Parkinson und Rauchen: Studienlage und aktuelle Forschungsergebnisse

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen in bestimmten Hirnbereichen gekennzeichnet ist. Dies führt zu den typischen Symptomen wie Muskelsteifheit (Rigor), Zittern (Tremor) und verlangsamten Bewegungen (Bradykinese). In Deutschland erkranken jährlich etwa 13.000 Menschen an Parkinson. Die Ursachen der Krankheit sind komplex und noch nicht vollständig verstanden. Die Forschung konzentriert sich auf Botenstoffe, Eiweiße und Umweltfaktoren. Epidemiologische Studien haben jedoch gezeigt, dass Raucher seltener an Parkinson erkranken, was zu weiteren Untersuchungen über die mögliche Schutzwirkung von Nikotin geführt hat. Dieser Artikel fasst die aktuelle Studienlage und Forschungsergebnisse zum Thema Parkinson und Rauchen zusammen.

Parkinson-Krankheit: Ein heterogenes Syndrom

Parkinson zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems und manifestiert sich meist im Alter zwischen 55 und 65 Jahren. Professor Ullrich Wüllner vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Universität Bonn betont, dass es sich bei Parkinson nicht um eine einheitliche Erkrankung handelt, sondern um ein sehr heterogenes Syndrom. Eine Gemeinsamkeit aller Betroffenen ist die Verminderung des Botenstoffes Dopamin im Gehirn. Durch den Mangel an Dopamin wird das chemische Gleichgewicht im Gehirn gestört. Medikamente können dieses Gleichgewicht wiederherstellen und die Symptome lindern.

Ein frühes Anzeichen der Parkinson-Krankheit kann die Störung des Geruchssinns sein, die oft vor den motorischen Beeinträchtigungen auftritt. Zu den Hauptsymptomen gehören auch Muskelsteifheit (Rigor), die zu einem vornübergebeugten Gang mit kleinen Schritten führt, sowie das charakteristische Zittern (Tremor).

Forschungsschwerpunkte: Alpha-Synuclein und Darmbakterien

Die Forschung konzentriert sich auf den Eiweißstoff Alpha-Synuclein, dessen Verklumpung im Gehirn möglicherweise zur Entwicklung von Parkinson-Symptomen beiträgt. Ansätze zur Verbesserung des Abbaus dieses Proteins oder zur Reduzierung seiner Produktion werden untersucht. Eine Möglichkeit sehen die Forscher in unbekannten Arzneimittelwirkungen, sogenannten Off-target-Effekten. In einer Studie wird untersucht, ob bereits zugelassene Medikamente die Menge des Eiweißes Synuclein beeinflussen können.

Ein weiterer Forschungsansatz befasst sich mit den Darmbakterien, deren Zusammensetzung sich bei Parkinson-Patienten und gesunden Menschen erheblich unterscheiden kann. Das Ziel ist, herauszufinden, was Parkinson letztendlich auslöst, um Präventionsmaßnahmen entwickeln zu können.

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Nikotin und Parkinson: Epidemiologische Beobachtungen

Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass Raucher seltener an Parkinson erkranken. Nikotin, das nicht nur in Tabakblättern, sondern auch in anderen Nachtschattengewächsen wie Peperoni und Paprika vorkommt, könnte eine Rolle spielen. Daniela Berg, Leiterin der Klinik für Neurologie in Kiel, betont, dass Nikotin häufig als schützend vor Parkinson beschrieben wurde. Die Wirkung von Nikotin ist jedoch noch nicht vollständig verstanden.

Es gibt kaum einen Aspekt, der so häufig als schützend vor Parkinson beschrieben wurde wie Nikotin. Aber man würde deswegen natürlich niemandem zum Rauchen raten, denn es gibt viel zu viele negative Aspekte.

NIC-PD-Studie: Nikotinpflaster im Frühstadium der Parkinson-Krankheit

Eine doppelblinde, placebokontrollierte multizentrische Studie (NIC-PD-Studie) untersuchte, ob eine Nikotinbehandlung das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit im Frühstadium verlangsamen kann. Teilnehmer, die vor höchstens 18 Monaten die Diagnose Parkinson erhalten hatten und sich in einem frühen Stadium der Krankheit befanden, erhielten entweder transdermales Nikotin (bis zu 28 mg/Tag) oder ein Placebo. Die Behandlung erfolgte über 52 Wochen, gefolgt von einer 8-wöchigen Auswaschphase.

Der primäre Endpunkt war die Veränderung des UPDRS-Scores (Total Unified Parkinson’s Disease Rating Scale) nach 60 Wochen. Die Ergebnisse zeigten, dass sich der UPDRS-Score in der Nikotingruppe sogar stärker verschlechterte als in der Placebogruppe, was nicht für einen günstigen Effekt des Nikotinpflasters auf die Progression des Frühstadiums der Parkinson-Krankheit spricht. Es gab fast 60 Studienabbrüche, meist wegen einer Verschlechterung der Symptomatik.

Die Studienautoren schlussfolgerten, dass eine transdermale Nikotintherapie über ein Jahr auch bei frühem Krankheitsbeginn die Progression der Parkinson-Erkrankung nicht verlangsamen kann.

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Limitationen der NIC-PD-Studie und zukünftige Forschungsansätze

Als Studienlimitation wurde die Applikationsart des Nikotins durch Pflaster genannt. Auch wurden weder Nikotin- noch Nikotinmetabolit-Konzentrationen im Blut noch molekulargenetische Profile oder objektive Parkinsonprogressionsmarker erfasst.

Für zukünftige Studien wird empfohlen, Personen in einer prodromalen Phase der Erkrankung einzuschließen, die noch keine Behandlung erhalten. Nikotin sollte in einer pulsatilen Applikationsform verabreicht werden und zur Beurteilung des Effekts der Einsatz von klinischen und objektiven prodromalen Progressionsmarkern erforderlich sein.

Weitere Faktoren, die das Parkinson-Risiko beeinflussen können

Neben Nikotin spielen auch andere Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson. Dazu gehören genetische Veranlagung, Umweltgifte und Lebensstil.

  • Genetische Veranlagung: Bestimmte Bevölkerungsgruppen haben eine genetische Veranlagung, die das Risiko für Parkinson erhöht.
  • Umweltgifte: Pflanzenschutzmittel und Metalle wie Mangan können das Nervensystem schädigen und das Parkinson-Risiko erhöhen.
  • Lebensstil: Eine gesunde Ernährung mit polyphenolhaltigen Lebensmitteln wie grünem Tee, Kaffee und roten Beeren sowie regelmäßige körperliche Aktivität können einen positiven Einfluss auf die Nervenzellen haben und das Risiko für Parkinson verringern.

Regionale Unterschiede in der Parkinson-Häufigkeit

Die Häufigkeit von Parkinson variiert weltweit. Kanada und Nordamerika führen die Statistik an, während die Krankheit in Afrika weniger verbreitet ist. Es ist jedoch schwierig, eine weltweit verlässliche Studie zu erstellen, da die Diagnose von Parkinson in einigen Regionen aufgrund fehlender Neurologen erschwert ist.

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