Die Parkinson-Krankheit stellt eine wachsende Herausforderung für Patienten, ihre Familien und die Gesellschaft dar. Dank bedeutender Investitionen in die Forschung, wie beispielsweise durch den ParkinsonFonds Deutschland, der bisher mehr als 4 Millionen Euro in bahnbrechende Projekte investiert hat, werden stetig Fortschritte erzielt. Diese Forschung konzentriert sich auf die Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten der Krankheit. Trotz dieser Fortschritte ist ein Heilmittel noch nicht gefunden, und die zunehmende Überalterung der Bevölkerung führt zu einer steigenden Anzahl von Parkinson-Diagnosen.
Die wachsende Herausforderung: Zunehmende Parkinson-Fälle
Die Zahl der Parkinson-Fälle steigt weltweit drastisch an. Eine aktuelle Studie prognostiziert, dass sich die Zahl der Betroffenen von etwa zwölf Millionen im Jahr 2021 auf über 25 Millionen im Jahr 2050 mehr als verdoppeln wird. Für Deutschland wird ein Anstieg um fast 40 Prozent auf 574.000 Fälle im gleichen Zeitraum erwartet. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer bis 2040 weltweit die zweithäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein werden.
Oberärztin Dr. Inga Clauß betont, dass es keine andere Krankheit gibt, bei der die Patientenzahl so steil ansteigt. Diese Entwicklung stellt eine erhebliche Belastung für die Gesundheitssysteme und die Gesellschaft dar.
Ursachen und Risikofaktoren
Parkinson ist das Ergebnis eines schleichenden Verlustes von dopaminhaltigen Nervenzellen im Mittelhirn. Dopamin spielt eine entscheidende Rolle bei Motivation, Belohnung und positiver Stimmung. Ein Mangel an diesem Botenstoff führt zu Bewegungseinschränkungen, Muskelsteifheit, Sprachstörungen und Zittern.
Die Ursachen für den Verlust dieser Nervenzellen sind vielfältig. Neben dem Risiko der Vererbung (etwa zehn Prozent der Erkrankungen sind genetisch bedingt) gelten vor allem der demografische Wandel mit der steigenden Lebenserwartung und Umweltbelastungen als wesentliche Faktoren. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 55 und 60 Jahren.
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
Fortschritte in der Forschung: Biomarker, Gentherapie und mehr
Trotz der wachsenden Herausforderungen vermeldet die Wissenschaft ermutigende Forschungsergebnisse. Die Entwicklung von Biomarkern und neuen Bluttests ermöglicht es, Vorhersagen über eine bevorstehende Erkrankung zu treffen, was eine frühzeitige Gentherapie ermöglicht. Prof. Dr. betont, dass man bei acht von zehn Risikopatienten eine Parkinson-Erkrankung mehrere Jahre im Voraus vorhersagen könne.
Auch neue Analysemethoden und die Potenziale der Nuklearmedizin könnten zu einer erhöhten Treffsicherheit der Diagnosen führen. Prof. Dr. Walter Pirker, Präsident der österreichischen Parkinson-Gesellschaft, prognostiziert, dass die genetische Forschung in den nächsten zehn Jahren massive Fortschritte bringen wird, um die Entstehung und Entwicklung dieser Krankheit zu verstehen.
Neue Therapieansätze im Fokus
Neue Therapieansätze und Diagnostiktests bei Parkinson geben aus Sicht von Fachleuten Grund für Optimismus. So stünden derzeit insbesondere der monoklonale Antikörper Prasinezumab und GLP-1-Rezeptoragonisten im Fokus der Forschung, sagte Kathrin Brockmann, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG). „Beides sind äußerst spannende Ansätze, die Hoffnung wecken, dass es in naher Zukunft erstmals möglich wird, das Fortschreiten neurodegenerativer Prozesse zu verlangsamen.“
Der Antikörper Prasinezumab richtet sich gegen Alpha-Synuclein, ein Eiweiß, das sich in den betroffenen Nervenzellen ansammelt. Die Hoffnung ist, dass die Behandlung mit Prasinezumab das Fortschreiten der Erkrankung bremst. Bislang seien die Studienergebnisse zu Prasinezumab vielversprechend. Derzeit werde überlegt, ob eine Phase-3-Zulassungsstudie geplant werde.
Auch GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) sind interessant für die Parkinson-Forschung, da sie neuroprotektive Wirkungen haben sollen. Multizentrische klinische Studien hätten ergeben, dass der GLP-1-RA Lixisenatid das Fortschreiten der Parkinson-Symptome in einem geringen, aber statistisch signifikanten Umfang verlangsame.
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
Hoffnung auf krankheitsmodifizierende Therapien
Die Göttinger Neurologin Brit Mollenhauer, dritte Vorsitzende der DGP, sagte, die aktuellen Fortschritte machten die Entwicklung von Therapien, die die Krankheit verlangsamen oder sogar aufhalten, in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten realistisch. So gebe es auch deutliche Fortschritte bei der Entwicklung von Biomarkern, die den so wichtigen frühzeitigen Nachweis einer Erkrankung ermöglichten. Ein Durchbruch könnte die verlässliche Identifikation krankheitsauslösender Proteine im Nervenwasser, im Blut oder in der Haut sein.
Prävention und Lebensstil
Obwohl viele Menschen "schicksalhaft" vom Ausbruch der Erkrankung betroffen sind, betont Inga Clauß die Bedeutung von Aufklärungsarbeit und den Ausbau spezialisierter Zentren. Sie rät zu einem "möglichst gesunden Lebensstil", um sich gegen Parkinson zu wappnen.
Bewegung und Ernährung
Die neue Behandlungsleitlinie betont unter anderem, dass es neben dem Zittern und den Bewegungsstörungen weitere häufige Probleme bei Parkinson gibt, die aber oft übersehen werden. Dazu gehören niedriger Blutdruck, Verstopfung, Schwierigkeiten mit der Blase und Sprach- oder Schluckstörungen.
Ganz wichtig ist, dass Parkinson sich auch mit Bewegung und Ernährung positiv beeinflussen lässt. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Ausdauersport dem Abbau von körperlichen und geistigen Fähigkeiten bei Menschen mit Parkinson entgegenwirkt. Wer an Parkinson leidet, könnte auch von spezieller Physiotherapie und kognitiven Übungen profitieren. Doch solche maßgeschneiderten Programme erreichen bisher nur wenige Betroffene.
Parkinson-Boxen: Ein innovativer Ansatz
Boxen als Sportart ist besonders für Patient:innen mit Parkinson relevant, um mehr Beweglichkeit, Kraft und Stabilität in ihren Alltag zu integrieren. Die Parkinson Stiftung veranstaltet Trainer:innen-Workshops im Parkinson-Boxen.
Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson
Herausforderungen und Kontroversen
Diskussionen gibt es um die Entwicklung der Prävalenz in Deutschland. Erst vor wenigen Tagen berichtete ein Team des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf Basis von AOK-Krankenkassendaten, dass die altersstandardisierte Parkinsonprävalenz in Deutschland zwischen 2017 und 2022 abgenommen habe.
Für den Rückgang der Erkrankungshäufigkeit liegt noch keine abschließende Erklärung vor. Möglich ist laut den RKI-Forschenden, dass der Rückgang bestimmter Risikofaktoren, beispielsweise von Umwelteinflüssen wie der Pestizidbelastung, oder die Veränderung von Ernährungsgewohnheiten einen Teil der Entwicklung erklären. Es sei aber auch denkbar, dass ein verändertes Diagnose- und Kodierverhalten der behandelnden Ärztinnen und Ärzte eine Ursache sei. Prinzipiell könnte auch die COVID-19-Pandemie durch seltenere Kontakte mit dem Gesundheitswesen die diagnostizierte Prävalenz beeinflussen, so die RKI-Forschenden.
Initiativen und Unterstützung
Die Parkinson Stiftung spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung von Forschung, Bildung und Unterstützung für Betroffene. Sie schreibt Innovationspreise aus, veröffentlicht Jahresberichte und lanciert Chatbots, um wissenschaftlich fundiertes Wissen zugänglich zu machen. Die Stiftung eröffnet Geschäftsstellen, vergibt Innovationspreise und bietet Webinare und Infofilme für den Alltag mit Parkinson an.
Parkinson Online-Akademie
Spannende Themen rund um die Parkinson-Krankheit werden von Expert*Innen in Webinaren allgemeinverständlich aufbereitet und sollen insbesondere Betroffenen und Interessierten ein tieferes Verständnis der Parkinson-Krankheit und deren Behandlung vermitteln.
Infofilme für den Alltag
Die Parkinson-Krankheit geht mit vielen Symptomen einher, die den Alltag deutlich schwerer machen. In kurzen Informationsfilmen wird gezeigt, wie Sie gezielt bestimmte Abläufe trainieren können.
Welt-Parkinson-Tag
Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag. Die beste Gelegenheit, sich über die Erkrankung zu informieren. Parkinson ist eine Erkrankung, die immer mehr Menschen betrifft und es ist wichtig, dass darüber gesprochen und Parkinson in die Mitte der Gesellschaft getragen wird.
Fallbeispiele und Durchbrüche
Ein aufsehenerregendes Ergebnis gab es Ende vergangenen Jahres: Ein französischer Parkinson-Patient kann jetzt dank einer neuartigen Neuroprothese zum ersten Mal seit Jahren wieder weitgehend normal laufen. Eine Chirurgin in Lausanne hat dem Mann mehrere kleine Pulsgeber direkt am Rückenmark implantiert. Und zwar genau an den Stellen, an denen die Nervensignale für die Beinbewegungen abgehen.
tags: #parkinson #forschung #eingestellt