Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft, aber auch in jüngeren Jahren auftreten kann. Dieser Leitfaden bietet einen Überblick über die Grundlagen, Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Parkinson-Krankheit sowie praktische Tipps für den Alltag.
Einführung in die Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine chronisch-degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie ist durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, insbesondere in der Substantia nigra. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen und andere Funktionen verantwortlich ist. Der Mangel an Dopamin führt zu den typischen motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit.
Früh beginnende Parkinson-Krankheit
Obwohl die Parkinson-Krankheit häufig mit dem höheren Lebensalter assoziiert wird, betrifft sie auch jüngere Menschen. In etwa 5 bis 10 Prozent der Fälle treten die ersten Symptome bereits vor dem 40. oder 50. Lebensjahr auf. Dies wird als früh beginnende Parkinson-Krankheit bezeichnet. Die Diagnose in jungen Jahren stellt Betroffene und ihre Familien vor besondere Herausforderungen, da sie oft mitten im Berufs- und Familienleben stehen.
Symptome der Parkinson-Krankheit
Die Symptome der Parkinson-Krankheit sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Die vier Hauptsymptome (Kardinalsymptome) sind:
- Bradykinese (Bewegungsverlangsamung): Dies ist das zentrale Symptom der Parkinson-Krankheit. Alle Bewegungen werden langsamer, kleiner und mühsamer. Betroffene können Schwierigkeiten haben, alltägliche Aufgaben wie Anziehen, Essen oder Schreiben auszuführen. Die Handschrift kann kleiner und unleserlicher werden (Mikrographie), die Sprache leiser und monotoner, und die Mimik vermindert (Maskengesicht).
- Rigor (Muskelsteifigkeit): Die Muskeln sind angespannt und steif, was zu Schmerzen und einem Gefühl der Unbeweglichkeit führen kann. Der Arzt kann dies durch passives Bewegen der Gliedmaßen feststellen (Zahnradphänomen).
- Tremor (Zittern): Typisch ist ein Ruhetremor, der in entspanntem Zustand auftritt und bei Bewegung nachlässt. Oft beginnt er einseitig an einer Hand ("Pillendreher-Tremor"). Bei jungen Patienten ist der Tremor manchmal weniger ausgeprägt als bei älteren.
- Posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen): Tritt bei der früh beginnenden Form oft erst in einem späteren Krankheitsstadium auf und führt zu Gangunsicherheit und erhöhter Sturzgefahr.
Zusätzlich zu den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, die oft sehr belastend sind. Dazu gehören:
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- Riechstörungen
- Schlafstörungen (insbesondere die REM-Schlaf-Verhaltensstörung)
- Depressionen
- Angst
- Verstopfung
- Übermäßige Müdigkeit (Fatigue)
- Dystonie (länger anhaltende, schmerzhafte Muskelverkrampfungen, insbesondere am Fuß)
Ursachen der Parkinson-Krankheit
Die genauen Ursachen der Parkinson-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Bei der spät beginnenden Parkinson-Krankheit ist die Ursache meist unbekannt (idiopathisch). Bei der früh beginnenden Form spielen genetische Faktoren eine größere Rolle. Bei einem Teil der jungen Patienten lassen sich Mutationen in bestimmten Genen nachweisen, die für die Erkrankung verantwortlich oder mit einem erhöhten Risiko verbunden sind.
Diagnose der Parkinson-Krankheit
Die Diagnose der Parkinson-Krankheit wird in der Regel von einem Neurologen gestellt. Sie basiert auf einer umfassenden klinischen Untersuchung, die Folgendes umfasst:
- Anamnese: Ausführliches Gespräch über die Art und Entwicklung der Symptome, die Krankengeschichte und eine genaue Familienanamnese.
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung auf das Vorhandensein der Kardinalsymptome. Der Arzt beobachtet das Gangbild, die Mimik und testet die motorischen Fähigkeiten.
- L-Dopa-Test: Da es keinen direkten Biomarker für Parkinson gibt, ist die Reaktion auf die Gabe von Levodopa (einer Dopamin-Vorstufe) ein wichtiges diagnostisches Kriterium. Eine deutliche Besserung der motorischen Symptome nach der Einnahme stützt die Diagnose stark.
- Apparative Zusatzdiagnostik: Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns werden primär durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen. Spezifische nuklearmedizinische Untersuchungen können den Dopaminmangel im Gehirn sichtbar machen und helfen, die klinische Diagnose zu sichern, insbesondere bei unklaren Fällen.
- Genetische Testung: Aufgrund der höheren Wahrscheinlichkeit einer genetischen Ursache wird bei Patienten mit früh beginnender Parkinson-Krankheit oft eine genetische Beratung und Untersuchung empfohlen.
Behandlung der Parkinson-Krankheit
Obwohl die Parkinson-Krankheit nicht heilbar ist, können die Symptome durch eine individuell angepasste Therapie über viele Jahre hinweg sehr gut kontrolliert werden. Die Behandlung stützt sich auf medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren.
Medikamentöse Therapie
Das Ziel der medikamentösen Therapie ist es, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Es gibt verschiedene Medikamente, die eingesetzt werden können:
- Dopaminagonisten: (z.B. Pramipexol, Ropinirol, Rotigotin) Ahmen die Wirkung von Dopamin direkt an den Rezeptoren im Gehirn nach. Sie haben ein geringeres Risiko, Dyskinesien auszulösen als Levodopa, können aber andere Nebenwirkungen wie Tagesmüdigkeit oder Impulskontrollstörungen (z.B. Spielsucht, Kaufsucht) verursachen.
- Levodopa (L-Dopa): Das wirksamste Medikament zur Behandlung der motorischen Parkinson-Symptome. Es ist eine direkte Vorstufe von Dopamin. Bei jungen Patienten wird der Einsatz oft so lange wie möglich hinausgezögert oder mit der niedrigsten wirksamen Dosis begonnen, um das Risiko für Dyskinesien zu minimieren.
- MAO-B-Hemmer: (z.B. Selegilin, Rasagilin) Verlangsamen den Abbau von Dopamin im Gehirn und können so dessen Wirkung verlängern. Sie werden oft im Frühstadium allein oder später in Kombination mit anderen Medikamenten eingesetzt.
- COMT-Hemmer: (z.B. Entacapon, Opicapon) Werden immer in Kombination mit Levodopa gegeben und verlangsamen dessen Abbau im Körper, wodurch die Wirkdauer verlängert wird.
Nicht-medikamentöse Therapien
Nicht-medikamentöse Therapien sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung und tragen entscheidend zum Erhalt der Beweglichkeit und Lebensqualität bei.
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- Physiotherapie (Krankengymnastik): Gezieltes Training von Gleichgewicht, Gangsicherheit, Beweglichkeit und Kraft. Spezifische Konzepte wie die LSVT-BIG-Therapie können helfen, größere Bewegungen zu trainieren.
- Ergotherapie: Erhalt der Selbstständigkeit im Alltag durch Training von Feinmotorik und das Anpassen von Hilfsmitteln und Wohnumfeld.
- Logopädie (Sprachtherapie): Behandlung von Sprechstörungen und Schluckstörungen. Die LSVT-LOUD-Therapie ist ein intensives Programm zur Verbesserung der Sprechlautstärke.
- Psychologische Unterstützung: Hilfe bei der Krankheitsbewältigung und der Behandlung von Depressionen oder Ängsten.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine operative Behandlungsoption für Patienten, bei denen die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreicht, um die Symptome zufriedenstellend zu kontrollieren, oder bei denen starke Dyskinesien auftreten. Dabei werden dünne Elektroden in spezifische Hirnregionen implantiert, die über einen unter der Haut liegenden "Hirnschrittmacher" elektrische Impulse abgeben. Dies kann die motorischen Symptome wie Tremor, Rigor und Bradykinese sowie Dyskinesien deutlich verbessern und ermöglicht oft eine Reduktion der Medikamente. Da junge Patienten oft ein geringeres Operationsrisiko und eine lange Lebenserwartung haben, ist die Tiefe Hirnstimulation für diese Patientengruppe eine wichtige therapeutische Option.
Rehabilitation und Alltagsmanagement
Ein aktiver Umgang mit der Erkrankung und ein gutes Alltagsmanagement sind für Menschen mit früh beginnender Parkinson-Krankheit von zentraler Bedeutung, um die Lebensqualität über Jahrzehnte zu erhalten und den Herausforderungen in Beruf, Familie und sozialem Leben zu begegnen.
Rehabilitation
Eine spezialisierte neurologische Rehabilitation kann in verschiedenen Phasen der Erkrankung sehr sinnvoll sein, nicht nur nach einer Operation wie der Tiefen Hirnstimulation, sondern auch, um den Umgang mit neuen Symptomen zu lernen oder die Therapien zu intensivieren. Ziele einer solchen Rehabilitationsmaßnahme sind:
- Intensivierung der Therapien
- Medikamentöse Neueinstellung
- Hilfsmittelberatung und -erprobung
- Krankheitsbewältigung und psychologische Unterstützung
- Berufliche und soziale Beratung
- Schulungen
Alltagsmanagement
Das Leben mit der früh beginnenden Parkinson-Krankheit verlangt Ausdauer und proaktives Selbstmanagement.
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Therapien konsequent fortführen
- Medikamententreue
- Ernährung
- Berufsleben gestalten
- Offene Kommunikation
- Sich informieren und vernetzen
- Vorausschauende Planung
Unterstützung für Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen
Es gibt zahlreiche Organisationen und Selbsthilfegruppen, die Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen unterstützen. Diese bieten Informationen, Beratung, emotionale Unterstützung und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.
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