Parkinson-Krankheit: Unterschiede im Gehirn und neue Erkenntnisse

Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Schüttellähmung, ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen des Nervensystems. Weltweit sind Millionen Menschen betroffen, allein in Deutschland sind es Hunderttausende. Die Erkrankung äußert sich durch eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Die Forschung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, um die Ursachen und Mechanismen der Parkinson-Krankheit besser zu verstehen.

Veränderungen im Gehirn bei Parkinson-Patienten

Ein Team von Forschern hat herausgefunden, dass bei der Parkinson-Krankheit die Volumina bestimmter Hirnregionen im Laufe der Zeit nach einem bestimmten Muster abnehmen, das mit den klinischen Symptomen zusammenhängt und weitgehend mit dem Muster übereinstimmt, das in Braaks berühmter Stadientheorie beschrieben wird.

Die Forscher analysierten die Veränderungen des Gehirnvolumens bei Parkinson-Patienten und Kontrollpersonen über einen Zeitraum von bis zu 8,8 Jahren mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT). Dabei stellten sie fest, dass die Hirnvolumina der Parkinson-Patienten fast doppelt so schnell abnahmen wie die der Kontrollgruppe, insbesondere in der grauen Substanz. Betroffen von dieser Volumenabnahme waren vor allem der Schläfen- und der Hinterhauptslappen, benachbarte Teile des unteren Scheitellappens und ventrale Teile des Frontallappens.

Die detaillierte anatomische Analyse ergab ein sehr spezifisches regionales Muster von Volumenveränderungen bei den Parkinson-Patienten, das sich von dem des gesunden Alterns unterscheidet. Die Volumenverringerungen der kortikalen Bereiche, der Amygdala und des basalen Vorderhirns korrelierten mit der Verschlechterung der klinischen Symptome. Das spezifische Muster der regionalen Volumenverringerungen stimmte mit dem von Heiko Braak vorgeschlagenen Stufenschema der Parkinson-Krankheit überein.

Braaks Stadientheorie

Braak und Kollegen hatten postmortale Gehirne auf das Vorhandensein von Aggregaten untersucht, die durch fehlgefaltete Alpha-Synuclein-Proteine gebildet werden, und postulierten eine fortschreitende Ausbreitung der Krankheit in sechs Stadien, die in den unteren Hirnstammkernen und dem Riechkolben beginnt und sich über das Mittelhirn zu den präfrontalen und prämotorischen Rinden fortpflanzt.

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Ursachen und Risikofaktoren der Parkinson-Krankheit

Die genauen Ursachen der Parkinson-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle spielt, darunter genetische Veranlagung, Umweltfaktoren und Alterungsprozesse.

Genetische Faktoren

Bei einigen Patienten mit Parkinson-Krankheit wurden Mutationen in bestimmten Genen festgestellt, die das Risiko für die Erkrankung erhöhen. Eines dieser Gene ist für die Herstellung von Alpha-Synuclein verantwortlich, einem Protein, das eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Krankheit spielt.

Umweltfaktoren

Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Umweltfaktoren, wie z.B. Pestizide, Lösungsmittel und polychlorierte Biphenyle, das Risiko für die Entwicklung einer Parkinson-Krankheit erhöhen können. Auch häufige Kopftraumata können das Risiko erhöhen.

Rolle des Immunsystems

Forscher haben herausgefunden, dass das Immunsystem bei der Parkinson-Krankheit eine wichtige Rolle spielen kann. Im Mittelhirn von Parkinsonpatienten wurden ungewöhnlich viele T-Zellen gefunden, die im Gehirn bei Erkrankungen zu finden sind, bei denen das Immunsystem das Hirn angreift. In einer ungewöhnlichen Zellkultur aus menschlichen Zellen töteten die Abwehrzellen von Parkinsonpatienten eine große Anzahl ihrer Nervenzellen, dies war jedoch nicht bei den gesunden Testpersonen nachweisbar.

Die Darm-Hirn-Achse

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Darmflora eine Rolle bei der Entstehung der Parkinson-Krankheit spielen könnte. Bei Betroffenen finden sich in der Darmflora vermehrt Bakterien, die Entzündungen verursachen. Zudem haben sie oft eine durchlässigere Darmschleimhaut, was zusätzlich das Risiko für eine Darmentzündung erhöht. Auch das Alpha-Synuclein, das eine Schlüsselrolle bei der Krankheitsentstehung einnimmt, wurde im Darm und im Nervus vagus (Verbindung zwischen Gehirn und Darm) nachgewiesen.

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Eisenverteilung im Gehirn

Eine Studie hat gezeigt, dass sich Eisen bei Menschen mit Parkinson auf ungewöhnliche Weise im Gehirn verteilt. Forscher wendeten eine spezielle Form der Magnetresonanztomographie (MRT) an, die es ihnen ermöglichte, die Eisenverteilung im gesamten Gehirn darzustellen - eine solche Untersuchung wurde hier erstmals für die Parkinson-Krankheit durchgeführt.

Symptome der Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit äußert sich durch eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen. Die motorischen Symptome sind vor allem:

  • Bradykinese: Verlangsamung von willkürlichen Muskelbewegungen
  • Rigor: Muskelsteifigkeit
  • Tremor: Zittern, meist in Ruhe

Zu den nicht-motorischen Symptomen gehören:

  • Riechstörung: Oft ein frühes Anzeichen der Erkrankung
  • Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafprobleme, ungesteuerte Beinbewegungen
  • Verstopfung: Beeinträchtigung der Darmtätigkeit
  • Blasenfunktionsstörungen: Häufiger Harndrang
  • Kognitive Einschränkungen: Probleme, sich an Dinge zu erinnern
  • Depressionen und Angststörungen: Beeinträchtigung der Lebensqualität
  • Demenz: Im späteren Verlauf der Erkrankung

Diagnose der Parkinson-Krankheit

Die Diagnose der Parkinson-Krankheit wird in der Regel von einem Neurologen gestellt. Dieser untersucht den Patienten körperlich und achtet dabei besonders auf die typischen Parkinson-Symptome. Zusätzliche Untersuchungen, wie z.B. eine Ultraschalluntersuchung einer bestimmten Hirnregion (Substantia nigra) oder ein MRT, können zur Diagnosefindung beitragen.

Behandlung der Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit ist derzeit nicht heilbar, aber die Symptome lassen sich gut behandeln. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus Medikamenten, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.

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Medikamentöse Therapie

Das älteste medikamentöse Therapieprinzip ist es, Dopamin zuzuführen - also den Botenstoff, der bei Parkinson-Betroffenen nicht mehr in ausreichender Menge vom Körper produziert wird. Das Mittel Levodopa ist bereits seit den frühen 70er Jahren zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung zugelassen. Es verbessert die typischen Parkinson-Symptome wie das Zittern, die verlangsamten Bewegungen und die Steifheit der Muskeln.

Weitere Medikamente, die zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden, sind:

  • Dopaminagonisten: Substanzen, die dem Botenstoff Dopamin sehr ähnlich sind
  • MAO-B-Hemmer: Wirkstoffe, die den Abbau von Dopamin im Gehirn stoppen
  • COMT-Inhibitoren: Wirkstoffe, die die Wirklücke bei Levodopa bis zur nächsten Gabe überbrücken

Invasive Therapieverfahren

Bei fortgeschrittener Parkinson-Krankheit können invasive Therapieverfahren in Betracht gezogen werden, wie z.B.:

  • Dopamin- oder Apomorphinpumpe: Gleichmäßige Gabe von Medikamenten über eine Sonde
  • Tiefe Hirnstimulation: Einsetzen eines Hirnschrittmachers, der elektrische Impulse in bestimmte Hirnregionen abgibt

Nicht-medikamentöse Therapien

Neben der medikamentösen Therapie sind nicht-medikamentöse Therapien ein wichtiger Bestandteil der Behandlung der Parkinson-Krankheit. Dazu gehören:

  • Physiotherapie: Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination
  • Ergotherapie: Anpassung des Wohnumfelds und Erlernen von Strategien zur Bewältigung des Alltags
  • Logopädie: Verbesserung der Sprach- und Schluckfunktion

Was Patienten selbst tun können

Patienten mit Parkinson-Krankheit können selbst einiges tun, um den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Bewegung und Sport: Verlangsamen den Verlauf der Erkrankung
  • Ausreichend Schlaf: Wichtig für die Regeneration des Körpers
  • Mediterrane Ernährung: Reich an Obst, Gemüse und gesunden Fetten
  • Soziales Leben mit vielen Kontakten: Wirkt der Entwicklung einer Demenz entgegen

Atypische Parkinson-Syndrome

Neben der klassischen Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) gibt es auch atypische Parkinson-Syndrome. Diese werden durch andere neurodegenerative Erkrankungen verursacht, die ebenfalls zu einem Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen führen. Zu den atypischen Parkinson-Syndromen gehören:

  • Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB): Geistige Einschränkungen und Halluzinationen im frühen Krankheitsstadium
  • Progressive supranukleäre Parese (PSP): Augenbewegungsstörungen und Fallneigung
  • Multisystematrophie (MSA): Gestörtes Zusammenspiel von Bewegungsabläufen und Funktionsbeeinträchtigungen des autonomen Nervensystems
  • Corticobasale Degeneration (CBD): Störungen beim Ausführen zielgerichteter Bewegungen

Neue Forschungsansätze

Die Parkinson-Forschung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Neue Forschungsansätze konzentrieren sich auf die Entwicklung von Therapien, die an den Ursachen der Erkrankung ansetzen und den Krankheitsverlauf verlangsamen oder aufhalten können. Dazu gehören:

  • Gentherapie: Ausschalten von Genen, die an der Entstehung von Parkinson beteiligt sind
  • Neuroimmunologie: Beeinflussung des Immunsystems, um die Zerstörung von Nervenzellen zu verhindern
  • Zielgerichtete Medikamente: Blockieren von Signalwegen, die die typischen Parkinson-Symptome verursachen

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