Die Partnersuche kann für jeden Menschen eine Herausforderung darstellen. Für Menschen mit Tetraplegie, einer Querschnittlähmung, die alle vier Gliedmaßen betrifft, kommen jedoch noch spezifische Aspekte hinzu, die die Suche nach einem Lebenspartner beeinflussen können. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Menschen mit Tetraplegie bei der Partnersuche, gibt Einblicke in ihre Strategien und Herausforderungen und zeigt verschiedene Wege auf, wie sie Liebe und Beziehungen finden können.
Mut zur Liebe: Eine Frage der Perspektive
„Liebe wird aus Mut gemacht“, singt Nena. Und dieser Mut ist es, der vielen Menschen mit Behinderung bei der Partnersuche hilft. Lara, eine junge querschnittgelähmte Frau, ist aktiv auf der Suche nach einem Lebenspartner. Sie weiß genau, was sie will und wen sie sucht: einen treuen, ehrlichen, verständnisvollen und sensiblen Mann ohne Berührungsängste, der bereit ist, mit ihr durch dick und dünn zu gehen. Lara macht keinen Hehl aus ihrer Behinderung.
Offenheit oder Zurückhaltung: Der Umgang mit der Behinderung
Die Frage, ob man bei der Partnersuche von Anfang an auf seine Behinderung hinweisen oder sich damit lieber Zeit lassen soll, wird kontrovers diskutiert. Einige bevorzugen die offene Kommunikation, um Missverständnisse und Enttäuschungen zu vermeiden. Andere möchten sich zunächst als Person präsentieren und die Behinderung erst später thematisieren.
Lara wählt den offenen Weg und gibt in ihrer Kontaktanzeige offen an, dass sie im Rollstuhl sitzt und weitere gesundheitliche Einschränkungen hat. Sie inseriert gezielt in Zeitschriften für Menschen mit Behinderung oder in entsprechenden Foren, um Männer zu erreichen, die mit ihrer Situation besser umgehen können.
André D., der seit einem Autounfall inkomplett querschnittgelähmt ist, hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Zunächst suchte er über Zeitungsanzeigen, später nutzte er Online-Partnerbörsen. Er stellte fest, dass viele Frauen von seiner Behinderung abgeschreckt sind. „Der Rollstuhl ist das Schlimmste, was dir passieren kann“, sagt er. Er glaubt, dass viele Frauen Männer suchen, die sie beschützen können, und dass er diesen Anspruch aufgrund seiner Behinderung nicht erfüllen kann.
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Singlebörsen für Menschen mit Behinderung: Vor- und Nachteile
Im Internet gibt es zahlreiche Singlebörsen und Partnervermittlungen für Menschen mit und ohne Behinderung. Einige Angebote sind kostenfrei, andere kostenpflichtig. Auf dem Vergleichsportal singleboersen-finder.de werden die Vor- und Nachteile von konventionellen und spezialisierten Anbietern gegenübergestellt.
Einige Menschen mit Behinderung bevorzugen spezialisierte Singlebörsen, da sie dort auf Partner treffen, die mit ihrer Lebenssituation vertraut sind. Der Betreiber der Seite handicap-love.de berichtet, dass auf herkömmlichen Datingseiten der Chat oft abbricht, sobald man sich als behindert outet. Auf Seiten eigens für Menschen mit Behinderung sei man davor geschützt, da hier die Behinderung von vornherein bekannt ist.
Andere sehen in spezialisierten Singlebörsen eine Form der Ausgrenzung und plädieren für Inklusion im Onlinedating. Sie argumentieren, dass Menschen mit Behinderung das Recht auf gleiche Wahlmöglichkeiten haben und dass ein gesondertes Angebot dieses Recht bedroht. Je mehr Singles mit Behinderung sich auf den Mainstream-Portalen anmelden, desto selbstverständlicher wird Vielfalt auf diesen werden.
Herausforderungen und Hindernisse
Die Partnersuche mit Tetraplegie kann mit verschiedenen Herausforderungen verbunden sein. Dazu gehören:
- Körperliche Einschränkungen: Die Lähmung kann die Sexualität und die Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu erledigen, beeinträchtigen.
- Gesellschaftliche Vorurteile: Viele Menschen haben Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung und können sich eine Beziehung mit ihnen nicht vorstellen.
- Mangelndes Selbstwertgefühl: Einige Menschen mit Behinderung haben ein geringes Selbstwertgefühl und glauben nicht, dass sie für andere attraktiv sind.
- Barrieren: Barrieren im öffentlichen Raum und in den Wohnungen können die Partnersuche erschweren.
- Angst vor Ablehnung: Die Angst vor Ablehnung kann dazu führen, dass man sich nicht traut, auf andere zuzugehen.
André D. ist aufgrund schmerzhafter Erfahrungen in der Vergangenheit davon überzeugt, dass nichts Männer in Augen von Frauen unattraktiver macht als ein Rollstuhl. Er berichtet von Zurückweisungen und dem Gefühl, dass er nicht den Erwartungen der Frauen entspricht.
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Wege zum Glück: Strategien und Tipps
Trotz der Herausforderungen gibt es viele Menschen mit Tetraplegie, die eine erfüllte Partnerschaft gefunden haben. Einige Erfolgsstrategien sind:
- Offenheit und Ehrlichkeit: Sprechen Sie offen über Ihre Behinderung und Ihre Bedürfnisse.
- Selbstbewusstsein: Stehen Sie zu sich selbst und Ihrem Körper.
- Humor: Behalten Sie Ihren Humor und nehmen Sie sich selbst nicht zu ernst.
- Positive Lebenseinstellung: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken und Ihre positiven Eigenschaften.
- Interessen: Gehen Sie Ihren Interessen nach und treffen Sie andere Menschen, die Ihre Leidenschaften teilen.
- Unterstützung: Suchen Sie Unterstützung bei Freunden, Familie oder in Selbsthilfegruppen.
- Professionelle Hilfe: Nehmen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch, z. B. eine Therapie oder eine Beratung.
- Geduld: Seien Sie geduldig und geben Sie nicht auf. Die Suche nach dem richtigen Partner kann Zeit dauern.
Britta und Micha sind seit fünf Jahren ein Paar, als Micha sich bei einem Badeunfall schwer verletzt und eine Querschnittlähmung (C4) erleidet. Beide kämpfen sich durch die Zeit voller Herausforderungen und bauen ein gemeinsames Leben auf. Britta ist unermüdlich und probiert mit Micha alles aus. So erleben sie Sachen, die sie sich im ersten Moment nicht zugetraut hätten.
Micha betont, wie wichtig es ist, eine Perspektive zu haben, Aufgaben zu übernehmen und am sozialen Leben teilzunehmen. Er hat von seinem alten Arbeitgeber die Zusage, dass er in seinen alten Job zurückkehren kann. Auch Handbike fahren und Rollstuhl-Rugby spielen geben ihm viel Motivation.
Sexualität mit Tetraplegie: Möglichkeiten und Herausforderungen
Eine Querschnittlähmung verändert das Leben eines jeden Menschen auf dramatische Art und Weise. Dies betrifft auch den Bereich der Sexualität. Es ist wichtig, sich mit diesen Veränderungen auseinanderzusetzen, den Körper neu zu entdecken, seine körperlichen Veränderungen zu kennen und auch innerlich anzunehmen. Unrealistische Erwartungen können weit hinderlicher für ein erfülltes Sexualleben sein als die tatsächlichen körperlichen Beeinträchtigungen.
Es gibt verschiedene Methoden und Hilfsmittel, die Menschen mit Tetraplegie helfen können, ihre Sexualität auszuleben. Dazu gehören:
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- Medikamente: Medikamente wie Viagra oder Cialis können bei Erektionsstörungen helfen.
- Hilfsmittel: Stauringe können bei Männern, die eine Erektion haben, welche aber für den Geschlechtsverkehr nicht ausreicht, hilfreich sein.
- Sexualtherapie: Eine Sexualtherapie kann helfen, neue Wege zu finden, die Sexualität zu genießen.
- Sexualassistenz: Sexualbegleitung ist eine spezielle Form der Sexarbeit, die sich an Menschen richtet, die besondere Schwierigkeiten haben, ihre Sexualität zu leben.
Christine, die aufgrund einer Tetraplegie im Rollstuhl sitzt, hat durch Sexualbegleitung eine neue Lebensqualität gefunden. Sie fühlt sich von ihrem Sexualbegleiter angenommen und ernst genommen und darf Frau sein.
Torsten Pickert, der ebenfalls im Rollstuhl sitzt, hat durch die Treffen mit einer Sexualbegleiterin gelernt, zu seinen sexuellen Bedürfnissen zu stehen. Für ihn ist die Sexualbegleitung jedoch keine Dauerlösung. Er hofft, eines Tages seine Sexualität mit einer Partnerin ausleben zu können.
Das Recht auf Sexualität und Intimität
Menschen mit Behinderungen haben das gleiche Recht auf Sexualität und Intimität wie Menschen ohne Behinderungen. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft dieses Recht anerkennt und unterstützt. Dazu gehört auch, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu Informationen, Beratung und Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um ihre Sexualität selbstbestimmt auszuleben.
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