Die Diagnose Parkinson betrifft nicht nur den Erkrankten selbst, sondern auch sein gesamtes Umfeld. Partner, Familienmitglieder und Freunde stehen oft vor neuen Herausforderungen und Unsicherheiten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Leitfaden für Angehörige, um die Erkrankung besser zu verstehen, den Betroffenen bestmöglich zu unterstützen und gleichzeitig die eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen.
Diagnose Parkinson: Eine Herausforderung für alle
Wenn ein Ihnen nahestehender Mensch an Parkinson erkrankt ist, kann dies zunächst ein Schock sein. Neben der Sorge um den Betroffenen stellen sich viele Fragen: Wie wird sich die Erkrankung auf das eigene Leben auswirken? Welche Veränderungen kommen auf uns zu? Es ist wichtig zu wissen, dass Parkinson in der Regel langsam fortschreitet. Dies gibt Ihnen und dem Erkrankten Zeit, sich schrittweise an das Leben mit der Krankheit anzupassen. Zudem bietet die moderne Medizin vielfältige Möglichkeiten, die Symptome zu behandeln und die Lebensqualität zu verbessern.
Manche Angehörige empfinden nach der Diagnose auch Erleichterung, da endlich eine Erklärung für die möglicherweise schon länger bestehenden Beschwerden gefunden wurde.
Die Balance finden: Schutz und Förderung
Da Parkinson eine fortschreitende Erkrankung ist, wird der Betroffene möglicherweise im Laufe der Zeit auf Unterstützung angewiesen sein. Es ist jedoch wichtig, die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Angehörige können hier eine wichtige Stütze sein, wobei es oft nicht leicht ist, die Balance zwischen Unterstützung und übermäßiger Fürsorge zu finden.
- Selbstständigkeit fördern: Ermutigen Sie den Betroffenen, so viel wie möglich selbst zu erledigen und eigene Entscheidungen zu treffen. Gestehen Sie ihm mehr Zeit für alltägliche Aufgaben zu und bieten Sie Hilfe nur dann an, wenn sie tatsächlich benötigt wird.
- Unterstützung anbieten: Bieten Sie praktische Hilfe im Alltag an, z.B. bei der Hausarbeit, beim Einkaufen oder bei Arztbesuchen.
- Krankheitsbewältigung unterstützen: Informieren Sie sich umfassend über Parkinson, um die Erkrankung besser zu verstehen und den Betroffenen optimal unterstützen zu können.
- Offene Kommunikation: Sprechen Sie offen über Parkinson und nehmen Sie die Herausforderungen gemeinsam in Angriff. Entscheiden Sie gemeinsam, wie viel Raum das Thema in Ihrem Leben einnehmen darf.
Informationen sammeln und Wissen erweitern
Je besser Sie über Parkinson informiert sind, desto sicherer werden Sie im Umgang mit dem Betroffenen und seiner Erkrankung sein. Nutzen Sie verschiedene Informationsquellen, um Ihr Wissen zu erweitern:
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- Gespräche mit Ärzten: Sprechen Sie mit dem behandelnden Neurologen, um mehr über die Erkrankung, die Behandlungsmöglichkeiten und den Krankheitsverlauf zu erfahren.
- Patientenveranstaltungen und Selbsthilfegruppen: Besuchen Sie Veranstaltungen und tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen und Angehörigen aus.
- Fachliteratur und Online-Ressourcen: Nutzen Sie Bücher, Broschüren und seriöse Internetseiten, um sich umfassend zu informieren. Die Parkinson Stiftung und die Deutsche Parkinson Vereinigung bieten beispielsweise ein breites Informationsangebot.
- Parkinson-Magazin PARKOUR: Hier finden Sie vielfältige Informationen zum Leben mit Parkinson.
Auf sich selbst achten: Die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen
Bei aller Fürsorge für den Betroffenen ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen. Achten Sie auf sich und darauf, sich nicht zu überfordern.
- Eigene Freiräume schaffen: Halten Sie an Ihren lieb gewonnenen Gewohnheiten und Hobbys fest. Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit für sich, treffen Sie sich mit Freunden, treiben Sie Sport oder entspannen Sie sich mit einem guten Buch.
- Unterstützung annehmen: Scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen und das Gespräch mit Menschen in ähnlichen Lebenssituationen zu suchen. Parkinson-Selbsthilfegruppen haben oft spezielle Angebote für Angehörige. Auch Gespräche mit dem Behandlungsteam können hilfreich sein.
- Grenzen erkennen und akzeptieren: Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann es sein, dass der Betroffene auf regelmäßige Unterstützung im Alltag angewiesen ist. Wägen Sie rechtzeitig ab, inwieweit Sie die pflegerische Betreuung leisten können und holen Sie sich nötigenfalls Hilfe.
- Sich nicht unter Druck setzen: Welche Veränderungen die Parkinson-Erkrankung mit sich bringen wird, können Sie nicht vorhersagen. Setzen Sie sich diesbezüglich nicht unter Druck und nehmen Sie sich Zeit, um mit der neuen Situation zurechtzukommen.
Austausch und Rat suchen: Gemeinsam sind wir stark
Vielen Angehörigen hilft es, sich mit Menschen in ähnlichen Situationen auszutauschen. Nutzen Sie die Angebote von Selbsthilfegruppen, um neue Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig zu unterstützen.
- Selbsthilfegruppen für Angehörige: Zahlreiche Selbsthilfegruppen für Menschen mit Parkinson richten sich auch an Partner und Familienmitglieder. Hier können Sie sich austauschen, Erfahrungen teilen und wertvolle Tipps erhalten.
- Gespräche mit dem Neurologen: Sprechen Sie mit dem behandelnden Neurologen über Ihre Sorgen und Fragen. Er kann Ihnen verschiedene Angebote zur Unterstützung sowie wichtige Informationen und Tipps für den Alltag mit Parkinson geben.
- Professionelle Beratung: Bei Bedarf können Sie sich an Beratungsstellen wenden, die auf die Unterstützung von Angehörigen von Menschen mit chronischen Erkrankungen spezialisiert sind.
Wie kann ich einen Menschen mit Parkinson unterstützen?
Parkinson trifft nicht nur die Erkrankten selbst meist unvorbereitet, sondern auch ihr Umfeld. Mit der Diagnose können auch für nahestehende Menschen Unsicherheiten verbunden sein. Vielleicht fragen Sie sich, welche Auswirkungen die Erkrankung auf Ihr eigenes Leben und Ihren Alltag haben wird. Was genau kommt auf Sie zu, was können Sie für die betroffene Person tun und worauf sollten Sie achten?
- Informationen: Für manche Angehörige kann es daher sehr nützlich sein, sich zunächst einmal umfassend über Parkinson zu informieren. Je mehr Sie darüber wissen, umso mehr Sicherheit können Sie im Umgang mit dem betroffenen Menschen und seiner Erkrankung gewinnen. Auch, wenn es mitunter schwierig sein kann, aus der Fülle der Informationen die herauszufiltern, die für Sie relevant sind.
- Interesse zeigen: Der an Parkinson erkrankten Person signalisieren Sie mit Ihrem Interesse, dass Sie ihre Situation ernst nehmen und sie Ihnen wichtig ist. Sprechen Sie offen über Parkinson und nehmen Sie die Herausforderungen und Entscheidungen gemeinsam in Angriff. Suchen Sie das Gespräch mit dem Ihnen nahestehenden erkrankten Menschen. Entscheiden Sie gemeinsam, wie viel Raum das Thema Parkinson in Ihrem Leben einnehmen darf.
Ein gutes Miteinander trotz Parkinson
In einer Broschüre für Angehörige finden Sie Anregungen, wie Sie eine aufmerksame Begleitung und eigene Freiräume zusammenbringen und Ihre Beziehung zu dem von Parkinson betroffenen Menschen stärken können.
Menschen mit Parkinson begleiten: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken
Bei aller Fürsorge Ihrer Partnerin, Ihrem Partner oder Angehörigen gegenüber ist es wichtig, sie oder ihn nicht zu bevormunden. Den meisten Menschen mit Parkinson bedeutet es viel, sich ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Dazu gehört auch, im Alltag so viel wie möglich selbst zu erledigen und eigene Entscheidungen zu treffen.
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- Zeit geben: Wer an Parkinson erkrankt ist, kann im Verlauf der Erkrankung in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sein. Vieles geht dann nicht mehr so leicht von der Hand wie früher und nimmt oft mehr Zeit in Anspruch. Gestehen Sie der Ihnen nahestehenden Person diese Zeit zu. Wenn Sie zur Eile antreiben, erzeugen Sie nur unnötig Druck.
- Nicht sofort helfen: Packen Sie nicht gleich mit an, wenn dem an Parkinson erkrankten Menschen etwas nicht leicht von der Hand geht, sondern warten Sie ab, ob Ihre Unterstützung auch tatsächlich gewünscht ist. Wenn Sie diesbezüglich unsicher sind, fragen Sie, ob Sie helfen können.
- Ermutigen: Gleichzeitig ist es wichtig, die betroffene Person dazu zu ermutigen, so viel wie möglich selbst zu machen. Trauen Sie ihr ruhig etwas zu. Menschen mit Parkinson sind oft unsicher, was ihre Fähigkeiten angeht. Wenn auch Sie diese infrage stellen, sorgen Sie für noch mehr Verunsicherung, anstatt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu bestärken.
Gemeinsames Training motiviert
Für eine erfolgreiche Parkinson-Therapie ist regelmäßiges physiotherapeutisches und ergotherapeutisches Training sehr wichtig. Möglicherweise hilft es der betroffenen Person, wenn Sie sie dabei unterstützen.
- Unterstützung anbieten: So können Sie zum Beispiel bei einigen Übungen Hilfestellung bieten oder das Sprechtraining gemeinsam absolvieren.
- Gemeinsame Sportarten: Vielleicht suchen Sie sich auch eine geeignete Sportart, die Sie den jeweiligen Möglichkeiten entsprechend gemeinsam ausüben können. Damit können Sie das Training für die an Parkinson erkrankte Person nicht nur abwechslungsreicher und interessanter gestalten, sondern sie gleichzeitig besser dazu motivieren.
- Gruppentraining: Möglich ist es auch, sich einer Gruppe anzuschließen und mit anderen Betroffenen regelmäßig zum gemeinsamen Training zu treffen. Über die Gruppe haben Sie beide zugleich die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen. Eventuellen Tendenzen, sich aus dem sozialen Leben zurückzuziehen, lässt sich so vorbeugen.
Rücksicht und Verständnis
Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann es zu Schwankungen der Medikamentenwirkung kommen, auch ON-OFF-Fluktuation genannt. Das bedeutet, dass sich Phasen, in denen die Medikamente wirken und Ihr Angehöriger oder Ihre Angehörige sich gut fühlt (ON-Phase), abrupt mit solchen abwechseln, in denen die Wirkung nicht mehr vorhanden und die Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt ist (OFF-Phase).
- Flexibilität: Was der an Parkinson erkrankten Person eben noch möglich war, funktioniert plötzlich nicht mehr. Wenn lang geplante Unternehmungen, wie zum Beispiel ein Treffen mit Freundinnen oder Freunden, an die Tagesform angepasst werden müssen, ist Flexibilität gefragt.
- Bedarf anpassen: Auch der Bedarf an Unterstützung ändert sich. Wo der an Parkinson erkrankte Mensch eben noch keine Hilfe brauchte, kann sie nun nötig sein.
- Gespür entwickeln: Als nahestehende Person entwickeln Sie wahrscheinlich früher oder später ein Gespür dafür, wann Sie bei den täglichen Handgriffen mit anpacken sollten und wann Ihr enges Familienmitglied allein dazu in der Lage ist.
Eine Parkinsonerkrankung führt oftmals zu Einschränkungen im Alltag der Betroffenen. Viele vermeintlich gewöhnliche Aktivitäten sind plötzlich nicht mehr möglich oder es braucht die Hilfe von Angehörigen. Aus diesem Grund kann sich Parkinson auch auf die Personen auswirken, die nicht direkt von der Nervenerkrankung betroffen sind. Diese indirekten Folgen können verschieden aussehen und verlangen den Angehörigen oftmals viel ab. Eine wichtige Eigenschaft, die der engste Kreis der Betroffenen lernen muss, ist ein hohes Maß an Geduld, denn verlangsamte Abläufe sind ein typisches Symptom der Parkinsonerkrankung.
Tipps für den Umgang mit Parkinson-Betroffenen
- Geduld: Haben Sie Geduld mit dem Betroffenen und gestehen Sie ihm mehr Zeit für alltägliche Aufgaben zu.
- Respekt: Beachten Sie: Wer etwas länger braucht, um etwa seine Gedanken zu artikulieren, ist trotzdem im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Helfen Sie nur, wenn Hilfe ausdrücklich gewünscht wird.
- Hilfe zur Selbsthilfe: Ihre Unterstützung sollten Sie stets als Hilfe zur Selbsthilfe ansehen.
- Einbeziehen: Wirken Sie der Flucht in die Isolation entgegen, indem Sie den Betroffenen in die familiären Abläufe einbeziehen, sich mit ihm unterhalten, seine Nöte und Sorgen, aber auch seine Freude teilen.
- Aufmerksam sein: Da auch das Gesicht an Ausdruckskraft verliert, lesen Sie die Gemütsbewegungen des Betroffenen von seinen Augen ab.
- Verständnis: Vor allem Rücksicht und Verständnis für den Erkrankten sind dabei gefordert.
- Balance finden: Es ist gar nicht leicht, im Alltag eine gute Balance zwischen Unterstützung und einem zu hohen Maß an gut gemeinter Fürsorge zu finden.
- Gemeinsamen Alltag gestalten: Unser Ziel ist es doch, den gemeinsamen Alltag trotz aller Einschränkungen bestmöglich zu meistern und für alle positiv zu gestalten, Familie und Freundeskreis einzubeziehen, bei Bedarf Hilfe anzunehmen und immer wieder auch neue Freiräume zu schaffen.
Hilfsmittel und Alltagshilfen
Ein wesentliches Anliegen ist es, sich auch in der Phase beginnender Wirkschwankungen so viel Selbstständigkeit wie möglich zu erhalten. Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die Sie dabei unterstützen, wenn das notwendig wird.
- Badezimmer: Haltegriffe und Sitze sowie ein rutschfester Untergrund in der Badewanne und in der Dusche geben Sicherheit. In der Dusche kann ein höhenverstellbarer Hocker mit Saugfüßen praktisch sein. Eine Toilettensitzerhöhung erleichtert das Hinsetzen und Aufstehen. Zur Körperpflege eignen sich längenverstellbare Bürsten oder Schwämme mit gut zu fassenden, dicken Griffen. Praktisch sind ergonomisch geformte Auftrag- und Eincremehilfen. Mithilfe von Stand- und Kippspiegeln können Sie vieles auch im Sitzen erledigen.
- Ankleiden: Das Ankleiden lässt sich leichter gestalten, wenn Sie auf ausreichend weite Kleidung mit großen Knöpfen oder Druckknöpfen achten. Auch gut zu handhaben sind Reiß- und Klettverschlüsse. Speziell konzipierte Knöpfhilfen erleichtern das Zuknöpfen von Hemden und Blusen, mit einem Strumpfanzieher können Sie Strümpfe oder Socken anziehen, ohne sich bücken zu müssen. Der Einsatz von elastischen Schnürsenkeln ermöglicht ein einfacheres Hineinschlüpfen in den Schuh. Generell lassen Slipper sich besser anziehen als Schnürschuhe. Für einen guten Halt auf dem Untergrund eignen sich Schuhe mit Ledersohlen.
- Alltag: Im Alltag können kleine Hilfsmittel viele Handgriffe erleichtern. Schraubverschlussöffner oder spezielle Schlüsselgriffe zum Beispiel helfen beim Hantieren mit kleinen Gegenständen und sorgen über ihre Hebelwirkung für die benötigte Kraft. Hilfreich beim Essen sind ergonomisch geformtes Besteck mit breiten Griffen, eine Tellerranderhöhung und rutschfeste Unterlagen für Teller, Tassen und Gläser. Wem das Trinken schwerfällt, der kann Gefäße mit einem großen, weiten Henkel und einer weiten Öffnung benutzen. Gegebenenfalls eignet sich auch ein Trinkbecher mit einer Aussparung für die Nase.
- Mobilität: Beim Hinsetzen oder Aufstehen helfen tragbare Aufstehhilfen. Sollten Sie sich beim Gehen und Stehen unsicher fühlen, können ein Gehstock oder ein Rollator eine gute Lösung sein. Die verlässliche Stütze hilft Ihnen dabei, Ihren Bewegungsradius zu erhalten.
- Wohnraumgestaltung: Grundsätzlich sollten in allen Wohnräumen Möbel und Tische stand- und kippsicher sein. Vermeiden Sie potenzielle Stolperfallen wie Läufer und Brücken, Telefon- und Lampenkabel oder „im Weg“ stehende Gegenstände wie Bodenvasen. Plastiküberzüge auf scharfen Kanten schützen im Fall eines Sturzes vor Verletzungen.
Sprechen Sie Ihre Neurologin oder Neurologen oder auch Ihre Ergotherapeutin oder Ergotherapeuten auf für Sie gegebenenfalls nützliche Hilfsmittel an. Sie können Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten geben und Sie hinsichtlich ihrer Handhabung beraten. Die hier vorgestellten und eine ganze Reihe weiterer Hilfsmittel erhalten Sie im Sanitätshaus oder im Fachhandel. Liegt eine ärztliche Verordnung über die medizinische Notwendigkeit vor, können die Kosten dafür teilweise oder ganz von Ihrer Krankenkasse übernommen werden. Ob und in welchem Umfang Ihnen die Kosten für die Anschaffung von Hilfsmitteln erstattet werden, erfahren Sie von Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen oder Ihrer Krankenkasse.
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Stimme trainieren und Kommunikation verbessern
Eine leise Stimme zählt zu den häufigsten Sprechstörungen, die bei einer Parkinson-Erkrankung auftreten können. Oft sprechen Betroffene so leise, dass sie von ihrem Umfeld nur schlecht verstanden werden. Diese eingeschränkte Kommunikation kann unter Umständen dazu führen, dass Menschen mit Parkinson sich isoliert fühlen oder sich gar nicht mehr zutrauen, mit anderen zu sprechen. Daher ist es wichtig, die eigene Stimme zu stärken und zu trainieren.
- Stimmübungen: Eine morgendliche Aufwärmübung kann Ihnen dabei helfen, Ihre Stimme in Schwung zu bringen. Dazu ist es zunächst einmal wichtig, tief Luft zu holen. Sprechen Sie nun jeweils zehnmal hintereinander die Silben MA, MO, HA und HO laut und deutlich aus. Achten Sie dabei darauf, jeden Vokal etwa drei Sekunden lang zu dehnen.
- Logopädie: Eine Logopädin oder ein Logopäde kann Ihnen weitere Übungen empfehlen und ein individuelles Stimmtraining für Sie zusammenstellen. Die Kosten für eine logopädische Behandlung werden nach ärztlicher Verordnung in den meisten Fällen von den Krankenkassen übernommen. Sprechen Sie Ihre Neurologin oder Ihren Neurologen darauf an. Auch Ihre Krankenkasse kann Sie näher darüber informieren.
Musik als Taktgeber nutzen
Ob mit oder ohne Parkinson gilt: Bewegung tut gut. Wenn die Bewegungsfähigkeit durch Ihre Erkrankung eingeschränkt ist, fällt es Ihnen unter Umständen schwer, sich regelmäßig zu bewegen. Musik kann hier positive Effekte haben.
- Freude an Bewegung: Musik und Rhythmus können in vielen Fällen die Freude an der Bewegung zurückbringen.
- Taktgeber: Darüber hinaus kann ein gleichmäßiger Rhythmus zum Taktgeber für Bewegungen werden. Bewegungsabläufe können so flüssiger werden.
- Musiktherapie: Viele Selbsthilfegruppen haben verschiedene musiktherapeutische Angebote im Programm. Das kann gemeinsames Tanzen oder das Spielen von Rhythmus-Instrumenten sein. Erkundigen Sie sich bei einer Selbsthilfegruppe in Ihrer Umgebung. Auch Ihre Neurologin oder Ihr Neurologe oder Ihre physiotherapeutische Praxis kann Ihnen geeignete Angebote nennen.
Die Musiktherapie zählt bei der Behandlung von Menschen mit Parkinson bislang nicht zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Oft ist sie jedoch Bestandteil der aktivierenden Therapie, beispielsweise bei stationären Behandlungen, und kann in diesem Rahmen abgerechnet werden. Nähere Informationen dazu erhalten Sie von Ihrer neurologischen Facharztpraxis oder Ihrer Krankenkasse.
Parkinson? Sprechen Sie darüber!
Die ersten Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung können oft sehr unspezifisch sein. Doch je früher Parkinson diagnostiziert wird, desto eher ist es möglich, die Beschwerden wirksam zu behandeln und Ihre Lebensqualität damit lange zu erhalten. Sollten Sie den Verdacht haben, an Parkinson erkrankt zu sein, sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber. Sollte sich Ihr Verdacht erhärten, bekommen Sie eine Überweisung zu einer neurologischen Facharztpraxis, um eine weitergehende Diagnostik durchzuführen.
Partnerschaft und Sexualität
Auch wenn die Parkinson-Erkrankung Ihrer Partnerin oder Ihres Partners zunächst vermutlich ein zentrales Thema für Sie beide ist: Lassen Sie Ihre Beziehung nicht davon beherrschen. Es ist gut und wichtig, offen über die Erkrankung, über eigene Unsicherheiten und Zweifel zu sprechen. Vergessen Sie darüber aber nicht, dass Sie in erster Linie ein Paar sind. Möglicherweise verursacht die Erkrankung zeitweise Irritationen in Ihrer Beziehung und im Umgang miteinander. Bedenken Sie jedoch, dass auch eine Partnerschaft ohne eine chronische Erkrankung wie Parkinson mitunter eine Herausforderung sein kann. Eventuelle Konflikte müssen nicht unbedingt im Zusammenhang mit der Erkrankung stehen. Ob mit oder ohne Parkinson: Mit Verständnis für die Bedürfnisse der oder des anderen ist es leichter, auf diese einzugehen.
Die Parkinson-Erkrankung kann in ihrem Verlauf zu verschiedenen Beschwerden führen. Dazu zählen auch psychische Veränderungen. Manche Betroffene reagieren schnell gereizt, andere neigen eher dazu, sich zurückzuziehen. Es können auch ungewöhnliche Wahrnehmungen wie Halluzinationen oder Impulskontrollstörungen zum Beispiel in Form von Sexsucht, Spielsucht oder Kaufsucht auftreten. Diese Störungen können dazu führen, dass Ihre Partnerin oder Ihr Partner sich in manchen Situationen nicht so verhält, wie Sie es von ihr oder ihm gewohnt sind oder es der Situation angemessen wäre. Das kann mitunter viel Verständnis erfordern, zumal ein Einwand oder Widerspruch die Lage oft verschlimmern kann. Machen Sie sich bewusst, dass nicht Sie der Auslöser für dieses Verhalten sind. Es ist krankheitsbedingt. Vielleicht kann Ihnen dieses Wissen dabei helfen, gelassener mit solchen Situationen umzugehen. Achten Sie bei aller Unterstützung auch auf sich selbst und nehmen Sie wenn nötig Hilfe in Anspruch.
Wichtige Adressen und Anlaufstellen
- Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V.: www.parkinson-gesellschaft.de
- Parkinson Stiftung: www.parkinsonstiftung.de
- Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.: www.dpv-bundesverband.de
- Jung und Parkinson e.V.: www.jung-und-parkinson.de
- Parkinson Hilfe Telefon: www.parkinson-hilfetelefon.de
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