Parkinson-Medikamente, Muskelentspannung und Nebenwirkungen: Ein umfassender Überblick

Die Behandlung von Parkinson-Symptomen und Muskelverspannungen kann eine Herausforderung darstellen, insbesondere wenn Medikamente zur Muskelentspannung eingesetzt werden, die potenziell starke Nebenwirkungen verursachen können. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der medikamentösen Behandlung von Parkinson, einschließlich der Anwendung von Muskelrelaxantien und der damit verbundenen Nebenwirkungen. Ziel ist es, einen umfassenden Überblick über alternative Therapieansätze und deren Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen zu geben.

Unwillkürliches Zittern und essentielle Tremore

Unwillkürliches Zittern gehört zu den häufigsten neurologischen Bewegungsstörungen und kann Muskelgruppen sowie die Stimme betreffen. Ein „wackelnde“ Stimme oder unkontrollierte Bewegungen können auf einen essentiellen Tremor hinweisen, der sich besonders bei Aufregung, Stress oder Unsicherheit verstärkt. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) betont, dass der essentielle Tremor ein Aktionstremor ist, der bei alltäglichen Bewegungen auftritt und durch psychische Anspannung verstärkt wird.

Behandlungsmöglichkeiten bei essentiellem Tremor

Menschen mit leichtem Zittern profitieren oft von Entspannungstechniken wie autogenem Training oder progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen. Dr. Beil erklärt, dass bewusste Entspannungstechniken einer Zunahme des Zitterns bei Stress und Nervosität entgegenwirken können. Bei stärkerem Zittern wird zusätzlich eine medikamentöse Behandlung begonnen, wobei auch Arzneimittelkombinationen möglich sind, um eine optimale Wirkung zu erzielen. Wenn Medikamente die Beschwerden nicht ausreichend lindern, kann die tiefe Hirnstimulation eine weitere Behandlungsoption darstellen, bei der bestimmte Areale des Gehirns durch elektrische Impulse stimuliert werden.

ADCY5-abhängige Dyskinesie: Eine seltene Muskelkrankheit

Die ADCY5-abhängige Dyskinesie ist eine äußerst seltene Erkrankung, die bei den Betroffenen zu Zuckungen und unkontrollierten Bewegungen führt. In der Vergangenheit wurden die Symptome mit Medikamenten zur Muskelentspannung behandelt, die jedoch zu starken Nebenwirkungen führen können.

Neue Therapieansätze mit Theophyllin

Forschende der MLU Halle haben einen vielversprechenden Therapieansatz für die ADCY5-abhängige Dyskinesie entdeckt. In der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ beschrieben sie den Fall eines Kindes, dessen Symptome sich durch den Asthma-Wirkstoff Theophyllin in beeindruckender Weise verbesserten. Durch Zufall wurde in den USA ein Fall bekannt, bei dem eine Familie ihr Kind mit Kaffee behandelte und so die Symptome lindern konnte. Eine kleine Studie mit 30 Kindern zeigte, dass fast alle von einer Koffein-Behandlung profitierten.

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Prof. Dr. Andrea Sinz vom Institut für Pharmazie der MLU erklärt: „Durch das Koffein werden die unkontrollierten Bewegungen schwächer. Warum das so ist, war allerdings bislang unklar. Außerdem hat die Behandlung auch Nachteile, da die Kinder zum Beispiel nicht gut schlafen können.“ Das Team aus Halle und Leipzig suchte nach existierenden Medikamenten, die eine dem Koffein ähnliche Grundstruktur aufweisen, um möglicherweise besser wirkende Medikamente mit weniger Nebenwirkungen zu finden.

Die Forschenden wurden bei dem Asthmamittel Theophyllin und dem Parkinson-Medikament Istradefyllin fündig. Letzteres ist in Europa jedoch nicht zugelassen. In Absprache mit den Eltern eines an ADCY5-abhängiger Dyskinesie erkrankten Kindes und dem behandelnden Neurologen Prof. Dr. Andreas Merkenschlager vom Universitätsklinikum Leipzig testeten die Forschenden dann den Einsatz von Theophyllin.

„Das Medikament ist für den Einsatz bei Kindern zugelassen und kann sicher angewendet werden“, sagt Pharmazeutin Sinz. Zunächst wurde es in sehr geringen Dosen verabreicht, später wurden diese gesteigert. Währenddessen wurde der Gesundheitszustand des Kindes streng überwacht. Nach einigen Monaten war das Kind in der Lage, aus dem Rollstuhl aufzustehen und zu laufen und deutlicher zu sprechen. Gleichzeitig ließen sich keine gravierenden Nebenwirkungen beobachten.

Sinz betont: „Theophyllin konnte die Symptome gezielt lindern und die Lebensqualität des betroffenen Kindes in beeindruckender Weise steigern. Unsere Arbeit ist zunächst nur eine Fallstudie, die aber jetzt schon betroffenen Familien Hoffnung gibt. Weltweit wurden nun Untersuchungen mit anderen Kindern gestartet und alle zeigen Erfolge, vor allem beim Laufen und Sprechen.“

Myditin 3 mg Tabletten: Ein Muskelrelaxans im Fokus

Myditin 3 mg Tabletten enthalten den Wirkstoff Pridinol, ein Muskelrelaxans, das zur Behandlung von krampfartigen Muskelverspannungen, Lendenschmerz, Schiefhals und allgemeinen Muskelschmerzen eingesetzt wird. Pridinol wird üblicherweise in Salzform als Pridinolmesilat angewendet und ist verschreibungspflichtig.

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Anwendungsgebiete von Myditin 3 mg Tabletten

Myditin 3 mg Tabletten wird bei Erwachsenen zur Behandlung von folgenden Beschwerden angewendet:

  • Krampfartige Verspannungen der Muskeln (zentrale und periphere Muskelspasmen)
  • Lendenschmerz (Lumbalgie)
  • Schiefhals (Torticollis)
  • Allgemeine Muskelschmerzen

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Myditin 3 mg Tabletten darf nicht eingenommen werden, wenn eine Allergie gegen Pridinol oder einen der sonstigen Bestandteile besteht oder wenn folgende Krankheiten vorliegen:

  • Grüner Star (Glaukom)
  • Gutartige Wucherung des Prostatagewebes (Prostatahypertrophie)
  • Probleme beim Entleeren der Blase (Harnverhalt)
  • Einengungen im Bereich des Magen-Darm-Kanals
  • Herzrhythmusstörungen

Das Arzneimittel darf in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft nicht angewendet werden.

Besondere Vorsicht ist bei schwerer Nieren- oder Leberschwäche (Insuffizienz) geboten, da der Wirkstoff in einer höheren Konzentration und/oder über einen längeren Zeitraum im Körper verfügbar sein könnte. Ebenso ist Vorsicht bei Kreislauflabilität geboten, da das Risiko einer hypotonen Kreislaufreaktion erhöht sein kann.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Myditin 3 mg Tabletten verstärkt die Wirkung von Arzneimitteln aus der Gruppe der Anticholinergika, die bei überaktiver Blase, Harninkontinenz, zur Asthmatherapie und bei Parkinson-Erkrankung angewendet werden.

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Einnahme und Dosierung

Die Tabletten werden unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen, unabhängig von den Mahlzeiten. Die empfohlene Dosis beträgt 3-mal täglich 1,5 bis 3 mg Pridinol (eine halbe bis 1 Tablette mit 3 mg). Bei nächtlichen Beinkrämpfen werden 3 bis 6 mg Pridinol (1 bis 2 Tabletten) vor dem Zubettgehen eingenommen.

Mögliche Nebenwirkungen

Bei den angegebenen Dosierungen treten Nebenwirkungen selten bis gelegentlich auf und verschwinden im Allgemeinen nach einer Reduktion der Dosierung beziehungsweise nach dem Absetzen des Arzneimittels. Bei gleichzeitiger Anwendung bestimmter Arzneimittel (Anticholinergika) können folgende Nebenwirkungen auftreten: Mundtrockenheit, Durst, vorübergehende Sehstörungen, Rötung und Trockenheit der Haut, Veränderungen des Herzrhythmus, Störungen beim Wasserlassen, Verstopfung und sehr selten Erbrechen, Schwindel und Gangunsicherheit.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Herzrasen, Kreislaufreaktion, niedriger Blutdruck, Übelkeit, Bauchschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Sprachstörung und Unruhe.

Levodopa: Ein Eckpfeiler der Parkinson-Therapie

Levodopa, auch L-Dopa genannt, ist ein Wirkstoff, der seit 1961 in der Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt wird und eine enorme Verbesserung der Therapie darstellte. Auch heute noch ist L-Dopa das wirksamste Medikament, wird bei der Erstmedikation jedoch meist mit anderen Medikamenten kombiniert, vor allem bei jüngeren Patientinnen und Patienten, um die Wirkungsschwankungen nach längerer Einnahme hinauszuzögern.

Wirkmechanismus von Levodopa

Bei Morbus Parkinson besteht ein Dopaminmangel. Der Neurotransmitter wird unter anderem benötigt, um Bewegungsabläufe zu initiieren und zu koordinieren. Durch den krankheitsbedingten Mangel treten bei Morbus Parkinson zahlreiche motorische Symptome auf, zum Beispiel Muskelsteifheit (Rigor) und Unbeweglichkeit (Bradykinese / Hypokinese). Das fehlende Dopamin lässt sich allerdings nicht direkt als Tablette oder Spritze über den Blutkreislauf zuführen, da es die sogenannte Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann und somit nicht ins Gehirn gelangt. Deshalb wird Levodopa als die Vorstufe von Dopamin verabreicht. Erst im Gehirn wird es in Dopamin umgewandelt.

Anwendung und Dosierung von Levodopa

Levodopa sollte bei jüngeren Betroffenen, vor allem bei der Ersteinstellung, mit einem anderen Parkinson-Mittel kombiniert werden, da die Wirkung im Laufe der Zeit nachlässt. Die Dosierung richtet sich nach der Schwere der Symptome und der Verträglichkeit. Zu Therapiebeginn wirkt Levodopa meist sehr gut, vor allem gegen Akinese und Rigor.

Um zu verhindern, dass es bereits vor dem Überwinden der Blut-Hirn-Schranke in Dopamin umgewandelt wird, kommen zusätzlich Wirkstoffe wie Carbidopa und Benserazid zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Decarboxylase-Hemmer, welche die Umwandlung von Levodopa im Blutkreislauf hemmen, da sie die entsprechenden Enzyme blockieren, welche für die Umwandlung benötigt werden. So wird sichergestellt, dass das L-Dopa das Gehirn erreicht. Dort wird die Umwandlung dann nicht mehr blockiert, da weder Carbidopa noch Benserazid die Blut-Hirn-Schranke passieren können.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Levodopa

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Levodopa gehören Herz-Kreislauf-Störungen, Schwindel sowie Übelkeit und Erbrechen. Nach längerer Therapie (mehrere Jahre) verstärkt Levodopa offenbar auch die On-Off-Symptomatik bei Parkinson.

Levodopa sollte in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da über mögliche Risiken in der Schwangerschaft unzureichende Daten vorliegen. In tierexperimentellen Untersuchungen wurden pathologische Veränderungen an inneren Organen und Skelett nachgewiesen. Levodopa hemmt die Prolaktinausschüttung und somit die Laktation und geht zudem in die Muttermilch über.

Es gibt zahlreiche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und L-Dopa-haltigen Präparaten. L-Dopa-haltige Medikamente und Dopaminagonisten ersetzen fehlendes Dopamin im Gehirn. Die Wirkung entfaltet sich über die Aktivierung intakter dopaminerger Nervenzellen durch Stimulation von Dopamin-Rezeptoren (Bindungsstellen an der Oberfläche der Zellen). Es verbieten sich bei der Parkinson-Krankheit Medikamente, welche diese Dopaminbindungsstellen im Gehirn besetzen und dadurch die Aufnahme von Dopamin einschränken oder verhindern. Bei diesen Mitteln handelt es sich in erster Linie um Medikamente gegen seelische und psychische Erkrankungen, sogenannte Neuroleptika.

Ergänzende Therapieansätze bei Parkinson

Neben Medikamenten sind vor allem Bewegungsübungen und Sprachtherapie wichtige Bestandteile einer Parkinson-Behandlung. Auch eine psychologische Unterstützung und Begleitung kann sinnvoll sein.

Bewegungstherapie und Sport

Viele Menschen mit Parkinson machen Bewegungsübungen oder treiben Sport, um Bewegungseinschränkungen und Muskelsteife vorzubeugen oder um wieder etwas beweglicher zu werden. Das Ziel dieser sogenannten Ergotherapie ist es, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten. Studien zeigen, dass Bewegungsübungen helfen können, wieder beweglicher zu werden und schneller zu gehen. Zudem stärken sie die Koordination und das Gleichgewichtsgefühl. Es kommt dann seltener zu Stürzen. Bewegungsübungen können auch dazu beitragen, Alltagsaktivitäten wie Einkaufen besser zu bewältigen.

Sprachtherapie

Wenn das Sprechen zunehmend schwerer fällt, kann eine Sprachtherapie (Logopädie) sinnvoll sein. Bei der Sprachtherapie wird geübt, wieder klarer, lauter und deutlicher zu sprechen. Mit verschiedenen Lockerungs- und Sprechübungen oder Singen wird auch die Beweglichkeit der Gesichtsmuskulatur, die Mimik und Atmung trainiert. Welche Form der Sprachtherapie eingesetzt wird, hängt von den jeweiligen Beschwerden und persönlichen Vorlieben ab.

Psychologische Unterstützung

Die Parkinson-Krankheit kann besonders im fortgeschrittenen Stadium mit starken psychischen Belastungen einhergehen. Manche Menschen entwickeln im Verlauf der Erkrankung depressive Beschwerden bis hin zu behandlungsbedürftigen Depressionen. Eine psychologische Unterstützung und Begleitung kann deshalb sinnvoll sein.

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