Perineurium: Die Blut-Nerven-Schranke und ihre Funktion

1. Einführung

Die Blut-Nerven-Schranke (BNS) ist ein physiologisches Konzept, das die selektive Permeabilität der Blutgefäße in peripheren Nerven beschreibt. Sie spielt eine entscheidende Rolle für die Aufrechterhaltung der Homöostase im Nervengewebe und schützt es vor schädlichen Substanzen und Immunzellen. Das Perineurium ist eine der Hauptkomponenten der BNS und trägt wesentlich zu ihrer Funktionalität bei.

1.1 Hintergrund

Die peripheren Nerven stellen die Verbindung zwischen dem zentralen Nervensystem (ZNS) und den peripheren Zielorganen dar. Sie sind für die Übertragung sensorischer Informationen und die Steuerung motorischer Funktionen unerlässlich. Im Gegensatz zum ZNS, wo die Blut-Hirn-Schranke eine ähnliche Schutzfunktion erfüllt, sind periphere Nerven anfälliger für Verletzungen und Entzündungen. Die BNS im Perineurium trägt dazu bei, diese Anfälligkeit zu verringern.

1.2 Anatomische Grundlagen

Um die Funktion des Perineuriums als Blut-Nerven-Schranke zu verstehen, ist ein Einblick in die Anatomie des peripheren Nervensystems unerlässlich.

1.3.1 Mikroskopische Anatomie des peripheren Nervensystems

Periphere Nerven bestehen aus Nervenfaserbündeln und bindegewebigen Hüllstrukturen. Diese Hüllstrukturen sind von außen nach innen das Epineurium, das Perineurium und das Endoneurium.

  • Epineurium: Umschließt den gesamten peripheren Nerv und besteht aus straffem Bindegewebe. Es enthält Bindegewebssepten, die zwischen die einzelnen Faszikel einstrahlen und den Nerv gegenüber der Umgebung verschieblich machen.
  • Perineurium: Umschließt mehrere hundert Nervenfasern zu einem Faszikel (Nervenfaserbündel). Es gilt als Fortsetzung der Leptomeningen und bildet eine Diffusionsbarriere zwischen Endoneuralraum und Interstitium. Das Perineurium ist entscheidend für die Bildung der Blut-Nerven-Schranke.
  • Endoneurium: Umgibt jede einzelne Nervenfaser und besteht aus lockerem Bindegewebe. Tight Junctions der endoneuralen Endothelzellen bilden die eigentliche Blut-Nerven-Schranke. Zusammen mit der Basalmembran der Schwann-Zelle bildet das Endoneurium die Endoneuralscheide.

Nervenfasern setzen sich aus Axonen und ihren Markscheiden zusammen. Axone sind die langen, zylindrischen Fortsätze von Nervenzellen, die elektrische Signale weiterleiten. Schwann-Zellen umgeben die Axone und bilden die Myelinscheide, eine isolierende Schicht, die die Geschwindigkeit der Signalübertragung erhöht. Zwischen den Schwann-Zellen befinden sich die Ranvierschen Schnürringe, die für die saltatorische Erregungsleitung wichtig sind.

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Im histologischen Längsschnitt eines peripheren Nervs sind überwiegend Zellkerne der Schwann-Zellen sichtbar, während neuronale Zellkerne seltener erkennbar sind.

1.3 Pathophysiologische Grundlagen

Die BNS spielt eine wichtige Rolle bei der Immunologie des peripheren Nerventraumas sowie bei der Pharmakologie und Toxikologie von Lokalanästhetika.

1.4.1 Immunologie des peripheren Nerventraumas

Nach einer Nervenverletzung kommt es zu einer Kaskade von Ereignissen, die eine Entzündungsreaktion auslösen. Zelltrümmer und beschädigte Myelinscheiden aktivieren Makrophagen und andere Immunzellen, die in das Nervengewebe einwandern. Diese Zellen setzen Zytokine und andere Entzündungsmediatoren frei, die die axonale Membran schädigen und Funktionsstörungen auslösen können. Die BNS reguliert den Eintritt von Immunzellen in das Nervengewebe und trägt so zur Kontrolle der Entzündungsreaktion bei.

1.4.2 Pharmakologie und Toxikologie von Lokalanästhetika

Lokalanästhetika sind Medikamente, die die Erregungsleitung in Nervenfasern blockieren und dadurch Schmerzen und andere Empfindungen unterdrücken. Sie werden häufig bei peripheren Nervenblockaden eingesetzt. Lokalanästhetika können jedoch auch neurotoxisch wirken, insbesondere wenn sie in hohen Konzentrationen oder über längere Zeiträume angewendet werden. Die BNS begrenzt die Diffusion von Lokalanästhetika in das Nervengewebe und schützt es so vor potenziellen Schäden.

Lokalanästhetika bestehen aus aromatischen Seitenketten und basischen terziären Stickstoffatomen. Ihre Strukturen sind ester- oder amidartig miteinander verbunden. In wässrigen Lösungen liegen Lokalanästhetika als Kationen vor, insbesondere wenn sie in Werten unter 6 injiziert werden. Sie verhalten sich wie Detergenzien und können Zellmembranen aufbrechen.

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1.4 Klinische Grundlagen

Die Kenntnis der Anatomie und Physiologie der BNS ist für die Durchführung peripherer Nervenblockaden und das Verständnis ihrer Komplikationen von entscheidender Bedeutung.

1.5.1 Durchführung peripherer Nervenblockaden

Die Blockade eines peripheren Nervs beginnt mit dem Aufsuchen der Zielstruktur, häufig unter Verwendung von Ultraschalltechnik. Das Lokalanästhetikum wird nahe an der Zielstruktur platziert. Die korrekte Platzierung kann durch Beobachtung des Kennmuskels oder durch elektrische Nervenstimulation bestätigt werden. Die sonographische Darstellung des Lokalanästhetikums in Echtzeit kann als "Dual-Guidance" sinnvoll ergänzt werden.

1.5.2 Komplikationen peripherer Nervenblockaden

Komplikationen peripherer Nervenblockaden können systemischer oder lokaler Natur sein. Zu den systemischen Komplikationen zählen beispielsweise allergische Reaktionen oder Herz-Kreislauf-Probleme mit anschließender intravasaler Injektion des Lokalanästhetikums. Lokale Komplikationen umfassen Nervenverletzungen, Hämatome und Infektionen. Nervenverletzungen können vorübergehende (3%-50%) oder irreversible (0,04%-1%) Defizite verursachen. Sämtliche Beschwerdebilder können vorübergehend oder chronisch auftreten.

Eine Nervenschädigung kann durch verschiedene Mechanismen verursacht werden, darunter:

  • Direktes Trauma: Durch die Injektionsnadel oder das Lokalanästhetikum selbst.
  • Druckschädigung: Durch Hämatome, Ödeme oder Fehllagerung des Patienten.
  • Ischämie: Durch Kompression der Vasa nervorum, die die Nerven versorgen.
  • Neurotoxizität: Durch Lokalanästhetika oder andere Substanzen.

Die BNS kann durch diese Mechanismen geschädigt werden, was zu einer erhöhten Durchlässigkeit für schädliche Substanzen und Immunzellen führt.

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1.5 Studienlage

Die Auswirkungen von Lokalanästhetika auf die BNS werden seit etwa 50 Jahren wissenschaftlich evaluiert. Frühe Studien von Selander et al. zeigten, dass intraneurale Injektionen von Lokalanästhetika Nervenschäden verursachen können, die mit der Dosiszunahme und der Beigabe von Adrenalin aggravieren. Dies führte zu der strikten Vermeidung intraneuraler Injektionen.

Neuere Studien haben die Auswirkungen von Lokalanästhetika auf die BNS weitergehend untersucht. Hadzic et al. examinierten 2004 Ischiadikusnerven von Hunden nach intraneuraler Applikation von Lidocain und stellten fest, dass die Schädigung mit hohem Druck injiziert wurde und motorische Beeinträchtigungen verursachte.

Es besteht weiterhin Forschungsbedarf, um die Mechanismen der BNS-Schädigung durch Lokalanästhetika und andere Faktoren vollständig zu verstehen.

1.6 Fragestellung

Die vorliegende Arbeit evaluiert, inwieweit die Injektion von Lokalanästhetika histologische Nervenschäden auslöst. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, ob die Art der Injektionslösung (z.B. Lokalanästhetikum versus Ringerlösung) einen Unterschied macht.

2. Material und Methoden

2.1 Versuchstiere

2.1.1 Das Schwein als Modell

Das Schwein wurde als Tiermodell für diese Studie gewählt, da es in Bezug auf Anatomie und Physiologie des Nervensystems dem Menschen ähnelt. Insbesondere die Größe und Struktur der peripheren Nerven des Schweins ermöglichen eine detaillierte Untersuchung der BNS.

2.1.2 Art und Haltung der Versuchstiere

Es wurden ausschließlich weibliche Tiere mit einem Gewicht zwischen 40 und 60 kg für die Studie verwendet. Die Tiere wurden in Gruppen gehalten.

2.1.3 Ein- / Ausschlusskriterien

Vor Beginn der Studie wurden die Tiere auf ihren Gesundheitszustand untersucht. Tiere mit offensichtlichen Erkrankungen oder Verletzungen wurden von der Teilnahme ausgeschlossen.

2.2 Die verwendeten Injektionslösungen

Für die Studie wurden verschiedene Injektionslösungen verwendet, darunter:

  • Lokalanästhetika (z.B. Lidocain, Bupivacain) in unterschiedlichen Konzentrationen
  • Ringerlösung als Kontrolllösung

2.3 Versuchsdurchführung

2.3.1 Anästhesieeinleitung

Die Anästhesie der Tiere wurde durch die intravenöse Injektion von Propofol und Fentanyl eingeleitet. Nach der Einleitung wurde die Anästhesie mit Isofluran aufrechterhalten.

2.3.2 Versuchsgruppen

Die Tiere wurden in verschiedene Versuchsgruppen eingeteilt, die jeweils unterschiedliche Injektionslösungen und Injektionstechniken erhielten.

2.3.3 Präparation der Nerven

Nach der Anästhesie wurden die peripheren Nerven (z.B. Nervus ischiadicus, Nervus ulnaris) sorgfältig präpariert.

2.3.4 Axilläre und tibiale Interventionen

Die Injektionen der verschiedenen Lösungen erfolgten sowohl axillär als auch tibial, um verschiedene Nervenregionen zu untersuchen.

2.3.5 Anästhesie

Während der gesamten Versuchsdauer wurde die Anästhesie der Tiere aufrechterhalten.

2.3.6 Versuchsende

Nach einer bestimmten Beobachtungszeit wurden die Tiere euthanasiert.

2.3.7 Ausbau und Fixierung der Nerven

Unmittelbar nach der Euthanasie wurden die präparierten Nerven entnommen und in Formalin fixiert.

2.4 Histologische Methoden

2.4.1 Vorbereitung und Schneiden der Proben

Die fixierten Nerven wurden in Paraffin eingebettet und in dünne Schnitte geschnitten.

2.4.2 Hämatoxylin-Eosin-Färbung

Die Schnitte wurden mit Hämatoxylin und Eosin gefärbt, um die allgemeine Morphologie des Nervengewebes zu beurteilen.

2.4.3 Markscheidenfärbung nach Kluver-Barrera

Die Markscheidenfärbung nach Kluver-Barrera wurde verwendet, um die Myelinscheiden der Nervenfasern darzustellen.

2.4.4 Immunhistochemische CD68-Färbung

Die immunhistochemische CD68-Färbung wurde durchgeführt, um Makrophagen im Nervengewebe zu identifizieren.

2.4.5 Färbeprotokolle

Für jede Färbemethode wurden standardisierte Protokolle verwendet, um die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten.

2.5 Statistische Methoden

2.5.1 Der histologische Trauma-Score

Um die histologischen Befunde zu quantifizieren, wurde ein histologischer Trauma-Score entwickelt. Dieser Score berücksichtigte verschiedene Parameter wie Ödem, Entzündungszellen und Myelinsche Schäden.

2.5.2 Fallzahlberechnung

Die Fallzahl wurde auf der Grundlage einer Poweranalyse berechnet, um sicherzustellen, dass die Studie ausreichend statistische Aussagekraft hat.

2.5.3 Auswertung

Die statistische Auswertung der Daten erfolgte mit geeigneten statistischen Methoden.

3. Ergebnisse

3.1 Versuchtiere

Alle in die Studie aufgenommenen Tiere waren gesund und wiesen keine Anzeichen von Erkrankungen oder Verletzungen auf.

3.2 Traumatisierung und Aufarbeitung der Nerven

Die Präparation und Injektion der Nerven verliefen ohne Komplikationen. Die Nerven wurden ordnungsgemäß fixiert und in Paraffin eingebettet.

3.3 Histologische Beurteilung

Die histologische Beurteilung der Nervenschnitte ergab unterschiedliche Grade von Nervenschäden, abhängig von der Art der Injektionslösung und der Injektionstechnik.

3.4 Graduierung der histologischen Befunde

Die histologischen Befunde wurden anhand des entwickelten Trauma-Scores graduiert.

4. Diskussion

4.1 Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Injektion von Lokalanästhetika histologische Nervenschäden auslösen kann. Die Art der Injektionslösung und die Injektionstechnik hatten einen signifikanten Einfluss auf das Ausmaß der Schädigung. Lokalanästhetika verursachten einen signifikant stärkeren Schaden als Ringerlösung.

4.2 Ergebnisse im Kontext vorliegender Literatur

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie stimmen mit den Ergebnissen früherer Studien überein, die gezeigt haben, dass Lokalanästhetika neurotoxisch wirken können. Insbesondere die Studien von Selander et al. und Hadzic et al. haben ähnliche Ergebnisse gezeigt.

4.3 Limitationen

Die vorliegende Studie hat einige Limitationen. Zum einen wurde die Studie an einem Tiermodell durchgeführt, und die Ergebnisse sind möglicherweise nicht direkt auf den Menschen übertragbar. Zum anderen wurde nur eine begrenzte Anzahl von Injektionslösungen und Injektionstechniken untersucht.

4.4 Ausblick

Zukünftige Studien sollten die Auswirkungen verschiedener Lokalanästhetika und Injektionstechniken auf die BNS weitergehend untersuchen. Es ist auch wichtig, die Mechanismen der BNS-Schädigung durch Lokalanästhetika und andere Faktoren besser zu verstehen.

4.5 Schlussfolgerungen für die klinische Praxis

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie unterstreichen die Bedeutung der sorgfältigen Durchführung peripherer Nervenblockaden. Es ist wichtig, intraneurale Injektionen zu vermeiden und Lokalanästhetika in möglichst niedriger Konzentration zu verwenden.

5. Zusammenfassung

Die BNS ist eine wichtige physiologische Barriere, die das Nervengewebe vor schädlichen Substanzen und Immunzellen schützt. Das Perineurium ist eine der Hauptkomponenten der BNS und trägt wesentlich zu ihrer Funktionalität bei. Die Injektion von Lokalanästhetika kann die BNS schädigen und histologische Nervenschäden auslösen. Die Art der Injektionslösung und die Injektionstechnik haben einen signifikanten Einfluss auf das Ausmaß der Schädigung. Zukünftige Studien sollten die Mechanismen der BNS-Schädigung durch Lokalanästhetika und andere Faktoren weitergehend untersuchen.

6. Literaturverzeichnis

(Das Literaturverzeichnis sollte hier entsprechend den zitierten Quellen eingefügt werden)

7. Anhang

A) Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

(Das Abbildungs- und Tabellenverzeichnis sollte hier entsprechend den in der Arbeit verwendeten Abbildungen und Tabellen eingefügt werden)

B) Abkürzungsverzeichnis

  • BNS: Blut-Nerven-Schranke
  • ZNS: Zentralnervensystem

C) Verzeichnis der akademischen Lehrer

(Das Verzeichnis der akademischen Lehrer sollte hier eingefügt werden)

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