Paul Biya: Gesundheitszustand und die Zukunft Kameruns

Paul Biya, der 92-jährige Präsident Kameruns, steht seit Jahrzehnten an der Spitze des Landes. Seine lange Amtszeit, Spekulationen über seinen Gesundheitszustand und die politische Lage Kameruns werfen wichtige Fragen auf.

Eine Ära Biya: 50 Jahre an der Macht

Paul Biya regiert Kamerun seit 50 Jahren, zunächst als Premierminister und seit 1982 als Präsident. Er ist einer der am längsten amtierenden Staatschefs der Welt. Seine Herrschaft begann unter französischer Kolonialherrschaft, und er studierte Jura in Yaoundé und Paris. Offiziell hat er acht Wahlen gewonnen, obwohl zivilgesellschaftliche Analysen bei einigen Fälschungen festgestellt haben. Insbesondere die Wahlen von 1992, bei denen erstmals mehrere Parteien zugelassen waren, sollen manipuliert worden sein.

Spekulationen um den Gesundheitszustand

In den vergangenen Jahren wurden öffentliche Auftritte des Präsidenten in Kamerun immer seltener, während seine "kurzen privaten Aufenthalte in Europa" immer länger wurden. Biya residiert dann meist im Hotel Interkontinental in Genf. Im Wahlkampf trat er nur einmal auf und schickte sonst überlebensgroße Puppen, die ihn und seine Frau darstellen sollten.

Die Regierung hatte im Herbst 2024 Spekulationen über Biyas Gesundheitszustand verboten und erklärt, es gehe dem Präsidenten gut, nachdem er mehrere Monate lang nicht in Kamerun war. Zuletzt wurde vermehrt berichtet, dass andere an seiner Stelle die Geschicke des Landes leiteten und er nur noch das Gesicht sei.

Nach fast sieben Wochen Abwesenheit kehrte Biya am 21. Oktober 2024 nach Kamerun zurück. Seine lange Abwesenheit hatte Spekulationen über seinen Gesundheitszustand ausgelöst, insbesondere da er an mehreren wichtigen internationalen Treffen nicht teilgenommen hatte. Gerüchte über seinen Tod verbreiteten sich rasch in sozialen Medien, wurden jedoch von Regierungsvertretern dementiert.

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Politische Herausforderungen und Kritik

Kamerun steht vor zahlreichen politischen Herausforderungen. Im Westen des Landes herrscht seit rund acht Jahren ein Ausnahmezustand. Separatisten wollen den anglophonen Landesteil vom französischsprachigen lösen. Die Regierung geht brutal gegen die zum Teil bewaffnete Bewegung vor, auch mit der von Biya direkt befehligten Sonderarmee BIR.

Biyas Familie sorgt immer wieder für Schlagzeilen, sei es mit den Frisuren und extravaganten Outfits seiner Frau Chantal oder mit der Tochter Brenda, die sich als lesbisch outete und dazu aufrief, ihren Vater nicht zu wählen.

Die Opposition kritisiert die Wahlen als manipuliert und die Meinungs- und Pressefreiheit sind stark eingeschränkt. Ein Drittel der Bevölkerung lebt in extremer Armut, während Biyas Privatvermögen auf mehr als 200 Millionen US-Dollar geschätzt wird. Die Opposition ist zersplittert und wird von der Regierung gezielt bekämpft.

Die nächste Generation und die Frage der Nachfolge

Der Altersdurchschnitt in Kamerun ist knapp 18 Jahre. Mehr als Dreiviertel der Bevölkerung sind geboren, nachdem Biya sein Amt angetreten hat. Viele Einwohner des zentralafrikanischen Landes können sich nicht mehr an eine Zeit vor Paul Biya erinnern.

Biyas erneuter Kandidatur begegnen viele Kameruner mit Schulterzucken. "Das ist keine Überraschung", sagt der Student Olivier Njoya. Insbesondere junge Menschen haben den Eindruck, dass der kamerunische Wahlapparat auf die Regierungspartei zugeschnitten ist. Sie seien nicht der Ansicht, dass ihre Stimme bei der Beteiligung in der Politik gehört werde.

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Manche Experten sehen Biya aber nicht als starken Mann, sondern als Marionette eines perfiden politischen Systems. Laut Nanga bleibt Paul Biya trotz seines gebrechlichen Gesundheitszustands der Einzige, der die Einheit der Partei bewahren könne. "Sobald ein anderer offiziell an die Macht kommt, wird die Partei zerbrechen. Es gibt bereits tiefe interne Gräben", so Nanga.

Ein geeigneter Nachfolger mit breiter Unterstützung in der Bevölkerung ist nicht in Sicht.

Kamerun am Scheideweg

Kamerun steht vor wichtigen Herausforderungen. Die politische Stabilität des Landes hängt eng mit der Person Paul Biya zusammen. Sein Gesundheitszustand, die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung und die Frage der Nachfolge sind entscheidende Faktoren für die Zukunft Kameruns.

Die Jugend des Landes wünscht sich einen Regierungswechsel und eine Verbesserung der Lebensbedingungen. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Wünsche erfüllen werden.

Die Rolle internationaler Beziehungen

Trotz seines Reichtums an Öl, Erdgas, Aluminium, Gold, Edelhölzern, Kaffee, Kakao und Baumwolle ist Kamerun stark von der Wirtschaft Chinas, aber auch von Entwicklungshilfen abhängig. Die internationalen Beziehungen spielen eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche und politische Entwicklung des Landes.

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