Das Parkinson-Syndrom ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch einen Mangel an Dopamin im Gehirn gekennzeichnet ist. Die Behandlung dieser komplexen Erkrankung erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die motorischen als auch die nicht-motorischen Symptome berücksichtigt. Die stationäre Behandlung spielt dabei eine wichtige Rolle, insbesondere in bestimmten Krankheitsstadien.
Neurologische Erstdiagnose und Parkinson-Komplexbehandlung
Die Neurologie der Kliniken ist nicht nur auf die Behandlung des bereits diagnostizierten Parkinson-Syndroms spezialisiert, sondern auch auf die Erstdiagnose bei unklaren Bewegungsstörungen. Die Parkinson-Komplexbehandlung steht allen Betroffenen mit einem Parkinson-Syndrom offen, die motorisch in der Lage sind, an einer Gruppentherapie teilzunehmen. Ziel ist es, den Betroffenen und ihren Angehörigen eine umfassende Behandlung anzubieten, die sowohl die motorischen Symptome als auch die nicht-motorischen Symptome berücksichtigt, die im Krankheitsverlauf immer stärker in den Vordergrund treten. Dazu gehören Depressionen, Halluzinationen, Verwirrtheitszustände und Demenz.
Dauer des stationären Aufenthalts
Die Dauer des stationären Aufenthalts richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Eine Komplexbehandlung erstreckt sich meist über zwei bis drei Wochen, in denen eine kompetente medizinische Betreuung mit rehabilitativen Maßnahmen verbunden wird. Die multimodale Komplexbehandlung der Parkinson-Krankheit ermöglicht eine umfassende und individuell für jeden Patienten angepasste Therapie. Die stationäre Behandlungsdauer beträgt dabei mindestens 14 Tage.
Aufnahme und Betreuung im Krankenhaus
Am Aufnahmetag, der zwischen 8:00 Uhr und 10:00 Uhr stattfinden sollte, melden sich die Patienten an der Rezeption. Nach den Aufnahmeformalitäten durch das Pflegepersonal erfolgt die ärztliche Aufnahmeuntersuchung. Visiten werden werktags täglich durch den Stationsarzt durchgeführt, zusätzlich erfolgen Chef- und Oberarztvisiten. Auch außerhalb der Visitenzeiten können Patienten oder ihre Angehörigen nach Vereinbarung ein Gespräch mit den behandelnden Ärzten führen.
Die Parkinsonklinik bietet in der Regel eine Unterbringung in Ein- und Zweibettzimmern an. Alle Zimmer liegen zu ebener Erde und sind mit eigener Nasszelle (Dusche, Waschbecken, WC), Telefon und Kabel-TV ausgestattet.
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
Individuelle Therapieprogramme
Zu Beginn des stationären Aufenthaltes wird für jeden Patienten ein individuell abgestimmtes Therapieprogramm zusammengestellt. Die Therapiezeiten können dem persönlichen Therapieplan entnommen oder bei den Mitarbeitern erfragt werden. Nach Beendigung des stationären Aufenthaltes kann ein für den Patienten persönlich zusammengestelltes Übungsprogramm mit nach Hause genommen werden.
Die Therapiebereiche kommen in individuell unterschiedlichen Kombinationen von mindestens 7,5 Stunden pro Woche zum Einsatz, davon 5 Stunden in Einzeltherapie. Das Behandlungsteam steht unter fachärztlicher neurologischer Leitung.
Therapiebausteine der Komplexbehandlung
Die Komplexbehandlung der Parkinson-Krankheit umfasst verschiedene Therapiebausteine, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Hier werden große Bewegungen trainiert, eine Kräftigung erreicht und die Ausdauer gesteigert. Ziele sind die Erhaltung der Mobilität, Gangtraining, eine Verbesserung des Gleichgewichts und der Haltung. Es soll Stürzen vorgebeugt werden und gezielte Hilfestellungen bei Freezing erprobt werden.
- Ergotherapie: Ziel der Ergotherapie ist eine Verbesserung der Feinmotorik und der Koordination. Es werden Fertigkeiten des täglichen Lebens trainiert. Dazu gehören auch ein Schreibtraining und Kunsttherapie sowie Hilfsmittelberatung und -versorgung.
- Logopädie: Die Logopäden diagnostizieren und therapieren Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. Mit dem auf Sprechlautstärke und Deutlichkeit abzielenden Lee Silverman Voice Training wird gezielt die Kommunikationsfähigkeit und damit die Teilhabe am Alltagsleben verbessert.
- Neuropsychologie: Ziele der Neuropsychologie sind Testung, Training und Anleitung zum Selbsttraining neurokognitiver Defizite (u. a. Störungen der Aufmerksamkeit, des Problemlösens, des Gedächtnisses), z. B. in der Problemlösegruppe oder als PC-Training. Die Neuropsychologen beraten Angehörige und beurteilen die Fahreignung mit.
- Verhaltenstherapie: Hier werden die Patient/innen und ihr Umfeld im richtigen Umgang mit der Krankheit geschult, damit diese weniger als Belastung und Stress erlebt und die Alltagskompetenz verbessert wird (Psychoedukation). Dabei werden auch Begleiterkrankungen wie Depression und Angst beachtet. Gruppenpsychotherapie zur Verbesserung der Lebensqualität, Rollenspiele, das Training sozialer Fertigkeiten und die Arbeit mit Angehörigen können dabei eine wichtige und positive Rolle spielen.
- Sozialdienst: Der Sozialdienst berät und begleitet bei psychosozialen Fragen im Zusammenhang mit der Erkrankung (Rehabilitation, Arbeitsleben, Rente, Unterstützung im Alltag, Pflegestufe, Pflegedienst, Sozialstation, Schwerbehindertenausweis, Heimplanung). Außerdem unterstützt er bei der Vermittlung und Organisation von bedarfsgerechten Hilfen.
- Aktivierende Pflege: Ziele der aktivierenden Pflege sind der kompetente Umgang mit Defiziten, die Sicherstellung der regelmäßigen Medikamenteneinnahme, Beweglichkeitsprotokolle und Hilfestellung bei der Mobilisation. Die speziell geschulten Pflegekräfte stehen in engem Kontakt mit den Angehörigen und beraten im Umgang mit der Krankheit.
- Medikamentöse Therapie: Die Ärzte optimieren die medikamentöse Therapie. Begleiterkrankungen, die mit Parkinson einhergehen, werden in enger Kooperation mit anderen Fachabteilungen behandelt.
Medikamentöse Therapie im Detail
Wesentlich bei der medikamentösen Parkinson-Therapie ist die Gabe des Botenstoffs Dopamin in einer Form und festen Kombination, die auch im Gehirn ankommt und dort wirkt oder Medikamente die wie Dopamin wirken, die sog. Dopaminagonisten. Zahlreiche weitere Medikamente stehen zur Verfügung, die meist in Kombination gegeben werden können. Wichtig ist, dass Dopaminpräparate nicht zusammen mit Nahrung in den Magen gelangen, da sie ansonsten nicht gut aufgenommen werden. Sie werden also spätestens 30 Minuten vor den Mahlzeiten gegeben. Es gibt auch die Möglichkeit, Präparate per kontinuierlicher Infusion oder eine Pumpe zu applizieren.
Zunächst wird die aktuelle Medikation des Patienten durch einen neurologischen Facharzt überprüft und, wenn nötig, angepasst. Zum Einsatz kommen Medikamente, die den Mangel an Dopamin in den betroffenen Nervenzellen ausgleichen. Sie werden meist in Tablettenform verabreicht und im Körper durch ein bestimmtes Enzym in Dopamin umgewandelt.
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
Pumpentherapie als Option
Die Pumpentherapie mit Apomorphin oder L-Dopa-Gel gehört, wie die tiefe Hirnstimulation, zu den intensivierten Therapieformen beim Morbus Parkinson. Die Möglichkeit ein Medikament über eine Pumpe unter die Haut zu verabreichen oder über ein dünnes Schlauchsystem direkt in den Zwölffingerdarm, sind die beiden zur Verfügung stehenden Therapieoptionen. Bei fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung kann die Pumpentherapie in Betracht gezogen werden. Hierbei wird eine kleine Kanüle im Bauchbereich unter die Haut ins Fettgewebe gegeben. Die Pumpe ist mit der notwendigen Medikation gefüllt und gibt das Präparat dann automatisch kontinuierlich ab. Dadurch wird eine gleichmäßige Wirkung gewährleistet.
Tiefe Hirnstimulation
Eine weitere Methode der Behandlung von Parkinson liegt in der tiefen Hirnstimulation nach Implantation von Elektroden in speziellen Kerngebieten des Gehirns und eines Hirnschrittmachers. Die Neurorehabilitation eignet sich gut, um begleitend zu den übrigen Parkinson-Therapien die richtige Hirnschrittmacherprogrammierung zu erreichen.
Wann ist eine Komplexbehandlung sinnvoll?
Eine Komplexbehandlung ist vielversprechend bei:
- Bewegungseinschränkungen, die nicht durch einfache Medikamentenanpassung aufzufangen sind, insbesondere Fluktuationen oder Dyskinesien
- Fortschreitender Gangstörung mit häufigen Stürzen
- Weiteren Parkinson-bezogenen Problemen wie Dysarthrie oder Dysphagie, Depression oder eine beginnende dementielle Entwicklung
Die Behandlung eignet sich weniger, wenn die Zustandsverschlechterung nicht durch die Erkrankung selbst, sondern z. B. durch internistische Akuterkrankungen oder eine schwere Demenz bedingt ist.
Weitere Aspekte des stationären Aufenthalts
- Diätberatung: Bei Übergewicht, Verdauungsproblemen oder Stoffwechselstörungen (z. B. Diabetes) kann eine individuelle Diätberatung durchgeführt werden. Dies ist auch dann ratsam, wenn der Verdacht besteht, dass Wechselwirkungen zwischen Ernährungsgewohnheiten und Medikamentenwirkung bestehen.
- Abstellen von Privat-PKWs: Das Abstellen von Privat-PKWs ist für die Dauer des stationären Aufenthaltes auf den ausgewiesenen Parkplätzen möglich.
- Beurlaubungen: Entsprechend den allgemeinen Vertragsbedingungen der Krankenbehandlung ist eine Beurlaubung mit der Krankenhausbehandlung in der Regel nicht vereinbar. Bei Verlassen des Krankenhauses übernehmen die Patienten in ihrer Abwesenheit von Station selbst die Verantwortung für ihre Gesundheit.
- Entlassungstag: Am Entlassungstag erhalten die Patienten einen Kurzarztbrief und Medikamente, die sie bisher eingenommen haben, für den Entlassungstag und neu verordnete Medikamente für 3 Tage mit nach Hause. Bei Bedarf wird ein Taxi gerufen.
- Nachstationäre Behandlung: Um sicherzustellen, dass der Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Umgebung erfolgreich verläuft, kann eine nachstationäre Behandlung bzw.
Reha bei Parkinson
Zur Rehabilitation bei Parkinson ist unter ärztlicher Leitung das Zusammenarbeiten vieler Professionen aus den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Bewegungstherapie, spezialisierte neurorehabilitative Pflege und Sozialarbeit notwendig. Dabei kommen Heilmittel zur Anwendung, die auf Verbesserung von Funktionsstörungen und Aktivitäten des täglichen Lebens hinwirken und so auch die Teilhabe von Patienten, sowohl für Beruf als auch den Alltag verbessern.
Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson
Im Rahmen der neurorehabilitativen Komplextherapie werden auch notwendige Hilfsmittel erprobt, angepasst, deren Gebrauch geübt und verordnet.
Zusätzlich zur körperlichen Rehabilitation gibt es weitere Bereiche, die bei der Behandlung von Parkinson-Patienten von Bedeutung sind. Dazu gehören Beratungsleistungen bzgl. Nachsorge und möglichen sozialen Leistungen sowie Gesundheitsbildungsmaßnahmen bzgl. Risiken und Lebensführung, Krankheitsverlauf und Hilfen bei der Krankheitsverarbeitung.
Diese zusätzlichen Rehabilitationsschritte tragen dazu bei, den Patienten nicht nur physisch, sondern auch mental und emotional zu unterstützen, um ihre Lebensqualität zu verbessern und ihnen einen aktiveren Umgang mit ihrer Erkrankung zu ermöglichen.
Die Reha erstreckt sich mit der intensiven Behandlung über einen Zeitraum von drei bis sechs Wochen. Da es sich bei Parkinson um eine fortschreitenden Erkrankung handelt, sollten die Rehamaßnahmen regelmäßig wiederholt werden, wobei die Frequenz und die Intensität der Therapien jedoch individuell an die Krankheitssymptome jedes Patienten angepasst werden.
tags: #parkinson #einstellung #stationar #wie #lange