Muhammad Ali, der dreifache unumstrittene Weltmeister im Schwergewicht, ist nicht nur für seine außergewöhnlichen sportlichen Leistungen, sondern auch für seinen langen Kampf gegen die Parkinson-Krankheit in Erinnerung geblieben. Seine Erkrankung, die im Alter von 42 Jahren diagnostiziert wurde, überschattete die letzten Jahrzehnte seines Lebens und warf Fragen nach den Ursachen und dem Einfluss des Boxsports auf diese neurologische Erkrankung auf. Dieser Artikel beleuchtet Alis Kampf gegen Parkinson, die möglichen Ursachen, den Verlauf der Krankheit und sein Vermächtnis im Umgang mit dieser Herausforderung.
Der Tod einer Legende
Muhammad Ali starb am Freitagabend, dem 3. Juni 2016, im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus in Scottsdale, Arizona, an einer Blutvergiftung infolge unspezifischer natürlicher Ursachen. Laut Familienangehörigen waren die Komplikationen auf seine jahrzehntelange Parkinson-Erkrankung zurückzuführen. Die Trauerfeier fand am 10. Juni 2016 in seiner Heimatstadt Louisville, Kentucky, statt, bei der unter anderem der frühere US-Präsident Bill Clinton eine Trauerrede hielt.
Muhammad Alis Verbindung zu Berlin
Muhammad Ali besuchte mehrmals Berlin. Zuletzt war er 2005 in Berlin. Gezeichnet von seiner Parkinson-Krankheit. Der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (62, SPD), verlieh der Boxlegende die Otto-Hahn-Friedensmedaille. Ali wurde für sein Engagement für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung ausgezeichnet.
Die Diagnose Parkinson
Im Jahr 1984 erhielt Muhammad Ali die Diagnose Parkinson. Ein Schock für einen Mann, dessen leichtfüßiger Kampfstil und einzigartigen Reflexe ihn zum Mythos gemacht hatten. „Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene“, umschrieb der frühere Schwergewichtsweltmeister sein flinkes, scheinbar schwereloses Boxen. Parkinson jedoch ist eine Erkrankung des Gehirns, die dem Menschen die Kontrolle über seine Bewegungsabläufe nimmt. In der Substantia nigra des Gehirns werden Zellen beschädigt, die für die Produktion des Stoffes Dopamin zuständig sind. Fehlt der Botenstoff, der für die Steuerung von Körperbewegungen zuständig ist, treten Symptome auf, die den Alltag der Erkrankten schwer beeinträchtigen.
Symptome und Verlauf der Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Zellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen, die Koordination und das Gleichgewicht unerlässlich ist. Der Mangel an Dopamin führt zu einer Reihe von motorischen und nicht-motorischen Symptomen.
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Zu den typischen Symptomen von Parkinson gehören:
- Zittern: Unwillkürliches Zittern, meist in Ruhe, beginnend an einer Hand oder einem Finger.
- Muskelsteifheit: Steifheit und Steifheit der Muskeln, die die Bewegungsfreiheit einschränken.
- Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese): Verlangsamung der willkürlichen Bewegungen, die alltägliche Aufgaben erschweren.
- Haltungsinstabilität: Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, was zu Stürzen führen kann.
- Sprachstörungen: Leise, monotone oder verwaschene Sprache.
- Schreibstörungen: Schwierigkeiten beim Schreiben, was zu kleiner und unregelmäßiger Schrift führen kann (Mikrographie).
- Weitere Symptome: Verlust des Geruchssinns, Schlafstörungen, Depressionen, Verstopfung und kognitive Beeinträchtigungen.
Der Verlauf der Parkinson-Krankheit ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Die Symptome verschlimmern sich in der Regel allmählich über Jahre oder Jahrzehnte. In späteren Stadien der Erkrankung können die Patienten Schwierigkeiten haben, zu gehen, zu sprechen oder sich selbst zu versorgen.
Ursachen von Parkinson: Ein komplexes Zusammenspiel
Die genauen Ursachen der Parkinson-Krankheit sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel genetischer und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.
- Genetische Faktoren: Mutationen in bestimmten Genen können das Risiko, an Parkinson zu erkranken, erhöhen. Allerdings sind genetische Faktoren nur für einen kleinen Teil der Parkinson-Fälle verantwortlich.
- Umweltfaktoren: Verschiedene Umweltfaktoren wurden mit einem erhöhten Parkinson-Risiko in Verbindung gebracht, darunter Pestizide, Herbizide, Schwermetalle und Lösungsmittel.
- Kopfverletzungen: Wiederholte Kopfverletzungen, wie sie beim Boxen auftreten können, werden ebenfalls als möglicher Risikofaktor für Parkinson diskutiert.
Parkinson und Boxen: Ein umstrittener Zusammenhang
Die Frage, ob das Boxen zur Entstehung der Parkinson-Krankheit beitragen kann, ist seit langem Gegenstand von Debatten. Muhammad Ali selbst erhielt im Laufe seiner Karriere schätzungsweise 29.000 Schläge auf den Kopf.
Einige Studien haben gezeigt, dass wiederholte Kopfverletzungen, wie sie beim Boxen vorkommen, zu einer Form von Parkinson führen können, die als chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) bezeichnet wird. CTE ist eine degenerative Hirnerkrankung, die durch Ablagerungen von Tau-Protein im Gehirn gekennzeichnet ist. CTE kann zu einer Reihe von neurologischen und psychiatrischen Symptomen führen, darunter Parkinsonismus, Demenz, Depressionen und Verhaltensänderungen.
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Allerdings ist der Zusammenhang zwischen Boxen und Parkinson nicht eindeutig bewiesen. Nicht alle Boxer entwickeln Parkinson, und viele Menschen mit Parkinson haben keine Vorgeschichte von Kopfverletzungen. Es ist möglich, dass das Boxen das Risiko für Parkinson bei genetisch prädisponierten Personen erhöhen kann.
Professor Peter Paul Urban, Chefarzt der Neurologie an der Asklepios-Klinik Hamburg-Barmbek, erklärte: „Man kann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob die Parkinson-Erkrankung bei Muhammad Ali mit seinem Boxerleben zusammenhing. Allgemein gesagt, gibt es eine Form von Parkinson, die sogenannte Chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE), die durch wiederkehrende Schädel-Hirn-Traumata zustande kommt - also durchaus mit Schlägen gegen den Kopf in Verbindung steht, wie sie bei Boxern, aber auch Fußballern oft vorkommen. Diese Form nennt man auch Boxer-Enzephalopathie.“
Behandlung und Therapie von Parkinson
Es gibt derzeit keine Heilung für die Parkinson-Krankheit. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
Zu den wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Medikamente: Levodopa, Dopamin-Agonisten und andere Medikamente können helfen, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die motorischen Symptome zu verbessern.
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Ein chirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um die Symptome zu lindern.
- Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, des Gleichgewichts und der Koordination.
- Ergotherapie: Hilfsmittel und Strategien zur Erleichterung alltäglicher Aktivitäten.
- Logopädie: Sprachtherapie zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit und des Schluckens.
- Psychologische Unterstützung: Beratung und Therapie zur Bewältigung von Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen.
Leben mit Parkinson: Muhammad Alis Vermächtnis
Muhammad Ali kämpfte über 30 Jahre gegen die Parkinson-Krankheit. Trotz der Herausforderungen, die die Krankheit mit sich brachte, verlor er nie seinen Optimismus und seinen Kampfgeist. Er engagierte sich aktiv in der Parkinson-Forschung und setzte sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein.
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Gemeinsam mit dem ebenfalls an Parkinson erkrankten Schauspieler Michael J. Fox warb Ali nun für mehr Respekt gegenüber Menschen mit Behinderungen und spendete für die Forschung, er gründete sogar ein Forschungszentrum. Ein Foto aus dem Jahr 2006 zeigt Fox und Ali gemeinsam auf einer Gala, man sieht, wie sie versuchen zu lächeln.
Alis offener Umgang mit seiner Erkrankung trug dazu bei, das Bewusstsein für Parkinson zu schärfen und die Stigmatisierung der Krankheit zu verringern. Er wurde zu einem Symbol der Hoffnung und Inspiration für Menschen mit Parkinson und anderen chronischen Erkrankungen.