Die Parkinson-Krankheit ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen weltweit und betrifft allein in Deutschland rund 400.000 Menschen. Die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG) spielt eine zentrale Rolle bei der Erforschung, Behandlung und Versorgung von Parkinson-Patienten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Parkinson-Medikation im Kontext der DPG, einschliesslich aktueller Forschungsergebnisse, Leitlinien und Therapieansätze.
Die Parkinson-Krankheit: Eine vielschichtige Herausforderung
Parkinson hat viele Gesichter, und es gibt verschiedene Formen der Erkrankung. Die Symptome sind ähnlich, aber die Ursachen und Therapien können unterschiedlich sein. Die DPG engagiert sich dafür, diese Vielfalt zu verstehen und die Behandlung entsprechend anzupassen. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Förderung der Forschung, um die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln.
Aktuelle Forschung und Entwicklungen
Die Parkinson-Forschung macht in allen Bereichen spannende Fortschritte - von der molekularen und frühen Diagnostik über die Entschlüsselung genetischer Ursachen bis zur Entwicklung neuer Therapien und der Nutzung künstlicher Intelligenz. Die kommenden 10 Jahre sind für die Parkinson-Forschung entscheidend, und die DPG beschleunigt den Fortschritt durch private Forschungsförderung und die Unterstützung innovativer Projekte.
Ein vielversprechender Ansatz ist die Untersuchung von Diabetes-Medikamenten zur Behandlung von Parkinson. Eine im April veröffentlichte Studie zeigte, dass der Wirkstoff Lixisenatid das Fortschreiten der Symptome in einem geringen, aber statistisch signifikanten Umfang verlangsamen könnte. Lixisenatid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist, der auch zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt wird. Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber es sind noch Langzeitstudien erforderlich, um die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit an mehr Patientinnen und Patienten nachzuweisen.
Neue Therapieansätze und Diagnostiktests
Neue Therapieansätze und Diagnostiktests bei Parkinson geben aus Sicht von Fachleuten Grund für Optimismus. Der monoklonale Antikörper Prasinezumab und GLP-1-Rezeptoragonisten stehen derzeit im Fokus der Forschung. Beide Ansätze wecken die Hoffnung, dass es in naher Zukunft erstmals möglich wird, das Fortschreiten neurodegenerativer Prozesse zu verlangsamen.
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Prasinezumab richtet sich gegen das Eiweissstoff Alpha-Synuclein, dessen Aggregate in den betroffenen Nervenzellen gefunden werden. Die Hoffnung ist, dass der Antikörper das Fortschreiten der Erkrankung bremst. GLP-1-Rezeptoragonisten haben neuroprotektive Wirkungen und könnten ebenfalls das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.
Künstliche Intelligenz in der Parkinson-Forschung
Künstliche Intelligenz (KI) spielt eine zunehmend wichtige Rolle in der Parkinson-Forschung. KI ermöglicht das Monitoring von Personen mit Parkinson und anderen Bewegungsstörungen aus der Ferne, etwa in Regionen mit begrenztem Zugang zu neurologischer Versorgung. Ein Modell für maschinelles Lernen konnte den Schweregrad von Parkinson-Symptomen anhand von Fingertipp-Aufgaben der Teilnehmenden, die mit einer Webcam aufgezeichnet wurden, mit brauchbarer Genauigkeit bewerten.
KI hat für Parkinson-Patienten noch keine besondere Bedeutung, aber es besteht großes Potenzial, dass KI in einigen Jahren die frühe Diagnose und die individuellen Therapiemöglichkeiten bei Parkinson deutlich verbessert.
Medikamentöse Behandlung der Parkinson-Krankheit
Die primäre Behandlung von Parkinson besteht in erster Linie aus der Verabreichung von Medikamenten. Durch die Zugabe von Dopamin, zum Beispiel in Form von L-Dopa, oder durch die Hemmung des Dopaminabbaus mit Hilfe von MAO-B-Hemmern oder COMT-Hemmern, können die Symptome von Parkinson gelindert werden.
L-Dopa
Levodopa (L-Dopa) wurde bereits in den sechziger Jahren in die Behandlung der Parkinson-Krankheit eingeführt. Im Gehirn wird L-Dopa zu Dopamin umgewandelt. L-Dopa ist das am stärksten wirksame Medikament gegen Parkinson und wird häufig mit anderen Medikamenten kombiniert. Alle heute im Handel befindlichen Dopa-Präparate enthalten einen Begleitstoff (Benserazid oder Carbidopa) der bewirkt, dass L-Dopa nicht bereits im Blut, sondern erst im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird. Manche Dopa-Präparate enthalten noch einen zweiten Begleitstoff (Entacapon) der ebenfalls die Aufnahme von L-Dopa im Gehirnunterstützt. Die Wirkung von L-Dopa ist bei einigen Betroffenen bereits nach Einnahme der ersten Dosis erkennbar, in anderen Fällen kann es aber auch mehrere Wochen dauern, bis die Wirkung eintritt. Die für eine auszureichende Wirkung benötigte Dosis muss individuell durch schrittweise Anpassung bestimmt werden.
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Dopaminagonisten
Im Gegensatz zu L-Dopa werden Dopaminagonisten nicht im Körper umgewandelt, sondern wirken als Dopamin-ähnliche Substanzen direkt an den Empfängerstellen (Dopamin-Rezeptoren) im Gehirn. Die Wirksamkeit dieses Parkinson Medikaments ist meist nicht ganz so stark wie die von L-Dopa. Gegenüber L-Dopa haben Dopaminagonisten jedoch den Vorteil, dass sie bei langjähriger Einnahme seltener zu Wirkungsschwankungen und Unruhebewegungen führen.
COMT-Hemmer
Die sogenannte COMT ist ein Enzym, das den Abbau von L-Dopa beschleunigt. Damit dies nicht schon im Blutkreislauf geschieht, werden COMT-Hemmer gemeinsam mit L-Dopa verabreicht. Hierdurch wird erreicht, dass größere Mengen von dem als Tablette eingenommenen L-Dopa tatsächlich ins Gehirn gelangen und sich die Wirkdauer einer einzelnen Tablette verlängert. Im Handel sind zwei COMT-Hemmer verfügbar, wobei Entacapon am gebräuchlichsten ist und entweder allein oder als Kombinationstablette mit L-Dopa verabreicht wird.
MAO-B-Hemmer
Diese Präparate hemmen im Gehirn den Abbau von Dopamin, der durch das Enzym „MAO-B“ erfolgt. Hierdurch wird erreicht, dass das von den Nervenzellen ausgeschüttete Dopamin länger zur Verfügung steht. Im Handel sind zwei verschiedene Präparate (Selegilin und Rasagilin), die sowohl allein als auch in Kombination mit anderen Medikamenten verabreicht werden können.
Amantadin
Amantadin wirkt anders als andere Parkinson Medikamente nicht auf das Dopaminsystem, sondern auf den Botenstoff Glutamat, der ebenfalls bei der Entstehung der Parkinson-Symptomatik eine Rolle spielt. Amantadin hat eine vergleichsweise schwache Antiparkinson-Wirkung.
Anticholinergika und Budipin
Die sogenannten Anticholinergika sind die ältesten in Gebrauch befindlichen Parkinson-Medikamente. Anticholinergika wirken nicht über den Botenstoff Dopamin, sondern durch Blockaden des Botenstoffs Acetylcholin. Anticholinergika werden gelegentlich zur Behandlung von Tremor (Zittern) eingesetzt, wenn L-Dopa oder Dopaminagonisten hierfür nicht ausreichend wirksam sind. Budipin wirkt auf unterschiedliche Botenstoffe und wird, wie die Anticholinergika, vorwiegend zur Behandlung von Tremor (Zittern) eingesetzt.
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Clozapin
Im Verlauf der Parkinson-Erkrankung kann es unter medikamentöser Behandlung komplizierend zu Halluzinationen oder sogar Wahnvorstellungen kommen. Das wirksamste und zur Behandlung von Halluzinationen bei Parkinson zugelassene Medikament ist Clozapin.
Die Rolle der Deutschen Parkinson Gesellschaft (DPG)
Die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) fördert die Erforschung der Parkinson-Krankheit und verbessert die Versorgung der Patientinnen und Patienten. Organisiert sind in der wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaft Parkinson-Ärztinnen und -Ärzte, Grundlagenforscherinnen und -forscher sowie andere Berufsgruppen mit einschlägiger qualifizierter Ausbildung. Die Zusammenarbeit ist entscheidend für die Fortschritte in Diagnostik und Therapie. Die DPG finanziert ihre Arbeit ausschließlich über Spenden und kooperiert eng mit der von ihr im Jahr 2019 gegründeten Parkinson Stiftung.
Aktivitäten und Förderlinien der DPG
Die DPG schreibt im Jahr 2026 die Förderlinie „Nicht‑medikamentöse Therapien bei Parkinson und Bewegungsstörungen“ aus. Zielsetzung dieser Förderlinie ist die wissenschaftliche Förderung von Projekten zur Entwicklung, Erprobung, Überprüfung oder Implementierung von Therapien bei der Parkinson‑Krankheit sowie anderen Bewegungsstörungen. Gefördert werden nicht-medikamentöse Therapieformen, die auf körperliche, funktionale oder kreativ-expressive Interventionen abzielen und einen nachweisbaren Beitrag zur Erhaltung von Mobilität, Gedächtnis, leisten.
Jahresberichte der Arbeitsgruppen
Die DPG hat verschiedene Arbeitsgruppen, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Parkinson-Krankheit beschäftigen. Die Jahresberichte dieser Arbeitsgruppen geben einen Einblick in die aktuellen Forschungsprojekte und Aktivitäten der DPG.
- AG Parkinson-Nurses: Die Arbeitsgruppe hat das Curriculum des Parkinson-Nurse-Weiterbildungslehrgangs überarbeitet und durch zusätzliche Online-Lehrmodule ergänzt.
- AG Tremor: Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Behandlung von Tremor-Patienten mittels Focussed ultrasound (MRgFUS) und kooperiert mit der Elena Klinik Kassel.
- AG nicht-motorische Symptome: Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Experten verschiedener Universitätskliniken zusammen und forscht zu nicht-motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit.
- AG Netzwerke und Versorgung: Die Arbeitsgruppe beinhaltet Interdisziplinäre Versorgungskommunikation, Entwicklung einer Versorgungsleitlinie sowie Entwicklung und wissenschaftliche Evaluation von digitalen Versorgungsangeboten.
- AG Atypische Parkinson Syndrome: Die Arbeitsgruppe hat die Daten aus einer nationalen prospektiven Beobachtungsstudie für PSP Patienten (ProPSP) ausgewertet.
- AG Dystonie: Die Arbeitsgruppe Dystonie ist eine gemeinsame Arbeitsgruppe der DPG und des Arbeitskreises Botulinumtoxin der DGN e.V.
Kongresse und Veranstaltungen
Die DPG veranstaltet regelmässig Kongresse und Fachtagungen, um die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung zu präsentieren und zu diskutieren. Der Deutsche Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen bietet eine Plattform für Wissenschaftler, Ärzte und andere Fachleute, um sich auszutauschen und zu vernetzen.
Wichtige Aspekte bei der Einnahme von Parkinson-Medikamenten
Ein Teil der Parkinson-Therapie ist die eigenverantwortliche Einnahme von Parkinson Medikamenten. Es ist wichtig, dass Patienten und Ärzte auf die Teilbarkeit von Tabletten achten, da dies die Dosierung und Wirkung der Medikamente beeinflussen kann.
Teilbarkeit von Tabletten
Knapp zehn Prozent aller Tabletten haben keine Bruchkerbe, so dass eine genaue Teilung schwierig ist. Bei vier Prozent der Tabletten ist das Teilen sogar gefährlich für den Patienten. Bei vielen Tabletten wird der Wirkstoff vor dem sauren Magensaft mit einem magensaftresistenten Überzug geschützt. Werden diese Tabletten geteilt, wird der Wirkstoff bereits im Magen freigesetzt, dabei zerstört und das Medikament wird unwirksam. Bei Tabletten mit einem sogenannten Retard-Überzug, der die Freisetzung des Wirkstoffes verlängert, kann die Wirkung des Medikamentes verkürzt werden, das Risiko für Nebenwirkungen steigt.
Empfehlungen für Ärzte und Patienten
Der Heidelberger Pharmakologe Professor Haefeli empfiehlt deshalb den Ärzten, die Teilung von Tabletten nur zu verschreiben, wenn sie sicher sind, dass dies zulässig ist und von den Patienten auch fachgemäß bewältigt werden kann. Es ist für Patienten und Ärzte häufig nicht zu sehen, ob die Tabletten zum Teilen geeignet sind. Hier ist die Erfahrung des behandelnden Arztes oder die Findigkeit der Apotheke gefragt und im Zweifelsfall über den Arzt oder Apotheker die Auskunft des Herstellers einzuholen.
Neue Leitlinie für Diagnostik und Therapie
Seit November 2023 gibt es für die Diagnostik und Therapie der Parkinson-Krankheit eine neue, vollständig überarbeitete S2k-Leitlinie. Neben der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) waren weitere 18 Fachgesellschaften, Berufsverbände und Organisationen am Konsensusprozess beteiligt, der von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) koordiniert wurde. Die neue Leitlinie berücksichtigt die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung und gibt detaillierte Empfehlungen zur Diagnose und Therapie der Parkinson-Krankheit.
Schwerpunkte der neuen Leitlinie
Ein Schwerpunkt der neuen Leitlinie sind die Diagnose und die Früherkennung. So wird empfohlen, im Fall erster Symptome, die im Frühstadium auf eine Parkinson-Krankheit hinweisen können, zum Beispiel eine Geruchstestung oder eine polysomnographische Untersuchung im Schlaflabor als ergänzende Diagnostik miteinzubeziehen sowie nicht motorische Symptome. Auch eine kraniale Magnetresonanztomographie sollte bei Parkinson-Verdacht frühzeitig erfolgen, um andere Erkrankungen auszuschließen. Erstmals empfiehlt die Leitlinie auch konkret, auf Wunsch der Betroffenen eine humangenetische Diagnostik durchzuführen, vor allem wenn Parkinson in der Familie auftritt oder wenn die Krankheitssymptome vor dem 50.
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