Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem motorische Fähigkeiten beeinträchtigt. Weltweit sind etwa ein Prozent der Menschen über 60 Jahre betroffen. Da es derzeit keine heilenden Medikamente gibt, ist die Forschung auf der Suche nach Lebensstilfaktoren, die das Krankheitsrisiko beeinflussen können. Dazu gehört auch der Konsum alkoholischer Getränke. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Forschung zum Thema Parkinson und Alkohol, wobei sowohl die potenziellen Risiken als auch die möglichen protektiven Effekte betrachtet werden.
Diagnose von Morbus Parkinson
Die Diagnose von Morbus Parkinson kann eine Herausforderung darstellen, da die Frühsymptome oft unspezifisch sind. Typische Anzeichen sind ein vornüber gebeugter Gang, kleine Schritte und Ruhetremor. Es ist wichtig, eine gute klinische Beurteilung der Patienten vorzunehmen, um eine richtige Diagnose zu stellen.
Einige Fragen können bei der Früherkennung helfen:
- Zittert die Hand, obwohl sie entspannt aufliegt?
- Ist ein Arm angewinkelt und schwingt beim Gehen nicht mit?
- Hat der Patient eine vornüber gebeugte Haltung?
- Schleift der Patient leicht beim Gehen oder zieht ein Bein nach?
- Ist der Gang kleinschrittig und stolpert der Patient häufig?
- Leidet der Patient an Antriebs- und Initiativmangel?
- Klagt der Patient häufig über Rückenschmerzen im Nacken-Schulterbereich?
- Zieht sich der Patient von Freunden und Angehörigen zurück und meidet Kontakte?
- Hat sich die Stimme verändert und ist sie monotoner und leiser als früher?
- Hat der Patient eine Verkleinerung seiner Schrift bemerkt?
Wenn mehr als drei Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, könnte dies auf erste Anzeichen von Parkinson hindeuten. In diesem Fall sollte ein Facharzt für Neurologie konsultiert werden, um die Diagnose zu sichern und eine zielgerichtete Therapie einzuleiten.
Ursachen von Parkinson
Die Ursachen von Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. In etwa 75 Prozent der Fälle handelt es sich um idiopathische Parkinson-Syndrome, bei denen keine eindeutige Ursache gefunden werden kann. Ärzte sprechen dann von primärem Parkinson. Sekundäre und atypische Parkinson-Syndrome können hingegen genetisch bedingt sein.
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Ein Hauptmerkmal der Parkinson-Krankheit ist der Dopaminmangel im Gehirn. Dieser entsteht durch das Absterben von Nervenzellen in der Substantia nigra, einer Hirnregion, die für die Dopaminproduktion verantwortlich ist. Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist.
Es gibt verschiedene Faktoren, die zum Absterben von Nervenzellen und somit zu einem Dopaminmangel führen können:
- Genveränderungen (Mutationen): In seltenen Fällen wird Parkinson durch Mutationen in bestimmten Genen verursacht, die von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden. Diese monogenetischen Formen von Parkinson sind vererbbar.
- Medikamente: Einige Medikamente können Dopamin hemmen und so ein sekundäres Parkinson-Syndrom verursachen. Dazu gehören Neuroleptika (zur Behandlung von Psychosen), Metoclopramid (gegen Übelkeit und Erbrechen), Lithium (gegen Depressionen), Valproinsäure (gegen Krampfanfälle) und Kalzium-Antagonisten (gegen Bluthochdruck).
- Andere Erkrankungen: Hirntumoren, Entzündungen des Gehirns (z. B. infolge von AIDS), Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus) oder Morbus Wilson (Kupferspeicher-Krankheit) können ebenfalls ein sekundäres Parkinson-Syndrom auslösen.
- Vergiftungen: Vergiftungen mit Mangan oder Kohlenmonoxid können ebenfalls zu Parkinson führen.
- Verletzungen des Gehirns: Traumatische Hirnverletzungen können in seltenen Fällen ein Parkinson-Syndrom verursachen.
- Atypisches Parkinson-Syndrom: Das atypische Parkinson-Syndrom entsteht im Rahmen verschiedener neurodegenerativer Erkrankungen, bei denen Nervenzellen im Gehirn absterben. Im Unterschied zum klassischen Parkinson-Syndrom betrifft dieser Zelluntergang aber nicht nur die „Substantia nigra“, sondern auch andere Hirnregionen.
Alkohol als möglicher Risikofaktor?
Die Frage, welchen Einfluss Alkohol auf das Risiko hat, an Parkinson zu erkranken, ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt Hinweise darauf, dass Alkohol möglicherweise kein direkter Auslöser der Krankheit ist.
Aktuelle Forschungsergebnisse zum Alkoholkonsum und Parkinson-Risiko
Eine große Studie, die "Million Women Study", untersuchte den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Risiko, an Parkinson zu erkranken. Dabei wurden rund 1,3 Millionen britische Frauen zu ihren Lebensstilfaktoren befragt, darunter auch der Konsum alkoholischer Getränke. Die Studie ergab, dass der Konsum alkoholischer Getränke das Risiko, an Parkinson zu erkranken, nicht beeinflusst. Auch eine zweite Befragung nach 14 Jahren bestätigte dies. Es konnte kein Zusammenhang zwischen der Art des Getränks und dem Parkinson-Risiko festgestellt werden.
Eine Meta-Analyse von elf prospektiven Studien, die den Konsum alkoholischer Getränke erhoben hatten, kam zu dem Ergebnis, dass der Konsum alkoholischer Getränke im Vergleich zu Abstinenz zu Studienbeginn mit einem signifikant um 19 % verringerten Parkinson-Risiko einherging. Das geringste relative Risiko zeigte sich zwischen 26 und 36 g Alkohol täglich, was in etwa einem viertel bis einem drittel Liter Wein entspricht.
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Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass diese Studien nicht zwischen lebenslanger Abstinenz und Abstinenz bei Studieneintritt unterscheiden konnten. Daher sollten die Ergebnisse nicht dazu verwendet werden, Abstinente zum Alkoholkonsum aufzufordern.
Alkohol und Sterberisiko bei Parkinson-Patienten
Eine Studie aus Südkorea untersuchte den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Sterberisiko bei Menschen mit Parkinson-Krankheit. Die Studie ergab, dass leichter bis mäßiger Genuss von alkoholischen Getränken mit einem geringeren Sterberisiko verbunden ist. Im Vergleich zu Abstinenzlern hatten Menschen ein um 22 Prozent geringeres Sterberisiko, wenn sie moderate Mengen alkoholischer Getränke wie Wein tranken. Bei mäßigen Konsumenten lag es sogar um 31 Prozent niedriger.
Die Studienautoren vermuten, dass Alkohol neuroprotektive Wirkungen zeigt, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Dies deckt sich mit früheren Beobachtungen, die mäßigen Konsum, insbesondere von Bier und Rotwein, mit einem geringeren Parkinson-Risiko in Verbindung brachten.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Alkoholkonsum in der südkoreanischen Population insgesamt niedrig war, insbesondere bei Frauen, von denen dreiundneunzig Prozent abstinent waren. Zudem wurde der Alkoholkonsum nur zu einem Zeitpunkt erfasst und nicht nach Getränketyp differenziert.
Alkohol, Drogen und Nervenzellschäden
Es gibt Hinweise darauf, dass übermäßiger Alkoholkonsum sowie der Konsum von Drogen wie Kokain und Crystal Meth das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson erhöhen können. Drogen scheinen die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor schädlichen Stoffen schützen soll, durchlässiger zu machen. Dies kann dazu führen, dass sich Eisen in den Nervenzellen anreichert und dort freie Radikale produziert, die die Zellen schädigen und zum Zelltod führen können.
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Schlafstörungen bei Parkinson
Schlafstörungen sind ein häufiges Problem bei Parkinson-Patienten. Bis zu 90 % der Betroffenen haben Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen. Die Ursachen für Schlafstörungen sind vielfältig. So kann der Schlaf z. B. durch Parkinson-Symptome, aber auch durch Medikamente gestört sein. Schlafprobleme können zu einer Verschlechterung der Parkinson-Symptome und zu neuen Problemen wie Müdigkeit, Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsstörungen führen.
Einige Tipps für einen besseren Schlaf bei Parkinson:
- Anpassung der Parkinson-Medikamente: In manchen Fällen kann eine Anpassung der Parkinson-Medikamente vor dem Schlafengehen sinnvoll sein. Es gibt speziell für die Nachtstunden entwickelte Medikamente mit verzögerter Wirkung.
- Schlafbekleidung und Bettwäsche: Die Beschaffenheit der Schlafbekleidung oder der Bettwäsche kann einen Unterschied machen. Mit Stoffen wie Seide oder Satin fällt die Bewegung im Bett manchmal leichter als mit festen Baumwollstoffen.
- Schlafhygiene: Es kann sinnvoll und hilfreich sein, Schlafgewohnheiten gelegentlich zu hinterfragen. Die Stunde vor dem Schlafengehen kann genutzt werden, um bewusst zur Ruhe zu kommen und sich „vom Tag zu verabschieden“. Fernsehen und Computer sollten in dieser Stunde möglichst nicht mehr genutzt werden, auch das Mobiltelefon sollte auf lautlos gestellt sein. Ein entspannendes Bad oder eine Tasse Kräutertee (wenn keine Probleme mit nächtlichen WC-Gängen bestehen) können dabei helfen, den Körper auf das Einschlafen vorzubereiten.
- Schlafzimmer: Das Schlafzimmer sollte ein Ort der Entspannung sein und auch ausschließlich zum Schlafen genutzt werden. Die Temperatur sollte niedriger sein als in den anderen Räumen (16 - 18 Grad sind ideal).
- Ernährung und Getränke: Kaffee, schwarzer Tee oder andere koffeinhaltige Getränke sollten vor dem Schlafengehen vermieden werden. Alkohol kann zwar beim Einschlafen helfen, sollte aber bei Schlafstörungen trotzdem gemieden werden, weil er den Schlaf oft insgesamt beeinträchtigt. Die Abendmahlzeit sollte nicht zu schwer sein und auch nicht zu spät eingenommen werden.
- Sport: Eine regelmäßige sportliche Aktivität im Tagesverlauf kann die Schlafqualität deutlich verbessern.
- Entspannungsverfahren: Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, die negativen Denkschleifen zu unterbrechen und zur Ruhe zu kommen. Manchmal kann es auch hilfreich sein, sich Probleme des Tages in den frühen Abendstunden z. B. mithilfe eines Tagebuchs „von der Seele zu schreiben“.
- Probleme mit der Blasenentleerung: In bestimmten Fällen können Medikamente eingesetzt werden, die den Harndrang reduzieren. Manchmal ist es auch hilfreich, die Trinkmenge in der Stunde vor dem Schlafengehen zu reduzieren.
Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten
Eine ausgewogene Ernährung ist für Parkinson-Patienten von großer Bedeutung. Es wird empfohlen, täglich Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse zu essen, ein- bis zweimal pro Woche Fisch zu sich zu nehmen und Fleisch nur in Maßen (nicht mehr als 300 bis 600 g pro Woche) zu essen.
- Milch und Milchprodukte: Sie liefern gut verfügbares Protein, Vitamin B2 und Calcium.
- Seefisch: Er versorgt Sie mit Jod und fettem Fisch mit wertvollen Omega-3-Fettsäuren.
- Fleisch: Es enthält gut verfügbares Eisen sowie Selen und Zink. Allerdings sollte der Konsum von Fleisch und insbesondere Wurst aufgrund ungünstiger Inhaltsstoffe begrenzt werden.
- Eier: Sie sind eine gute Quelle für biologisch hochwertiges Protein sowie eine Reihe von lebensnotwendigen Nährstoffen. Der Verzehr sollte jedoch bewusst geplant werden.
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