Parkinson und leichte Hirnleistungsstörungen: Ein umfassender Überblick

Es ist ein natürlicher Bestandteil des Älterwerdens, dass die geistige Leistungsfähigkeit im Laufe der Zeit nachlässt. Allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass jeder ältere Mensch an einer Demenz erkrankt. Eine Demenz liegt vor, wenn ein anhaltender oder zunehmender Gedächtnisverlust das alltägliche Leben beeinträchtigt. Neben dem Abbau der Gehirnfunktionen können auch Persönlichkeitsveränderungen und plötzliche Gemütsschwankungen auftreten. Es gibt über 50 Demenzformen mit unterschiedlichen Ursachen, wobei die Alzheimer-Demenz die häufigste ist. In den meisten Fällen wird die Hirnleistungsstörung durch Krankheiten des Gehirns verursacht, bei denen Nervenzellen (Neuronen) allmählich verloren gehen. Bei solchen hirnorganischen Ursachen spricht man von einer primären Demenz. Eine sekundäre Demenz liegt vor, wenn die Demenz Folge einer anderen Grunderkrankung ist.

Demenz: Definition, Ursachen und Formen

Eine Demenz ist definiert als ein fortschreitender Verlust der kognitiven Fähigkeiten, der über das normale Maß der altersbedingten Veränderungen hinausgeht. Dieser Verlust beeinträchtigt das Gedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache, die Orientierung und andere wichtige Funktionen des Gehirns. Die Ursachen für Demenz sind vielfältig und können in primäre und sekundäre Demenzen unterteilt werden.

Primäre Demenzen

Primäre Demenzen sind durch Erkrankungen des Gehirns bedingt, bei denen Nervenzellen allmählich verloren gehen. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz, die etwa 60 Prozent aller Demenzfälle ausmacht. Bei dieser unheilbaren Störung des Gehirns kommt es zu Veränderungen im Großhirn und einem Verlust an Hirngewebe. Im Anfangsstadium funktioniert die Kommunikation zwischen den Nervenzellen durch die Kontaktstellen (Synapsen) nicht mehr richtig. Später sterben ganze Nervenzellen ab. Dadurch nimmt die anfängliche leichte Vergesslichkeit im Laufe weniger Jahre so stark zu, dass Betroffene selbst Familienangehörige nicht mehr erkennen oder sich zunehmend in ihrem Wesen verändern.

Weitere primäre Demenzformen sind:

  • Vaskuläre (gefäßbedingte) Demenz: Sie betrifft etwa 10-15 Prozent aller Demenzen. Die Hauptursache sind Durchblutungsstörungen im Gehirn und eine damit verbundene Schädigung der Gefäße. In der Folge wird das Gewebe des Gehirns zerstört. Gefährdet sind vor allem Menschen mit Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“), Bluthochdruck, Schlaganfall und Diabetes mellitus. Daher sollten diese Grunderkrankungen stets konsequent behandelt werden. Die Symptome ähneln denen einer Alzheimer-Demenz im Anfangsstadium, können jedoch früher und heftiger einsetzen. Es gibt Mischformen der vaskulären und der Alzheimer-Demenz.
  • Lewy-Körperchen-Demenz: Bei der Demenz mit Lewy-Körperchen sind neben den Alzheimer-Plaques und Neurofibrillen weitere Eiweißablagerungen, sogenannte Lewy-Körperchen, in den Nervenzellen der Großhirnrinde nachweisbar. Ein typisches Anzeichen dieser mit ebenfalls 10-15 Prozent häufigen Demenzform sind Halluzinationen. Diese treten meist häufiger und früher auf als bei Alzheimer-Krankheit. Dagegen bleibt das Gedächtnis oftmals länger erhalten. Außerdem können leichte Parkinson-Symptome wie Zittern der Hände oder Steifigkeit der Bewegungen auftreten. Männer sind von dieser Demenzform häufiger betroffen als Frauen.
  • Fronto-temporale Demenz: Die Fronto-temporale Demenz betrifft im Vergleich zu anderen Demenzformen eher jüngere Patienten um das 50. Lebensjahr. Ursache ist eine Schrumpfung des Stirnlappens beziehungsweise der Schläfenlappen. Bei den Symptomen stehen vor allem eine Wesensänderung und eine Störung der Verarbeitung von Emotionen im Vordergrund. Bei manchen Patienten kann es auch zu einem allmählichen Verlust der Sprache (Aphasie) kommen.

Sekundäre Demenzen

Eine sekundäre Demenz liegt vor, wenn die Demenz Folge einer anderen Grunderkrankung ist. Hierzu gehören neurologische Erkrankungen wie die Chronische Traumatische Enzephalopathie, die Creutzfeldt-Jakob Krankheit, Stoffwechselerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion, Hirntumore, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems (z. B. Multiple Sklerose oder AIDS), Infektionen des Gehirns oder Schädel-Hirn-Verletzungen. Auch Vergiftungen infolge von Medikamenten- und Alkoholmissbrauch sowie Vitaminmangelzustände können in seltenen Fällen eine Demenz auslösen.

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Symptome und Diagnose von Demenz

Die Symptome von Demenz variieren je nach Form und Stadium der Erkrankung. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Gedächtnisverlust: Schwierigkeiten, sich an neue Informationen zu erinnern, wiederholtes Stellen von Fragen, Verlegen von Gegenständen.
  • Sprachprobleme: Wortfindungsstörungen, Schwierigkeiten, Sätze zu verstehen, Verwendung falscher Wörter.
  • Orientierungsschwierigkeiten: Verwirrung bezüglich Zeit, Ort und Personen, Verlaufen in vertrauter Umgebung.
  • Probleme mit dem Denkvermögen: Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Probleme mit Planung und Organisation, vermindertes Urteilsvermögen.
  • Verhaltensänderungen: Reizbarkeit, Aggressivität, Depressionen, Angstzustände, sozialer Rückzug.

Betroffene sollten den Hausarzt oder einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder Neurologie aufsuchen, wenn sie feststellen, dass sie zunehmend vergesslich werden oder sich ihre Denkleistung stark verringert. Eine frühzeitige und korrekte Diagnose dient nicht nur dazu, andere Ursachen, wie z. B. Depressionen oder organische Erkrankungen, auszuschließen, sondern ist auch entscheidend für den Behandlungserfolg.

Die Diagnose von Demenz umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Symptome.
  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung des allgemeinen Gesundheitszustands.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der neurologischen Funktionen wie Reflexe, Koordination undSensibilität.
  • Neuropsychologische Tests: Überprüfung der kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache und Denkvermögen. Kurztests, z.B. MoCA (Montreal Cognitive Assessment), MMSE (Mini Mental State Examination), sind weder geeignet, diese Störungen sicher zu diagnostizieren, noch diese sicher auszuschliessen. Hierfür ist eine umfassende neurokognitive Untersuchung erforderlich. Diese ausführliche Hirnleistungstestung sollte ab dem 50. Lebensjahr jährlich durchgefürt werden, um frühzeitig eine Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeiten zu bemerken und um rechtzeitig diesen Prozess stoppen zu können.
  • Bildgebende Verfahren: MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) des Gehirns, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und Veränderungen im Gehirn zu erkennen.
  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen, um andere Erkrankungen auszuschließen, die die Symptome verursachen könnten. Laboruntersuchungen sollten die Schilddrüsenfunktionsparameter ebenso umfassen wie die Blutspiegel von Vitamin B12 und Homocystein.
  • Liquoruntersuchung: In einigen Fällen kann eine Lumbalpunktion erforderlich sein, um das Nervenwasser (Liquor) zu untersuchen und bestimmte Biomarker für Alzheimer-Demenz nachzuweisen.

Behandlung von Demenz

Eine primäre Demenz ist bislang nicht heilbar. Eine sekundäre Demenz lässt sich teilweise heilen, wenn die Grunderkrankung rechtzeitig und konsequent behandelt wird. Dementsprechend konzentriert sich die Behandlung darauf, die Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen zu verbessern. Inzwischen gelten medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien als gleichwertige Behandlungsmaßnahmen, die sich auch gegenseitig ergänzen.

Medikamentöse Behandlung

Für die Behandlung stehen heutzutage wenige, aber wirksame Präparate zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe gelingt es in vielen Fällen, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen. Die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten eines demenziellen Syndroms richten sich nach der zugrundeliegenden Demenzform.

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  • Acetylcholinesterase-Hemmer: Diese Medikamente werden bei Alzheimer-Demenz eingesetzt, um den Abbau von Acetylcholin im Gehirn zu verlangsamen. Acetylcholin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Gedächtnisfunktion benötigt wird.
  • NMDA-Antagonisten: Diese Medikamente werden ebenfalls bei Alzheimer-Demenz eingesetzt, um die Nervenzellen vor Schäden durch übermäßige Stimulation zu schützen.
  • Antidepressiva und Antipsychotika: Zur Linderung von Begleitsymptomen einer Demenzerkrankung wie Unruhe, Halluzinationen, Depressivität oder Schlafstörungen können bestimmte Antidepressiva und Antipsychotika eingesetzt werden.

Sicherlich, die neuen Medikamente, in den USA seit über zwei Jahr zugelassen, nun seit April 2025 auch in der EU, gegen das sich ablagernde Beta-Amyloid sind ein bemerkenswerter Fortschritt. Diese Therapie bedeutet jedoch nur ein leichtes Bremsen des weiter fortschreitenden Hirnleistungsabbaus, nämlich um ca. 25% im Verlauf von 18 Monaten, bei hohem Behandlungsaufwand.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Eine ebenso wichtige Rolle spielen nicht-medikamentöse Maßnahmen. Ihr Ziel ist es, die Fähigkeiten des Patienten zu fördern und dessen Lebensqualität zu erhalten. Eine wichtige Bedeutung in der Therapie der Demenz haben psychosoziale Interventionen. So kann insbesondere im Anfangsstadium der Erkrankung eine Psychotherapie sinnvoll sein, um die Diagnose leichter zu bewältigen. Weitere nicht-medikamentöse Therapiebausteine sind eine alltagsnahe kognitive Stimulation, eine individuell angepasste Ergotherapie und gezielte körperliche Aktivitäten. Diese Maßnahmen sollten nach Möglichkeit im häuslichen Umfeld des Patienten durchgeführt werden. Ziel ist es, die Lebensqualität, Fähigkeiten und positive Gefühle der Demenzkranken zu fördern und gleichzeitig die Pflegenden zu entlasten. Zusätzlich sinnvoll sind intensive Angehörigentrainings, um Belastungsfolgen wie Depressionen oder Burnout bei Familienangehörigen zu vermeiden. Gleichzeitig lassen sich dank entsprechender Trainings Heimeinweisungen länger vermeiden. Das Wohlbefinden der Patienten hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die Umwelt auf ihre Beeinträchtigung einstellt.

Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen sind:

  • Kognitives Training: Übungen zur Verbesserung des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und des Denkvermögens.
  • Ergotherapie: Training von Alltagsfähigkeiten wie Kochen, Anziehen und Körperpflege.
  • Physiotherapie: Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination.
  • Musiktherapie: Einsatz von Musik zur Förderung der Kommunikation und des emotionalen Ausdrucks.
  • Kunsttherapie: Einsatz von Kunst zur Förderung der Kreativität und des emotionalen Ausdrucks.
  • Tiergestützte Therapie: Einsatz von Tieren zur Förderung der sozialen Interaktion und des emotionalen Wohlbefindens.

Unser Therapieprogramm basiert auf nachweislich erfolgreichen, subjektiv bessernden Konzepten in Anlehnung an das Therapieprogramm nach Professor Dale E. Bredesen (Bredesen Protocol, ReCODE), und aus der modernen Neurorehabilitation, die in der Anwendung speziell fokussiert und auf „ihre“ persönlichen Ursachen der Hirnleistungsstörungen angepasst wird. Es kommen neben pharmakologischen zudem physiotherapeutische Techniken und vor allem Lebensstilmaßnahmen zum Einsatz, die sich gemäß aktueller neurowissenschaftlicher Forschung und Datenlage als wirklich wirksam erwiesen haben. Basis und Grundlage unseres Programmes sind ebenfalls die bemerkenswerten Interviews, Blogs, sein Buch zu Longlivety und die Veröffentlichungen von Peter Attia, MD, dessen Arbeit darauf abzielt, ein langes und gesundes Leben über alle zur Verfügung stehenden Lebensstilveränderungen zu erreichen. Je nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird dieses personalisierte neurorehabilitative Behandlungskonzept modifiziert.

Unterstützung für Angehörige

Eine Demenz verändert nicht nur den Patienten selbst, sondern kann auch für die Angehörigen sehr belastend sein. Das gilt insbesondere dann, wenn der Erkrankte Veränderungen im Erleben und Verhalten zeigt und vertrauten Personen gegenüber abweisend und aggressiv reagiert. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Familie stets mit in die Therapie einzubeziehen und diese über das Krankheitsbild und dessen Auswirkungen umfassend zu informieren. Wichtig ist nicht zuletzt, dass pflegende Angehörige sich rechtzeitig Hilfe und Unterstützung holen.

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Es gibt zahlreiche Angebote für Angehörige von Demenzkranken, wie z. B.:

  • Beratungsstellen: Informationen und Unterstützung zu allen Fragen rund um Demenz.
  • Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Betroffenen.
  • Entlastungsangebote: Kurzzeitige Betreuung des Demenzkranken, um den Angehörigen eine Auszeit zu ermöglichen.
  • Pflegekurse: Schulung im Umgang mit Demenzkranken.

Parkinson-Krankheit und Demenz

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die vor allem motorische Symptome wie Zittern, Steifigkeit und verlangsamte Bewegungen verursacht. Im späteren Verlauf der Erkrankung können jedoch auch kognitive Beeinträchtigungen auftreten, die bis hin zu einer Demenz reichen können. Man spricht dann von einer Parkinson-Demenz.

Symptome der Parkinson-Demenz

Die Symptome der Parkinson-Demenz ähneln denen anderer Demenzformen, können aber auch spezifische Merkmale aufweisen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Exekutive Dysfunktion: Schwierigkeiten mit Planung, Organisation und Entscheidungsfindung.
  • Aufmerksamkeitsstörungen: Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und sich zu konzentrieren.
  • Visuell-räumliche Probleme: Schwierigkeiten, räumliche Beziehungen zu erkennen und sich in der Umgebung zu orientieren.
  • Gedächtnisprobleme: Schwierigkeiten, sich an neue Informationen zu erinnern, aber auch an Ereignisse aus der Vergangenheit.
  • Verhaltensänderungen: Depressionen, Angstzustände, Reizbarkeit, Apathie.

Ursachen der Parkinson-Demenz

Die Ursachen der Parkinson-Demenz sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass die gleichen Veränderungen im Gehirn, die die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit verursachen, auch zu kognitiven Beeinträchtigungen führen können. Dazu gehören der Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra und die Ablagerung von Lewy-Körperchen in den Nervenzellen des Gehirns.

Behandlung der Parkinson-Demenz

Die Behandlung der Parkinson-Demenz zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt keine spezifische medikamentöse Behandlung für die Parkinson-Demenz, aber einige Medikamente, die bei Alzheimer-Demenz eingesetzt werden, können auch bei Parkinson-Demenz hilfreich sein. Dazu gehören Acetylcholinesterase-Hemmer und NMDA-Antagonisten.

Neben der medikamentösen Behandlung spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle. Dazu gehören kognitives Training, Ergotherapie, Physiotherapie und psychosoziale Unterstützung.

Leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI)

Eine leichte kognitive Beeinträchtigung (Mild Cognitive Impairment, MCI) ist eine Vorstufe von Demenz, bei der die kognitiven Fähigkeiten bereits beeinträchtigt sind, aber noch nicht so stark, dass sie das Alltagsleben beeinträchtigen. Menschen mit MCI haben ein höheres Risiko, an einer Demenz zu erkranken, aber nicht jeder mit MCI entwickelt eine Demenz.

Symptome der MCI

Die Symptome der MCI können je nach Art der kognitiven Beeinträchtigung variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Gedächtnisprobleme: Schwierigkeiten, sich an neue Informationen zu erinnern, Verlegen von Gegenständen, wiederholtes Stellen von Fragen.
  • Sprachprobleme: Wortfindungsstörungen, Schwierigkeiten, Sätze zu verstehen, Verwendung falscher Wörter.
  • Aufmerksamkeitsstörungen: Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und sich zu konzentrieren.
  • Exekutive Dysfunktion: Schwierigkeiten mit Planung, Organisation und Entscheidungsfindung.

Diagnose der MCI

Die Diagnose der MCI umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Symptome.
  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung des allgemeinen Gesundheitszustands.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der neurologischen Funktionen wie Reflexe, Koordination und Sensibilität.
  • Neuropsychologische Tests: Überprüfung der kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache und Denkvermögen.
  • Bildgebende Verfahren: MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) des Gehirns, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und Veränderungen im Gehirn zu erkennen.
  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen, um andere Erkrankungen auszuschließen, die die Symptome verursachen könnten.

Behandlung der MCI

Es gibt keine spezifische medikamentöse Behandlung für die MCI. Die Behandlung zielt darauf ab, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten und das Risiko einer Demenz zu verringern. Dazu gehören:

  • Kognitives Training: Übungen zur Verbesserung des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und des Denkvermögens.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die kognitiven Funktionen verbessern.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann die kognitiven Funktionen unterstützen.
  • Kontrolle von Risikofaktoren: Die Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterin kann das Risiko einer Demenz verringern.

COVID-19 und Hirnleistungsstörungen

In immer mehr Studien untersuchen Forschende den Einfluss des Corona-Virus auf das Gehirn und die Auswirkungen auf Betroffene, die an Long-Covid bzw. Post-Covid erkrankt sind. Etwa ein Drittel aller an Post-Covid erkrankten Menschen leidet an verschiedensten neurologischen Beeinträchtigungen, deren Dauer und Ausmaß noch nicht ermessen werden kann.

Eine US-amerikanische Studie untersuchte den Verlauf der leichten COVID-Fälle in einem guten Studiendesign vorausschauend an 72 Erwachsenen zwischen 22 bis 65 Jahren in Texas im Zeitraum von Januar bis April 2021 mittels standardisierter Hirnleistungstestungen vergleichend durchschnittlich 3,8 Monate nach der akuten Diagnosestellung. Insgesamt verzeichneten 40 % Beeinträchtigungen der Hirnleistungen, am auffälligsten waren exekutive Störungen, Störungen der Aufmerksamkeit und der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, wobei Männer deutlich häufiger betroffen waren. Bemerkenswert ist, dass Jüngere ebenfalls etwas häufiger beeinträchtigt waren, was bedeutet, dass eine Subgruppe Jüngerer für Hirnleistungsstörungen und deren psychosoziale Folgen anfälliger, also “verletzlicher”, ist.

Eine Kohortenstudie in China bei 3.233 COVID-19-Überlebenden im Alter von durchschnittlich 67 Jahren wurden im Anschluss an die stationär behandlungsbedürftige Akutkrankheit von Februar bis April 2020 nach sechs Monaten und einem Jahr betreffs der Hirnleistungen nachuntersucht. Vorbestehende kognitive Störungen, neurologische und andere schwere Krankheiten waren Ausschlusskriterien. Im Verlauf wurden die Ergebnisse leichter und schwerer COVID-Fälle mit einer nicht betroffenen Kontrollgruppe verglichen. Die gesamte Häufigkeit von neurokognitiven Störungen (Hirnleistungsstörungen) war nach 12 Monaten 12,4 %. Sehr bemerkenswert war zudem, dass milde COVID-Fälle sich nicht von den Kontrollfällen unterschieden. Bei den schwer Betroffenen entwickelten jedoch nach sechs Monaten 10 % eine Demenz und 26,5 % leichte kognitive Störungen, dies stieg nach einem Jahr weiter an auf 15 % mit Demenz, die Zahl der leicht Betroffenen blieb gleich. Dies bedeutet für schwer von COVID betroffene ältere Menschen eine über 7-fache Risikozunahme für jedwede Hirnleistungsstörungen und sogar eine 19-fache Risikozunahme für einen fortschreitenden Hirnleistungsabbau.

Eine andere Studie ging der Frage nach, ob es auch bei leichter Betroffenen einen maßgeblichen krankhaften Hirnabbau nach COVID gibt. Als Nebenuntersuchung einer bereits länger laufenden Untersuchung an Älteren der UK Biobank, England, wurde unterschieden, welche Auswirkungen ein Sars-CoV2-Infekt haben kann, auch ohne dass die Menschen eine Krankheit bemerkten. Von 785 Beteiligten im Alter von 51 bis 81 Jahren wurden zwei Bildgebungen des Gehirns im Abstand von drei Jahren zwischen den Fällen (n=401), die eine Sars-CoV2-Infektion hatten, und Nichtinfizierten (n=384) verglichen. Es wurden sehr überraschende Ergebnisse gefunden. Die Erkrankten, davon nur 3,7 % schwer betroffen und stationär behandelt, zeigten (1.) eine größere Reduktion der grauen Nervendicke in den Gebieten des orbitofrontalen und im Bereich des parahippocampalen Hirnes; (2.) ausgeprägtere Zeichen für Gewebezerstörung in Regionen, die funktionell mit dem primären Riechzentrum vernetzt sind; und (3.) eine größere Minderung des gesamten Hirnvolumens. Dieser Hirnabbau korrelierte unzweifelhaft mit einer SARS-CoV-2-Infektion auch mit größerem Hirnleistungsabbau im Vergleich der beiden Untersuchungszeitpunkte. Die Ergebnisse waren unverändert, nachdem die hospitalisierten schweren COVID-Fälle von der statistischen Auswertung herausgenommen wurden.

Frühzeitige Erkennung und Prävention

Bereits Jahrzehnte bevor eine verminderte Denkleistung auffällt, sind erste neurodegenerative Veränderungen im Gehirn nachweisbar. Derzeit lassen sich diese lediglich durch teure oder invasive Verfahren feststellen. Für ein ausgedehntes frühzeitiges Screening im größeren Maßstab eignen sich diese Methoden daher nicht.

Empa-Forschende arbeiten gemeinsam mit Partnern des Kantonsspital und der Geriatrischen Klinik St. Gallen an einer nicht-invasiven Diagnose-Methode zur frühzeitigen Erkennung von Symptomen einer Demenzerkrankung. Es geht darum, mit einem geeigneten Training frühzeitig einzugreifen, sobald sich erste negative Anzeichen messen lassen

Für das neue Verfahren baute das Forscherteam um Patrick Eggenberger und Simon Annaheim vom 'Biomimetic Membranes and Textiles' Labor der Empa in St. Gallen auf einen Sensor-Gurt, der bereits erfolgreich für EKG-Messungen eingesetzt und nun mit Sensoren für weitere relevante Parameter wie Körpertemperatur und Gangmuster ausgerüstet wurde. Denn bevor bei einer Demenz das Erinnerungsvermögen nachlässt, tauchen feinste Veränderungen im Gehirn auf, die sich über das autonome Nervensystem, das unbewusste Körpervorgänge steuert, äußern.

Grundsätzlich ist der menschliche Körper in der Lage, seine Temperatur im Bereich von 1°C konstant zu halten. Im Tagesverlauf treten chrakteristische Schwankungen dieser Werte auf. Dieser tägliche Rhythmus ändert sich im Alter und ist bei neurodegenerativen Krankheiten wie Demenz oder Parkinson auffällig. Bei Alzheimer-Patienten ist beispielsweise die Körperkerntemperatur um bis zu 0.2°C erhöht. Gleichzeitig sind die Ausschläge der täglichen Temperaturschwankungen gedämpft. In einer aktuellen Studie konnten die Forschenden nun zeigen, dass mit dem Sensor-Gurt gemessene veränderte Hauttemperaturwerte tatsächlich einen Hinweis auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Testpersonen geben - und zwar bevor eine Demenzerkrankung auftritt.

Auch der Herzschlag ist natürlichen Schwankungen unterworfen, die zeigen, wie sich unser Nervensystem an momentane Herausforderungen anpasst. Die kleine Stille zwischen zwei Herzschlägen, rund eine Sekunde kurz, hat große Aussagekraft für unsere Gesundheit: Bleibt die Pause stets gleich, ist das Nervensystem nicht in Höchstform. In einer Studie von Forschenden der ETH Zürich wurde ermittelt, dass sich schlechtere Messwerte bei älteren, gesunden Menschen durch ein kognitiv-motorisches Tanztraining innerhalb von sechs Monaten verbessern liessen.

Eine zeitige Diagnosestellung ist auch heute schon von großem Vorteil: Bei leichter kognitiver Einschränkung lassen sich viele Weichen noch richtig stellen, etwa mit Blick auf behandelbare Komorbiditäten und Risikofaktoren oder bei der Ernährung und dem Lebensstil. Im frühen Krankheitsstadium, wenn allenfalls uncharakteristische Vorzeichen der heraufziehenden Demenz bestehen, werden oftmals aber nicht die richtigen Entscheidungen getroffen, beklagen die Experten. Einer der Gründe hierfür dürfte sein, dass abnehmende Gedächtnisleistung und kognitiver Abbau vielfach noch immer vorschnell als unabänderliche Alterserscheinung angesehen werden.

Ein wichtiger Baustein in der Frühdiagnostik der Alzheimer­erkrankung könnten in Zukunft bestimmte Biomarker sein. Man geht heute davon aus, dass die Akkumulation von Beta-Amyloid und Tau-Protein im Gehirn entscheidend für die Pathogenese ist und dass dieser Prozess schon früh im Leben der Betroffenen seinen Anfang nimmt. Allerdings: Viele Menschen mit den entsprechenden Merkmalen entwickeln niemals eine Demenz. Kommen aber weitere unspezifische Marker einer Neurodegeneration hinzu, steigt das Risiko.

Was kann man Patienten mit leichter kognitiver Störung anbieten? Im Prinzip alles, was das Gehirn vor kognitivem Abbau zu schützen vermag: viel Bewegung und Sozialkontakte, gesunde Ernährung, Tabakverzicht, Einschränkung des Alkoholkonsums und die Behandlung von Risikofaktoren wie Hypertonie oder Diabetes.

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