenstoff Dopamin produzieren und speichern. Wird weniger Dopamin produziert, führt dies zu einer Störung der Bewegungskontrolle und anderer Körperfunktionen, die durch Dopamin gesteuert werden.
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Alpha-Synuklein und Lewy-Körperchen
Die Ursache für den Untergang von dopaminproduzierenden Zellen in der Substantia nigra ist nicht abschließend geklärt, von zentraler Bedeutung scheint aber der Eiweißstoff Alpha-Synuklein zu sein. Bei einigen erblichen Formen der Parkinson-Krankheit haben die Menschen genetische Defekte im Alpha-Synuclein-Gen. Es wird angenommen, dass diese Defekte dazu führen, dass das Protein sich falsch faltet und zu schädlichen Fasern zusammenklumpt. Das „unbrauchbare“ Protein lagert sich als sogenannte „Lewy-Körperchen” in den Zellen ab, wodurch diese nicht mehr richtig arbeiten können und schließlich absterben.
Genetische Faktoren
Die Parkinson-Erkrankung der meisten Patientinnen und Patienten ist nicht genetisch bedingt, sondern tritt aus zunächst unbekannten Gründen auf. Rein erbliche Formen machen nur etwa 5-10 % aus. Es gibt allerdings genetische Faktoren, die zum Krankheitsausbruch beitragen können. Eines der identifizierten „Parkinson-Gene“ (PARK1) ist für die Herstellung von Alpha-Synuclein verantwortlich. Das Protein reguliert u. a. die Dopamin-Ausschüttung. Liegt z. B. eine Genmutation vor, ist auch das Alpha-Synuclein defekt.
Umweltfaktoren und Lebensstil
Weitere mögliche Dinge, die eine Erkrankung beeinflussen, sind Umwelt- und Lebensstilfaktoren. So scheinen Pestizide einen Einfluss zu haben, genauso wie Lösungsmittel oder sogenannte polychlorierte Biphenyle. Auch häufige Kopftraumata, also Verletzungen oder Gehirnerschütterungen, können das Parkinson-Risiko erhöhen. Eine extrem eiweißarme Ernährung oder ein Mangel an essentiellen Eiweißbausteinen (Aminosäuren) - besonders Tyrosin und Phenylalanin - beeinträchtigt die Dopaminsynthese. Ein sitzender Lebensstil, Bewegungsmangel und schlechte Schlafqualität wirken sich ebenfalls negativ auf den Dopaminspiegel aus. Der chronische Konsum von Alkohol oder Freizeitdrogen schädigt Dopamin-produzierende Nervenzellen und kann so langfristig einen Dopaminmangel auslösen. Die Exposition gegenüber Umweltgiften oder Stress kann die Bildung des Botenstoffes beeinträchtigen oder die Funktion seiner Rezeptoren stören und so zu einem Mangel beitragen.
Entzündliche Prozesse
Seit einigen Jahren häufen sich die wissenschaftlichen Indizien, dass entzündliche Veränderungen im Gehirn eine wesentliche Rolle bei Parkinson spielen. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum zeigten an Mäusen, dass Zellen der peripheren Immunabwehr aus dem Blut ins Gehirn einwandern und dort maßgeblich zum Nervensterben beitragen.
Darm-Hirn-Achse
Für Aufsehen sorgte zuletzt die Untermauerung der Vermutung, dass der Verdauungstrakt eine große Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielt. Die Aszensionshypothese, die von deutschen Neurologinnen und Neurologen entwickelt wurde, besagt, dass Parkinson zumindest teilweise im Verdauungstrakt beginnt und sich über Nervenbahnen ins Gehirn ausbreitet. Bei Betroffenen finden sich in der Darmflora vermehrt Bakterien, die Entzündungen verursachen. Zudem haben sie oft eine durchlässigere Darmschleimhaut, was zusätzlich das Risiko für eine Darmentzündung erhöht. Auch das bereits bekannte Alpha-Synuclein, das eine Schlüsselrolle bei der Krankheitsentstehung einnimmt, wurde im Darm und im Nervus vagus (Verbindung zwischen Gehirn und Darm) nachgewiesen.
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Oxidativer Stress
Wie so viele Krankheiten könnte auch Parkinson auf oxidativen Stress zurückzuführen sein. Hierbei entsteht ein Ungleichgewicht aus Oxidantien und Antioxidantien, wodurch vermehrt und unkontrolliert toxische, sauerstoffhaltige Moleküle produziert werden. Diese greifen Mitochondrien (Energieversorgung der Zellen) und Lysosomen (Abbau von Stoffen) an, die überlebenswichtig für die Zellen sind. In der Folge kommt es wieder zum Zelluntergang. Gerade Dopamin-produzierende Nervenzellen stehen im Verdacht, besonders empfindlich auf oxidativen Stress zu reagieren.
Symptome der Parkinson-Krankheit
Parkinson ist eine Erkrankung mit einer Vielzahl von Symptomen, die bei einzelnen Betroffenen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können.
Motorische Symptome
Die motorischen Symptome - also Einschränkungen und Auffälligkeiten in der Beweglichkeit - sind sehr wichtig, um die Diagnose der Erkrankung stellen zu können. Außerdem handelt es sich hierbei meist um jene Symptome, die von außen am deutlichsten sichtbar sind:
- Bradykinese: Dieses wichtigste Symptom der Parkinson-Krankheit beschreibt eine deutliche Verlangsamung von willkürlichen Muskelbewegungen. Die Bradykinese kann alle Muskeln des Körpers betreffen, die willkürlich angesteuert werden können. Beispiele hierfür sind eine starre/ausdrucklose Mimik (die sogenannte „Hypomimie“), eine Verkleinerung des Schriftbildes („Mikrographie“) sowie Einschränkungen der Feinmotorik, z. B. beim Zähneputzen, beim Rasieren oder Schwierigkeiten beim Knöpfen eines Hemdes. Auch das verlangsamte und kleinschrittige Gangbild sowie ein verminderter Mitschwung der Arme können Ausdruck einer Bradykinese sein.
- Rigor: Rigor (deutsch: Muskelsteifigkeit) äußert sich z. B. im Bereich der Rumpfmuskulatur mit gebeugter Haltung des Oberkörpers, welche aber oft erst in späteren Erkrankungsstadien beobachtet werden kann. Ein Rigor der Arme ist beim passiven Durchbewegen durch einen erhöhten Widerstand spürbar.
- Ruhetremor: Entgegen einer weit verbreiteten Vermutung ist das Vorliegen eines Tremors (deutsch: Zittern) der Hände nicht mit der Diagnose einer Parkinson-Krankheit gleichzusetzen: etwa ein Viertel aller Betroffenen leidet während der gesamten Erkrankungsdauer nie an einem Tremor. Gleichzeitig können auch andere Erkrankungen mit einem Tremor einhergehen. Der typische Parkinson-Tremor ist ein Ruhetremor, der eher langsam ist und meist nur eine Körperseite betrifft.
- Gleichgewichtsstörungen: Im späteren Verlauf der Erkrankung können Haltungs- und Gleichgewichtsstörungen auftreten, die das Sturzrisiko erhöhen.
Nicht-motorische Symptome
Nicht immer führen jedoch die motorischen Symptome zu den größten Einschränkungen in Alltag und Lebensqualität der Betroffenen. Die oft weniger sichtbaren nicht-motorischen Symptome können vielfältig sein:
- Riechstörung: Ein charakteristisches Frühsymptom der Parkinson-Erkrankung, das oft schon Jahre vor den Bewegungssymptomen auftritt, ist eine Riechstörung. Neun von zehn Patientinnen und Patienten sind davon betroffen.
- Schlafstörungen: Betroffene haben Ein- und Durchschlafprobleme, häufig sind auch ungesteuerte Beinbewegungen sowie Krämpfe.
- Verstopfung: Eine häufige Begleiterscheinung ist Verstopfung. Man geht davon aus, dass auch die Darmtätigkeit von den steifen Muskeln beeinträchtigt ist.
- Blasenprobleme: Typisch sind außerdem Probleme mit der Blase, vor allem ein häufiger Harndrang.
- Kognitive Einschränkungen: Bereits am Anfang der Parkinson-Krankheit können zudem leichte kognitive Einschränkungen bestehen, also beispielsweise Probleme, sich an Dinge zu erinnern. Im Verlauf können sich diese dann deutlich verschlechtern.
- Psychische Veränderungen: Depressionen, Angststörungen und Demenz können als Begleiterkrankungen auftreten und die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Diagnose der Parkinson-Krankheit
Die Diagnose der Parkinson-Krankheit kann auch heute in Zeiten einer hochtechnisierten Medizin oft allein im Rahmen einer gründlichen Untersuchung durch NeurologInnen gestellt werden. Zusätzliche Untersuchungen können beispielsweise hinzugezogen werden, um alternative Diagnosen auszuschließen und/oder bei Zweifeln an der Diagnose die Sicherheit zu erhöhen. Ein wichtiges unterstützendes Kriterium für die Diagnose der Parkinson-Krankheit ist die eindeutige Besserung der Symptome durch Behandlung mit Dopamin-Ersatzmedikamenten, insbesondere L-Dopa.
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Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson
Bei der Parkinson-Krankheit handelt es sich um eine chronische und derzeit noch nicht heilbare Erkrankung. Eine Vielzahl der Symptome lassen sich jedoch auch langfristig gut behandeln. Hierzu stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: von Tabletten und Medikamentenpflastern über Medikamentenpumpen bis zur Tiefen Hirnstimulation. In allen Stadien der Erkrankung können auch durch körperliche Aktivität und Übungstherapien (z.B.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern.
- L-Dopa: Das Mittel Levodopa ist bereits seit den frühen 70er Jahren zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung zugelassen. Es verbessert die typischen Parkinson-Symptome wie das Zittern, die verlangsamten Bewegungen und die Steifheit der Muskeln. L-Dopa ist eine Dopaminvorstufe, welche die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird.
- Dopaminagonisten: Dabei handelt es sich um Substanzen, die dem Botenstoff Dopamin sehr ähnlich sind, aber die nicht genau gleich aufgebaut sind. Sie ahmen die Dopamin-Wirkung nach und binden an die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn.
- MAO-B-Hemmer: Sogenannte Monoaminooxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer) werden eingesetzt, um den Abbau von Dopamin im Gehirn zu stoppen. Sie helfen quasi, Dopamin zu recyclen, sodass der Körper es mehrfach verwenden kann.
- COMT-Inhibitoren: Sogenannte Adenosin-Rezeptor-Antagonisten und COMT-Inhibitoren werden gegeben, um die oben beschriebene Wirklücke bei Levodopa bis zur nächsten Gabe zu überbrücken.
- Decarboxylasehemmer: Auch Decarboxylasehemmer können mit Levodopa zusammen gegeben werden.
Nicht-orale Folgetherapien
Prof. Weiß: Sie sollten in Bezug auf ihre Erkrankung und ihre Symptome aufmerksam bleiben und immer wieder einmal in sich hineinhorchen, um Veränderungen rechtzeitig wahrzunehmen. Sie sollten sich frühzeitig informieren, welche Probleme im Zusammenhang mit Parkinson und der Therapie auftreten können, Angebote der Selbsthilfe nutzen und sich vernetzen. Zudem hilft die rechtzeitige Auseinandersetzung mit möglichen Therapiestrategien, Entscheidungen zu treffen. Schließlich sollten sie früh genug den Rat eines Arztes einholen, der sich auf Parkinson-Therapien spezialisiert hat und den Einsatz nicht oraler Folgetherapien abwägen kann.
- Dopamin- oder Apomorphinpumpe: Bei der Dopaminpumpe wird flüssiges Medikament über eine Sonde durch die Bauchhaut hindurch in den oberen Dünndarm geleitet. Bei der Apomorphinpumpe wird das Medikament über die Bauchhaut in das Unterhautfettgewebe verabreicht.
- Tiefe Hirnstimulation: Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die tiefe Hirnstimulation, also das Einsetzen eines Hirnschrittmachers. Die tiefe Hirnstimulation wird bereits seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführt. Der Schrittmacher muss allerdings in einer Operation eingesetzt werden: Dem Patienten werden in einem chirurgischen Eingriff Elektroden in das Gehirn implantiert. Durch elektrische Stimulation dieser Elektroden werden dann die Parkinsonsymptome unterbunden.
Weitere Therapieansätze
- Körperliches Training und Physiotherapie: In allen Stadien der Erkrankung können auch durch körperliche Aktivität und Übungstherapien die Symptome gelindert und die Beweglichkeit verbessert werden.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und die Selbstständigkeit zu erhalten.
- Logopädie: Logopädie kann bei Sprach- und Schluckstörungen helfen.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann bei Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Problemen helfen.
Selbsthilfemaßnahmen
Neben den genannten Therapien können Betroffene auch selbst aktiv werden, um ihre Lebensqualität zu verbessern:
- Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Wohlbefinden steigern.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann die Beweglichkeit verbessern und die Stimmung aufhellen.
- Soziale Kontakte: Soziale Kontakte und gemeinsame Aktivitäten können der Entwicklung einer Depression entgegenwirken.
- Stressbewältigung: Stressbewältigungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Stimmung zu verbessern.
Langzeitkomplikationen und Management von Wirkschwankungen
Zu Problemen der fortschreitenden Erkrankung zählen insbesondere die sogenannten Wirkschwankungen oder Wirkfluktuationen: Schwankungen der Wirkung von L-Dopa als dem wirksamsten Parkinson-Medikament führen zu einem zunehmenden Wechsel in der Ausprägung der Symptome. Im Verlauf der Jahre kann die Wirkung einer einzelnen L-Dosis zunehmend kürzer werden, was zu einer erneuten Zunahme der Symptome noch vor der nächsten Medikamenteneinnahme führen kann - dieses Abflauen des Medikamenteneffektes wird als “Wearing-Off“ (dt.: Nachlassen) bezeichnet. Die Betroffenen erleben einen zunehmenden Wechsel zwischen Phasen wenig Symptomen (auch als ON-Phasen bezeichnet) und Episoden, in denen sich die Beweglichkeit verschlechtert oder Tremor bzw. Etwa die Hälfte aller Parkinson-Betroffenen entwickelt zusätzlich zu diesen Wirkschwankungen Unruhebewegungen, die meist in den Phasen der maximalen L-Dopa-Wirkung auftreten und als Dyskinesien oder Hyperkinesen bezeichnet werden. Meistens sehen diese Symptome wie unwillkürliche, ruckartige oder drehende, tänzelnde Unruhe- oder Überbewegungen aus. Weitere Langzeitkomplikationen treten in Form von Symptomen auf, die meist erst nach einem Zeitraum von etwa 10-15 Jahren beobachtet werden und die sich durch die Parkinson-Medikamente oft nur gering oder gar nicht bessern lassen, wie z. B. Haltungs- und Gleichgewichtsstörungen, Stürze oder Schluckstörungen.
Anpassung der Medikation
Prof. Weiß: Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die orale Therapie mit bestimmten Wirkstoffen zu steigern. Dabei vertritt man heute den Ansatz, je nach Stärke der motorischen Symptome frühzeitig L-Dopa auch bei jüngeren Patienten zu geben, sofern dies für eine ausreichende Symptomkontrolle erforderlich ist. Können die Zellen das zugeführte Dopamin nicht mehr speichern, wirkt es bereits nach etwa 30 Minuten, aber nicht sehr lange. Verlängern kann man seine Wirkung, indem man die Einnahme auf mehrere Einnahmezeiten am Tag verteilt. Die Patienten müssen sich dann häufiger am Tag mit der Tabletteneinnahme befassen. Das ist durchaus nicht leicht. Ein weiterer Weg ist es, Beistoffe zu geben, die den Abbau von L-Dopa verzögern. Im Tagesverlauf lassen sich so im Durchschnitt bis zu 60 Minuten zusätzlicher guter Beweglichkeit erzielen.
Bewegungsprotokoll
Im Gespräch mit den behandelnden Ärztinnen fällt es Betroffenen oft schwer, die Schwankungen der Symptome im Tagesverlauf wiederzugeben. Um dies zu erleichtern, können mit einem „Bewegungsprotokoll“ über einige Tage vor dem Besuch in der Sprechstunde die „besseren und schlechteren Phasen“ erfasst werden. Diese Notizen erleichtern es Betroffenen und den behandelnden Ärztinnen, im Tagesverlauf Zusammenhänge zwischen den Problemen und den Einnahmezeiten der Medikamente zu erkennen. Das ist entscheidend für die notwendigen Änderungen der Therapie. Es stehen zwei Varianten des Bewegungsprotokolls zu Verfügung: Eine einfache Variante bietet sich an, wenn vor allem motorische Symptome beobachtet werden sollen (also verlangsamte Beweglichkeit, Steifigkeit oder Zittern).
Forschung und neue Therapieansätze
Neben diesen etablierten Medikamenten gibt es vielversprechende neue Entwicklungen, insbesondere in den Bereichen der Gentherapie und der Neuroimmunologie. Man weiß mittlerweile immer genauer, wie Moleküle (wie eben der Botenstoff Dopamin) genau wirken und warum die Krankheit entsteht. Das ermöglicht es, dass sogenannte zielgerichtete Medikamente entweder Gene ausschalten, die an der Entstehung von Parkinson beteiligt sind. Oder dass Signalwege, die die typischen Parkinson-Symptome verursachen, blockieren. Noch werden verschiedene dieser zielgerichteten Therapien getestet, Experten sprechen von einer klinischen Prüfung. Sie sind daher noch nicht von der europäischen Arzneimittelbehörde zugelassen.