Parkinson betrifft in Deutschland rund 400.000 Menschen. Weltweit wird von über 10 Millionen Betroffenen ausgegangen. Angesichts dieser Zahlen ist es wichtig, die Initiativen und Fortschritte in der Versorgung von Parkinson-Patienten zu beleuchten. Ein wichtiger Akteur in diesem Bereich ist das Parkinson Netzwerk Osnabrück, das zusammen mit dem Parkinsonnetz Münsterland+ (PNM+) ein überregionales Netzwerk bildet. Dieser Artikel beleuchtet die Aktivitäten, Ziele und Errungenschaften dieses Netzwerks sowie den wichtigen Beitrag des bundesweiten Parkinson-Netzwerkkongresses.
Parkinson Netzwerke Deutschland e.V. und seine Bedeutung
Der Verein Parkinson Netzwerke Deutschland e.V. spielt eine zentrale Rolle bei der Stärkung und Vernetzung regionaler Parkinson-Netzwerke in ganz Deutschland. Zu den zentralen Aktivitäten gehören der Aufbau und die Unterstützung neuer Netzwerke, die Förderung von Austausch und Weiterbildung, die Entwicklung gemeinsamer Versorgungsstandards sowie die Organisation des bundesweiten Parkinson-Netzwerkkongresses. Durch die Verknüpfung von Expertise und das Überwinden von Grenzen fördert der Verein die multidisziplinäre und patientenzentrierte Versorgung von Parkinson-Betroffenen in Deutschland.
Der Parkinson-Netzwerkkongress: Eine Plattform für Austausch und Fortschritt
Ein zentrales Ereignis für die Parkinson-Community ist der Parkinson-Netzwerkkongress. Der 6. Parkinson-Netzwerkkongress fand am 21. und 22. November 2025 in Osnabrück statt. Diese Veranstaltung brachte über 300 Teilnehmende aus Medizin, Therapie, Pflege, Wissenschaft und Selbsthilfe zusammen. Unter dem Motto „Feuer und Flamme für Parkinson-Netzwerke“ drehte sich alles um neue Impulse für die Versorgung. Neue Netzwerke wurden vorgestellt, gemeinsame Standards diskutiert und starke wissenschaftliche Beiträge präsentiert.
Rückblick auf den 6. Parkinson-Netzwerkkongress 2025
Der Kongress 2025 zeigte eindrücklich, wie gut Zusammenarbeit über Berufsgrenzen hinweg funktionieren kann. Prof. Dr. Daniela Berg, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, betonte in einem Video-Grußwort die Bedeutung von Netzwerken, insbesondere in der sektorenübergreifenden Versorgung. Eine besonders gute Nachricht war das schnelle Wachstum der Parkinsonnetzwerke. Prof. Tobias Warnecke und Prof. Andreas Becker präsentierten die Registrierungskriterien, ein erweitertes Netzwerk-Framework und die geplante TÜV-Zertifizierung, um mehr Orientierung, höhere Sichtbarkeit und langfristig bessere Voraussetzungen für die Finanzierung durch Krankenkassen zu schaffen.
Wissenschaftliche und emotionale Höhepunkte
Ein wissenschaftlicher Höhepunkt war die Keynote von Prof. Werner Poewe aus Innsbruck, der betonte, dass eine gute multiprofessionelle Versorgung den Verlauf der Erkrankung verlangsamen kann, auch wenn das Fortschreiten nicht komplett aufgehalten werden könne. PD Dr. Eva Schäffer aus Kiel widmete ihren Vortrag dem Thema Prävention und wies auf das enorme Potenzial hin, das im Exposom, dem Zusammenspiel verschiedener Umweltfaktoren, liegt. Besonders Pestizidbelastungen stünden im Fokus, wobei 13 Meta-Analysen seit 2000 auf ein erhöhtes Parkinson-Risiko hinweisen.
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Dr. Markus Donath von der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. betonte, wie stark die Bewältigung des Alltags von der Gesundheitskompetenz der Betroffenen abhängt. Ein emotionaler Höhepunkt war die Lesung von Markus Langer aus seinem Erfahrungsbericht „Und dann plötzlich - Bäm, Parkinson“. Prof. Dr. Birgit Wiese von der Hochschule Osnabrück sprach über Resilienz und zeigte auf, dass diese trainiert werden kann. Prof. Dr. Elke Kalbe von der Universität zu Köln gab einen Überblick über die neuropsychologischen Aspekte der Parkinson-Erkrankung und betonte, wie häufig kognitive Störungen auftreten und den Alltag prägen können. Dr. Andreas Becker sprach über Hürden und Chancen in der Netzwerkarbeit und betonte, dass diese Zusammenschau der Perspektiven einzigartig sei.
Beteiligung des Parkinsonzentrums Beelitz-Heilstätten
Prof. Dr. Georg Ebersbach und Dr. Thorsten Süß aus dem Parkinsonzentrum in Beelitz-Heilstätten waren durch Vorträge aktiv an der Gestaltung des Kongresses beteiligt. Beide vertreten das Parkinsonzentrum auch als aktive Mitglieder im Verein Parkinson Netzwerke Deutschland e.V.
Parkinsonnetz Osnabrück+ / Münsterland+: Ein regionales Versorgungsnetzwerk
Zur Optimierung der multidisziplinären Versorgung bei Menschen mit Parkinson und deren Angehörigen wurde im Mai 2018 das Parkinsonnetz Münsterland+ (PNM+) offiziell gegründet, nachdem eine einjährige Vorbereitungsphase stattgefunden hatte. Im Jahr 2022 wurde nach diesem Vorbild auch das Parkinsonnetz Osnabrück+ (PNO+) etabliert. Zusammen bilden die beiden Netzwerke ein überregionales Parkinsonnetzwerk mit gemeinsamen jährlichen multiprofessionellen Treffen. Die Mitglieder vom PNO+ / PNM+ sind Experten aus verschiedenen am Versorgungsmanagement von Menschen mit der Parkinson-Krankheit beteiligten Fachgruppen sowie Betroffenen und Angehörigen.
Mitglieder und Schwerpunkte des Netzwerks
Zu den Mitgliedern gehören unter anderem:
- Neurologische Klinik
- Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation
- Am Finkenhügel 1
- 49076 Osnabrück
- Sekretariat Neurologie Telefon: 0541 405-6500 (Ziffer 3) (PD Dr. Kellinghaus, Prof. Dr. Dziewas)
- Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen und Schluckstörungen
- Terminvereinbarung: 0541 405-6500 (Ziffer 1)
- Privatambulanz PD Dr. Kellinghaus
- Schwerpunkt Epilepsie und andere Anfallserkrankungen
- Terminvereinbarung: 0541 405-6555 (MVZ Neurologie)
- Privatambulanz Prof. Dr. Dr. med. Christoph Kellinghaus, Helen Stromberg
- Sprechstunde Neuroimmunologie / Multiple Sklerose (Dr. med. Susanne Windhagen, Dr. med. Bettina Gräfe)
- Sprechstunde Parkinson-Syndrome und andere Bewegungsstörungen (Dr. med. Michael Nagel)
- Sprechstunde Neurovaskuläre Erkrankungen (Dr. med. Lars Krause)
- Sprechstunde Neuroonkologie in Kooperation mit Klinik für Neurochirurgie
- Neuromuskuläre Sprechstunde (Ermächtigungsambulanz Dr. med. Frank Neumann) 0541 405-6500 (Ziffer 1)
- Schluckambulanz (Ermächtigungsambulanz Prof. Dr. Dziewas) Terminvereinbarung: 0541 405-6552 Dienstag und Donnerstag 15:00 - 16:00 Uhr
- Ambulanz für Neuroinfektiologie (Ermächtigungsambulanz Dr.
Das Netzwerk konzentriert sich auf die Verbesserung der Versorgung von Parkinson-Patienten durch multidisziplinäre Zusammenarbeit und den Austausch von Fachwissen.
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Aktuelle Entwicklungen und Initiativen
Das Parkinson Netzwerk ist kontinuierlich aktiv und engagiert sich in verschiedenen Projekten und Initiativen, um die Versorgung von Parkinson-Betroffenen zu verbessern.
Neue Online-Plattform „Parkinson-Lotse“
Seit dem 19.10.2024 ist der „Parkinson-Lotse“ online. Die von der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung initiierte Plattform hilft Parkinson-Erkrankten, gezielt Anbieter nicht-medikamentöser Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie in ihrer Nähe zu finden. Der Service startet in den Regionen der Netzwerke Ruhr Nord, Münsterland und Osnabrück und wird schrittweise erweitert. Der digitale Parkinson-Lotse bietet eine umfassende Anlaufstelle für nicht-medikamentöse Therapien für Parkinson-Betroffene.
Weitere aktuelle Aktivitäten
- Plenumstreffen: Das Kölner Parkinson Netzwerk startete im Oktober 2025 mit seinem ersten Plenumstreffen.
- Weiterbildung: Es gibt Weiterbildungen zur Parkinson-Nurse, um spezialisierte Pflege für Menschen mit Parkinson zu gewährleisten.
- Sub-Netzwerke: Im Parkinsonnetz Münsterland+ (PNM+) wurde im Kreis Coesfeld das erste Sub-Netzwerk gegründet, um die Vernetzung in interdisziplinären Teams in häuslicher Nähe zu den Patient:innen zu intensivieren.
- Co-Creation Workshop: Ein erster Co-Creation Workshop zur Konzeption eines Parkinson-Netzwerkes in Südniedersachsen wurde durchgeführt, um das Projekt ParkNetz voranzutreiben.
- Netzwerkportale: Erste regionale Netzwerkportale sind online und bieten Infos, Austausch und Unterstützung.
- Nationale PD-Nurse-Tage: Die nationalen Parkinson-Nurse-Tage 2025 am SRH Campus Heidelberg waren ein Erfolg.
- Kick-Off: Im Dezember 2024 fand das Kick-Off des Parkinson-Netzwerks Ostholstein statt.
Ursachen und Symptome der Parkinson-Krankheit
Die genauen Ursachen für Parkinson sind noch weitgehend unbekannt. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass die Ursache eine Kombination aus Umweltfaktoren und Genetik ist. Genetische Ursachen lassen sich bei etwa zehn bis 15 Prozent aller Parkinson-Fälle nachweisen. Die Erkrankung beginnt oft entweder im Darm oder im Riechnerv. Die Symptome der Parkinson-Krankheit können sich je nach Alter, Geschlecht, Umweltfaktoren und genetischer Veranlagung unterscheiden. Deshalb hat sich das Verständnis der Krankheit in den letzten Jahren stark verändert. Es wird von einem neuen Bild der Parkinson-Krankheit gesprochen.
Behandlungsmöglichkeiten
Medikamente können den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen - man spricht von einer sogenannten Dopaminersatztherapie. In Kombination mit aktivierenden Therapien, wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie, können viele Symptome der Erkrankung positiv beeinflusst werden. Im Krankheitsverlauf können intensivierte Therapien wie die Tiefe Hirnstimulation oder spezielle Pumpen-Infusionsverfahren angewendet werden. Durch die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten lassen sich die Symptome oft deutlich lindern.
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