Die Parkinson-Erkrankung ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die nicht nur motorische Symptome verursacht, sondern auch erhebliche psychische Belastungen für die Betroffenen und ihre Angehörigen mit sich bringt. Seit 2016 wird eine psychotherapeutische Behandlung für Parkinson-Patienten ausdrücklich von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in ihren Leitlinien empfohlen. Allein in Deutschland gibt es ca. 350.000 Parkinson-Patienten. Umso wichtiger ist es, evidenzbasierte und praxisnahe Therapieansätze zur Verfügung zu stellen. Ein herausragender Experte auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. Michael Macht, ein Psychologischer Psychotherapeut mit eigener Praxis und außerplanmäßiger Professor an der Universität Würzburg. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen die Psychologie der Parkinson-Erkrankung, die Beziehungen zwischen Essen und Emotion sowie die Behandlung gestörten Essverhaltens. Gemeinsam mit Prof. em. Dr. Heiner Ellgring, der am Max-Planck-Institut für Psychiatrie und verschiedenen Universitäten tätig war, hat Macht bedeutende Beiträge zur Entwicklung und Evaluation von psychologischen Interventionen für Parkinson-Betroffene geleistet.
Psychosoziales Training bei neurologischen Erkrankungen - Schwerpunkt Parkinson
Ein wesentlicher Beitrag von Macht und Ellgring ist das "Psychosoziale Training bei neurologischen Erkrankungen - Schwerpunkt Parkinson", ein Programm für die Schulung von Patienten und Angehörigen. Dieses Programm, das im Rahmen des europäischen Projektes EduPark in sieben Ländern parallel entwickelt wurde, basiert auf kognitiv-verhaltenstherapeutischen Methoden und richtet sich vor allem an Menschen mit Parkinson-Erkrankung, kann aber auch bei anderen neurologischen Erkrankungen wie z. B. Multiple Sklerose angewendet werden. Das Programm umfasst 8 Einheiten und ist für Gruppen von ca. 3-7 Personen konzipiert. Es ist in den Sprachen Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Finnisch, Niederländisch und Estnisch verfügbar.
Zielgruppen und Programmstruktur
Das Programm richtet sich in erster Linie an Patienten mit idiopathischer Parkinsonerkrankung und deren Angehörige, die aus Selbsthilfegruppen und Kliniken rekrutiert wurden. Konzeption und Durchführungshinweise des Programms legen implizit die Durchführung in einer geschlossenen Gruppe nahe. Es kann sinnvoll sein, Patienten und Angehörige nach dem Schweregrad der Erkrankung in verschiedene Gruppen aufzuteilen. Zwar ist das Programm in seinen Komponenten standardisiert, doch ist eine modifizierte Durchführung mit unterschiedlicher Gewichtung der Komponenten möglich.
Inhalte und Module des Trainingsprogramms
Das Manual vermittelt praktisches Know-how und gibt konkrete Trainingsmodule für die Gruppenarbeit mit Parkinson-Patienten und ihren Angehörigen an die Hand. Zum Beispiel Module:
- Zum Training der Stress- und Krankheitsbewältigung
- Zur krankheitsbezogenen Kommunikation
- Zum Training des Gefühlsausdrucks
- Spezielle Trainingsmodule für Angehörige
Das Buch enthält eine Fülle von Übungsbausteinen samt passenden Fragebogen, aus denen Sie auswählen können. Alle Module lassen sich einfach in den Praxisalltag integrieren.
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Lernziele und Hausaufgaben
Die Lernziele sind im Manual konkret definiert. Für jede Sitzung ist die Stellung einer Hausaufgabe vorgesehen, die in der nächsten Stunde besprochen wird. Die Hausaufgaben dienen dazu, das Gelernte im Alltag umzusetzen. Die Einzelarbeit besteht in der Bearbeitung von Hausaufgaben. Fokussiert werden dabei:
- Effiziente Informationssuche
- Das Erkennen und Bewältigen beeinträchtigender Gedanken und individueller Stressoren
- Training der krankheitsbezogenen Kommunikation
- Übung in Selbstbeobachtung
- Lernen aktiv soziale Unterstützung zu gewinnen
Durchführung und begleitende Zusammenarbeit
Wünschenswert ist die Durchführung des gesamten Programms durch denselben Trainer. Die begleitende Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen, z.B. mit einem Neurologen, für spezifische Sitzungen ist möglich. Die Leitung der spezifischen Sitzungen kann begleitend von verschiedenen Berufsgruppen, z.B. erfolgen. Vorgesehen ist die Durchführung der Sitzungen gemeinsam mit den Patienten. Ziel für die Angehörigen soll dabei sein, die belastenden Konsequenzen der Erkrankung zu bewältigen und spezielle Fertigkeiten für den Umgang mit dem Patienten zu entwickeln. Entsprechende Hausaufgaben sowie Übungen und Vorbereitungsaufgaben sind auch von den Angehörigen zu bearbeiten.
Präsentationsmedien und Materialien
Als Präsentationsmedien können beispielsweise Tafel, Beamer oder Flip-Chart verwendet werden. Kontaktadressen des Bundesverbands der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. und lokaler Einrichtungen sowie die Vorstellung entsprechender Seiten im Internet können ebenfalls hilfreich sein.
Evaluation und Wirksamkeit
Das Programm wird von der Mehrheit der Teilnehmer in nahezu allen Aspekten als hilfreich und gewinnbringend empfunden. Macht et al. (2007) Patient education in Parkinson’s disease: Formative evaluation of a standardized programme in seven European countries.
Weitere Forschung und Publikationen von Michael Macht
Neben dem psychosozialen Trainingsprogramm hat Michael Macht zahlreiche weitere Publikationen zur Parkinson-Erkrankung verfasst. Dazu gehören unter anderem:
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- Macht, M. (2021) Hunger, Frust und Schokolade.
- Macht, M. und Ellgring, H. (2018) Verhaltenstherapie bei der Parkinson-Erkrankung.
- Macht, M. (2003) Verhaltenstherapien mit Parkinson-Patienten.
- Macht, M. und Ellgring, H. (2003) Psychologische Interventionen bei der Parkinson-Erkrankung.
Kognitive Verhaltenstherapie für Menschen mit Parkinson und Betreuern
Smith Pasqualini, M., Macht, M. und Ellgring, H. (2024) Cognitive Behavioral Therapy for People with Parkinson’s Disease and Caregivers: A Guide for Mental Health Professionals. Würzburg University Press, Würzburg.
Bedeutung von Empathie, Problemverständnis und Änderungsmotivation
Entscheidend für eine wirksame Behandlung sind Empathie, Problemverständnis, Änderungsmotivation und ein gutes Arbeitsbündnis.
Die Praxis von Michael Macht
Die Praxis von Michael Macht ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar: Die Straßenbahnlinien 2 und 4 fahren ab Innenstadt bis zur Haltestelle Wörthstraße. Private Krankenkassen haben unterschiedliche Vertragsbedingungen, die vor Behandlungsbeginn zu erfragen sind.
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