Die perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) ist eine etablierte Methode zur künstlichen enteralen Ernährung, wenn die normale Nahrungsaufnahme über den Mund nicht mehr möglich oder ausreichend ist. Die PEG-Sonde wird endoskopisch unter leichter Betäubung direkt durch die Bauchdecke in den Magen gelegt und ermöglicht so eine sichere und langfristige Ernährung mit Sondennahrung. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die PEG-Sonde und gibt praktische Tipps für den Alltag, insbesondere im Kontext nach einem Schlaganfall.
Wann ist eine PEG-Sonde notwendig?
Eine PEG-Sonde kommt zum Einsatz, wenn Patienten aufgrund von Erkrankungen wie Schlaganfall, Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, neurologischen Erkrankungen oder anderen Gründen nicht mehr ausreichend essen oder trinken können. Im Unterschied zu einer Nasensonde ist die PEG-Sonde für eine längere Anwendung gedacht und bietet mehr Komfort im Alltag.
Entscheidungshilfe: Wann ist eine PEG-Sonde sinnvoll?
Die Entscheidung für oder gegen eine PEG-Sonde fällt vielen Menschen schwer und sollte daher immer individuell und gemeinsam mit dem behandelnden Team, dem Betroffenen selbst und ggf. Angehörigen getroffen werden. Wichtige Aspekte sind die Grunderkrankung, die Prognose, die Lebensqualität und die persönlichen Wünsche des Patienten. Eine umfassende Aufklärung über Nutzen, Risiken und Alternativen ist dabei unerlässlich. Auch eine Patientenverfügung kann eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen. Die Entscheidungshilfe informiert umfassend darüber, was künstliche Ernährung bedeutet, aus welchen Gründen sie im Einzelfall erforderlich sein kann und welche Argumente dagegen sprechen.
Ernährungsprobleme verstehen
Es ist wichtig zu verstehen, wie es zu Ernährungsproblemen kommt und welche Maßnahmen ergriffen werden können. Die Frage, was eine PEG für den Angehörigen bedeutet und welche Fragen vor einer Entscheidung geklärt werden sollten, sind zentral. Es sollte auch geklärt werden, wer letztendlich die Entscheidung trifft und wie der Betroffene selbst entscheiden würde.
Ablauf der Anlage einer PEG-Sonde
Die Anlage einer PEG-Sonde erfolgt in der Regel während einer Magenspiegelung (Gastroskopie), wofür in der Regel keine Vollnarkose notwendig ist. Nun wird die Bauchwand betäubt und eine Hohlnadel durch die Bauchwand in den Magen eingeführt. An diesem Faden wird nun die PEG-Sonde befestigt. Durch Zug am Faden, der aus der Bauchdecke herausragt, wird die PEG-Sonde nun durch die Speiseröhre bis in den Magen gezogen und anschließend aus dem künstlich geschaffenen Kanal (Stoma) durch die Bauchdecke herausgezogen. Der Eingriff ist für die meisten Patienten wenig belastend und kann meist ambulant oder mit kurzem Klinikaufenthalt durchgeführt werden.
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Vorbereitung und Durchführung
Bevor die PEG-Sonde gelegt wird, werden Umstände und Erkrankungen ausgeschlossen, die das Legen der Sonde zu einem Risiko machen könnten. Vor dem Anlegen der Magensonde wird der Patient in eine leichte Schlafnarkose versetzt, sodass keine Schmerzen empfunden werden. Schon wenige Stunden nach der Operation können Tee, stilles Mineralwasser und Sondennahrung über die PEG-Sonde zu sich genommen werden.
Praktische Fragen aus dem Alltag zur PEG-Sonde
Zu Beginn der Ernährung mit über eine Magensonde tauchen oft viele Fragen auf. Das ist ganz normal und auch verständlich. Hier werden einige der häufigsten Fragen im Alltag beantwortet.
Körperpflege und Hygiene
Sobald das Magenstoma nach der Anlage einer PEG-Sonde abgeheilt und reizlos ist (meist 7-10 Tage), kann die Körperpflege wie gewohnt durchgeführt werden. Duschen ist mit einer PEG-Sonde in der Regel bereits nach einer Woche und Baden nach zwei Wochen möglich. Selbstverständlich können Sie mit einer PEG-/ Magensonde auch schwimmen gehen. Bei Unsicherheiten empfiehlt sich Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder Pflegepersonal.
Hungergefühl und Sättigung
Das Hunger- und auch Sättigungsgefühl hängt davon ab, ob der Magen weiterhin normal funktioniert und ob noch Nahrung über den Mund aufgenommen wird. Viele Betroffene berichten, dass das Hungergefühl und auch das Gefühl der Sättigung nachlässt, wenn die Ernährung ausschließlich über die PEG erfolgt. Dennoch ist das Empfinden individuell unterschiedlich.
Liegedauer und Komplikationen
Eine PEG-Sonde ist für den langfristigen Einsatz konzipiert und kann oft mehrere Monate bis Jahre im Körper verbleiben. Voraussetzung ist eine gute Pflege der Sonde und der Einstichstelle. Bei Komplikationen (z.B. Infektionen, Verstopfung der Sonde) sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Für eine gute Funktionsfähigkeit und lange Lebensdauer einer PEG-Sonde sowie zur Vermeidung von Wundinfektionen ist eine gute und sorgfältige Pflege der Sonde das A und O.
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Pflege der Sonde
- Spülen der Sonde: Die PEG-Sonde sollte vor und nach jeder Nahrungsgabe sowie vor und nach der Medikamentenapplikation mit 20-40 ml Wasser erfolgen.
- Reinigung des Sondenansatzes: Der Sondenansatz sollte regelmäßig gereinigt werden.
- Verbandswechsel inkl. Mobilisation der Sonde: Der Verband um die Sondeneintrittsstelle sollte mindestens 2-mal wöchentlich gewechselt werden, um die Haut zu schützen und Infektionen vorzubeugen.
Geschmack der Sondennahrung
Die meisten Sondennahrungen für die Gabe über eine PEG-Sonde haben keinen Geschmack, da sie nicht wie gewöhnliche Nahrungsmittel über den Mund aufgenommen, sondern direkt in den Magen oder Dünndarm verabreicht werden. Oftmals ist es jedoch möglich, zusätzlich kleinere Mengen wie gewohnt zu essen oder zu trinken und so Geschmackserlebnisse trotz Sondenernährung zu genießen.
Reisen mit einer PEG-Sonde
Eine Urlaubsreise mit einer PEG-Sonde ist mit einer guten Planung selbstverständlich möglich - egal ob mit Auto oder Flugzeug. Fragen Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt, ob eine Reise in Bezug auf Ihre Erkrankung und Ihren Allgemeinzustand ratsam ist. Spricht einer Reise nichts entgegen, hilft eine Reise-Checkliste, um nichts Wichtiges zu vergessen. Bei Flugreisen sollten Sie vorsorglich mit der Fluggesellschaft klären, was Sie beim Mitführen von Sondennahrung bzw. der notwendigen Applikationstechnik berücksichtigen müssen.
PEG-Sonde nach Schlaganfall: Besondere Aspekte
Ein Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und wichtigste Ursache für Langzeitbehinderung bei Erwachsenen in Deutschland. Nach einem Schlaganfall sollten Betroffene besonders darauf achten, durch die geeignete Ernährungstherapie den Genesungsprozess zu unterstützen.
Ernährungstherapie zur Unterstützung der Genesung
Übergewicht ist ein Risikofaktor, einen Schlaganfall zu erleiden. Die Empfehlung von Fachgesellschaften, Gewicht abzunehmen, beziehen sich allerdings darauf, präventiv einen Schlaganfall zu vermeiden. Eine ungewollte Gewichtsabnahme nach einem Schlaganfall sollte dagegen vermieden werden. Bereits ein Gewichtsverlust von 3 kg unmittelbar nach dem Schlaganfall in der akuten Phase ist mit einer schlechteren Genesung verbunden.
Schluckstörungen (Dysphagie) nach Schlaganfall
Für viele Betroffene ist es gar nicht so einfach, nach einem Schlaganfall ihr Gewicht zu halten. In der akuten Phase, unmittelbar nach dem Schlaganfall, leidet mindestens die Hälfte der Patient:innen an einer Dysphagie. Schluckstörung nach Schlaganfall ist ein Risikofaktor für einen verlängerten Krankenhausaufenthalt und eine erhöhte Pflegebedürftigkeit mit der Folge stärkerer Abhängigkeit nach Entlassung. Sie beeinflusst sowohl die Prognose als auch die Kosten der Krankheit und zählt zu dem häufigsten und zugleich gefährlichsten Symptom vieler neurologischer Erkrankungen.
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Maßnahmen bei Dysphagie
Um diese Gefahr zu verringern, kann in dieser Phase eine orale Nahrungskarenz (NPO) notwendig sein. Damit dennoch eine ausreichende Versorgung mit Energie und lebenswichtigen Nährstoffen wie Eiweiß, Vitamine, Spuren- und Mengenelementen sicher gestellt ist, kann in diesen Fällen eine Sondenernährung notwendig sein. Im Rahmen der logopädischen Therapie kann allmählich, je nach Zustand der Patient:innen, der orale Kostaufbau (unter anderem mithilfe von Andickungsmitteln) beginnen.
Ernährungssituation und Mangelernährung
Im Laufe der Dysphagie-Therapie verbessert sich die Schluckstörung in vielen Fällen wieder. Je nach Dysphagiegrad muss die Kost aber noch passiert, püriert und weich, teilweise Flüssigkeiten angedickt sein. Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit dieser Diät der konsistenzadaptierten Kost meist weit weniger essen und trinken als sie sollten. Das Risiko einer Mangelernährung ist in dieser Phase sehr hoch, so dass eine supplementierende Sondenernährung sinnvoll sein kann. Sondennahrung ist vollbilanziert. Auch 6 Monate nach dem Schlaganfall sind noch 10 % der Patient:innen von einer Schluckstörung betroffen. Ernährung über die Sonde und normales Essen schließen sich nicht unbedingt aus: in vielen Fällen ist eine Kombination aus Sondennahrung möglich.
Bedeutung des Ernährungszustandes
Auch nach Rückbildung einer Dysphagie und der Wiedererlangung des Schluckvermögens sollte auf den Ernährungszustand der Betroffenen geachtet werden. In der Genesungsphase sollten Energie- und Nährstoffvorräte, die während der unmittelbaren Zeit nach dem Schlaganfall aufgebraucht wurden, wieder aufgefüllt werden. Eine Schluckstörung ist ein hohes Risiko, nach einem Schlaganfall an Gewicht zu verlieren. Sie ist aber nicht der alleinige Grund, dass sich nach einem Schlaganfall der Ernährungszustand verschlechtert. Ein Gewichtsverlust mit dem Risiko auf eine Mangelernährung sollte vermieden werden, denn ein guter Ernährungszustand hat hohen Einfluss auf den Behandlungserfolg und die Genesung.
Erkennung und Behandlung von Mangelernährung
Dennoch erhält das Thema nicht die notwendige Aufmerksamkeit, obwohl Mangelernährung weit verbreitet ist. Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt: in der Rehabilitation ist mehr als die Hälfte von Schlaganfallbetroffenen mangelernährt bzw. vom Risiko einer Mangelernährung betroffen. Das MUST Screening ist eine international anerkannte Methode für den ambulanten Bereich, um Erwachsene mit einer Mangelernährung oder einem Risiko für Mangelernährung zu identifizieren. Es wird von Fachgesellschaften wie der DGEM empfohlen. Wird ein Ernährungsrisiko erkannt, gilt es, eine rechtzeitige Ernährungsunterstützung einzuleiten und einen möglichst schnellen und nachhaltigen Therapiefortschritt zu unterstützen. Dazu gehören unter anderem Trinknahrungen sowie enterale Sondennahrungen.
Lösungen für eine einfache und sichere Ernährung
Bei fortschreitendem Therapieverlauf kann der Patient aus der Reha entlassen werden. Auch nach der Reha spielt eine ausreichende und nährstoffreiche Ernährung eine entscheidende Rolle für die weitere Genesung. Aber oftmals fühlen sich die Patient:innen unsicher und laufen Gefahr, ihre Ernährung zu vernachlässigen. Mit dem Ziel, die Ernährung nach einem Schlaganfall so einfach und sicher wie möglich zu gestalten, gibt es für jede Situation passende Lösungen. Trinknahrungen versorgen in kleinem Volumen mit Energie und Nährstoffen und unterstützen, wenn nur kleine Portionen gegessen werden können und eine ausreichende Versorgung mit Energie und Nährstoffen über herkömmliche Ernährung nicht möglich ist. Ist die normale Ernährung stark eingeschränkt oder nicht mehr möglich, kann die Ernährung mithilfe einer Sonde notwendig sein. Sondennahrung zeichnet sich aus durch eine hochwertige, durchdachte Rezeptur für eine besonders gute Verträglichkeit.
Künstliche Ernährung: Wann ist sie notwendig?
Ist ein Mensch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, sich auf natürlichem Weg zu ernähren, kommt häufig eine künstliche Ernährung über eine Ernährungssonde infrage. Dies kann verschiedene Ursachen haben, wie fortgeschrittene neurologische Erkrankungen, ein Schlaganfall, Demenz, Tumorerkrankungen im Mund, Rachen oder der Speiseröhre. Häufig wird in diesen Fällen eine sogenannte PEG-Sonde eingesetzt. PEG steht für perkutane endoskopische Gastrostomie und meint das Einlegen einer Sonde über die Bauchdecke in den Magen. Sie dient dazu, den Körper mit lebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen, eine Mangelernährung vorzubeugen und die Lebensqualität zu erhalten.
Entscheidungshilfe zur künstlichen Ernährung
Bei der künstlichen Ernährung über eine PEG-Sonde wird im Rahmen einer Magenspiegelung ein dünner, flexibler Schlauch durch die Haut der Bauchdecke in den Magen eingesetzt. Über diese Sonde erhält der Patient oder die Patientin üblicherweise die künstliche Nahrung. Die betroffene Person muss hierzu die Einwilligung erteilen. Um Sie dabei zu unterstützen hat die AOK gemeinsam mit Pflegewissenschaftlerinnen der Universität Witten/Herdecke sowie weiteren Experten und Expertinnen eine Entscheidungshilfe entwickelt.
Ethische Aspekte und Patientenwille
Vor der Entscheidung für eine perkutane Gastrostomie kann für den Arzt eine ethische Orientierung notwendig sein. Ein häufiger medizinischer Eingriff mit etwa 140 000 Fällen pro Jahr in Deutschland ist die künstliche Ernährung mithilfe einer perkutanen endoskopisch kontrollierten Gastrostomie (PEG-Sonde). 70 Prozent der so Ernährten sind Heimbewohner. Von diesen leidet die Hälfte an einer psychischen Krankheit, meistens einer Demenz. Häufig wird gezögert, mit einer künstlichen Ernährung per Magensonde zu beginnen, wenn mit keiner Besserung des Zustands zu rechnen ist.
Ethische Orientierungshilfe
Um den Behandelnden eine Orientierungshilfe zur Anwendung der PEG-Sonde zu bieten, hat der „Arbeitskreis für medizinische Ethik“ der Evangelischen Kirche im Rheinland eine Stellungnahme erarbeitet. An der Erklärung mitgewirkt haben der Kirchenbeauftragte für Fragen der Ethik in Biologie und Medizin, Pfarrer Prof. Dr. theol. Ulrich Eibach, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie, Prof. Dr. med. Dr. Rolf Hirsch, sowie Dr. med. Helge Güldenzoph und Prof. Dr. med. Klaus Zwirner.
Menschenwürde und Lebenswert
Bei schwerstpflegebedürftigen Menschen, zum Beispiel Patienten mit Hirnausfall infolge Unfall, Schlaganfall oder Demenz, kann eine langfristige künstliche Ernährung erforderlich sein. Einem Verzicht darauf mit oder ohne Einwilligung des Patienten, wie von Kritikern gefordert, wollen die Autoren nicht befürworten. Sie weisen aber auf die Problematik eines möglichen Konflikts zwischen Patientenwillen, dem ärztlichen und pflegerischen Standesethos und Gewissensüberzeugungen der Therapeuten hin.
Das Leben umfasse mehr als nur die empirische Autonomie und die bewussten Interessen. Artikel 2 des Grundgesetzes formuliere das Recht auf Leben, nicht nur den Schutz autonomer Interessen. Kein Mensch dürfe ein Urteil über sein eigenes und erst recht nicht über das Leben anderer fällen. „Menschenunwürdiges Leben“ gebe es nicht, sehr wohl jedoch eine menschenunwürdige Behandlung. Verzicht auf künstliche Ernährung dürfe nie mit einer Infragestellung der Menschenwürde und des Lebenswerts begründet werden.
Basisbetreuung und Tötungsverbot
In den Grundsätzen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung wird als ein Element der Basisbetreuung Sterbender das Stillen von Hunger und Durst genannt. Schwerstkranke und Sterbende empfinden und äußern diese Bedürfnisse oft nicht mehr. Die Gruppe um Eibach fasst die Basisbetreuung weiter: Die Nahrungszufuhr bedeute eine grundsätzliche pflegerische Maßnahme, auch wenn sie den Einsatz einer PEG-Sonde voraussetze. Entscheidend sei, ob mit dem Vorenthalten von Nahrung das Tötungsverbot berührt wird. Deshalb müsse der Arzt abwägen, ob oder ob nicht der Tod eines Patienten bald und unausweichlich eintreten werde. Im ersten Fall sei der Verzicht auf Krankheitsbekämpfung und künstliche Ernährung legitim. Bei alten, hirnorganisch beeinträchtigten oder multimorbiden Patienten sei diese Einschätzung oft sehr schwierig. Weder Anfang noch Ende der langen Phasen des Sterbens seien genau absehbar. Durch Vorenthalten von Nahrung werde das Sterben nicht in jedem Fall beschleunigt.
Medizinische Indikation und psychische Erkrankungen
Die Autoren betonen, dass die Anwendung einer PEG-Sonde immer einer medizinischen Indikation bedarf. In der Geriatrie und Gerontopsychiatrie sei sie als Ultima Ratio anzusehen. Nahrungsverweigerung könne auch ein stummer Ruf nach mehr Zuwendung sein.
Eine PEG-Sonde sei oft als palliative, aber auch als lebenserhaltende Maßnahme notwendig, um Mangelernährungen und deren erhebliche negative Folgen bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Morbus Parkinson zu vermeiden. Menschen mit einer psychischen Erkrankung, etwa einer Depression oder Magersucht, müssten von der krankheitsbedingten Notwendigkeit einer künstlichen Ernährung, gegebenenfalls auch einer PEG-Sonde, überzeugt werden und ohne deren Zustimmung künstlich ernährt werden, falls dies notwendig ist. Bei entscheidungsfähigen Patienten sollte eine künstliche Ernährung nicht gegen deren Willen erfolgen. Ein schwieriges Urteil werde von den Betreuern bei einem nicht mehr entscheidungsfähigen, noch nicht sterbenden Menschen verlangt. Dann müsse der mutmaßliche Wille des Betroffenen eruiert werden. Für die Zeit des Sterbens könne die palliative Anlage einer PEG-Sonde geboten sein. An sozialen Kontakten und mitmenschlicher Zuwendung dürfe es jedoch nie fehlen.
Künstliche Ernährung: Formen und Entscheidungen
Ist eine natürliche Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich, müssen die für unseren Körper wichtigen Nährstoffe anderweitig zugeführt werden. Eine Möglichkeit ist die künstliche Ernährung - etwa über eine Sonde oder einen Port. Doch wer entscheidet, wann eine künstliche Ernährung notwendig ist, welche Form angewendet wird, und wer unterstützt Sie dabei? Die Entscheidung, ob jemand eine künstliche Ernährung braucht, ist niemals leicht zu treffen. Hierfür ist immer eine medizinische Indikation erforderlich. Es muss also von Arztseite die künstliche Ernährung für eine bestimmte Person angeordnet werden. Das ist grundsätzlich dann der Fall, wenn es Betroffenen nur unzureichend oder nicht mehr möglich ist, Flüssigkeit und Nährstoffe in ausreichendem Ausmaß über den Mund beziehungsweise den Verdauungstrakt aufzunehmen.
Formen der künstlichen Ernährung
Über die künstliche Ernährung erhält der Körper alle lebenswichtigen Nährstoffe. Dabei werden die normalen Verdauungswege teils oder ganz umgangen. Es gibt zwei Formen der künstlichen Ernährung: über eine Ernährungssonde in den Magen („enteral“) oder direkt in den Blutkreislauf („parenteral“).
Enterale Ernährung
Eine enterale Ernährung kann dann erfolgen, wenn der der Betroffene selbst nicht mehr essen kann oder darf (etwa weil aufgrund von Schluckstörungen die Gefahr zu groß ist, dass Nahrungsbestandteile in die Lunge geraten), der Magen-Darm-Trakt aber noch funktionsfähig ist. Bei der enteralen Ernährung erfolgt die Nahrungsaufnahme über eine Sonde in der Nase oder über eine Sonde direkt in den Magen. Dabei werden jeweils Mund, Rachen und Speiseröhre umgangen.
Bei der Magensonde wird ein Zugang durch die Bauchdecke direkt in den Magen gesetzt. Dafür ist ein kleiner Schnitt in der Bauchdecke nötig, was unter leichter Narkose erfolgt. Beide Sonden können zu Hause verwendet werden.
Parenterale Ernährung
Bei der „parenteralen“ Ernährung hingegen wird der gesamte Verdauungstrakt umgangen („par-enteral“ = „um den Darm herum“): Alle Nährstoffe werden in Form von Nährstofflösungen über einen Zugang in die Venen direkt in die Blutbahn geleitet.
- Intravenöser Port: Ein intravenöser Port ist ein Zugang, der in einem chirurgischen Eingriff direkt unter die Haut gelegt wird, meist im Brustbereich. Die Verabreichung von Nährstofflösungen oder Medikamenten erfolgt nun über ein spezielles „Portnadelsystem“. Der Port ist von außen nur wenig sichtbar.
- ZVK (zentralvenöser Venenkatheter) oder „Venen-Verweil-Kanüle“: Der ZVK ist ein dünner Katheter, der in eine der großen Venen gelegt wird (im Arm, unter dem Schlüsselbein oder am Hals). Venenverweilkanülen sind kleinere Katheter, die in Venen etwa am Arm gelegt werden.
Falls dies noch machbar ist, können und sollen auch Patienten unter parenteraler Ernährung Nahrung über den Mund erhalten.
Vor- und Nachteile der verschiedenen Ernährungsformen
- Enterale Ernährung: Die Sondennahrung enthält alle erforderlichen Nährstoffe und kann vom Darm gut verwertet werden. Sie wird entweder über viele Stunden (16h/Tag) verabreicht, was die Bewegungsfähigkeit der Person allerdings stark einschränkt. Die Nahrung kann aber auch portionsweise zu den normalen Essenszeiten verabreicht werden, was dem natürlichen Rhythmus entspricht. Die Voraussetzung dafür ist eine normale Magen-Darm-Funktion.
- Parenterale Ernährung: Die Nährlösung, die über eine Infusion direkt in die Venen und damit in den Blutkreislauf geleitet wird, enthält alle lebensnotwendigen Nährstoffe wie Glukose, Fett, Aminosäuren (Baustoffe von Eiweiß) oder Vitamine. Die genaue Menge und Zusammensetzung werden individuell auf die Bedürfnisse Ihres betroffenen Familienmitglieds abgestimmt. Tipp: Ist Ihr Angehöriger grundsätzlich noch mobil, empfiehlt es sich, diese Infusionen über Nacht zu verabreichen.
Pflege und Hygiene
- Enterale Ernährung: Alle Sonden müssen regelmäßig darauf überprüft werden, ob sie dicht sind, nicht verstopft und ob die Nahrung korrekt ein- und durchläuft. Im Fall von PEG-Sonden muss die Einstichstelle täglich mit antiseptischen Lösungen gereinigt werden, vor dem Gebrauch sind die Hände zu desinfizieren und Handschuhe anzuziehen. PEG-Sonden sind ebenfalls regelmäßig zu inspizieren, und die Haut um die Eintrittsstelle muss trocken gehalten werden.
- Parenterale Ernährung: Am wichtigsten ist die Hygiene, um Infektionen zu vermeiden. Das heißt, Sie sollten immer „sauber“ mit den Zugängen wie dem Port arbeiten (nur nach Händereinigung und Händedesinfektion) und mit intakten Materialien. Auch eine regelmäßige Reinigung des Systems ist erforderlich.
Beendigung der künstlichen Ernährung
Ja, falls die künstliche Ernährung nicht mehr erforderlich ist: etwa wenn die betroffene Person nach einem Schlaganfall wieder sicher schlucken kann, oder wenn Hindernisse im Verdauungstrakt (Narben, Tumore) entfernt wurden.
Kostenübernahme und Patientenwille
Bei einer ärztlich verordneten Indikation für künstliche Ernährung übernimmt die Krankenkasse in der Regel die meisten Kosten. Die Einleitung, Fortführung oder Beendigung einer künstlichen Ernährung setzt, wie eingangs erwähnt, zwingend eine medizinische Notwendigkeit (Indikation) voraus. Allerdings muss gleichzeitig der Wille des Betroffenen beachtet werden: Ein Mensch darf grundsätzlich nicht gegen seinen Willen künstlich ernährt werden. Es gibt aber auch Ausnahmen, etwa wenn die Nahrung wegen einer psychischen Störung verweigert wird. Ist die betroffene Person nicht mehr entscheidungsfähig, ist eine eventuell vorliegende Patientenverfügung rechtlich bindend. Fehlt diese, muss der mutmaßliche Wille des Betroffenen ermittelt werden.
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