Die Diagnose eines Hirntumors wirft viele Fragen auf, und eine davon betrifft oft die Reisefähigkeit, insbesondere das Fliegen. Kann man mit einem Hirntumor überhaupt fliegen? Welche Risiken gibt es, und wie kann man sich vorbereiten? Dieser Artikel soll Ihnen helfen, diese Fragen zu beantworten und Ihnen die notwendigen Informationen für eine sichere Flugreise zu geben.
Einführung
Viele Menschen mit Krebs möchten reisen, um sich zu erholen und neue Kraft zu tanken. Ob es sich um einen entspannenden Strandurlaub, eine Wanderung in den Bergen oder einen Städtetrip handelt, Reisen kann eine willkommene Abwechslung sein. Doch gerade bei einer Erkrankung wie einem Hirntumor sind besondere Vorsichtsmaßnahmen und Vorbereitungen erforderlich.
Ist Fliegen mit einem Hirntumor grundsätzlich möglich?
Grundsätzlich ist Fliegen mit einem Hirntumor nicht kategorisch ausgeschlossen. Allerdings gibt es bestimmte Umstände, unter denen Vorsicht geboten ist. Die Entscheidung, ob eine Flugreise sicher ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:
- Art und Größe des Tumors: Die Lage und Größe des Tumors können beeinflussen, wie gut der Körper mit den Druckveränderungen während des Fluges umgehen kann.
- Aktuelle Behandlung: Befindet man sich in einer aktiven Behandlungsphase (z.B. Chemo- oder Strahlentherapie), kann dies das Immunsystem schwächen und das Risiko von Komplikationen erhöhen.
- Allgemeiner Gesundheitszustand: Der allgemeine Gesundheitszustand und die körperliche Fitness spielen eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der Flugtauglichkeit.
- Zeitpunkt nach Operationen: Unmittelbar nach Operationen im Bauchraum, Brustraum oder am Kopf, einschließlich Hirntumoroperationen, ist von Flugreisen abzuraten.
Medizinische Beratung im Vorfeld
Es ist unerlässlich, vor jeder Flugreise mit dem behandelnden Arzt oder Onkologen zu sprechen. Dieser kann die individuelle Reisetauglichkeit einschätzen, notwendige Maßnahmen erläutern und bei der Auswahl eines geeigneten Reiseziels helfen.
Folgende Punkte sollten mit dem Arzt besprochen werden:
- Reisetauglichkeitsbescheinigung: Der Arzt kann eine schriftliche Bestätigung der Reisetauglichkeit ausstellen. Ein international einheitliches Formular (MEDIF-Formblatt) ist im Reisebüro oder auf den Internetseiten der Fluggesellschaft erhältlich.
- Impfungen: Der Impfschutz sollte überprüft und gegebenenfalls aufgefrischt werden. Bei einer geschwächten Immunabwehr ist es wichtig, das Risiko von Infektionen zu minimieren.
- Medikamente: Welche Medikamente müssen in welcher Menge mitgenommen werden? Gibt es Besonderheiten bei der Lagerung (Hitze, Kälte, Feuchtigkeit)? Benötigt man eine Bescheinigung für Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen?
- Notfallplan: Was ist im Notfall zu tun? Es ist ratsam, einen Europäischen Notfallausweis mitzuführen, der wichtige medizinische Informationen wie Blutgruppe, chronische Erkrankungen und Medikamenteneinnahme enthält.
Warum kann Fliegen mit einem Hirntumor problematisch sein?
Die Druckverhältnisse in einem Flugzeug können für Menschen mit Hirntumoren oder anderen Krebserkrankungen problematisch sein. In Reiseflughöhe herrscht ein geringerer Luftdruck als auf Meereshöhe. Dies kann dazu führen, dass sich Krebszellen ausdehnen und umliegendes Gewebe oder Organe zusammenpressen.
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Mögliche Risiken:
- Erhöhtes Risiko für epileptische Anfälle: Druckveränderungen können bei Menschen mit Hirntumoren oder nach Kopfoperationen epileptische Anfälle auslösen.
- Thrombosegefahr: Langes Sitzen während des Fluges erhöht das Risiko für Thrombosen. Krebspatienten haben ohnehin ein erhöhtes Thromboserisiko.
- Beeinträchtigung der Lungenfunktion: Bei Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion können die Luftdruckveränderungen zu Atemproblemen führen.
- Verschlechterung des Allgemeinzustands: Stress und Anstrengung durch die Reise können den Allgemeinzustand verschlechtern.
Vorbereitung auf die Flugreise
Eine gute Vorbereitung ist entscheidend, um Risiken zu minimieren und die Reise so angenehm wie möglich zu gestalten.
Checkliste für die Reisevorbereitung:
- Reiseziel und Reisedauer: Überlegen Sie, welches Reiseziel und welche Reisedauer machbar sind. Lange Anreisewege können anstrengend sein.
- Flugtauglichkeitsbescheinigung: Lassen Sie sich die Reisetauglichkeit schriftlich bestätigen und fragen Sie nach, ob Sie therapiebedingt besonders empfindlich gegenüber Sonne oder Hitze sind.
- Impfungen: Informieren Sie sich, ob Sie bestimmte Impfungen benötigen.
- Medikamente: Überlegen Sie, welche Medikamente Sie mitnehmen müssen und welche zur zusätzlichen Sicherheit mitgenommen werden können.
- Zollbestimmungen: Finden Sie heraus, welche Zollbestimmungen für Ihre Medikamente gelten.
- Krankenversicherung: Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach den Versicherungskonditionen für Reisen ins Ausland. Gegebenenfalls ist eine zusätzliche Reisekrankenversicherung sinnvoll.
- Medizinische Versorgung vor Ort: Sammeln Sie Informationen über die medizinische Versorgung vor Ort. Für den Fall des Falles kann es hilfreich sein, die Kontaktdaten Ihres Ärzteteams und der Krankenversicherung sowie ein Dokument mit Diagnose und Therapie mit sich zu führen.
- Europäischer Notfallausweis: Dieser gehört unbedingt ins Reisegepäck von Krebspatienten.
- Reiseapotheke: Stellen Sie eine Reiseapotheke zusammen, die alle notwendigen Medikamente und Verbandsmaterialien enthält.
- Kompressionsstrümpfe: Tragen Sie Kompressionsstrümpfe, um das Thromboserisiko zu reduzieren.
- Bewegung: Planen Sie regelmäßige Bewegungspausen während des Fluges ein.
- Fluggesellschaft informieren: Informieren Sie die Fluggesellschaft über Ihre Erkrankung und eventuelle Bedürfnisse.
- Unterstützung am Flughafen: Organisieren Sie bei Bedarf Unterstützung am Flughafen (z.B. Rollstuhlservice).
- Portausweis: Wenn Sie einen Port tragen, führen Sie einen Portausweis mit sich.
Spezielle Aspekte für Krebspatienten
Thromboserisiko:
Krebspatienten haben ein erhöhtes Risiko für Thrombosen. Um dieses Risiko zu minimieren, sollten Sie:
- Kompressionsstrümpfe tragen: Diese fördern die Durchblutung in den Beinen.
- Regelmäßige Bewegung: Stehen Sie regelmäßig auf und bewegen Sie sich im Flugzeug.
- Beinübungen: Führen Sie im Sitzen Beinübungen durch, um die Durchblutung anzuregen.
- Gerinnungshemmende Medikamente: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, wenn Sie ein hohes Thromboserisiko haben.
Immunsystem:
Eine Krebserkrankung oder -therapie kann das Immunsystem schwächen. Achten Sie daher auf:
- Hygienemaßnahmen: Waschen Sie regelmäßig Ihre Hände und vermeiden Sie den Kontakt mit kranken Menschen.
- Impfschutz: Stellen Sie sicher, dass Ihr Impfschutz auf dem neuesten Stand ist.
- Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, um Ihr Immunsystem zu stärken.
Medikamente:
- Ausreichende Menge: Nehmen Sie ausreichend Medikamente für die gesamte Reise mit, einschließlich einiger Tage Reserve.
- Originalverpackung: Bewahren Sie die Medikamente in der Originalverpackung mit Beipackzettel auf.
- Handgepäck: Transportieren Sie die Medikamente im Handgepäck, um sicherzustellen, dass sie nicht verloren gehen.
- Bescheinigung: Benötigen Sie für bestimmte Medikamente eine Bescheinigung Ihres Arztes, insbesondere für Betäubungsmittel.
Sonnenschutz:
Viele Krebstherapeutika haben eine UV-sensibilisierende Wirkung. Achten Sie daher auf ausreichenden Sonnenschutz:
- Sonnencreme: Verwenden Sie Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor.
- Bedeckende Kleidung: Tragen Sie Haut-bedeckende Kleidung, wie leichte Baumwolle oder Leinen.
- Sonnenhut: Tragen Sie einen Sonnenhut oder -schirm.
Alternativen zum Linienflug
In bestimmten Fällen kann ein Linienflug nicht möglich oder empfehlenswert sein. Dann gibt es alternative Reisemöglichkeiten:
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- Sea-Level-Flug: Bei einem Sea-Level-Flug wird der Luftdruck in der Kabine des Flugzeuges auf den Druck in einer Höhe von etwa 900 Metern über dem Meeresspiegel eingestellt. Dies ist besonders für Patienten mit Lungen- oder Hirntumoren geeignet.
- Ambulanzflug: Ein Ambulanzflug ist ein speziell ausgestattetes Flugzeug, das eine medizinische Betreuung während des Fluges ermöglicht. Dies ist sinnvoll, wenn der Patient intensivmedizinische Versorgung benötigt.
- Schiffsreise: Eine Schiffsreise kann eine gute Alternative sein, da hier keine Druckveränderungen auftreten.
- Reisen mit dem Auto oder der Bahn: Wenn möglich, kann man auch mit dem Auto oder der Bahn reisen.
Versicherungsschutz im Ausland
Es ist wichtig, vor der Reise den Versicherungsschutz im Ausland zu klären.
- Gesetzliche Krankenversicherung: Klären Sie mit Ihrer Krankenkasse, in welchen Ländern sie die Kosten für eine medizinische Behandlung direkt übernimmt.
- Private Auslandskrankenversicherung: Eine private Auslandskrankenversicherung kann sinnvoll sein, um Kosten für Leistungen abzudecken, die durch die gesetzliche Krankenversicherung nicht abgedeckt sind, etwa für einen medizinisch notwendigen Rücktransport.
Urlaub während der Behandlung
Auch während einer Krebsbehandlung ist in der Regel ein (Kurz-)Urlaub möglich. Klären Sie vorher mit dem Ärzteteam die Behandlungstermine ab, damit Sie keinen versäumen. Meist ist es auch möglich, vor Beginn der Therapie einen bereits gebuchten Urlaub noch anzutreten.
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