Ein Tremor, definiert als eine unwillkürliche, rhythmische Bewegungsstörung, betrifft häufig die Hände, kann aber auch Kopf, Stimme oder Beine in Mitleidenschaft ziehen. Der Essentielle Tremor ist die häufigste Form, von der weltweit etwa 1 % der Bevölkerung betroffen ist. Die Auslöser sind vielfältig und reichen von Stress und Medikamentennebenwirkungen bis hin zu neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson.
Was ist ein Tremor?
Fast jeder Mensch kennt das Phänomen des Zitterns bei Kälte, Aufregung oder körperlicher Anstrengung. Dies ist eine normale Reaktion des Körpers, der sogenannte „physiologische Tremor". Medizinisch wird der Tremor als eine unwillkürliche, rhythmische und oszillierende Bewegung eines Körperteils definiert. Problematisch wird das Zittern, wenn es ohne erkennbaren äußeren Anlass auftritt, dauerhaft besteht oder den Alltag beeinträchtigt. Dann sprechen Mediziner von einem pathologischen, also krankhaften Tremor. Die Unterscheidung zwischen normalem und krankhaftem Zittern ist der erste wichtige Schritt zur Diagnose.
Die wichtigsten Formen des Tremors
Ärzte unterscheiden verschiedene Tremor-Syndrome:
Essentieller Tremor
Dies ist die häufigste krankhafte Tremorform. Kennzeichnend ist, dass das Zittern vor allem bei Bewegung (Aktionstremor) oder beim Halten einer Position (Haltetremor) auftritt. Typische Situationen sind das Halten einer Kaffeetasse, das Essen mit dem Löffel oder das Schreiben. Meist sind beide Hände, oft auch der Kopf („Nein-Nein"-Wackeln horizontal oder „Ja-Ja"-Wackeln vertikal) oder die Stimme betroffen. Neu ist die Unterscheidung in den „Essentiellen Tremor" und den „Essentiellen Tremor plus". Bei letzterem treten zusätzlich leichte andere neurologische Auffälligkeiten auf, wie etwa eine leichte Gangunsicherheit, die aber noch keine andere klare Diagnose zulassen.
Parkinson-Tremor
Im Gegensatz zum Essentiellen Tremor tritt das Zittern bei der Parkinson-Krankheit typischerweise in Ruhe auf (Ruhetremor). Das bedeutet, die Hände zittern, wenn sie entspannt im Schoß liegen oder beim Gehen locker herabhängen. Oft erinnert die Bewegung an das Drehen einer Pille zwischen Daumen und Zeigefinger („Pillendreher-Tremor"). Sobald die Hand gezielt bewegt wird, lässt das Zittern oft nach. Der Parkinson-Tremor ist also nicht gleichzusetzen mit allen Tremor-Formen. Es handelt sich um eine spezifische Variante mit charakteristischen Merkmalen.
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Dystoner Tremor
Hierbei wird das Zittern durch fehlgeleitete Signale im Gehirn verursacht, die zu unwillkürlichen Muskelanspannungen (Dystonien) führen. Dieser Tremor ist oft unregelmäßiger als andere Formen und tritt häufig in bestimmten Positionen auf oder verstärkt sich bei spezifischen Aufgaben.
Verstärkter physiologischer Tremor
Hierbei handelt es sich um das normale Zittern, das jeder Mensch hat, das aber durch äußere Faktoren so stark verstärkt wird, dass es sichtbar ist. Ursachen können Stress, Koffein, eine Schilddrüsenüberfunktion oder bestimmte Medikamente (zum Beispiel Asthmasprays) sein.
Ursachen des Tremor-Zitterns
Die Ursachen für einen Tremor sind vielfältig und liegen oft im zentralen Nervensystem. Mögliche Ursachen sind:
- Genetische Ursachen: Beim Essentiellen Tremor spielt die Vererbung eine große Rolle. Oft gibt es ähnliche Fälle in der Familie (ca. 40 bis 70 Prozent der Fälle).
- Erkrankungen: Neben Parkinson können auch Multiple Sklerose (MS), ein Schlaganfall oder eine Stoffwechselstörung (wie Leber- oder Nierenprobleme) ein Zittern auslösen.
- Funktionelle Ursachen: Manchmal liegt keine körperliche Schädigung der Nerven vor, sondern eine Störung in der Verarbeitung von Reizen, oft ausgelöst durch psychische Belastungen. Dies nennt man funktionellen Tremor. Er zeichnet sich durch einen plötzlichen Beginn aus und er bessert sich oder verschwindet durch Ablenkung der Patientin oder des Patienten.
- Entzug: Ein Suchtentzug, wie zum Beispiel bei einem Alkoholiker, kann zu einem Tremor führen.
Körperliche Folgen eines Tremors
In den meisten Fällen ist ein Tremor zwar belastend, aber nicht gefährlich. Bei bestimmten Grunderkrankungen oder wenn der Tremor plötzlich auftritt oder sich schnell verschlimmert, kann er jedoch auf ernsthafte Erkrankungen hindeuten. Ein leichtes Zittern nach viel Kaffee oder wenig Schlaf ist meist kein Grund zur Sorge.
Diagnose eines Tremors
Erste Ansprechstation sollte die Hausarztpraxis sein. Gegebenenfalls wird eine Überweisung in eine neurologische Fachpraxis folgen. Die Diagnose wird meist „klinisch" durchgeführt, das heißt durch ein Gespräch (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung.
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Anamnese
Die Ärztin oder der Arzt fragt, seit wann das Zittern besteht, ob es in Ruhe oder bei Bewegung auftritt und ob Familienmitglieder betroffen sind. Auch der Alkoholkonsum wird erfragt.
Körperliche Untersuchung
Sie werden zum Beispiel gebeten, Wasser von einem Glas in ein anderes zu schütten, eine Spirale zu zeichnen oder die Arme vorzustrecken. Dabei werden Frequenz und Amplitude (Ausschlag) des Zitterns überprüft.
Zusatzuntersuchungen
In unklaren Fällen können Bluttests (Schilddrüsenwerte), ein MRT des Kopfes oder spezielle nuklearmedizinische Untersuchungen zur Abgrenzung von Parkinson) nötig sein. Am verbreitetsten ist der DAT-Scan bei dem die Dopamin-Transportermoleküle dargestellt werden.
Behandlung von Tremor
Die Tremor-Therapie richtet sich streng nach der Ursache. Ein Patentrezept für alle Tremor-Formen gibt es nicht.
Medikamente
Beim Essentiellen Tremor gelten drei Medikamente als Mittel der ersten Wahl:
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- Propranolol: Ein Betablocker, der sonst gegen Bluthochdruck eingesetzt wird.
- Primidon: Ein Medikament, das ursprünglich gegen Epilepsie entwickelt wurde.
- Topiramat: Ebenfalls ein Antiepileptikum, das alternativ eingesetzt werden kann.
Diese Medikamente können das Zittern oft um 35 % bis 60 % reduzieren.
Beim Parkinson-Tremor kommen verschreibungspflichtige Medikamente wie L-Dopa oder Dopaminagonisten zum Einsatz, um den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen.
Botulinumtoxin (Botox)
Bei Tremorformen, die den Kopf oder die Stimme betreffen, sowie bei dystonem Tremor, sind Injektionen mit Botulinumtoxin oft sehr wirksam. Der Wirkstoff schwächt die überaktiven Muskeln gezielt ab.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken und der Leidensdruck sehr hoch ist, kann die Tiefe Hirnstimulation (oft „Hirnschrittmacher" genannt) erwogen werden. Dabei werden Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert. Dieses Verfahren ist beim schweren Essentiellen Tremor und beim Parkinson-Tremor hochwirksam.
MR-gesteuerter fokussierter Ultraschall (MRgFUS)
Dies ist ein neueres Verfahren, bei dem Hirngewebe mittels gebündelter Ultraschallwellen ohne Operation von außen erhitzt und ausgeschaltet wird. Es ist eine Option für Patientinnen und Patienten mit Essentiellem Tremor, die nicht operiert werden können oder wollen.
Leben mit dem Tremor: Tipps für den Alltag
Neben der medizinischen Behandlung können kleine Anpassungen im Alltag helfen, besser mit dem Zittern zurechtzukommen:
- Stress reduzieren: Aufregung verstärkt fast jede Form des Tremors.
- Anpassungen im Alltag: Es gibt eine Reihe von Hilfsmitteln, die den Alltag erleichtern können, wie z.B. beschwerte Besteckteile, spezielle Tassen oder ergonomische Schreibgeräte.
- Ergotherapie: Ergotherapeuten können helfen, Strategien zu entwickeln, um alltägliche Aufgaben trotz des Tremors besser zu bewältigen.
- Unterstützung suchen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.
Parkinson und Alkohol: Ein komplexes Verhältnis
Viele Patientinnen und Patienten mit Essentiellem Tremor bemerken, dass schon kleine Mengen Alkohol das Zittern kurzzeitig bessern. Dies ist ein bekanntes Phänomen (bei 50-90 % der Betroffenen). Studien haben gezeigt, dass bereits geringe Mengen Alkohol (ab etwa 0,2 Promille, z.B. ein kleines Glas Wein) eine vorübergehende Linderung bewirken können.
Der Mechanismus hinter der Wirkung von Alkohol auf Tremor
Es wird vermutet, dass Alkoholmoleküle sich im Gehirn an bestimmte Rezeptoren (N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptoren, kurz NMDA-Rezeptoren) heften und diese blockieren. NMDA-Rezeptoren treten im Kleinhirn besonders gehäuft auf, welches eine Rolle in der sogenannten Tremor-Schleife spielt. Diese Schleife umfasst mehrere miteinander verbundene Gehirnregionen, die sich im Kreis aktivieren: vom motorischen Cortex im Großhirn über den Pons, weiter zum Kleinhirn und von dort aus über den Thalamus wieder zurück zum motorischen Cortex.
Wenn der Alkohol die NMDA-Rezeptoren im Kleinhirn blockiert, könnte dies die Tremor-Schleife unterbrechen und das Zittern vorübergehend aufhalten.
Der Rebound-Effekt
Es ist jedoch gesichert, dass sich der Tremor nach Abbau des Alkohols zunächst verstärkt. Dies könnte daran liegen, dass der Körper als Reaktion auf die Blockade der Rezeptoren durch Alkohol mehr Rezeptoren dieser Art produziert, um den Mangel auszugleichen. Nach Abbau des Alkohols sind dann übermäßig viele Rezeptoren vorhanden, was die Aktivierung in der Tremor-Schleife verstärkt und somit auch das Zittern selbst - so lange, bis sich wieder ein normaler Rezeptorpegel eingestellt hat.
Alkohol als Selbsttherapie?
Obwohl Alkohol kurzfristig das Zittern reduzieren kann, sollte er nicht als Selbsttherapie eingesetzt werden, da dies zu Abhängigkeit führen kann. Darüber hinaus kann es zu Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen. Alkohol führt auch bei gesunden Menschen zu langsameren Reaktionen, schlechterer Koordination und undeutlicher Sprache. Menschen mit Parkinson-Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung bereits diese Symptome haben, sollten Alkohol meiden.
Alkohol und das Parkinson-Risiko
Welchen Einfluss Alkohol auf das Risiko hat, an Parkinson zu erkranken, ist nicht abschließend geklärt. Aktuelle Studiendaten weisen aber darauf hin, dass vermutlich kein Zusammenhang besteht und dass Alkohol nicht zu den Ursachen von Parkinson zählt. Möglicherweise zählt aber übermäßiger Alkohol-Konsum bei Morbus Parkinson zu den Risikofaktoren.
Eine zusammenfassende Analyse von elf prospektiven Studien ergab, dass der Konsum alkoholischer Getränke - im Vergleich zu Abstinenz zu Studienbeginn - mit einem signifikant um 19 % verringerten Parkinson-Risiko einherging. Das geringste relative Risiko zeigte sich zwischen 26 und 36 g Alkohol täglich, was in etwa einem viertel bis einem drittel Liter Wein entspricht. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Ergebnisse nicht dazu genutzt werden sollten, Abstinente zum Konsum alkoholischer Getränke aufzufordern.
Ernährung bei Parkinson
Menschen mit Parkinson haben aufgrund motorischer Symptome einen erhöhten Energiebedarf. Fehlende oder verminderte Nahrungsaufnahme können deshalb schnell zu Mangelernährung führen. Zudem leiden Betroffene häufig unter Verstopfung (Obstipation) oder Schluckstörungen (Dysphagie). Die Aufnahme von Eiweiß sollte mit der L-Dopa-Einnahme abgestimmt werden.
Allgemeine Ernährungstipps
- Jeder Mensch benötigt eine gesunde und ausgewogene Ernährung.
- Ballaststoffreiche Ernährung (Getreide, Gemüse, Kartoffeln) bei Verstopfung.
- Viel Flüssigkeit zu sich nehmen.
- Ausreichend bewegen.
- Vitaminreiche Ernährung.
- Bei hoher Dosierung von L-Dopa sollte eiweißreiche Kost (z.B. Fisch, Fleisch, Eier, Soja) zeitlich versetzt zur Medikamenteneinnahme gegessen werden.
- Wenn L-Dopa Übelkeit verursacht, kann man bei der Medikamenteneinnahme z.B. ein Stück trockenes Brot essen.
Ernährung bei Schluckstörungen
Mit fortschreitender Parkinsonerkrankung kann die Schluckstörung (Dysphagie) das Risiko für Mangelerscheinungen und Gewichtsverlust erhöhen. Der Ernährungsstatus sollte bei Menschen mit Parkinson frühzeitig nach Diagnose der Erkrankung regelmäßig überprüft werden. Sollte es nicht gelingen, eine ausreichende Ernährung zu erreichen, kann das Legen einer Magensonde (PEG - perkutane endoskopische Gastrostomie) erforderlich werden.
Schlafstörungen bei Parkinson
Schlafstörungen sind ein sehr häufiges Problem der Parkinson-Erkrankung. Bis zu 90 % der Menschen mit Parkinson haben Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen. Die Ursachen von Schlafstörungen sind vielfältig und können durch Parkinson-Symptome, aber auch durch Medikamente verursacht sein. Schlafprobleme können zu einer Verschlechterung der Parkinson-Symptome und zu neuen Problemen wie Müdigkeit, Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsstörungen führen.
Ursachen von Schlafstörungen bei Parkinson
- Steifigkeit, Zittern: Diese typischen Symptome der Parkinson-Erkrankung können manchmal nachts sehr ausgeprägt sein.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Unangenehme Missempfindungen v. a. in den Beinen, die besonders abends in Ruhe bzw. vor dem Einschlafen auftreten und sich erst durch Bewegung der Beine bessern.
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Ausleben von Trauminhalten und nächtliche Bewegungen der Gliedmaßen.
- Tagesschlaf: Längere „Mittagsschläfchen“ können zu nächtlichen Problemen beim Ein- oder Durchschlafen führen.
- Nebenwirkungen von Medikamenten: Einige Parkinson-Medikamente können eine aktivierende und wachmachende Wirkung haben, andere lösen eine sehr unangenehme innere Unruhe aus.
- Negative Gedanken / „Sorgenkreisen“: Negative Gedanken, Sorgen und Ängste machen sich besonders in den Abend- und Nachtstunden bemerkbar.
- Probleme mit der Blasenentleerung: Häufiges Wasserlassen in der Nacht.
Tipps für besseren Schlaf
- Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, entspannende Abendroutine, angenehme Schlafumgebung.
- Einschlafroutine: Die Stunde vor dem Schlafengehen kann genutzt werden, um bewusst zur Ruhe zu kommen und sich „vom Tag zu verabschieden“.
- Schlafzimmer: Das Schlafzimmer sollte ein Ort der Entspannung sein und auch ausschließlich zum Schlafen genutzt werden.
- Ernährung / Getränke: Kaffee, schwarzer Tee oder andere koffeinhaltige Getränke sollten vor dem Schlafengehen vermieden werden. Alkohol sollte bei Schlafstörungen gemieden werden, weil er den Schlaf oft insgesamt beeinträchtigt. Die Abendmahlzeit sollte nicht zu schwer sein und auch nicht zu spät eingenommen werden.
- Sport: Eine regelmäßige sportliche Aktivität im Tagesverlauf kann die Schlafqualität deutlich verbessern.