Die tiefe Hirnstimulation (THS) hat sich als ein effektives und anerkanntes Verfahren in der operativen Therapie von Bewegungsstörungen etabliert. Weltweit profitieren über 80.000 Patienten von dieser Methode. In Erlangen, im Raum Nürnberg/Fürth, wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, um Parkinson-Patienten individuell zu behandeln und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Was ist Tiefe Hirnstimulation (THS)?
Bei der tiefen Hirnstimulation werden Gehirnareale mit elektrischen Impulsen aktiviert oder deaktiviert, um bestimmte Erkrankungen bzw. Symptome zu behandeln. Sie gehört zur funktionellen Neurochirurgie, bei der Funktionen des Gehirns beeinflusst werden, sich dieser Einfluss aber auch wieder rückgängig machen lässt (reversibel ist).
Wie funktioniert die THS?
Feine Elektroden werden in das Gehirn eingesetzt, die dauerhaft elektrischen Strom übertragen und so die krankmachende Hirnregion ausschalten. Die Elektrode wird durch eine kleine Öffnung im Schädel implantiert. Die Stimulationseffekte sind an der gegenüberliegenden Körperhälfte sichtbar, was bedeutet, dass eine Elektrode in der rechten Gehirnhälfte die Bewegungsfähigkeit der linken Körperhälfte verbessern kann. Die Funktion der Hirnareale bleibt dabei erhalten, und der Effekt der Stimulation kann jederzeit rückgängig gemacht werden.
Vorteile der THS
Der Hauptvorteil gegenüber älteren Verfahren, bei denen Hirngewebe zerstört oder entfernt wurde (Pallido- oder Thalamotomie), liegt in der Möglichkeit, die Stimulation abhängig von der erzielten Wirkung anzupassen. Die THS ist eine reversible Behandlungsmethode, die keine großflächige Zerstörung oder Entfernung von Gewebe erfordert. Zudem werden die zum Teil gravierenden Nebenwirkungen der Medikamente bei Parkinson, essentiellem Tremor (ET) oder Dystonie vermieden. Im Gegensatz zu vielen neurologischen Krankheitsbildern, bei denen ein rasch fortschreitendes Krankheitsgeschehen einen operativen Eingriff notwendig macht, ist die THS ein im Voraus gut planbarer Eingriff.
Anwendungsbereiche der Tiefen Hirnstimulation
Die tiefe Hirnstimulation wird bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen eingesetzt:
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Thalamische THS (ViM DBS) bei Tremor:
- Familiär gehäuft (Essentieller Tremor)
- Bei Multipler Sklerose
- Nach Hirnschädigung durch Unfall oder Schlaganfall
- Im Rahmen der Parkinsonschen Erkrankung
Thalamische THS (ANT DBS) bei Epilepsie
Thalamische THS (VPL - CmPf - ACC DBS) bei Schmerzsyndromen
Globus pallidus THS (GPi DBS) bei Dystonie und Morbus Parkinson
Subthalamicus THS (STN DBS) für die Parkinson-Krankheit:
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- Wenn sogenannte Wirkfluktuationen aufgetreten sind. Hierbei reagiert der Körper kurz nach der Einnahme des Medikamentes Dopamin (z.B. Madopar®) mit einer überschießenden Beweglichkeit (Dyskinesie), gefolgt von langen Phasen mit geringer Beweglichkeit (Bradykinese) und erhöhter Muskelspannung (Rigidität).
Parkinson: Symptome, Diagnose und Behandlung
Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. In Deutschland leiden zwischen 250.000 und 280.000 Patienten an Parkinson, wobei jährlich etwa 13.000 Neuerkrankungen hinzukommen.
Symptome von Parkinson
Bekannte Symptome sind zitternde Hände, starre Mimik und ein steifer, trippelnder Gang. Weitere Anzeichen können eine zittrige, kleiner werdende Handschrift, eine monotone, leise Sprechweise oder ein verschwundener Geruchssinn sein.
Ursachen von Parkinson
Die genauen Ursachen der Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass genetische und Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Ein zentraler Faktor scheint das Protein Alpha-Synuklein zu sein, dessen Verklumpungen zum Absterben der Nervenzellen führen. Weitere mögliche Ursachen umfassen genetische Mutationen, Umweltgifte und oxidativen Stress, der die Nervenzellen schädigt.
Diagnose von Parkinson
Die Diagnose basiert auf klinischen Untersuchungen und der Beobachtung der typischen Symptome. Bildgebende Verfahren wie MRT oder PET-Scans können unterstützend eingesetzt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Konventionelle Behandlung von Parkinson
Parkinson ist bisher nicht heilbar. Jedoch lassen sich die Symptome mit modernen Medikamenten und Therapieverfahren so erfolgreich lindern, dass die Patienten gut mit der Krankheit leben können. Medikamente wie Levodopa, Dopaminagonisten und MAO-B-Hemmer helfen, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Physiotherapie und Ergotherapie können die Beweglichkeit und Selbstständigkeit der Betroffenen verbessern.
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Tiefe Hirnstimulation als Therapieoption bei Parkinson
Neben Medikamenten und individualisierter Physio- und Bewegungstherapie kann die sogenannte Tiefe Hirnstimulation (THS) Patienten aller Altersgruppen die Kontrolle über ihren Körper zurückgeben. Bei diesem operativen Eingriff wird dem Patienten eine Elektrode - ein „Hirnschrittmacher“ - ins Gehirn eingesetzt. Über eine Fernbedienung kann dieser anschließend gesteuert werden.
Ganzheitliche Behandlung von Parkinson in Erlangen
In Erlangen (Raum Nürnberg/Fürth) wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, um Parkinson-Patienten individuell zu behandeln und ihre Lebensqualität zu verbessern. Neben den konventionellen Behandlungsmethoden werden auch alternative Therapieansätze berücksichtigt.
Ursachenforschung und individuelle Therapie
In einer ganzheitlich ausgerichteten Privatpraxis in Erlangen steht die individuelle Ursachenforschung im Mittelpunkt. Mit Hilfe der Applied Kinesiology, Schwermetallanalysen, Mikronährstoffdiagnostik und gezielter Entgiftung werden mögliche Auslöser wie toxische Belastungen, Leaky Gut oder oxidativer Stress identifiziert und behandelt. Ergänzt wird der Ansatz durch unterstützende Maßnahmen wie Erdung („Earthing“) zur Reduktion von Entzündungen und zur Verbesserung des Schlafs.
Mikronährstoffe als krankheitsmodifizierende Maßnahme
Studien haben gezeigt, dass bestimmte Mikronährstoffe den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können. Besonders NAD+, Glutathion, Coenzym Q10, Omega-3-Fettsäuren und Curcumin zeigten eine Assoziation mit milderen Symptomen. Auch Vitamin D und Spurenelemente wie Kupfer und Zink spielen eine wichtige Rolle.
Bewegungstherapie als krankheitsmodifizierende Maßnahme
Regelmäßige körperliche Aktivität (mehr als 150 Minuten pro Woche) kann die Lebensqualität, Beweglichkeit und kognitiven Funktionen signifikant verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
Bioidentische Hormontherapie zur Regulation neuroendokriner Prozesse
Bioidentische Hormone können kardiovaskuläre Risiken senken und die Stimmung verbessern, was besonders für neurologisch erkrankte Patientinnen relevant ist, da vaskuläre Komorbiditäten und Depressionen häufig auftreten.
Fallbeispiele aus alternativen Therapieansätzen
- Mikronährstoffmangel: Ein Patient mit fortschreitender Bradykinese zeigte nach gezielter Supplementierung von Vitamin D3, Omega-3-Fettsäuren und Coenzym Q10 eine deutliche Verbesserung der Stimmung und motorischen Stabilität.
- Schwermetallbelastung: Eine Patientin mit atypischen Symptomen und chronischer Müdigkeit wurde mittels Applied Kinesiology auf eine Quecksilberbelastung getestet. Nach Entfernung der Amalgamfüllungen und Chelattherapie verbesserten sich Tremor und Konzentration.
- CMD und Atlasfehlstellung: Ein Mann mit parkinsonähnlichen Beschwerden litt unter chronischer Kieferfehlstellung. Nach CMD-Schienenversorgung und faszialer Entlastung des Atlasbereichs durch osteopathische Techniken verbesserte sich die Beweglichkeit deutlich.
- Darmmikrobiom und Verstopfung: Eine Patientin mit chronischer Obstipation erhielt eine Mikrobiomdiagnostik. Nach gezielter Gabe von resistenter Stärke und Probiotika stieg die Butyratproduktion, Entzündungsmarker sanken, und die Verstopfung besserte sich.
- Emotionales Trauma: Ein Patient berichtete über eine Kindheit mit frühkindlicher Trennung. Nach kinesiologischer Traumaarbeit und Integration emotionaler Blockaden stabilisierte sich sein Schlaf und die motorischen Schwankungen nahmen ab.
- Bioidentische Hormontherapie bei Schlafstörungen: Eine Patientin mit Schlafstörungen erhielt bioidentisches Progesteron. Ihre Schlafqualität verbesserte sich, und die Müdigkeit am Tag ließ nach.
Forschung und Innovation
Aktuelle Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung bedarfsgerechter Hirnschrittmacher, die sich an individuelle Hirnströme anpassen. Das Projekt ReTune wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und zielt darauf ab, Neuromodulationsverfahren zu entwickeln, die mit minimaler Invasivität an spezifischen Knotenpunkten des Netzwerks im Gehirn ansetzen, um die krankheitsbedingt veränderte Hirnaktivität noch selektiver zu unterdrücken.
Ein Forschungsteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat eine Software (StimFit) entwickelt, die die Prozedur der THS effizienter und für die Betroffenen angenehmer machen könnte. Zudem wurden neue Ergebnisse zu tageszeitlichen Schwankungen der Basalganglien-Aktivität bei Menschen mit M. Parkinson gewonnen.
Zentren und Ansprechpartner für Tiefe Hirnstimulation
Die tiefe Hirnstimulation wird in zahlreichen Kliniken und Zentren in Deutschland angeboten. Hier eine Auswahl von Ansprechpartnern und Einrichtungen:
- Aachen: Neurologie: Jun.-Prof., Neurochirurgie: Priv.-Doz. Dr. med. Anke Höllig
- Bad Gögging: Zentrum für Bewegungsstörungen Passauer Wolf, Neurologie: Prof. Dr. med.
- Berlin: Neurochirurgie: Priv.-Doz. Dr. med. Mohammed Maarouf, Prof. Dr. med., Psychiatrie: Dr. med.
- Bochum: Kooperation mit Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, Neurochirurgie AO Dr. med. Y.
- Bonn: Beta Klinik, Neurochirurg Prof. Dr. Thomas Gasser
- Dortmund: 44137 Dortmund, Beurhausstr., Sekretariat Prof. Dr.
- Dresden: 01307 Dresden, Fetscherstr., Prof. Dr.
- Düsseldorf: 40225 Düsseldorf, Moorenstr., Prof. Dr., Privatsprechstunde Prof. Dr.
- Erlangen: Neurologie-Chefärztin PD Dr. Christine Kiphuth
- Freiburg: 79106 Freiburg, Breisacher Str., apl. Prof. Dr.
- Göttingen: 37075 Göttingen, Robert-Koch-Str., PD Dr.
- Haag: Kliniken Kreis Mühldorf a. Inn, 83527 Haag i. OB, Krankenhausstr., Prof. Dr.
- Halsbrücke: 09633 Halsbrücke, Herzogswalder Str., Dr.
- Hamburg: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 20246 Hamburg, Martinistr., Prof. Dr.
- Hanau: 63450 Hanau, Leimenstr., Privatsprechstunde Dr.
- Heidelberg: 69123 Heidelberg, Bonhoefferstr., Dr., Prof. Dr., PD Dr.
- Kassel: 34128 Kassel, Klinikstr., Sprechstunde von Prof. Dr., Sprechstunde von PD Dr.
- Kempen: Hospital zum Heiligen Geist GmbH & Co., Prof. Dr.
- Köln: Uniklinik Köln, Kerpener Str., Neurologie: Univ.-Prof., Neurochirurgie: Univ.-Prof. Dr., Psychiatrie: Dr. med., 50937 Köln, Kerpener Str., PD Dr.
- Leipzig: 04103 Leipzig, Liebigstr., Prof. Dr.
- Lemgo: 32657 Lemgo, Rintelner Str., Prof. Dr.
- Meissen: Elblandkliniken Stiftung & Co., Dr.
- München: LMU Klinikum Campus Großhadern, Marchioninistr. 15, 81377 München, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, 81675 München, Ismaningerstr., Prof. Dr.
- Recklinghausen/Marl: Klinikum Vest Klinik für Neurologie Stroke Unit und Frührehabilitation, Dorstener Str., Neurologie: Prof. Dr .med.
- Saarland: Universitätsklinikum des Saarlandes Klinik für Neurologie Kirrberger Str., Neurologie: Prof Dr. Sergiu Groppa, PD Dr.
- Schwerin: 19049 Schwerin, Wismarsche Str., Prof. Dr.
- Sindelfingen: Klinikverbund Südwest, 71065 Sindelfingen, Arthur-Gruber-Str., Prof. Dr.
- Tübingen: 72076 Tübingen, Hoppe-Seyler-Str., Prof. Dr.
- Wolfach: 77709 Wolfach, Kreuzbergstr., Prof. Dr.
- Würzburg: 97080 Würzburg, Josef-Schneider-Str., Prof. Dr.
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