Golfen ist eine beliebte Sportart, die sowohl körperliche als auch geistige Vorteile bietet. Für Menschen mit Parkinson kann Golf eine Möglichkeit sein, ihre Beweglichkeit, Balance und Lebensqualität zu verbessern. Allerdings gibt es auch Risiken, die berücksichtigt werden müssen, insbesondere im Hinblick auf Pestizide und andere gesundheitliche Aspekte. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile des Golfspielens bei Parkinson und gibt wichtige Hinweise für Betroffene.
Golfen trotz Krankheit? Möglichkeiten und Grenzen
Auch schwerere Erkrankungen müssen nicht immer eine Kontraindikation für das Golfspiel sein. Nach Absprache mit dem behandelnden Arzt kann Golf beispielsweise auch bei Osteoporose oder Morbus Parkinson möglich sein. Mehr noch, mit der richtigen Technik kann sich regelmäßiges Golfen sogar positiv auf den weiteren Verlauf der genannten Krankheiten auswirken.
Therapeutischer Nutzen des Golfsports
Kaum jemand weiß, dass Golf der optimale Sport für Rehabilitation und eine sehr erfolgreiche Therapiemaßnahme sein kann. Golf bietet gerade für Menschen mit Handicap eine Möglichkeit, Selbstwert- und Lebensgefühl zu steigern und die eigene Leistungsfähigkeit kennenzulernen. Der Golfsport fördert die Kondition, die Konzentrationsfähigkeit und das seelische Gleichgewicht. Golf ist Freizeit- und Therapiesport, der fortlaufend im Alltag ausgeübt werden kann, also keine kurzfristige Therapie. Sportwart Golfen scheint für Parkinsonpatienten ein geeignetes Bewegungstraining zu sein.
Golf als Bewegungstraining bei Parkinson
Bisher galt Tai-Chi als Goldstandard für das Bewegungstraining von Parkinsonpatienten. Die meditative Kampfsportart kann nachweislich die Sturzgefahr bei Morbus Parkinson reduzieren, da sie das Gleichgewicht schult und die Beweglichkeit trainiert. Allerdings wird das chinesische „Schattenboxen“ besonders von älteren Menschen als doch recht exotisch erlebt, was den Einsatz als Trainingsmethode limitiert. Ganz im Gegenteil z.B. zum Golfen. In den USA, wo die Sportart in der älteren Bevölkerung besonders populär ist, dürfte es einfacher sein, Patienten mit Morbus Parkinson zu motivieren, regelmäßig auf der Driving Range ihren Schwung zu üben, statt sich am „Kranich“ oder dem „Drachen“ zu versuchen.
Vergleichsstudie: Golf vs. Tai-Chi
Insgesamt 20 Patienten mit mittelschwerer Parkinsonsymptomatik hatten an der Untersuchung teilgenommen. Zehn Wochen lang erhielten sie zweimal wöchentlich ein einstündiges Bewegungstraining: Acht Patienten golften, zwölf machten Tai-Chi. Mit standardisierten Tests wurden die motorischen Fähigkeiten vor und nach dem Training evaluiert. Die Golfer hatten sich im Gegensatz zur Tai-Chi-Gruppe nicht nur bei einem kombinierten Test aus aufstehen, 3 m laufen, umkehren und wieder hinsetzen zeitlich leicht verbessert. Insgesamt bestätigte auch ein höherer Anteil - 86 % vs. Sport fördert Beweglichkeit und Balance bei einer Erkrankung an Parkinson. Die Patienten können mit Sport ihr Sturzrisiko verringern, durch das körperliche Training möglichst lange ihre Selbstständigkeit bewahren und so ihre Lebensqualität auf hohem Niveau halten oder sogar verbessern. Tai-Chi galt dabei bislang als das Gold-Standard-Training zur Gleichgewichtsförderung und Sturzprophylaxe.
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Motivation durch Golf
Lieblingssport der Ü55-JährigenUm Parkinson-Patienten zu mehr Sport zu motivieren, überlegten sich US-Wissenschaftler, welche Sportart für diese Patienten attraktiv sein könnte. Sie kamen dabei auf Golf. “Golf ist der beliebteste Sport bei Personen, die älter als 55 sind“, erklärte Dr. Anne-Marie A. Wills vom Massachusetts General Hospital Boston. Golf sei außerdem eine Sportart mit einem geringen Verletzungsrisiko und es gebe Berichte, dass Golf Balance und Lebensqualität nach einem Schlaganfall verbessern könnte. Im Vorfeld des 73igsten Jahres-Treffens der American Academy of Neurology präsentierte das Team um Wills nun ein Abstract mit den Ergebnissen einer Pilotstudie, in der Tai-Chi und Golf als Training für Parkinson-Patienten verglichen wurden.
Ergebnisse der Pilotstudie
Von den 35 Patienten, die randomisiert worden waren, konnten aufgrund eines Trainermangels, nur 20 Patienten ihre Sportkurse (Golf 8 und Tai-Chi 12) beginnen. 62% der Golfer nahmen an ≥80% ihrer Trainerstunden teil, in der Tai-Chi Gruppe waren es nur 42%. Aufgrund der geringen Gesamtzahl der Studienteilnehmer war dieser Unterschied jedoch nicht signifikant. Beim Timed up and go (TUG) Test im Rahmen des Mini-BESTests verbesserten sich die Golfer um 0,96 Sekunden gegenüber Baseline, wohingegen sich die Teilnehmer im Tai-Chi Kurs sogar um 0,33 Sekunden verschlechterten. Beide Gruppen waren mit dem Trainingsangebot gleich zufrieden.Während 86% der Golfer angaben, dass sie den Sport wahrscheinlich weiter machen werden, waren es in der Tai-Chi Gruppe nur 33%. Abgesehen von Muskelschmerzen in der Golfgruppe gab es keine Unterschiede hinsichtlich unerwünschter Ereignisse bei beiden Sportarten.Wills räumt ein, dass für eine abschließende Bewertung von Golf als sinnvollem Training bei Parkinson weitere Studien mit größeren Teilnehmerzahlen und längeren Beobachtungszeiträumen notwendig wären. Sie findet aber auch, dass der mit wichtigste Befund der Studie sei, dass Golfer mit höherer Wahrscheinlichkeit ihr Training fortführen wollen, denn der therapeutische Wert einer Sportart auf dem Papier sei irrelevant, wenn die Leute ihn nicht wirklich ausübten.
Erhöhtes Parkinson-Risiko durch Golfplätze? Eine US-Studie gibt Anlass zur Sorge
Eine neue Studie aus Amerika sieht einen Zusammenhang zwischen dem Wohnort in der Nähe eines Golfplatzes und der Wahrscheinlichkeit an Parkinson zu erkranken. Eine neue neurologische US-Studie veröffentlicht beunruhigende Ergebnisse: Menschen, die in der Nähe eines Golfplatzes leben, sollen der Forschung nach einem höheren Risiko ausgesetzt sein, an Parkinson zu erkranken. Die im JAMA Network Open Fachjournal veröffentliche Studie untersuchte im Rahmen des Rochester Epidemiology Projekt (REP) eine vermutete Verbindung zwischen dem Wohnort der Menschen und dem Auftreten von Parkinson Erkrankungen. Zwischen 1991 und 2015 wurden die Krankheitsverläufe von über 5.500 Personen aus Minnesota und Wisconsin analysiert. Das zentrale Ergebnis klingt erstmal überraschend. Je näher eine Person an einem Golfplatz in den Staaten wohnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, an Parkinson zu erkranken. Allgemein zählt Parkinson zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen im Alter. Bei einer Parkinson Erkrankung wird das Nervensystem angegriffen. Dies geschieht durch einen langsam fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn.
Pestizide als möglicher Auslöser
Bei dem Sport der Eliten sind makellose Golfplätze ein Muss. Um dies zu erhalten werden bei der Pflege der Anlagen hohe Mengen an Pestiziden eingesetzt. Bei Menschen, die in einem Umkreis von einer Meile um einen Golfplatz leben, soll sich der Studie zufolge das Risiko mehr als verdoppeln, eine Parkinson-Diagnose zu erhalten als bei Menschen die mehr als sechs Meilen entfernt wohnen. „Unsere Ergebnisse zeigen eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung“, schreiben die Forschenden.
Zusammenhang zwischen Pestiziden und Parkinson
In den USA werden zur Pflege der Golfplätze - den sogenannten Fairways und Greens - Pestizide wie Chlorpyrifos und Maneb eingesetzt. Der Pestizidverbrauch bei amerikanischen Golfanlagen sei laut den Forschenden bis zu 15-mal höher als in europäischen Ländern. Und das zahlt sich aus. Ältere Studien untersuchten bereits den Zusammenhang zwischen dem Pestizidgebrauch auf Golfplätzen und der Verunreinigung des Trinkwassers. Auch die neue Studie belegte, dass das Parkinson-Risiko bei Personen deutlich zunahm, deren Trinkwasser aus den Grundwasserversorgungsgebieten stammt, in denen sich ein Golfplatz befand. Dabei steigt das Risiko noch mehr, sollte ein gemeinsames kommunales Wassersystem im Gebrauch sein. Insbesondere bei Grundwasser-Brunnen, die in der Nähe von Golfplätzen betrieben werden.
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Einschränkungen und weitere Forschung
Wichtig anzumerken ist aber, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht wussten, welchen Beruf die untersuchten Personen hatten. Demnach könne beispielsweise ein Landwirt zusätzlich durch seinen Beruf gefährdet und Pestiziden ausgesetzt sein. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse weitere Untersuchungen rechtfertigen und somit die Qualität des Trinkwassers in der Umgebung verbessert werden, indem der Pestizideinsatz reguliert wird.
Ergebnisse der Studie im Detail
In der Studie wurde ein starker Zusammenhang zwischen dem Leben in unmittelbarer Nähe eines Golfplatzes mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Parkinson gefunden. Die Studie beweist jedoch keine Kausalität. Ob Pestizide eine kausale Rolle spielen und wie genau sie den Körper beeinflussen, ist noch nicht abschließend geklärt - dazu sind weitere Studien erforderlich. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass noch weitere regionale Faktoren in einkommensstärkeren Vierteln mit einem Golfplatz zu dem erhöhten Parkinson-Risiko beitragen, etwa bestimmte Verkehrsmuster. Die Studie wurde in den USA durchgeführt. Es ist bekannt, dass in den USA der Pestizidverbrauch auf Golfplätzen deutlich höher liegt als in Europa, was für die dortigen Golfanlagen eine bis zu 15-mal höhere Belastung bedeuten kann. Zumal dort Chemikalien verwendet werden können, die in Europa und anderen Teilen der Welt verboten sind. In Österreich ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reglementiert und erfordert einen Sachkundenachweis, um die Grundwasserqualität zu schützen. Britische Golfverbände unterstützen Initiativen zur Reduzierung und zum vollständigen Verzicht auf Pestizide, um auf natürliche Alternativen umzusteigen.
Wann ist eine Golf-Pause angesagt? Gesundheitliche Aspekte
Sei es in Folge eines Unfalls, einer Verletzung oder krankheitsbedingt: Manchmal verleidet einem die eigene Konstitution das liebste Hobby. In den folgenden Fällen jedenfalls sollten Sie dringend eine Golfpause einlegen.
Golfen nach OP und mit Prothesen
Dass unmittelbar nach einer aufwendigen Operation niemand auf den Golfplatz gehört, ist klar. Danach allerdings kann die sporadische Golfrunde durchaus wieder drin sein. Das gilt selbst dann, wenn Sie mit Prothesen spielen. Nach erfolgreicher Rehabilitation etwa können Sie, die richtige Technik und nötige Vorsicht beim Spiel vorausgesetzt, sogar mit Hüftendo- oder Kniegelenkprothese spielen. Das wurde in einem Artikel des Ärzteblatts schon vor mehr als zwei Jahrzehnten festgestellt.
Erkältung und Fieber
Der Hals kratzt und die Nase läuft? Das alleine ist noch kein Grund, auf die geplante Golfrunde zu verzichten - zumindest, wenn gerade keine Pandemie herrscht. Ähnlich wie moderater Sport ist auch Golfen bei einer leichten Erkältung erlaubt. Anders sieht es dagegen aus, wenn zu den leichten Erkältungssymptomen Fieber hinzukommt. In diesem Fall ist körperliche Betätigung tabu! Stattdessen ist Bettruhe angesagt, um das stark beanspruchte Immunsystem die Golf-Gesundheit nicht noch zusätzlich zu belasten.
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Rückenschmerzen
Golf und Rückenschmerzen? Bei dieser Kombination ist prinzipiell Vorsicht geboten. Tabu ist Golfen bei akuten, neu aufgetretenen Wirbelsäulenerkrankungen. Auch bei ausstrahlenden Rückenschmerzen sollte keinesfalls Golf gespielt und umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Lokal begrenzte Rückenschmerzen, die muskulär bedingt sind oder auf einer Zerrung beruhen, können sich durch aktives Golfen sogar noch verschlimmern. Auch hier ist daher eine vorübergehende Golf-Pause geboten. Gleiches gilt bei Schmerzen am Handgelenk, die auf Schäden oder Entzündungen an Sehnen, Bändern oder Gelenken hinweisen können.
Fingerschmerzen
Schmerzende Finger können unterschiedliche Gründe haben, die abgeklärt werden müssen. Unter Umständen kann Golf Finger-Schmerzen nämlich verschlimmern. Gerade ältere Patienten, deren Fingergelenke von Arthrose betroffen sind, sollten prinzipiell Vorsicht walten lassen. Spezielle Techniken (vibrationsarme Golfgriffe) können allerdings dabei helfen, anfängliche Schmerzen zu reduzieren.
Fazit und Empfehlungen
Golf kann für Menschen mit Parkinson eine sinnvolle und motivierende Möglichkeit sein, ihre körperliche und geistige Gesundheit zu fördern. Studien deuten darauf hin, dass Golf die Balance, Beweglichkeit und Lebensqualität verbessern kann. Allerdings sollte man sich der potenziellen Risiken bewusst sein, insbesondere im Hinblick auf Pestizide auf Golfplätzen.
Absprache mit dem Arzt
Egal, an welcher Krankheit oder Verletzung Sie leiden: Bevor Sie die nächste Golfpartie in Angriff nehmen, ist eine Absprache mit dem behandelnden Arzt obligatorisch. Nur dieser kann entscheiden, ob Sie auf den Golfsport besser verzichten sollten oder dieser weiterhin möglich ist.
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