Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie ist durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, was zu Bewegungsstörungen und anderen Symptomen führt. Die Parkinson-Krankheit ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit.
Globale und nationale Prävalenz
Weltweit leiden schätzungsweise Millionen Menschen an Parkinson. Die Zahlen steigen aufgrund der alternden Bevölkerung und anderer Faktoren.
- Weltweit: Im Jahr 2021 waren schätzungsweise 11,9 Millionen Menschen betroffen. Prognosen gehen davon aus, dass diese Zahl bis 2050 auf 25,2 Millionen ansteigen wird.
- Deutschland: Aktuell sind rund 400.000 Menschen in Deutschland von Parkinson betroffen. Bis zum Jahr 2040 könnte diese Zahl um 50 Prozent steigen. Im Jahr 2023 waren deutschlandweit 0,63 % der Bevölkerung an Morbus Parkinson erkrankt.
Die Parkinson-Krankheit ist somit die am schnellsten wachsende neurodegenerative Erkrankung noch vor Alzheimer.
Inzidenztrends in Deutschland
Die Inzidenz bezieht sich auf die Anzahl der Neuerkrankungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Während internationale Studien einen Anstieg der Parkinson-Inzidenz zeigen, weisen einige deutsche Studien auf einen Rückgang hin.
- Rückgang der Neuerkrankungen (2013-2019): Eine Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigt, dass die Häufigkeit neu aufgetretener Parkinson-Diagnosen in Deutschland in den Jahren 2013 bis 2019 um bis zu 30 Prozent zurückgegangen ist. Die Inzidenz sank von 168 pro 100.000 GKV-Mitglieder ab 50 Jahren im Jahr 2013 auf 122 im Jahr 2019. Die Zahl der bundesweit vertragsärztlich diagnostizierten Neuerkrankungen des ideopathischen Parkinson-Syndroms (IPS) hat im gleichen Zeitraum im Mittel der drei Falldefinitionen von knapp 130.000 auf gut 112.000 abgenommen.
- Kritische Betrachtung: Die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e. V. hinterfragt diese Ergebnisse. Prof. Kathrin Brockmann, 1. Vorsitzende der DPG, argumentiert, dass sich die 95 % Konfidenzintervalle der alters- und geschlechtsspezifischen Inzidenzen weitgehend überschneiden, sodass nicht von einer signifikanten Reduktion der Inzidenz ausgegangen werden kann.
- Mögliche Einflussfaktoren: Neben epidemiologischen Veränderungen könnten auch Änderungen im Diagnose- und Kodierverhalten oder reduzierte Arztbesuche während der COVID-19-Pandemie die Ergebnisse beeinflusst haben.
Regionale Unterschiede und Mortalität
Eine aktuelle Statistik aus Nordrhein-Westfalen (NRW) zeigt einen Anstieg der Todesfälle aufgrund der Parkinson-Erkrankung.
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- Anstieg der Todesfälle in NRW: Im Jahr 2023 verstarben 2.950 Menschen aus Nordrhein-Westfalen an einer Parkinson-Erkrankung. Die Sterbefälle aufgrund einer Parkinson-Erkrankung sind in den letzten 10 Jahren um 66,3 Prozent gestiegen (2013: 1.774 Fälle).
- Hohes Alter der Verstorbenen: Die Statistik zeigt, dass eine Parkinsonerkrankung mit Todesfolge in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2023 vorrangig bei älteren Menschen auftrat - fast drei Viertel (73,3 Prozent) waren 80 Jahre oder älter.
- Lebenserwartung: Parkinson-Patienten erreichten im Durchschnitt ein höheres Alter als die Allgemeinbevölkerung, was für die gute medizinische Versorgung der Betroffenen in Deutschland spricht.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen der Parkinson-Krankheit sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Es gibt sowohl genetische als auch Umweltfaktoren, die eine Rolle spielen können.
- Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Die Mehrzahl der Fälle tritt ohne erkennbare Ursache auf (idiopathisch).
- Genetische Faktoren: Etwa 10 Prozent der Parkinson-Erkrankungen sind genetisch bedingt.
- Umweltfaktoren: Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung, Schwermetalle und Pflanzenschutzmittel das Risiko einer Parkinson-Erkrankung erhöhen können.
Symptome und Diagnose
Die Parkinson-Krankheit ist durch eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen gekennzeichnet.
- Kardinalsymptome: Zu den Hauptsymptomen zählen Bewegungsstörungen wie Akinese (verzögerte Initiierung von Bewegungen), Bradykinese (Verlangsamung von Bewegungen), Rigor (Muskelverspannungen), Tremor (Muskelzittern) und posturale Instabilität (Störung der aufrechten Körperhaltung).
- Weitere Symptome: Häufige Begleiterscheinungen sind Demenz, Depressionen, Schlafstörungen, Verstopfung und Störungen des Geruchssinns.
Die Diagnose wird in der Regel anhand der klinischen Symptome gestellt.
Behandlung und Versorgung
Die Parkinson-Krankheit ist bis heute nicht heilbar. Es gibt jedoch viele Therapien, die den Verlauf verlangsamen und die Symptome über viele Jahre zurückdrängen können.
- Medikamentöse Behandlung: Die Gabe von Dopaminvorstufen (z. B. L-Dopa) kann den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen.
- Tiefe Hirnstimulation: Bei fortgeschrittener Erkrankung kann ein Hirnschrittmacher eingesetzt werden.
- Weitere Therapien: Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie können helfen, die motorischen Fähigkeiten und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
Prävention
Da die genauen Ursachen der Parkinson-Krankheit noch nicht bekannt sind, gibt es keine spezifischen Präventionsmaßnahmen. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann jedoch das Risiko möglicherweise reduzieren.
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- Gesunde Ernährung und Bewegung: Studien deuten darauf hin, dass eine gesunde Ernährung und viel Bewegung das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen signifikant reduzieren können.
- Vermeidung von Umweltgiften: Die Reduzierung der Exposition gegenüber Luftverschmutzung, Schwermetallen und Pflanzenschutzmitteln könnte ebenfalls präventiv wirken.
Forschung
Die Parkinson-Forschung konzentriert sich auf die Aufklärung der Krankheitsursachen, die Entwicklung neuer Therapien und die Verbesserung der Früherkennung.
- Ursachenforschung: Forschende suchen nach den Ursachen für das Nervenzellsterben bei Parkinson - sowohl bei der sporadischen als auch bei der erblichen Form der Erkrankung.
- Biomarker: Die Suche nach Biomarkern (messbare biologische Merkmale) soll eine Früherkennung von Parkinson ermöglichen und helfen, das Fortschreiten der Erkrankung besser im Auge zu behalten.
Herausforderungen und Ausblick
Die Parkinson-Krankheit stellt eine wachsende Herausforderung für Gesundheitssysteme dar. Die steigende Prävalenz und die komplexen Bedürfnisse der Patienten erfordern eine intensive Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den beteiligten Haus- und Fachärzten sowie Gesundheitsfachberufen.
Es ist wichtig, mehr in die Prävention neurodegenerativer Erkrankungen zu investieren und die Forschung voranzutreiben, um neue Therapien und Heilungsmöglichkeiten zu entwickeln.
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