Ultraschall bei Parkinson: Patientenberichte und neue Therapieansätze

Einführung

Parkinson-Patienten leiden häufig unter unkontrollierbarem Zittern, auch Tremor genannt, das ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Während Medikamente und die Tiefe Hirnstimulation (THS) etablierte Behandlungsmethoden darstellen, rückt der fokussierte Ultraschall (HiFUS) als vielversprechende, minimal-invasive Option immer stärker in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Ultraschall bei Parkinson-Patienten, basierend auf aktuellen Berichten und Studienergebnissen, und gibt einen Überblick über die neuesten Entwicklungen und Therapieansätze.

Was ist ein Tremor?

Ein Tremor ist eine Form der Bewegungsstörung, bei der es zu unwillkürlichem Zittern kommt - am häufigsten an Händen oder Armen, seltener an Kopf oder Rumpf. In Deutschland ist etwa eine von 100 Personen vom sogenannten Essentiellen Tremor betroffen - einem Zittern ohne erkennbare neurologische Ursache. Diese Form tritt oft familiär gehäuft auf und verstärkt sich, wenn Muskeln aktiv angespannt werden, etwa beim Schreiben oder Trinken. Bei Parkinson-Erkrankten mit Tremor ist es meist umgekehrt: Das Zittern nimmt bei gezielten Bewegungen eher ab.

Fokussierter Ultraschall (HiFUS) als Behandlungsoption

Der Magnetresonanztomografie-gesteuerte fokussierte Ultraschall (MRgFUS) ist eine innovative Methode, die es ermöglicht, tief im Gehirn liegende Störherde ohne offene Chirurgie auszuschalten. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt den Einsatz dieser schonenden und präzisen Methode.

Funktionsweise

Bei der HiFUS-Behandlung werden über 1.000 Ultraschallstrahlen durch einen speziellen Helm gebündelt und punktgenau auf ein Areal des Thalamus gerichtet, das als wichtige Durchleitungsstation für die Tremor-Signale im Gehirn dient. Die entstehende Wärme deaktiviert gezielt die überaktiven Nervenzellen, ohne umliegendes Gewebe zu schädigen. Die Behandlung erfolgt in einem Magnetresonanztomografen (MRT), der die Behandlung in Echtzeit überwacht.

Vorteile gegenüber traditionellen Methoden

  • Nicht-invasiv: Kein Schnitt, keine Operation, keine Implantate.
  • Präzise: Millimetergenaue Behandlung bestimmter Hirnareale.
  • Schnelle Erholung: Viele Patienten können das Krankenhaus bereits nach wenigen Tagen verlassen.
  • Geringes Komplikationsrisiko: Im Vergleich zu operativen Eingriffen sind die Nebenwirkungen eher gering.
  • Langfristige Wirkung: Internationale Studien belegen eine anhaltende Symptomverbesserung über mehrere Jahre.

Anwendungsbereiche

Die HiFUS-Therapie ist nicht nur bei essentiellem Tremor, sondern auch bei der Parkinson-Erkrankung und neuropathischen Schmerzen zugelassen. Sie eignet sich insbesondere für Patienten, die auf Medikamente nicht ausreichend ansprechen oder keine tiefe Hirnstimulation wünschen.

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Patientenberichte und Studienergebnisse

Verbesserung der Symptome

Patienten berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Symptome nach der HiFUS-Behandlung. Sie können wieder zitterfrei trinken, essen oder schreiben, was oft fast unmöglich war. Eine aktuelle Studie in der Zeitschrift „Neurology“ belegt, dass das Zittern bei den Teilnehmern auch drei Jahre nach dem Eingriff noch deutlich verbessert war.

Langzeitwirkung

Forscher um Dr. Casey H. Halpern von der Stanford-Universität haben das moderne Ultraschallverfahren bei 76 Patienten mit therapieresistentem essentiellem Tremor angewendet. Selbst drei Jahre nach der Behandlung war das Zittern bei der Hälfte der Studienteilnehmer noch deutlich verbessert. Auch Behinderungen und die Lebensqualität, die durch die chronische Bewegungsstörung vor dem Eingriff stark eingeschränkt war, hatten sich bei vielen Patienten noch gebessert (56 und 42 Prozent).

Erfahrungen in Deutschland

DEGUM-Experte Professor Dr. Ullrich Wüllner führt das fokussierte Ultraschallverfahren seit eineinhalb Jahren in seiner Bonner Neurologie-Abteilung durch und konnte damit bereits 35 Patienten erfolgreich behandeln. Bei Parkinson-Patienten, deren Tremor medikamentös nicht in den Griff zu bekommen war, zeigt die Therapie sehr gute, anhaltende Erfolge.

Studie im "The New England Journal of Medicine"

Eine Studie, die Ende 2020 im angesehenen „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, zeigte, dass der fokussierte Ultraschall wirkungsvoll Parkinson-Symptome lindern kann. 40 Personen nahmen an der Studie teil, wobei 27 die Ultraschall-Therapie erhielten und 13 als Kontrolle ein Scheinverfahren.

Tiefe Hirnstimulation (THS) als Alternative

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine operative Therapie, bei der Elektroden in der Tiefe des Gehirns platziert werden. Diese Elektroden modulieren die Aktivität der betreffenden Hirnareale mithilfe elektrischer Impulse aus einem Batterie-Aggregat, ähnlich einem Herzschrittmacher.

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Vorteile der THS

  • Wirkt sehr gut gegen Tremor und andere motorische Symptome.
  • Betroffene gewinnen oft mehrere Jahre, in denen sie unter deutlich geringeren Symptomen leiden.

Nachteile der THS

  • Erfordert eine Eröffnung des Schädels, wodurch die Gefahr von Hirnblutungen oder Infektionen entsteht.
  • Der Teil des Hirnschrittmachers, von dem die elektrischen Impulse zur Hirnstimulation ausgehen, muss nach 3-5 Jahren gewechselt werden.

Neue Neurostimulatoren für eine personalisierte Versorgung

In der Neurochirurgischen Klinik des LMU Klinikums München wurde im Januar der erste Parkinson-Patient weltweit mit einem neuen Neurostimulator versorgt, der eine bessere, personalisierte Versorgung von Patienten ermöglicht. Damit könnte eine Behandlung möglich werden, bei der die Stimulation gezielt den Anforderungen an die jeweilige Situation (z.B. Gehen, Sprechen, Schlafen) angepasst und optimiert wird. Auch „komplexere“ Alltagssituationen wie gleichzeitig Reden und Gehen sollten auf diese Weise für die Patienten besser zu bewältigen sein. Die Neurochirurgen am LMU Klinikum waren auch bereits an der Entwicklung der neuen Technologie im Rahmen von klinischen Studien beteiligt.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Noch ist fokussierter Ultraschall bei Parkinson-Tremor eine experimentelle Therapie. Die Krankenkassen dürfen die Kosten für die Behandlung nicht vollständig übernehmen. Sie erstatten nur einen Basissatz für sogenannte stereotaktische Eingriffe. Grund dafür ist, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bei der Ultraschall-Methode keinen Zusatznutzen gegenüber anderen bestehenden Behandlungsverfahren wie der Tiefen Hirnstimulation sieht. Die DEGUM fordert daher eine Aufnahme der modernen Ultraschalltherapie in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Langzeitstudien

Um die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit des fokussierten Ultraschalls weiter zu untersuchen, sind weitere Langzeitstudien erforderlich. In Bonn wird beispielsweise im Rahmen einer Beobachtungsstudie am Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) der Langzeitverlauf bei Patienten mit essentiellem Tremor genau studiert.

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