Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, von der etwa 10 bis 15 % der Weltbevölkerung betroffen sind. In Deutschland sind das ungefähr 9 Millionen Menschen. Sie zeichnet sich durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen aus, die oft von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden. Eine spezielle Form ist die Migräne mit Aura, bei der neurologische Störungen wie Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen dem Kopfschmerz vorausgehen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere im Hinblick auf die persistierende Aura.
Was ist Migräne?
Der Begriff „Migräne“ stammt aus dem Altgriechischen (hēmikranía) und setzt sich aus „hemi“ (halb) und „cranion“ (Kopf) zusammen. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, unter der rund 10 % der Bevölkerung leiden. Sie tritt bei Frauen etwa dreimal so häufig auf wie bei Männern, ist vor der Pubertät aber zwischen den Geschlechtern gleich und hat ein vielgestaltiges Krankheitsbild. Dieses ist bei Erwachsenen typischerweise gekennzeichnet durch einen periodisch wiederkehrenden, anfallartigen, pulsierenden und halbseitigen Kopfschmerz, der von zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie) oder Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) begleitet sein kann. Bei manchen Patienten geht einem Migräneanfall eine Migräneaura voraus, während der insbesondere optische oder sensible Wahrnehmungsstörungen auftreten. Es sind aber auch motorische Störungen möglich.
Ursachen von Migräne
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber man kann von einer Kombination aus genetischen, neurologischen und Umweltfaktoren ausgehen. Ursachenforschung ist besonders entscheidend, wenn es um das Entwickeln neuer Therapien für Betroffene geht.
Genetische Veranlagung
Es gibt klare Hinweise darauf, dass genetische Prädispositionen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Eine spezielle Form der Migräne, die familiäre hemiplegische Migräne (FHM), wird durch Mutationen in spezifischen Genen, wie dem CACNA1A-Gen, vererbt. Diese genetische Ursache erklärt, warum Migräne in bestimmten Familien gehäuft auftritt und warum die Erkrankung als nicht heilbar gilt. Es ist aber wichtig zu wissen, dass eine genetische Veranlagung allein nicht ausreicht, um Migräne auszulösen.
Neurologische Faktoren
Migräneattacken werden durch eine Fehlregulation im Hirnstamm und Mittelhirn ausgelöst. Diese Hirnregionen aktivieren während eines Anfalls Äste des Trigeminusnervs, der die Blutgefäße der Hirnhaut beeinflusst. Die Aktivierung des Trigeminusnervs führt zur Freisetzung von vasoaktiven Neurotransmittern, wie CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), die den Gefäßtonus (Spannung der Blutgefäße) verändern und eine neurogene Entzündung der Dura mater (äußerste Hirnhaut) verursachen.
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Während eines Migräneanfalls ist die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns reduziert, was zu einer gestörten Funktion der Nervenzellen führen kann. Es wird angenommen, dass diese Minderversorgung einen zirkulären Mechanismus auslöst, der die Freisetzung von vasoaktiven Substanzen und entzündlichen Molekülen verstärkt. CGRP ist eines der wichtigsten Neuropeptide, das während eines Migräneanfalls freigesetzt wird. Es wirkt gefäßerweiternd und trägt zur Entzündung und Sensibilisierung der schmerzleitenden Nervenfasern bei. Weitere Neurotransmitter wie Serotonin spielen ebenfalls eine Rolle bei der Migräneentstehung.
Umweltfaktoren und Trigger
Migränepatienten sind häufig in der Lage, spezifische Triggerfaktoren zu identifizieren, die ihre Attacken auslösen. Etwa 90 % der Migränepatienten berichten, dass bei ihnen solche Triggerfaktoren eine Attacke auslösen können.
Triggerfaktoren, die bei Migränepatienten einen Anfall auslösen können, sind u. a.:
- Hormonelle Veränderungen
- Nahrungsmittel (selten bestimmte Nahrungsmittel)
- Alkohol (insbesondere Rotwein, durch Tyramin und Sulfite)
- Entlastung nach Stresssituationen (plötzliche Entspannung)
- Hoher Kochsalzkonsum in Kombination mit dem Verzehr von Fleischwaren
- Stress oder Entspannung
- Umweltreize, wie Wetterumschwünge und Klimawechsel
- alkoholische Getränke (Rotwein)
- Nikotin
- unregelmäßiger Koffeinkonsum
- Flüssigkeitsmangel
- bestimmte Gerüche, Gewürze, grelles Licht
- veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus
Um die eigenen Auslöser zu identifizieren, sollte man ein Kopfschmerztagebuch führen.
Energiedefizit
In mehreren Studien wurde ein Zusammenhang zwischen Insulinresistenz sowie erhöhten Blutzucker- und Insulinwerten und Migräne festgestellt, was darauf hindeutet, dass ein zentralnervöser Energiemangel im Gehirn (aufgrund unzureichender Versorgung mit Glukose) eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräneanfällen spielt. In einigen Studien wurde bereits gezeigt, dass starke Blutzuckerschwankungen Migräneattacken begünstigen und dass eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig-stabil hält, eine effektive Migräneprophylaxe sein kann.
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Reizverarbeitungsstörung
Als mögliche Ursache von Migräne wird eine Reizverarbeitungsstörung von Forschenden diskutiert. Dabei reagiert das Gehirn besonders sensibel auf bestimmte Reize wie Licht oder Geräusche. Es wird angenommen, dass das Gehirn durch eine Reizverarbeitungsstörung im Schmerzsystems überempfindlich auf diese Reize reagiert.
Durchblutungsstörung
Eine spontane Durchblutungsstörung im Gehirn gilt vor allem als mögliche Theorie bei der Entstehung von Migräne mit Aura. Diese Theorie geht davon aus, dass äußere Faktoren zu einer kurzfristigen Verengung der Blutgefäße im Gehirn und der Hirnhaut führen, was zu einer reduzierten Durchblutung und Sauerstoffversorgung führen kann. Auf der anderen Seite kann es auch zu Gefäßerweiterung kommen, die zu einem erhöhten Blutfluss und damit zu einem erhöhten Scherzempfinden führen. Das wird dann als Migränekopfschmerz wahrgenommen.
Neurogene Entzündungen und erhöhte Nervenaktivität
Eine weitere mögliche Ursache sind neurogene Entzündungen im Gehirn. Es können im Gehirn Entzündungsmediatoren freigesetzt werden, die zur Reizung von Schmerzrezeptoren führen. Insbesondere das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von neurogenen Entzündungen und Schmerzen.
Migräne mit Aura
Bei etwa 15 bis 20 % der Migränepatienten geht dem Kopfschmerz eine Aura voraus. Eine Migräne mit Aura ist geprägt durch reversible neurologische Symptome, die Sehstörungen mit Gesichtsfeldausfällen, Skotomen, Lichtblitzen oder Wahrnehmen von bunten, schillernden, gezackten Linien oder Flimmern, Gefühlsstörungen mit Kribbeln oder Taubheitsgefühl und Sprachstörungen einschließen. Gelegentlich (6 %) kommt es auch zu motorischen Störungen bis hin zu Lähmungserscheinungen. Diese Aurasymptome halten im Durchschnitt 20 bis 30 Minuten, selten länger als eine Stunde an. Während der Aura bis spätestens 60 Minuten danach tritt zumeist eine Kopfschmerzphase ein, die der Migräne ohne Aura entspricht und von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein kann. Diese Kopfschmerzphase kann wie im Falle der typischen Aura ohne Kopfschmerz vollständig fehlen.
Die Aura wird von Patient zu Patient anders wahrgenommen und beschrieben. Auren mit stark visueller Ausprägung, wie sie im Rahmen einer Migräne auftreten können, werden auch als Alice-im-Wunderland-Syndrom bezeichnet. Einige berühmte Migränepatienten ließen sich von visuellen Erscheinungen während der Auraphase für ihr künstlerisches Werk inspirieren. ist die Dynamik des Prozesses, beispielsweise das „Wandern“ des Flimmerskotoms im Gesichtsfeld oder Wandern des Kribbelgefühls im Arm oder durch die einzelnen Finger. Auch eine Verschiebung der Aurasymptome, beispielsweise von Seh- über Sensibilitäts- bis hin zu Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen, kann beobachtet werden. Diese Dynamik zeigt sich bei Messungen im Gehirn in Form einer wandernden Störungsfront (Streudepolarisierung).
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Symptome der Migräne mit Aura
Bei Migräne mit Aura sind die Symptome visuelle, sensible und sprachliche (aphasische) Störungen.
Bei fast allen Migränepatienten (99 Prozent) mit Aura kommt es zu Sehstörungen. Die Migräne kann beispielsweise folgende Bildstörungen auslösen:
- Skotom (Sehkraft lässt innerhalb eines Gesichtsfeldes nach oder fällt komplett aus)
- blendende Kreise oder Vierecke (die sich immer weiter ausbreiten)
- Zickzacklinien
- Blitzlichter
- Sternschnuppen
Die Sehstörungen treten unabhängig davon auf, ob die Augen offen oder geschlossen sind. In der Regel bilden sie sich innerhalb von einer Stunde wieder zurück. Bei 30 bis 54 Prozent der Betroffenen treten außerdem Gefühlsstörungen auf. Migränepatienten mit Aura berichten beispielsweise von einem Kribbel- oder Taubheitsgefühl in Händen, Armen oder Wangen. Seltener (in 9 bis 31 Prozent der Fälle) sind auch Sprachstörungen möglich. Diese äußern sich zum Beispiel dadurch, dass die Aussprache und/oder die richtige Verwendung von Worten beeinträchtigt ist.
Atypische Migräne-Aura
Von der typischen Migräne-Aura werden atypische Auren unterschieden. Darunter fällt die Migräne mit Hirnstammaura. Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen.
Eine hemiplegische Migräne diagnostizieren Ärzte, wenn die Aura mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einhergeht. Die motorischen Symptome können länger andauern als andere Aura-Symptome, sie bilden sich aber innerhalb von 72 Stunden ebenfalls wieder vollständig zurück. Sind in der Familie (ersten oder zweiten Verwandtschaftsgrades) ähnliche Migränefälle bekannt, wird die Migräne noch spezifischer als familiär hemiplegische Migräne definiert.
Eine weitere atypische Form ist die retinale Migräne; „Retina“ ist der medizinische Begriff für Netzhaut. Charakteristisch für diese sehr seltene Migräneform sind vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle (Skotome) oder eine Erblindung.
Differenzialdiagnose
Bei Migränepatienten mit Sehstörungen ist es wichtig, visuelle Auren gegenüber den Differenzialdiagnosen abzugrenzen, allen voran zerebrale Ischämien und fokale Epilepsien. Meist hilft schon die Anamnese weiter.
Ein Schlaganfall scheidet für gewöhnlich aus, wenn nur eine Positivsymptomatik ohne visuelle Ausfälle vorliegt. Schwieriger lässt sich eine transitorische ischämische Attacke (TIA) abgrenzen, vor allem, wenn begleitend seltene Aurasymptome wie Dysarthrie und Dysästhesie hinzukommen. Generell empfehlen die Autoren, im Zweifelsfall auf MRT oder EEG zurückzugreifen.
Mit der Visual Aura Rating Scale kann man die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Aura handelt, abschätzen:
- Dauer 5-60 min (3 Punkte)
- Ausbreitung über mindestens 5 min (2 Punkte)
- Gesichtsfeldausfall (2 Punkte)
- Zunahme der Beschwerden (2 Punkte)
- homonymes Auftreten (1 Punkt)
Werden mindestens fünf Punkte erreicht, liegt mit einer Sensitivität von 91 % und einer Spezifität von 96 % eine visuelle Migräne-Aura vor. Dagegen spricht es eher für eine TIA, wenn reversible oder retinale Symptome plötzlich auftreten und in weniger als einer Minute ihr Maximum erreichen, sich also nicht graduell ausbreiten. Gleiches gilt, wenn sie weniger als 24 h andauern. Auch das Auftreten von zwei oder mehr Symptomen gleichzeitig, das isolierte Auftreten neurologischer Defizite (ohne Wahrnehmungsverstärkung) oder das Ausbleiben der Kopfschmerzen ist TIA-verdächtig.
Typisch für ein epileptisches Geschehen ist eine Dauer der visuellen Symptome von weniger als fünf Minuten, während sich die Migräne langsamer ausbreitet und von vegetativen Symptomen begleitet wird. Dies korreliert auch mit dem pathophysiologischen Geschehen. Die Migräneaura basiert auf einer sich ausbreitenden Minderung der Zellaktivität (z.B. im EEG), einer sogenannten spreading depression, die sich mit einer Geschwindigkeit von 2-3 mm pro Minute über den Cortex der betroffenen Seite ausbreitet - je nach betroffenem Areal zeigen sich die entsprechenden Symptome. Dagegen kommt es beim fokalen epileptischen Anfall auf Basis einer kortikalen Übererregbarkeit zu einer synchronen Entladung größerer Nervenzellverbände, die im Mittel weniger als eine Minute dauert.
Persistierende Aura
Ein sehr seltenes Phänomen ist der Migräneaura-Status, den man als Komplikation der Migräne mit Aura betrachtet: Hier treten mindestens drei Auraepisoden pro Tag über mindestens drei Tage auf. Interessanterweise ändert sich dabei die Frequenz der Migräneattacken meist nicht.
Persistieren die akut aufgetretenen visuellen Aurasymptome, erfordert dies eine besonders breite diagnostische Abklärung. Abzuklären sind Schlaganfall, epileptischer Anfall, entzündliche Pathologien und die seltene persistierende Aura ohne Infarkt. Auch ophthalmologische Ursachen wie Netzhauteinriss oder Glaskörperabhebung können hinter den Symptomen stecken.
Bei der persistierenden Aura hält die Aura-Phase mehr als eine Woche. Bei der extrem langen Dauer besteht auch die Möglichkeit, dass eine andere Erkrankung vorliegt. Zum Beispiel ein migränöser Infarkt. Eine persistierende Aura ist eine sehr seltene Migränekomplikation.
Behandlung von Migräne
Migräne ist nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht heilbar. Häufigkeit und Stärke der Migräneattacken lassen sich jedoch durch Behandlung und gezielte Vorbeugung positiv beeinflussen. Bei der Therapie von Migräne unterscheidet man die Akuttherapie von der Migräneprophylaxe, also einer vorbeugenden Behandlung. Dabei gibt es jeweils einen medikamentösen und einen nicht-medikamentösen Ansatz. Die Wahl der Behandlungsoption hängt von der Schwere und Häufigkeit der Migräneanfälle, den individuellen Symptomen und Lebensstilfaktoren ab. Es ist wichtig, mit einem Arzt oder einer Ärztin den für sich beste Behandlungsstrategie zu finden.
Akuttherapie
Im akuten Anfall können nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Hinlegen, Ruhe, Abdunkelung des Raumes, Kühlmaßnahmen oder Entspannungsübungen helfen. Auch ein Mikroimpuls-Gerät zur Neurostimulation, Vasokonstriktionstraining und Akupunktur kommen hier zum Einsatz.
Ist der Migräneanfall jedoch zu stark können Akutmedikamente Abhilfe schaffen.
Dazu zählen neben Medikamenten gegen die Übelkeit und Schmerzen auch spezifische Migränemedikamente, wie die Triptane. Triptane blockieren die Freisetzung von Nervenbotenstoffen, die zur lokalen neurogenen Entzündung an den Blutgefäßen im Gehirn führen kann. Außerdem normalisieren Triptane die erhöhte Nervenaktivität in verschiedenen Gehirnzentren und verengen erweiterte Blutgefäße.
Triptane haben gegenüber anderen Schmerzmitteln den Vorteil, dass sie gezielt und selektiv an den Schaltstellen im Gehirn wirken, die bei einer Migräneattacke beteiligt sind und somit auch Begleitsymptome wie Übelkeit, Schwindel, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit bekämpfen.
Da es jedoch bei zu häufigem Medikamentengebrauch zu einem Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK) kommen kann, ist es wichtig, die sogenannte 10/20 Regel einzuhalten. Diese Regel besagt, dass Kopfschmerzmedikamente an weniger als 10 Tagen im Monat eingenommen werden dürfen und mindestens 20 Tage im Monat komplett frei von der Einnahme von Akutschmerzmitteln oder spezifischen Migränemitteln sein müssen.
Solange der Migräneanfall anhält, sollte man jede körperliche Anstrengung vermeiden. Vielen Betroffenen hilft es, wenn sie sich in einen ruhigen abgedunkelten Raum legen. Manchmal sorgen auch kühlende Umschläge auf der Stirn für Erleichterung.
Migräneprophylaxe
Ganz besonders wichtig bei der nicht-medikamentösen Vorbeugung von Migräne ist ein geregelter Tagesablauf, denn plötzliche Veränderungen im Tagesrhythmus sowohl bei Mahlzeiten, Schlaf oder An- und Entspannung, können einen Anfall begünstigen.
Es kann also helfen, einen gleichbleibenden Schlafrhythmus einzuhalten, den morgendlichen Kaffee nicht plötzlich wegzulassen, Stress zu reduzieren, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, regelmäßig Essen und Trinken, und eine niedrig-glykämische Ernährung.
Es gibt auch noch eine Reihe von psychologischen Ansätzen, die in der Prophylaxe angewendet werden. Darunter fallen Selbstbeobachtung, Selbstmanagement und Stressbewältigungstechniken.
Medikamentöse Behandlung:
- Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol, Naproxen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Metamizol mildern den pulsierenden Kopfschmerz. Bei starker Migräne lindern Triptane die Beschwerden.
- CGRP-Injektionen, das auch als Migräne-Spritze bekannte CGRP-Antikörper-Präparat wirkt prophylaktisch, indem es bestimmte Botenstoffe im Gehirn hemmt. Die Häufigkeit der Migräneattacken kann dadurch gesenkt werden.
- Antiemetika wirken der Übelkeit entgegen.
- Betablocker, Antidepressiva und Antikonvulsiva werden teilweise vorbeugend bei schwerer Migräne verordnet.
Weitere Therapieansätze:
- Neurofeedback: Elektroden am Kopf messen die Hirnströme, während die Patienten bestimmte Entspannungsübungen einüben. Durch die Rückmeldung der elektronischen Messergebnisse erlernen die Teilnehmer Entspannungszustände, die einer Migräneattacke entgegenwirken können, aktiv herbeizuführen.
- Verhaltenstherapie: Ziel der Verhaltenstherapie ist es, für die Migräne-Entstehung besonders ungünstige Gewohnheiten oder Denkmuster zukünftig zu vermeiden.
- Akupunktur: Akupunktur gilt als vorbeugende Therapie, die die Frequenz von Migräneattacken herabsenken, im günstigsten Fall sogar vermeiden kann. Auch die Heftigkeit der auftretenden Anfälle lässt sich oft verringern.
Was kann ich selbst gegen Migräne tun?
Für das Auftreten von Migräneattacken sind häufig ganz bestimmte Trigger der auslösende Faktor. Dazu zählen zum Beispiel Stress, Konsum bestimmter Genuss- oder Lebensmittel sowie Reizüberflutung. Das Führen eines persönlichen Migräne-Tagebuches hilft, individuelle Trigger zu erkennen und künftig zu vermeiden. Grundsätzlich ist es immer hilfreich, das Stresslevel im Alltagsleben soweit wie möglich abzusenken. Ferner kann die Ausübung von Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training und progressive Muskelrelaxation nach Jacobson die Belastung durch die Migräne vermindern. Auch Ausdauersport, wie Laufen, Radfahren und Walking, gilt als geeignete Migräneprophylaxe.
Homöopathie bei Migräne
Eine homöopathische Behandlung orientiert sich an der Ausprägung konkreter Beschwerden und Krankheitszeichen. Homöopathische Mittel werden mit dem Ziel verordnet, den Migräne-Kopfschmerz abzumildern. Die Abstände zwischen den Migräneattacken sollen vergrößert werden. Über die ausgewählten homöopathischen Präparate sollte immer auch der behandelnde Arzt informiert werden, um eventuelle Wechselwirkungen mit anderen Therapien zu vermeiden.
Homöopathische Mittel, die häufig bei Migräne angewendet werden, sind zum Beispiel:
- Aconitum: bei plötzlich auftretenden heftigen, stark pulsierenden Schmerzen an Schläfen und Stirn, vornehmlich ist die linke Kopfseite betroffen
- Phosphorus: bei Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Sehstörungen. Außerdem Geräusch-, Geruchs- und Lichtempfindlichkeit
- Asa foetida: bei bohrenden Kopfschmerzen über und hinter den Augen
- Ipecacuanha: bei Kopfschmerzen in Verbindung mit Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Dazu Reizbarkeit und depressive Verstimmung
- Iris versicolor: bei regelmäßig auftretenden Kopfschmerzen, beginnend mit Sehstörungen und Übelkeit
Migräne im Alter
Polypharmazie und ein veränderter Stoffwechsel erschweren den Einsatz von medikamentösen Therapeutika bei geriatrischen Patienten. Daher ist auch die Migräne-Therapie im Alter verschieden.
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