Die Intensivierte Rehabilitationsnachsorge (IRENA) ist ein von der Deutschen Rentenversicherung Bund entwickeltes Programm zur Stabilisierung des Rehabilitationserfolges nach stationären oder ganztägig ambulanten Rehabilitationsbehandlungen. Ziel ist es, die in der Rehabilitation erreichten Kompensationsstrategien und Verhaltensänderungen im Alltag zu festigen und weiterzuentwickeln, um einen reibungslosen Übergang in den Alltag und die ambulante Behandlung zu Hause zu ermöglichen.
Was ist IRENA?
IRENA ist ein Nachsorgeprogramm der Deutschen Rentenversicherung (DRV), das darauf abzielt, die während einer stationären oder ganztägig ambulanten medizinischen Rehabilitation erzielten Fortschritte langfristig zu sichern und die Wiedereingliederung in Alltag und Berufsleben zu erleichtern. Es handelt sich um eine indikationsbezogene, intensivierte Rehabilitationsnachsorge. Durch die Nachsorge sollen Patientinnen und Patienten die in der Rehabilitation erlernten Kompensationsstrategien und Verhaltensänderungen im Alltag stabilisieren und fortentwickeln können.
Voraussetzungen für IRENA
IRENA kann ausschließlich von Patienten in Anspruch genommen werden, die eine stationäre oder ganztägig ambulante Leistung zur medizinischen Rehabilitation von der Deutschen Rentenversicherung Bund oder der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd erhalten haben. Ist die Krankenkasse Kostenträger, kann IRENA nicht in Anspruch genommen werden.
Vom Ärzteteam der Rehabilitationseinrichtung wird das Nachsorgeprogramm zum Ende des Aufenthaltes empfohlen. Damit Sie ohne Verzögerung mit der IRENA Reha beginnen können, muss der Nachsorge-Antrag bereits während der Reha gestellt werden. Ihre behandelnde Reha-Ärztin oder -Arzt wird Sie je nach Befund auf die intensivierte Rehabilitationsnachsorge aufmerksam machen.
Indikationen
IRENA wird für folgende Krankheitsindikationen angeboten:
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- Herzkreislauferkrankungen
- Erkrankungen des Bewegungsapparates
- Neurologische Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Zustand nach Schlaganfall)
- Stoffwechselerkrankungen
- Psychische Störungen (außer stoffgebundene Abhängigkeitserkrankungen)
Ablauf und Inhalt von IRENA
Die indikationsspezifischen Therapien werden in der Regel als Gruppenleistungen in von der Deutschen Rentenversicherung Bund bzw. Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd zugelassenen, wohnortnahen Rehabilitationseinrichtungen angeboten. Es ist medizinisch sinnvoll, die IRENA möglichst zeitnah nach Beendigung der stationären Rehabilitationsbehandlung zu beginnen. Grundsätzlich kann IRENA aber bis zu einem Jahr nach Ende der stationären Rehabehandlung in Anspruch genommen werden. Danach erlischt die Kostenzusage. Der Versicherte sollte sich daher bei der vom Arzt der Rehabilitationseinrichtung empfohlenen Rehabilitationseinrichtung umgehend melden und mit der „IRENA“ beginnen.
Der inhaltliche und zeitliche Rahmen der IRENA-Nachsorgebehandlung wird vom Ärzteteam der stationären Rehabilitationsklinik empfohlen. IRENA wird berufsbegleitend durchgeführt, vergleichbar mit ambulanten Therapiebehandlungen der Krankenkasse (zum Beispiel in den Abendstunden).
IRENA umfasst mehrere Behandlungselemente, wie zum Beispiel:
- Sporttherapie und Bewegungstherapie/ Physiotherapie
- Ernährungstherapie
- Entspannungsübungen
- Sozialrechtliche Beratung
- Training und Schulung (in der Regel in Gruppen)
Dauer und Anzahl der Termine
Die maximale Anzahl der indikationsspezifischen Therapien kann individuell vom Versicherten im grundsätzlichen Zeitraum von bis zu einem Jahr nach Ende der Rehabilitationsleistung in Anspruch genommen werden. Danach erlischt die gegebene Kostenzusage. Die maximale Behandlungszahl variiert je nach Indikation.
- 24 Termine bei Krankheiten des Bewegungsapparates (Physiotherapeutische und trainingsbezogene Maßnahmen sollten zeitnah im Anschluss an die Rehabilitationsleistung beginnen und müssen innerhalb eines halben Jahres nach deren Ende abgeschlossen sein)
- 36 Termine bei neurologischen Erkrankungen
- 42 Behandlungseinheiten (Bei Adipositas)
Die Durchführung erfolgt mindestens einmal pro Woche und kann in Ausnahmefällen auch in Blockform (zum Beispiel als kardiologische Reha-Nachsorge) erfolgen.
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Kosten und Zuzahlung
Die vollständigen Kosten für die IRENA-Maßnahmen übernimmt die Deutsche Rentenversicherung. Für den Versicherten fallen keine Zuzahlungen an. Patienten, die IRENA nutzen, erhalten von der Deutschen Rentenversicherung Bund Reisekosten in Form eines Fahrtkostenzuschusses in Höhe von 5,00 € täglich, der bereits in der Nachsorgeeinrichtung an den Versicherten gezahlt wird.
Vorteile von IRENA
IRENA bietet gegenüber den Krankenkassenleistungen folgende Vorteile:
- Keine Zuzahlungen für die IRENA-Behandlungen
- Bei Bedarf vorübergehend höhere Therapiefrequenzen möglich
- Schonung des Heilmittelbudgets des niedergelassenen Arztes
- Reisekostenzuschuss
IRENA im Kontext anderer Nachsorgeprogramme
Neben IRENA gibt es weitere Nachsorgeprogramme der Deutschen Rentenversicherung, die sich in ihren Schwerpunkten und Zielgruppen unterscheiden:
- T-RENA (Trainingstherapeutische Reha-Nachsorge): Ein gerätegestütztes Trainingsangebot für Patienten mit Beeinträchtigungen am Haltungs- und Bewegungsapparat. T-RENA umfasst Behandlungselemente wie zum Beispiel Muskelaufbautraining, Krafttraining und Ausdauertraining. T-RENA wird in Gruppen 2 mal pro Woche durchgeführt und umfasst insgesamt 26 Termine mit der Möglichkeit der Verlängerung um weitere 26 Trainingstermine. Sollte aufgrund nicht ausreichender Teilnehmerzahl keine Gruppe zustande kommen, ist im Ausnahmefall ein Einzeltraining möglich. Das Einzeltraining umfasst 12 Termine mit der Möglichkeit der Verlängerung um weitere 12 Trainingstermine. Das T-RENA-Nachsorge-Programm richtet sich in erster Linie an Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit Funktionseinschränkungen am Haltungs- und Bewegungsapparat und beinhaltet vor allem gerätegestütztes Training zur Steigerung von Kraft, Kondition und Koordination.
- Psy-RENA (Psychosomatische Reha-Nachsorge): Ein Nachsorgeprogramm für Patienten mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen. Psy-RENA ist ein Nachsorgeprogramm für Patienten mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen und beinhaltet unter anderem Selbstmanagementverfahren, Problemlösungsstrategien und Erfahrungsaustausch. Psy-RENA wird 1 mal pro Woche durchgeführt und umfasst 25 Gruppengespräche. Sollte aufgrund nicht ausreichender Teilnehmerzahl keine Gruppe zustande kommen, sind im Ausnahmefall Einzelgespräche möglich. Die 8 Einzelgespräche können im Bedarfsfall um 4 Termine verlängert werden. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Nachsorgeprogramm für Rehabilitandinnen und Rehabilitanden nach dem Abschluss einer psychosomatischen Reha. Es beinhaltet unter anderem Selbstmanagementverfahren, Problemlösungsstrategien und Erfahrungsaustausch.
Der Unterschied liegt in den zugrunde liegenden Indikationen und den damit verbundenen Therapieformen, die innerhalb der Nachsorge-Reha angewendet werden.
Rehasport als ergänzende Maßnahme
Ergänzend zu IRENA kann Rehasport eine sinnvolle Maßnahme sein. Rehasport ist ein Gesundheitskurs für alle, die unter körperlichen Beschwerden leiden. Wenn Sie beispielsweise an Rückenschmerzen, Schulterschmerzen, Knieschmerzen, Hüftschmerzen oder Gelenkschmerzen haben oder auch nach einem Bandscheibenvorfall wieder fit werden möchten, kommt Rehasport für Sie in Frage. Rehasport kann von Ihrem behandelten Arzt verordnet werden. Sprechen Sie ihren Arzt an! Die Kosten für den Rehasport werden zu 100% von der Krankenkasse bezahlt, sofern eine Verordnung vom Arzt ausgestellt wurde und von Ihrer Krankenkasse genehmigt wurde.
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Das Training findet in kleinen Übungsgruppen mit maximal 15 Personen statt. Das Gruppentraining wird von qualifizierten Dipl.-Sportwissenschaftlern durchgeführt und bietet die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen durch Sport und Bewegung eine Verbesserung der Beschwerden zu erzielen.
Rehasport bietet folgende Vorteile:
- Erhöhte Beweglichkeit
- Steigerung des Wohlbefindens
- Mehr körperliche Leistungsfähigkeit
- Verbesserte Koordination
- Reduzierung von Schmerzen
- Mehr Selbstwertgefühl und höhere Lebensqualität
Im Regelfall sind 50 Trainingseinheiten in einem Zeitraum von 18 Monaten vorgesehen. Nach einer ambulanten oder stationären medizinischen Rehamaßnahme kann Rehasport erneut notwendig und von Ihrem Arzt verordnet werden.
Multiple Sklerose und IRENA
Für Patienten mit Multipler Sklerose kann IRENA ein wichtiger Baustein sein, um die in der Rehabilitation erlernten Strategien zur Krankheitsbewältigung und zur Verbesserung der Lebensqualität langfristig zu sichern. Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks. Die Symptome können sehr unterschiedlich ausfallen, beinhalten aber häufig Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Gleichgewichtsstörungen und Störungen der Blasenkontrolle. Die Erkrankung kann entweder schubweise fortschreiten oder kontinuierlich zunehmen. Medikamente können helfen, den Verlauf der Erkrankung langfristig positiv zu beeinflussen. Auch symptomatische Therapien wie Physiotherapie können Patient:innen dabei unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern.
IRENA kann bei Multipler Sklerose dazu beitragen:
- Körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern
- Symptome wie Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen zu reduzieren
- Strategien zur Krankheitsbewältigung zu erlernen und anzuwenden
- Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu fördern
Fazit
IRENA ist ein wertvolles Angebot der Deutschen Rentenversicherung, um die Erfolge einer stationären oder ganztägig ambulanten Rehabilitationsbehandlung nachhaltig zu sichern. Es ist ein geeignetes Instrument, um das Zusammenwirken zwischen stationärem und ambulantem Bereich zu verbessern. Patienten, die sich in einer stationären oder ganztägigen Rehabilitationsbehandlung der Deutschen Rentenversicherung Bund befinden und Interesse an IRENA haben, sollten die behandelnden Ärzte in der Rehabilitationseinrichtung gezielt darauf ansprechen.